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31.01.17Kommentieren

Interview

So sollen digitale Unterschriften Passwörter ablösen

Jürgen Kroder

Ein Schweizer Start-up bringt mit Sketch-iD sichere Unterschriften auf Tablets und Smartphones. Was genau hinter der Idee steckt, erfahren Sie in unserem Interview mit den Erfindern.


Dr. Roman Schmidt und Prof. Dr. Kaspar Riesen haben Sketch-iD erfunden (Bild: Intelligent Insights)

Sichere Unterschriften auf Smartphones und Tablets

Von der Beantragung des Reisepasses bis hin zur Finalisierung eines Versicherungsvertrages: Ohne Unterschrift geht es nicht. Sie gilt als glaubhafter Beweis. Aber die Unterschrift ist noch nicht so richtig im 21. Jahrhundert angekommen. Das soll sich mit Sketch-iD ändern.

Bei Sketch-iD handelt es sich um eine neue Software für Mobilgeräte, welche Unterschriften analysiert und biometrische Daten erkennt – auch wenn diese mit einem Stylus oder einem Finger gezeichnet wurden. Was daran besonders ist, erklärte uns Dr. Roman Schmidt im Interview. Er ist der Geschäftsführer der Intelligent Insights GmbH, die Sketch-iD erfunden hat.

Förderland: Bitte beschreiben Sie kurz Ihr Konzept.

Dr. Roman Schmidt: Sketch-iD ist eine neuartige Software, die persönliche - mit dem Finger oder einem Stylus gezeichnete - Unterschriften auf mobilen Geräten fälschungssicher erkennt. Die neue Technologie hat das Potenzial, sowohl Passwörter abzulösen als auch Vertragsabschlüsse ohne Medienbruch digitalisiert abzuwickeln. Zudem könnte die Sicherheit in vielen digitalen Anwendungen wie beispielsweise im E-Banking deutlich erhöht werden, da durch die digitalisierte Unterschrift eine Person zweifelsfrei identifiziert wird.

Was macht Sketch-iD besonders?

Die eigenhändige Unterschrift ist tief in unserer Gesellschaft verwurzelt und gilt als sehr bewusste Willensbekundung. Leider hat sie den Sprung ins digitale Zeitalter bisher noch nicht geschafft. Elektronische Signaturen erfolgen daher häufig über Zertifikate ohne jedoch eine eigenhändige Unterschrift. Dies könnte sich mit Sketch-iD ändern, da unser einzigartiger Algorithmus jedes einzelne Pixel aus der persönlichen Unterschrift extrahiert und dieses mit biometrischen Merkmalen des Schreibers anreichert. So wird jede Handschrift individuell erkannt.

Wie kamen Sie auf diese Idee?

Das Erfinden und vor allem Merken langer Buchstaben-, Zahlen- und Sonderzeichen-Kombinationen überfordert viele Menschen und ist insbesondere auf dem Smartphone sehr lästig. „Da muss es doch bessere Lösungen geben“, waren wir überzeugt. In einem ersten Schritt haben wir die neue Technologie deshalb nicht für Unterschriften, sondern für persönliche, frei wählbare Skizzen entwickelt.

Im Austausch mit interessierten Firmen merkten wir jedoch sehr früh, dass ein weitaus größerer Nutzen durch persönliche Unterschriften erzielt werden kann. Entsprechend haben wir die Lösung in diese Richtung weiterentwickelt.

Welche Herausforderungen mussten Sie bei der Entwicklung und Umsetzung meistern?

Unterschriften werden zwar über die Zeit relativ ähnlich, aber nie exakt gleich erstellt. Einen Algorithmus zu entwickeln, der sowohl eine gewisse Variabilität zulässt, eine Unterschrift aber aufgrund der Dynamik fälschungssicher erkennt, war sicherlich die Haupt-Herausforderung.

Wir setzten uns zudem das Ziel, eine Software zu erstellen, die in bestehende IT-Systeme einfach und nahtlos eingebunden werden kann. Wir haben daher einen Webservice entwickelt, der über eine schlanke Schnittstelle angesteuert werden kann. Verifikationsalgorithmus befindet sich zwar auf unserer Seite, Daten werden aber jedoch nur transformiert und nicht gespeichert. Sensitive Daten bleiben daher immer in der Hand der Kunden.

Sie sitzen nicht wie viele Start-ups im Silicon Valley, sondern in Könitz bei Bern. Ist das ein Vorteil oder ein Nachteil für Sie?

Die Frage ist schwierig zu beantworten, da wir bisher mit Start-ups aus dem Silicon Valley wenig bis gar keine Berührungspunkte hatten. Durch die finanzielle Unterstützung unseres Vorhabens durch die Kommission für Technologie und Innovation sowie durch die Standortförderung des Kantons Bern hatten wir Partner an der Seite, die uns bei der Forschung und Entwicklung maßgeblich unterstützt haben. Uns war außerdem wichtig, die Produktentwicklung mit eigenen Mitteln umzusetzen. Die unterscheidet uns von Start-ups aus dem Silicon Valley.

Wie geht es nun weiter?

Mit Sketch-iD haben wir eine Software erstellt, die in unterschiedlichsten Anwendungen eingesetzt werden kann. Anfragen haben wir im Moment hauptsächlich aus dem Banken- und Versicherungsumfeld sowie Anbietern von Software-Lösungen im Bereich von Security-Software. Diese Kontakte gilt es weiter zu intensivieren und Partnerschaften aufzubauen, die einen raschen Markteintritt unterstützen.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

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