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14.10.13

Smartphone als Geldbörse: Paij ermöglicht Bezahlen per App in 15.000 Taxis

Wie viele andere Startups möchte auch Paij aus Wiesbaden das mobile Zahlen massentauglich machen. Eine Zusammenarbeit bringt die App-Lösung des Dienstes nun in 15.000 Taxis.

Paij Der Weg zum Durchbruch des mobilen Bezahlens ist wie jüngst beschrieben lang und beschwerlich. Als eine der vielen Zutaten eines Erfolgsrezepts benötigen junge Anbieter in dem Markt einen Schlüsselpartner; also ein möglichst deutschlandweit agierendes Unternehmen aus dem Handels- oder Dienstleistungsbereich, das seinen Kunden das Bezahlen per Smartphone erlaubt und auch wirklich ein Interesse daran hat, dass von dieser Option Gebrauch gemacht wird.

Das Wiesbadener Startup Paij , eine Ausgründung des Internetdienstleisters Redpeppix, kann nun mit einem Kooperationspartner aufwarten, der eindeutiges Potenzial besitzt, einen derartigen Status einzunehmen: Ab Jahresende können Fahrgäste der 15.000 zum Verbund von Taxi Deutschland gehörenden Taxis mit den Paij-Apps für iPhone und Android bargeld- und kartenlos für ihre Fahrten bezahlen. Paij funktioniert mit PayPal oder Kreditkarten

Paij basiert auf einem QR-Code-Verfahren. Nachdem Nutzer auf der Paij-Website einmalig ihre Zahlungsdetails angegeben haben - unterstützt werden PayPal und Kreditkarten - müssen sie in Geschäften, die das System einsetzen, mit ihrem Smartphone einen vom Händler mit Paij erstellten QR-Code einscannen und anschließend die Zahlung bestätigen. Daraufhin wird der jeweilige Betrag von ihrem PayPal-Konto abgebucht oder zu ihrer Kreditkarten-Rechnung hinzugefügt. Auf Wunsch können sie den jeweiligen Einkauf außerdem im Social Web teilen.

PaijAus Händlersicht entfällt in einem natürlich vorläufig theoretischen "Entweder-oder-Szenario" bei Paij sowohl die teure Verwendung eines Kartenterminals als auch der Bedarf an einem extra Kartenleseaufsatz fürs Smartphone. Die Transaktionsgebühr, die Händler an Paij zahlen, liegt bei maximal 2,75 Prozent vom Kaufbetrag. Mit den Sharing-Funktionen soll Paij für Händler und Serviceunternehmen zusätzlich eine Marketingfunktion erfüllen. Allerdings hat der bisher bekannteste Dienst zum Teilen von Einkaufen, das US-Startup Blippy, trotz intensiver Medienbewachung niemals hinreichend viele Nutzer gewinnen können. Insofern exisiert bis dato kein Beleg dafür, dass es seitens der Konsumenten ein Interesse an einer solchen Möglichkeit gibt.

Wie vielen anderen jungen Firmen im Mobile-Payment-Segment fehlten auch Paij bisher reichweitenstarke Partner, bei denen die App eingesetzt werden kann. Die Verfügbarkeit beschränkt sich auf einige wenige Geschäfte und Restaurants im Testmarkt Rhein-Main-Neckar. Dank der Partnerschaft mit Taxi Deutschland gewinnt Paij nun erstmals für potenziell zehntausende Menschen in Deutschland praktische Bedeutung. Denn anstatt Bargeld oder ihre Kreditkarte zu zücken, können sie nach erfolgter Fahrt bald auch mit Paij bezahlen. Manch ein Fahrgast schätzt es vielleicht, nicht extra nach der Brieftasche greifen zu müssen - immerhin haben viele das Smartphone ohnehin schon in der Hand.

Taxi Deutschland will mit myTaxi mithalten

Die Zusammenarbeit von Paij und Taxi Deutschland ist nicht nur ein Achtungserfolg für die Wiesbadener und ein Signal, dass sie ihr Ziel, Paij als DAS mobile Payment-System am Markt zu etablieren, wirklich ernst nehmen, sondern auch eine Antwort auf die zahlreichen Startups im Taxi-Vermittlungssegment, allen voran myTaxi. Das Hamburger Jungunternehmen bietet mit myTaxi Payment ebenfalls eine Funktion, über die Fahrgäste in an myTaxi angeschlossenen Taxis direkt per App und damit mobil für ihren Trip zahlen können. Bei myTaxi setzt dies voraus, dass die jeweilige Fahrt auch über den Dienst bestellt wurde. Paij dagegen wird von allen Passagieren in Fahrzeugen von Taxi Deutschland eingesetzt werden können, sofern sie die App auf ihrem iPhone oder Android-Gerät installiert haben.

Die Paij-Gründer Sylvia Klein und Volkan Özkan sehen die Kooperation mit Taxi Deutschland als Startschuss für eine umfangreiche Expansion, die für das nächste Jahr auch mit einer Internationalisierung einhergehen soll. Der Taxiverbund allein wird freilich nicht ausreichen, um den von einer Gruppe von nicht näher genannten Privatinvestoren finanzierten Service als ernsthafte Alternative zu Barzahlungen und elektronischen Zahlungen zu etablieren. Einen so dicken Fisch als Kunden präsentieren zu können, dürfte jedoch die weitere Partnerakquisition deutlich vereinfachen. Wenn parallel die Zahl der Anwender steigt, die Paij dadurch immer häufiger im Alltag verwenden können, rückt der Tipping Point in greifbare Nähe. Bisher hat dies noch kein Dienst für mobiles Bezahlen im Handels- und Dienstleistungssegment geschafft. /mw

Link: Paij

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