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23.01.14

Sinnvolle Innovation statt üblicher Protektionismus: T-Mobile USA steigt ins Bankengeschäft ein

Telekomfirmen können auch innovativ: T-Mobile USA bietet jetzt mobile Bankdienstleistungen an. Die Geschäftsaktivitäten sinnvoll zu erweitern, ist ein deutlich smarterer Weg, als an der Netzneutralität zu sägen, um mehr Geld aus dem bestehenden Angebot zu quetschen.

Mobile MoneyIn der Regel haben Telekommunikationsunternehmen dieser Tage alle Hände voll damit zu tun, die Netzneutralität zu attackieren und aufzuweichen, weshalb für echte Innovationen und die Erschließung anderer alternativer Erlösquellen wenig Raum bleibt. Doch T-Mobile USA, die amerikanische Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, zeigt, dass es auch anders geht: Der Netzbetreiber steigt in das Bankgeschäft ein. Zielgruppe 30 bis 70 Millionen Amerikaner

Mobile Money nennt sich der jetzt lancierte Dienst, der die Möglichkeit zum digitalen Erledigen alltäglicher Geldtransfer-Vorgänge mit einer Prepaid-Visa-Karte kombiniert. Mobile Money soll Amerikanern dabei helfen, die von Banken erhöbenen Bearbeitungsgebühren bei der Handhabung von Schecks zu umgehen. Anders als in Europa spielen Zahlungsanweisungen in Papierform im hoffnungslos veralteten Finanzsystem der Vereinigten Staaten noch immer eine wichtige Rolle, etwa beim Bezug von Löhnen oder dem Bezahlen von Rechnungen. Problematisch und kostspielig ist dies vor allem für die 30 bis 70 Millionen Amerikaner (die Schätzungen variieren), die (häufig unfreiwillig) kein Bankkonto besitzen und ihre Schecks deshalb bei speziellen, hohe Gebühren verlangenden Einlösestellen in Bargeld umwandeln müssen.

Mit Mobile Money und der dazugehörigen App werden Konsumenten in die Lage versetzt, Schecks abzufotografieren und damit in elektronisches Guthaben zu verwandeln, das anschließend zum Begleichen von Rechnungen oder zum Einkaufen genutzt werden kann. Kunden von T-Mobile USA dürfen das neue Angebot kostenfrei nutzen. Lediglich für "Sondervorgänge" werden minimale Gebühren erhoben. Kunden würden deshalb hunderte oder gar tausende Dollar pro Jahr sparen können, die sonst in Form herkömmlicher Scheckverwaltungsgebühren anfielen, so der Netzbetreiber.

T-Mobile USA eckt an

Wie Recode erfahren hat, sieht T-Mobile die jetzt gestartete Finanzdienstleistung nicht als Umsatzbringer sondern als Kundenbindungsmaßnahme. Der viertgrößte Mobilfunker der USA fährt seit einiger Zeit eine aggressive Kampagne, um der Konkurrenz Kunden abspenstig zu machen. Zu den Eckpfeilern dieses Unterfangens gehören Handytarife mit unbegrenztem Datenvolumen, hohe Prämien für den Providerwechsel sowie die Bereitschaft des eigensinnigen T-Mobile USA Vorstandschefs John Legere, sich medienwirksam von einer Party des Wettbewerbers AT&T werfen zu lassen. Während die Telekom und ihre Handytochter im Heimatmarkt an einen schwerfälligen, einfallslosen Riesen erinnern, gibt sich T-Mobile USA erfolgreich als Enfant Terrible, das gerne aneckt und unkonventionelle Vorstöße wagt.

Innovation statt Protektionismus

Der Bankingservice, für den T-Mobile die Plattform des Bankdienstleisters Bancorp nutzt, zeigt, auf welche Weise Telekommunikationsanbieter ihre Geschäftsmodelle erweitern können, anstatt mit fragwürdigen Mitteln und zum Nachsehen nahezu aller Beteiligten mehr Geld aus ihren existierenden Diensten zu quetschen. Denn selbst wenn Mobile Money aktuell nicht als Umsatzbringer betrachtet wird - die Vorstellung, dass Netzbetreiber mobile Finanzdienstleistungen anbieten und damit auch Geld verdienen, erscheint nicht abwegig. Der Smartphone- und Tablet-Boom hat zur Folge, dass immer mehr Menschen ihre Bankgeschäfte von mobilen Geräten aus erledigen - die selben Geräte, die gemeinhin auch als zukünftiges Instrument zum Bezahlen von Einkäufen angesehen werden. Die Provider sitzen hier quasi unmittelbar an der Quelle und sind durch ihre direkten Kooperationen mit Geräteherstellern in der Lage, notwendige Apps vorinstalliert anzubieten. In Polen experimentiert T-Mobile mit einem mobilen Bezahlservice namens MyWallet. Auch das ist ein Ansatz in die richtige Richtung, selbst wenn es bislang in anderen Märkten bei Ankündigungen blieb.

Die Netzneutralität anzugreifen und Mautstellen an der Netzinfrastruktur errichten zu wollen, wo vorher keine waren, ist eine Strategie der verschlechterten Bedingungen. Zum mobilen Lifestyle passende Dienstleistungen zu etablieren, die von der prominenten Rolle der Provider im beruflichen und privaten Alltag der meisten Menschen profitieren, liefert Kunden dagegen Mehrwert, erhöht ihre Loyalität und Zahlungsbereitschaft. Jedes Kind versteht, welcher Ansatz unternehmerisch auf Dauer sinnvoller ist. /mw

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