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24.06.14Leser-Kommentare

Sinn oder Unsinn: Ein soziales Netzwerk für den kleinen Kreis

Mit dem Anwachsen der Kontaktlisten verlor Facebook im Laufe der Jahre für User seine vertraute, persönliche Atmosphäre. Weder Path noch ein anderer Anbieter konnten bislang diese Lücke füllen. Oder gibt es gar keine Lücke?

FreundeLetztens bezeichnete mich jemand im Bezug auf meine konservative Regeln bei Facebook-Freundschaften als "letztes Einhorn". Es ging im Gespräch um die Frage, ob man versuchen sollte, bei Facebook-Freundschaftsanfragen gewisse Selektionskritierien anzusetzen - etwa nur Menschen in das eigene Kontaktnetzwerk zu holen, die man tatsächlich persönlich getroffen hat, oder nur solche Personen, mit denen man mehr Gemeinsamkeiten aufweist, als irgendwann zufällig am selben Ort gewesen zu sein und einige Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht zu haben.

Ich bin mir bewusst, dass die meisten Facebook-Nutzer heutzutage nicht mehr sonderlich genau darauf schauen, wer sich so alles in ihrem Kontaktnetzwerk befindet. Viele haben in den Anfangstagen der Nutzung des sozialen Netzwerks nahezu jede Kontaktanfrage akzeptiert und damit die gemütliche, intime Stimmung in ihrem Netzwerk frühzeitig zerstört. Zwar bietet Facebook diverse Werkzeuge an, um Sichtbarkeit eigener Inhalte für andere und Content der "Freunde" zu filtern, zu blockieren und zielgruppengenau auszusteuern. Die Usability dieser Funktionen ist aber nicht immer ideal. Gerade das eigentlich äußerst nützliche Listenfeature wurde von Facebook über die Jahre immer stärker abgewertet und versteckt. Parallel verschiedene Beziehungsnetzwerke und Vertraulichkeitsebenen über Facebook zu verwalten und mit ihnen zu interagieren, fällt damit schwer. Speziell für die Nutzer, deren Kontaktliste sich heute kaum noch von ihrem LinkedIn-Adressbuch unterscheidet, bleibt damit also nichts anderes übrig, als Facebook als etwas persönlichere Ausführung von besagtem Geschäftsnetzwerk zu sehen und sich dort entsprechend zu verhalten. Mir stellt sich damit die Frage, ob es Bedarf an einem Social Network für die engsten Freunde gibt. Richtig, Path hat es versucht und ist damit (mit Ausnahme des indonesischen Marktes) gescheitert. Doch der Fehlschlag des US-Dienstes, der nun auf Messenger macht, muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass es keine Nachfrage an einem (mobilen) Netzwerk gibt, in dem Nutzer wirklich nur mit den Personen interagieren, die ihnen nahestehen. Zudem ging Path seine ersten Schritte vor über zweieinhalb Jahren. Es konnte schlicht zu früh für eine privatere Facebook-Alternative gewesen sein. Oder vielleicht fehlte Gründer Dave Morin das gute Händchen für diese Art von Konzept.

Wenn man möchte, kann man WhatsApp und andere Smartphone-Messenger als persönliche Netzwerke betrachten, über die User sich primär mit ihren engsten Freunden und Bekannten austauschen. Jedoch fehlen diesen Apps gewisse Funktionen, um einer solchen Aufgabe vollkommen gerecht zu werden. Chatoptionen alleine reichen nicht aus, sofern ein Anbieter es darauf anlegt, zu einem "Facebook für den kleinen Kreis" zu werden.

Ich glaube (noch immer), dass es Potenzial für einen mobilen Service gibt, der sich gewisser Grundelemente von Facebook bedient, aber von vorn herein darauf ausgelegt ist, eine intimere, persönlichere Atmosphäre zwischen engen Freunden zu schaffen. Ein Dienst, der dadurch Konversationen und Interaktionen auslösen kann, die in der von Katzenfoto-Begeisterung und einem gewissen Konformitäts- und Professionalitätsdruck geprägten semi-privaten Umgebung des Facebook-Newsfeeds nicht zustande kommen können.

Wie seht ihr das? Gibt es zwischen Facebook und WhatsApp (beziehungsweise anderen Chat- und Foto-Messengern) eine ungefüllte Lücke, oder decken die zwei Dienste-Typen den Bedarf der nicht-beruflichen Beziehungspflege gut ab? /mw

Foto: four young men lie together, Shutterstock

Kommentare

  • Sven H

    24.06.14 (11:39:05)

    Ja, da ist definitiv etwas dazwischen. Ich glaube aber nicht, dass Facebook oder What's App das Thema adressieren können. Es wird vielmehr an regionalen Interessen und einer Form von "Vertrauen" wie z.B. der gleiche Verein oder ähnlichen hängen. Ob das ganze finanziell tragfähig ist, kann man aber echt schwer abschätzen...

  • Björn

    24.06.14 (12:58:49)

    Ich denke auch das diese Lücke da ist, allerdings wird es noch ein bisschen dauern. Es ist wahrscheinlich ähnlich wie mit Posteo - erst wenn sich die Umstände ändern (NSA undsoweiter), werden Menschen auf neue Dienste aufmerksam und wandern von den großen sozialen Netzwerken ab. Ein Preis von ca. 1 € / Monat ist ebenfalls denkbar, wenn dafür der Service werbefrei bleibt. Es ist nur die Frage, ob damit eine kritische Masse zu erreichen ist... Erstmal muss der Grund für den Wechsel "groß" genug sein und in das Bewusstsein vieler Menschen dringen und ich sehe gerade noch keinen wirklichen Grund.

  • Victor

    24.06.14 (13:17:52)

    Ne, der Markt ist meiner Meinung nach 1. gesättigt und 2. bietet Facebook bereits Möglichkeiten, um allein mit den besten Freunden Kontakt zu haben sowie auch die Sichtbarkeit ihrer Aktivitäten zu erhöhen. Eine neue Plattform heißt wieder: Mehr klicken, mehr Verwaltung usw. So eine neue Plattform würde vielleicht eine Reihe neuer Fans bekommen, aber längst nicht genug um ihre Ziele zu erfüllen.

  • michael

    24.06.14 (13:21:23)

    ich glaube es benötigt kein kleineres auf die engsten Freunde basierendes Netzwerk. Whatsapp erfüllt das voll und ganz und schlicht.

  • Klaus

    24.06.14 (14:14:42)

    "Gibt es zwischen Facebook und WhatsApp eine ungefüllte Lücke?" Ja: Die Realität, aber die ist gut gefüllt bei mir ;)

  • Dirk Krause

    25.06.14 (08:34:24)

    Hallo, dieses Open Source Projekt versucht so eine Lücke zu adressieren, und zwar als minimalistisches 'Wegwerf' social network mit völliger Kontrolle über die eigenen Daten: https://github.com/pixelpark/ppnet VG, Dirk

  • Slatana

    25.06.14 (11:20:37)

    Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass ein Netzwerk wie Path auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung hat. Ich bin mit meiner Familie häufiger Nutzer, da sich einige Mitglieder aus beruflichen Gründen nicht bei Facebook anmelden wollen. Leider Gottes kann ich meinen Freundeskreis nicht davon überzeugen, auch darauf umzusteigen. Ich für meinen Teil mag einfach die Gemütlichkeit in diesem "privaten" Netzwerk, in dem man bei Bedarf anonym bleiben kann, da kein Klarnamenzwang herrscht. Klar, Facebook habe ich auch, allerdings eher als Sammelplattform für Informationen in meinem Umfeld. Ich hoffe, dass mehr Leute solche Plattformen kennen und mögen lernen, da ich finde, dass Sie die Unterstützung verdienen.

  • Robert Frunzke

    26.06.14 (00:20:06)

    Ich bin wohl schon ein Dinosaurier, aber was mir an den ganzen sozialen Netzwerken fehlt ist der springende Punkt, der sie überhaupt legitimiert... Etwas technisch betrachtet: jedes dieser Netzwerke ist lediglich ein auf publish- & subscribe-Diensten basierendes Modul, das irgendwo da draußen in der Cloud werkelt. Nur ein Mediator. Ich kann dorthin etwas veröffentlichen (publish), und dabei mehr oder weniger gut steuern, wie und wohin es gelangt. Und ich kann konsumieren (subscribe), und ebenfalls mehr oder weniger gut steuern, was und woher und filtern. Das Alles läuft immer nur darauf hinaus, dass ich einen Teil meiner Kommunikation und Interaktion möglichst optimal automatisiere. Und das unterscheidet sich eigentlich kaum davon, wie man vielleicht früher mal IRC mit entsprechenden Funktionalitäten, Bots, einsetzt(e), um sich das nervige "soziale" Geraffel vom Leibe zu halten, und die wirklich wichtigen Interaktionen aus dem zähen, schlammigen Strom aus Informationen herauszufischen. Persönliche Kommunikation findet auf persönlicher Ebene statt, grob angefangen am Telefon, über Face-to-Face bis hin zum Bier an der Feuerschale in vertrautem persönlichen Umfeld.

  • Robert Frunzke

    26.06.14 (00:31:20)

    Har har, ein EU-finanziertes Irgendwas-mit-aktuell-thematisierter-Irgendwas-mit-Internet-Software. Wenn das nicht so traurig wäre, und unser hart erarbeitetes Geld beträfe, dann wäre das sogar lustig.

  • Robert Frunzke

    26.06.14 (01:03:27)

    Übrigens entspringt das dem gleichen Dunstkreis wie "webinos" ... auch so eine super-duper-Technologie-Förderung, wo mit viel Fördergeldern etwas finanziert wird, was so keiner braucht, und so auch niemand als Basis seines Geschäftes nutzen würde. Aber es wird gemacht. Und es wird dabei viel Geld verbrannt. Naja, ich will ja nicht meckern, wenn mein eigenes Geschäft in vielleicht 10 Jahren nicht solide läuft, dann werde ich mich wohl auch auf so eine Förderschiene stürzen, und davon meine Brötchen zahlen und mir dabei einen kleinen Teil meiner so müßig erarbeiteten Steuergelder wieder zurückzahlen lassen. .. Klingt stark nach Mausefalle.

  • Kuba

    27.06.14 (09:28:14)

    Meine Geschwister und ich verwenden Treema für einen solchen Zweck indem wir dort eine Gruppe nur für uns 4 eingerichtet haben und uns dort für uns alle 4 mitlesbar und mitdiskutierbar unterhalten. Das alles ist allerdings sehr flüchtig und bestimmte Nachrichten kann man nur per Screenshot aufbewahren. Schick wäre eine Software für ein privates soziales Netzwerk welche man einfach auf einem eigenen NAS-Server installieren könnte.

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