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09.05.12

Skype: Die ewige Enttäuschung

Vor neun Jahren ging die erste Skype-Version ins Netz. Doch noch immer lässt die Gesprächsqualität des Dienstes viele Wünsche offen. Ein Blick auf die Konkurrenz lohnt sich.

Auch wenn ich aus Effizienzgründen versuche, Telefonate zu minimieren, führe ich dennoch ab und an Skype-Gespräche. Leider entsinne ich mich nicht, wann ich den von Microsoft übernommenen VoIP-Service zuletzt verwendet habe, ohne dass es während des Gesprächs zu Tonproblemen aufgrund schlechter Übertragungsqualität kam. Vorzeitig abgebrochene Telefonate, Verständnisprobleme und Verzögerungen zwischen den Gesprächspartnern sind nach meiner Erfahrung Regel statt Ausnahme - und das auch bei teilweise blitzschnellen Internetverbindungen. Dass es dem VoIP-Pionier in seiner neunjährigen Firmengeschichte nicht gelungen ist, seine Technologie so zu verfeinern, dass sie zumindest bei akzeptablen Übertragungsgeschwindigkeiten gute und vor allem stabile Resultate liefert, ist ein Armutszeugnis.

Als ich vor einigen Tagen wieder einmal nicht in der Lage war, die Worte meines Skype-Gesprächspartners richtig zu verstehen, riss mir der Geduldsfaden. Zugegeben: Es war ein Gespräch mit dem iPhone über eine 3G-Verbindung, was einen Tick mehr Verständnis für eine nicht perfekte Tonqualität erfordert. Doch das, was der VoIP-Platzhirsch mir und der Person am anderen Ende der Leitung da an blechern klingenden Geräuschsfetzen bot, war einfach unterirdisch. Also machte ich mich auf die Suche nach einer Alternative. Ich plante schon länger, einmal den schwedischen VoIP-Dienst Rebtel auszuprobieren, und setzte diesen Plan nun in die Tat um.

Auch Rebtel hat schon einige Jahre auf dem Buckel: Das Startup aus Stocholm wurde 2006 von Hjalmar Winbladh (heute CEO von Wrapp) och Jonas Lindroth gegründet und konnte bisher nach eigenen Angaben mehr als 15 Millionen Nutzer gewinnen (im Vergleich zu Skypes mehr als 660 Millionen). In seinen Pressemeldungen bezeichnet sich das Unternehmen als zweitgrößter VoIP-Anbieter nach Skype hinsichtlich Umsatz und gibt an, seit 2010 profitabel zu sein.

Der Grund, warum meine Wahl einer Skype-Alternative auf Rebtel fiel und nicht auf andere Anbieter wie FriendCaller oder Viber, lag in meiner Vermutung, dass der Anbieter meiner Prepaid-SIM-Karte VoIP-Verbindungen grundsätzlich drosseln könnte - das soll ja vorkommen. Da ich ein Auslandsgespräch führen musste, wollte ich aber in jedem Fall nicht zu den Tarifen meines Mobilfunkproviders durchklingeln. Genau für solche Fälle bietet Rebtel einen sehr cleveren Workaround, nämlich eine lokale Telefonnummer in 50 Ländern, die man über die Rebtel-App anrufen kann und die das Gespräch anschließend mittels VoIP-Technologie an den Empfänger im Ausland weiterleitet. Voraussetzung ist, dass der Gesprächspartner ebenfalls Rebtel auf seinem Smartphone oder Windows-PC installiert hat und den Anruf darüber empfängt. Für die Nutzung der Funktion verlangt Rebtel kein Geld. Die anfallenden Kosten beschränken sich auf die Providergebühren für das lokale Gespräch.

Leider machte mir mein Provider E-Plus (beziehungsweise simyo) einen Strich durch die Rechnung: "Die von Ihnen gewählte Rufnummer ist aus dem E-Plus-Netz nicht erreichbar" tönte als Ansage aus dem Hörer. Eine kurze Recherche führte mich zu diesem Blogbeitrag aus dem Jahr 2009, der bestätigt, dass der deutsche Mobilfunkanbieter tatsächlich Rebtels lokale Nummer blockiert, um Anrufern das Umgehen der hohen Gebühren für Auslandsgespräche nicht zu einfach zu machen.

Schade und irgendwie nicht überraschend, dachte ich mir und versuchte es stattdessen und ohne hohe Erwartungen mit einem klassischen 3G-VoIP-Anfruf. Doch überraschenderweise präsentierte sich dieser in einer mehr als annehmbaren Qualität. Abgesehen von einer Übertragungsverzögerung von ungefähr einer Sekunde konnte mich mein Gesprächspartner bestens verstehen, und ich ihn - am selben Ort, an dem Skype zuvor versagte. Mehrmalige Testanrufe ergaben das gleiche Resultat und bewiesen damit, dass in meinem Fall nicht Providereingriffe Grund für die schlechte Qualität der Skype-Telefonate sind (immerhin), sondern ganz einfach Skype selbst.

Auch wenn ich Viber und FriendCaller in dieser speziellen Situation nicht ausprobiert habe, möchte ich nicht ausschließen, dass auch damit flüssigere, wohlklingendere Gespräche möglich sind als mit dem eigentlichen Branchenprimus Skype. Insofern kann ich allen, die über die mäßige Qualität von Skype Calls ähnlich frustriert sind wie ich, nur empfehlen, einen der alternativen Anbieter zu testen. Deren Tarife für Gespräche auf Festnetz- oder Mobilfunkanschlüsse sind üblicherweise deutlich günstiger als die von Skype, und Besonderheiten wie die lokalen Nummern bei Rebtel oder kostenfreie Gruppen-Videochats bei FriendCaller können in bestimmten Lebenslagen nützlich sein. Lediglich in puncto Verbreitung hat Skype alle Trümpfe in der Hand. Da so gut wie jeder Nutzer ein Skype-Konto besitzt, ist für das Initiieren kostenfreier VoIP-Calls selten vorheriges Überreden des Gegenüber erforderlich, den Dienst einmal auszuprobieren. Aber was nützt dies schon, wenn dann Telefonate zu einer Tortur werden?!

Skype-Besitzerin Microsoft wäre gut beraten, sich nicht mehr länger auf den Skype-Lorbeeren auszuruhen. Der heutige Status als weltweit führender VoIP-Dienst ist nicht für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt. Vor einigen Jahren konnte man das stark variierende Qualitätsniveau der Gespräche noch hinnehmen und auf das frühe Stadium der Technologie schieben. Fast zehn Jahren nach dem Launch der ersten Skype-Version jedoch sollten merkliche Verbesserungen wahrnehmbar sein. Da Skype in den letzten Jahren auch sonst nicht gerade als Speerspitze der Innovation aufgefallen ist, fragt man sich, welche Prioritäten das Unternehmen überhaupt für die Weiterentwicklung seines Angebots setzt.

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