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14.05.14Kommentieren

Smart-Home-Startup: Tado überflügelt Nest

Bislang galt Tado als deutsche Antwort auf Nest, stand aber immer ein wenig im Windschatten des US-Startups. Mit den Plänen zu einer smarten Fernbedienung für Klimaanlagen brechen neue Zeiten für die Münchner an. Jetzt überflügeln sie die Konkurrenz.

TadoDas Münchner Hardware-Startup Tado überraschte vor zwei Tagen mit den Plänen für ein neues smartes Energiespar-Gadget für Hausbesitzer und Büros: Neben dem bekannten, per Smartphone kontrollierbaren Thermostat, welches das Unternehmen Ende 2012 in Deutschland und im vergangenen Jahr dann auch in Großbritannien auf den Markt brachte, soll die Produktfamilie mit Tado Cooling um eine Fernsteuerung für Klimaanlagen erweitert werden. Mit Hilfe einer Kickstarter-Kampagne generieren die Bayern derzeit Vorbestellungen und evaluieren gleichzeitig die Nachfrage in unterschiedlichen Teilen dieser Welt. 150.000 Dollar sollen mindestens eingesammelt werden, etwa die Hälfte davon ist bereits erreicht. Produktionsengpässe vermeiden

Das Crowdfunding dient laut Aussage von Marketingchef Leopold von Bismarck tatsächlich primär zur Bedarfsplanung. Mit dem ersten Produkt, dem intelligenten Thermostat, erlebte das Startup gewisse Produktionsengpässe, die aus unerwarteten Nachfragesteigerungen resultierten. Da soetwas negative Effekte auf die Marke habe, sei Tado bestrebt, die Produktion das Cooling-Produkts im Vorfeld genauer zu planen. Inwieweit ein positiver Ausgang der Kampagne eine schnell folgenden weitere Finanzierungsrunde nach sich ziehen würde, will von Bismarck nicht konkret kommentieren. Doch die globalen Ambitionen, die Tado mit Cooling verfolgt, legen nahe, dass damit ein deutlich schnelleres Wachstum und viel zusätzliches Kapital verbunden wäre als bisher. Noch wirft der Vertrieb der Thermostate, von denen mehrere Tausend pro Monat in Deutschland und Großbritannien abgesetzt werden, nicht genug Geld ab, um damit die Klimaanlagen-Steuerung zu realisieren.

Wesentlich sind die Pläne zu Tado Cooling, weil das Unternehmen damit erstmals aus dem Windschatten des kürzlich von Google aufgekauften US-Konkurrenten Nest hervortritt. Bislang galt Tado als deutsche Antwort auf das kalifornische Unternehmen. Doch dessen Thermostat erfordert - genau wie Tados bisherige Lösung - eine Installation, also die Verbindung mit etablierten Heiz- beziehungsweise Klimasystemen. Der neue Spross der Tado-Produktfamilie würde Anwender davon befreien, da die Kommunikation mit Klimaanlagen per Infrarot erfolgt. Jede Klimaanlage, die über eine Infrarot-Fernbedienung verfügt, ließe sich mit der Tado-Cooling-Box sowie der dazugehörigen Smartphone-App kontrollieren.

Rund eine Milliarde kompatible Einheiten

Wie Leopold von Bismarck erklärt, existieren vier grundlegende Arten von Klimaanlagen. Die in Nordamerika üblichen zentralen Anlagen, die häufig Heizung und Klimaanlage vereinen, können in der Regel nach erfolgter Verkabelung mit Nest genutzt werden. Die drei anderen Typen jedoch, also mobile Anlagen, Splitgeräte (mit Innen- und Außenteil) sowie In-Window-Geräte, bleiben außen vor. Rund eine Milliarde Einheiten sind laut von Bismark weltweit im Umlauf, besonders viele in Asien. Tado Cooling verbindet diese Geräte mit dem Internet und gestattet Nutzern, aus der Ferne die Temperatur zu regeln - oder dies Tados Algorithmen und Standortanalyse-Features zu überlassen.

Selbst wenn Tado das Crowdfunding erfolgreich abschließen und mit Cooling anschließend international groß rauskommen sollte, ist CMO von Bismarck überzeugt davon, dass es sinnvoll war, zuerst mit der stärker regional beschränkten Heizungslösung an den Start zu gehen. Beide Märkte, Heizungen und Klimaanlagen, seien riesig, und beide Technologien gehören zu den entscheidenden Energiedieben in Häusern und Büros. Viel von der Expertise aus dem Thermostat-Geschäft können die Münchner nun bei der Konzeption von Tado Cooling nutzen - nicht zuletzt, was die Intelligenz der Tado-App angeht.

Tado hofft auf Nest-Innovation auch unter Google

Selbst wenn das Startup mit Cooling an Nest in Teilen vorüberzieht, hoffen die Süddeutschen, dass das US-Unternehmen auch mit seiner neuen Mutter Google weiter Innovation betreiben kann. Denn die Kategorie, in der beide Firmen angesiedelt sind, und die zuvor im Prinzip gar nicht existierte, erfordert viel Aufklärung und Informationskampagnen bei den Kunden. Dennoch sieht von Bismarck in der neuen Situation Vorteile: Nest sei nun auch in der Wahrnehmung Google zugeordnet, Tado dagegen ist der unabhängige Player. Vielleicht könnte Apple nach dem verpassten Nest-Deal doch noch in den Besitz eines Smart-Home-Startups gelangen. Konfrontiert mit der Vorstellung einer Übernahme durch Apple antwortet Leopold von Bismarck verschmitzt: "Der Steve hätte es sicher gemacht". /mw

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