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04.02.14Leser-Kommentar

Smartes Automobil: Ekoio will Fahrten analysieren und per App beim Spritsparen helfen

Das sächsische Startup Ekoio entwickelt einen Stick fürs Auto, der per Bluetooth Fahrdaten an eine Smartphone-App sendet und auf Basis dieser Informationen Autofahrern beim Spritsparen helfen soll.

EkoioEin Auto zu besitzen, verursacht allerlei Kosten. Manche davon lassen sich stärker beeinflussen als andere. Ein Aspekt, der zwar in der Theorie offensichtlich erscheint, in der Praxis aber leicht vernachlässigt wird, ist die wenigstens aus der Fahrschule bekannte "vorausschauende Fahrweise". Ein frisch gegründetes Startup aus Sachsen namens Ekoio glaubt, mit einem intelligenten Fahrassistenz-System Kfz-Besitzern dabei helfen zu können, jedes Jahr "hunderte Liter" Kraftstoff und damit viel bares Geld zu sparen.

Das von einem studentischen Gründerteam entwickelte Produkt besteht aus einem Stick, der mit der in allen neueren Autos befindlichen OBD-2-Diagnosebuchse verbunden wird und der die Fahrgewohnheiten analysiert, sowie einer Smartphone-App. Diese empfängt per Bluetooth die Daten vom Stick, wertet diese aus und gibt Fahrern daraufhin Ratschläge, wie sich sich möglichst ökologisch und kosteneffizient auf der Straße bewegen. Ekoio

Hinter dem Vorhaben stehen Philipp Ströhla (Fachgebiet Elektrotechnik), Kristina Hammitzsch (Fachgebiet Mathematik) sowie Immanuel P. Rebarczyk (Fachgebiet Automobilmanagement). Die drei haben mittlerweile ihre Studiengänge erfolgreiche absolviert und widmen sich nun unter dem Dach der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) der Entwicklung ihrer Lösung. Derzeit arbeitet das Team an der Fertigung einiger Prototypen des Sticks. Dieser Prozess geschehe komplett an der WHZ, alle Kompetenzen befänden sich im Haus, erklärt Mitgründer Immanuel P. Rebarczyk. Das Team kann dabei nicht nur auf Mittel aus dem EXIST Gründerstipendium zurückgreifen, sondern auch auf die Unterstützung von Prof. Matthias Thein vom Institut für Kraftfahrzeugtechnik der WHZ bauen, der als Mentor fungiert.

AppZu den Fahreigenschaften, bei denen Ekoio künftig Alarm schlagen und zu Verbesserungen raten soll, gehören laut Rebarczyk unter anderem zu starkes Beschleunigen, zu starkes Bremsen, nicht durchdachte Gangwechsel sowie der eingeschaltete Zustand des Motors während Standphasen. Zudem werde Ekoio allgemeine Sparhinweise geben, etwa wenn es Zeit für die Kontrolle des Reifendrucks ist, einen Parkplatzfinder beinhalten, Hilfestellungen bei auftretenden Fehlern im Auto bieten und in speziellen Fällen Werkstätten in der Nähe anzeigen.

Geplant ist auch die Implemetierung einer Mobilitäts-Währung, die Nutzer für sparsames Fahen mit Punkten belohnt, die in reale Güter eingetauscht werden können. Dieses Prinzip kennt man von der aus Berlin stammenden Solar-Community Changers.

Das Gründertrio aus Sachsen ist sich im Klaren darüber, dass das alleinige Versprechen der Senkung des Krafstoffverbrauchs Endkunden nicht unbedingt zum Kauf bewegt - besonders bei einem erwartungsgemäß nicht gerade geringen Anschaffungspreis. Deshalb soll Ekoio zu Beginn als B2B-Produkt vertrieben werden. Im Visier haben die Ekoio-Macher Carsharing-Anbieter, Firmenflotten und Autovermietungen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Ihnen könnten die Leipziger (registriert ist das Startup in Leipzig, nicht in Zwickau) bei einer größeren Abnahmemenge Rabatte einräumen. Den Fuhrpark-Betreibern würde Ekoio interessante Informationen über das Fahrverhalten der Nutzer liefern (sofern Datenschutzfragen geklärt sind). Und die Anwender der Autos müssten - sofern für sie ebenfalls Zugriff vorgesehen ist - lediglich Ekoios App installieren, um ihren Spritverbrauch zu senken und von den anderen Funktionen des Assistenz-Systems zu profitieren.

Ein Carsharinganbieter aus Leipzig warte derzeit auf die ersten Prototypen, um sie in der Praxis auszuprobieren und Kunden bei sparsamer Fahrweise einen Tarifbonus anzubieten, verrät Co-Founder Rebarczyk. Die größten Herausforderungen bis zum offiziellen Launch sind seiner Aussage nach die Entwicklung der Algorithmen sowie die Fertigstellung der Hardware. Dank dem für eine Dauer von einem Jahr ausgelegten Stipendium sowie der Unterstützung durch die WHZ sei die Finanzierung aktuell kein Problem, zumal die Serienfertigung des Sticks zusammen mit einem Partner erfolgen solle. Trotzdem halte man aber nach strategischen Kooperationsmöglichkeiten Ausschau.

Ekoio ist nicht das einzige Startup, dass Autos und Fahrer mittels Stick und Smartphone zusätzliche Intelligenz verleihen möchte. Das US-Unternehmen Automatic verfolgt einen sehr ähnlichen Ansatz und vertreibt sein Produkt bereits an Endkunden. Allerdings sind die Rahmenbedingungen in der von spottbilligem Kraftstoff und Automatikgetrieben geprägten amerikanischen Autolandschaft andere. Nicht zuletzt auch, weil Deutschland in aller Welt als DAS Autoland gilt, haben hiesige Startups zumindest einen kleinen Standortvorteil. Sie sollten ihn nutzen. /mw

Link: Ekoio

Kommentare

  • Jörg

    07.02.14 (11:26:59)

    Naja, ob das sinnvoll ist? Es gibt OBD-II-Bluethooth-Adapter für ca. 20€, mit Apps wie Torque (3,55€ als Android-App)können alle Werte ausgelesen und angezeigt werden. Sogar die gefahrene Strecke kann (bei entsprechender fahrzeugspezifischer Hardware, aufgezeichnet werden). Das ist für Fahrzeugflotten der billigere und schon praktizierbare Weg.

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