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18.12.13Kommentieren

Smart-Home-Zentralen: Drei völlig verschiedene Ansätze für ein- und dieselbe Idee

Gleich drei deutsche Startups machen derzeit mit geplanten Smart-Home-Zentralen auf sich aufmerksam. Die Herangehensweisen dabei könnten unterschiedlicher kaum sein.

Der Traum vom vernetzten Haus kommt auf unterschiedliche Art und Weise zu uns: intelligente Glühbirnen, Stromzähler, Türschlösser, Pflanzen, Küchengeräte und vieles mehr. Weil es verschiedene Übertragungsstandards und sehr viele eigenständige Lösungen gibt, steigt der Wunsch nach einer Schaltzentrale, von der aus der Nutzer alles steuern kann. Gleich drei deutsche Unternehmen wollen derzeit diesen Traum verwirklichen.

Die Idee ist jeweils ähnlich: Man baue eine Steuereinheit und verknüpfe die unterschiedlichen Elemente danach per App. Alle drei allerdings sind völlig unterschiedlich aufgestellt. Yetu will die Industrie einbeziehen und erhielt dafür eine Millionenförderung, Homee will es mit seinem bereits fertigen Baukastensystem aus eigener Kraft schaffen und die PipesBox ist das frühe Konzept einer Universitäts-Ausgründung. Yetu: Wiedersehen mit dem Ex-Opera-Chef

Yetu ist ein Unternehmen, von dem bislang kaum ein Leser etwas gehört haben dürfte, obwohl es laut Eigenaussage angeblich schon seit 2010 existiert. Trotzdem erhielten die Berliner Anfang des Monats in einer ersten Finanzierungsrunde von den beiden Investoren Bilfinger Venture und der KfW-Bank laut Techcrunch acht Millionen US-Dollar für den Aufbau des Unternehmens. Dabei scheint Yetu bislang über die vorgesehene Hardware noch gar nicht zu verfügen, zumindest ist auf der Website davon nichts zu sehen. Lediglich einige Software-Entwürfe mit durchaus ansehnlichen Oberflächen gibt es bereits zu bestaunen.

Was bei Yetu allerdings auffällt, ist der geschäftsorientierte Charakter. Die Chefetage um den früheren Telekom-Produktchef Christopher Schläffer und den langjährigen McKinsey-Partner Boris Maurer ist eher um die 50 als Anfang 20, bringt viel Erfahrung mit und dürfte die Investoren gerade damit überzeugt haben. Und noch ein weltweit bekannter Name taucht in der Mitgliederliste auf: Der frühere Opera-Chef Jon von Tetzchner ist Berater des Yetu-Projekts. Was das Unternehmen plant, zeigt ein kurzes Imagevideo:

vimeo.com/80917120

PipesBox: Frisch von der Uni

Gänzlich anders stellt sich im Vergleich dazu das Team von PipesBox auf, das wir in dieser Woche auf unserem Schwesterblog neuerdings.com vorgestellt haben. Im Team sind eigentlich alle Anfang 20, frisch von der Uni und mit einem Exist-Gründerstipendium ausgestattet. Die erste eigene Smart-Home-Zentrale basteln die Junggründer gerade selbst aus einem Kunststoffkasten, einem Raspberry Pi und dem notwendigen Z-Wave-Modul. Diverse Projekte wie Philips' fernsteuerbare Glühbirnen Hue werden bereits unterstützt, weitere Systeme sollen später hinzu kommen.

PipesBox lässt den Nutzer nach dem Vorbild Yahoo Pipes eigene Regeln definieren, so dass etwa das Wohnzimmerlicht grün leuchtet, wenn die vernetzbare Kaffeemaschine zu Ende gebrüht hat. Um neben dem Exist-Grundgehalt weitere Finanzen heranzuschaffen, versucht sich das Team aus Warnemünde bei Rostock gerade mit einer Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Startnext. Zu einem ernsthaften Einsatz im Gebäudemanagement taugt die Box im ersten Schritt wohl eher nicht. Das Team hat zunächst nur Privatkunden im Auge. Auch zur PipesBox gibt es ein Demo-Video:

www.youtube.com/watch

Homee: Wie mit Bauklötzen spielen

Irgendwo dazwischen siedelt sich Homee an. Das Konzept der Württemberger Firma Codeatelier aus der Nähe von Stuttgart soll Unternehmenskunden ebenso begeistern wie Privatnutzer. Statt einer Box für alles gibt es eine zentrale Steuereinheit ("Braincube"). Für jeden Funkstandard wie Zigbee oder EnOcean setzt man einen weiteren Baustein obendrauf. Über die zentrale App wird alles verknüpft und gesteuert. Der Braincube und die ersten Bausteine sind bereits fertig. Codeatelier bietet sie im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne derzeit auf Indiegogo an.

Wie mir Mitgründer Jochen Schöllig für unseren Beitrag auf neuerdings.com im Interview verriet, will Homee es aus eigener Kraft schaffen. Auch er und sein Team sind Anfang 20 und starteten mit dem Projekt bereits an der Hochschule. Anders als Yetu geht man dabei aber nicht den Weg über Investoren, sondern will es mit Eigenkapital und frühen Verkäufen schaffen. Die Crowdfunding-Kampagne dient dabei eher der Werbung und dem Verkauf der ersten Charge. Auch zu Homee gibt es ein Image-Video:

vimeo.com/78159076

Bleibt die Frage, warum sich gerade Deutschland zu einem Mekka für Smart-Home-Zentralen zu entwickeln scheint. Intelligente Haushaltsgeräte und Power Meter sind hier wie in den meisten anderen Ländern noch in kaum einem Haushalt zu finden. Ein Erfolg der Geschäftskonzepte zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht sehr wahrscheinlich. Umso mutiger deswegen der Versuch bei allen Beteiligten, es lange Jahre ohne nennenswertes Investment zu schaffen.

Derzeit stellt sich die Technikwelt neu auf. Smartphones und Tablets sind angekommen, einer der nächsten großen Trends ist das Internet der Dinge. Sensoren und Prozessoren sind derzeit günstig zu haben. Und was deren Verknüpfung, kluge Ideen und Apps angeht, braucht sich die Maschinenbau-Nation Deutschland auch im Privatkundengeschäft eigentlich nicht zu verstecken. Mein Kollege Martin Weigert spürte an dieser Stelle auch kürzlich 13 Startups aus Deutschland auf, die sich an dem Thema versuchen. Und während sich deutsche Gründer mit Social Startups sehr schwer tun, könnte Hardware laut meinem Kollegen Sebastian Schürmanns eine bessere Möglichkeit für sie sein. Was das Internet der Dinge angeht, sah es lange Zeit so aus, als würde Deutschland einen Trend verpassen. Mittlerweile scheinen einige Gründer ihre Chance erkannt zu haben.

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