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07.03.12Leser-Kommentare

"Single point of failure": Viele Webdienste sind auf Facebook-Ausfall nicht vorbereitet

Wenn Facebook wie am Mittwochmorgen ausfällt, werden auch angeschlossene Websites in Mitleidenschaft gezogen - sofern Entwickler nicht vorsorgen.

 

Mehr als sieben Millionen Websites sind auf verschiedene Weise mit Facebook verknüpft. Wenn also das soziale Netzwerk wie am Mittwochmorgen für mehrere Stunden ausfällt, sorgt dies nicht nur bei Menschen für Unruhe, die einen regelmäßigen Blick auf ihren Newsfeed werfen müssen, sondern auch bei Onlineangeboten, deren Funktionalität durch die Downtime eingeschränkt wird.

Die Mehrzahl der Integrationspunkte mit dem Social Network aufweisenden Sites verwendet den Like- oder Abonnieren-Button. Ein Ausfall von Facebook stellt dabei zumeist kein Drama dar: Die jeweiligen Präsenzen sind weiterhin erreichbar, nur dass an den Stellen, an denen Inhalte sonst über Facebook favorisiert werden können, eine Lücke klafft.

Deutlich problematischer ist die Lage für Angebote, die Anwendern eine Login-Möglichkeit über das soziale Netzwerk bieten. Eine Facebook-Downtime zieht dann im schlimmsten Fall den gesamten, damit verknüpften externen Dienst mit in den Abgrund. Ich habe mir heute früh während des Ausfalls angeschaut, wie dieser sich auf einige Onlineservices auswirkte.

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Vollständig nicht erreichbar war zum Beispiel der von mir geschätzte Kölner Musikdienst musicplayr, zumindest für bereits eingeloggte Mitglieder. Statt Musik der abonnierten Nutzer servierte mir mein Browser eine Fehlermeldung, die signalisierte, dass irgendein ein Problem mit Facebook vorlag. Seltsamerweise geschah dies, obwohl sich Anwender bei musicplayr über eine Benutzername-Passwort-Kombination und nicht mittels ihrer Facebook-Benutzerdaten anmelden. Offensichtlich genügte die nachträglich aktivierbare Verbindung mit dem persönlichen Facebook-Konto zu Sharing-Zwecken, um meinen gesamten Account in die Knie zu zwingen. Mittlerweile hat das Team des Startups die Facebook-Integration temporär deaktiviert.

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Einen der wenigen echten Nachteile von Spotify (das voraussichtlich in der nächsten Woche offiziell in Deutschland starten wird) stellt der vor einigen Monaten eingeführte Zwang zum Login über Facebook dar. Havariert das soziale Netzwerk so wie am Mittwochmorgen, heißt dies für Anwender, dass sie sich nicht bei dem Musikdienst registrieren können. An der Stelle auf der Spotify-Website, an der sonst der Login bzw. die Registrierung bei Facebook erscheint, herrschte stattdessen heute früh gähnende Leere (das Fragezeichen ist von mir). Jede Minute, in der Facebook nicht erreichbar ist, entgehen Spotify somit zukünftige Anwender. Da ich noch ein altes, e-mail-basiertes Konto von Spotify nutze, konnte ich nicht überprüfen, inwieweit auch die Loginmöglichkeit bestehender Anwender mittels Facebook ausgefallen war - dies ist jedoch wahrscheinlich.

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Auch die aus Berlin stammende Filmentdeckungsmaschine foundd setzt einen Facebook-Account voraus. Doch der direkt von den Facebook-Servern geladene Login-Button, der sonst oben rechts neben der Frage "Got an invite already" prangt, glänzte durch seine Abwesenheit. Der Dienst wurde für einige Stunden unbenutzbar, sofern User nicht bereits zuvor eingeloggt waren.

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Stumm blieb auch die Website der Wettplattform AnteUp, die ausschließlich mit einem Facebook-Konto genutzt werden kann.

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Obwohl die Anmeldung des Foto-Sharing-Dienstes 7Moments über eine E-Mail-Adresse geschieht, wird beim Betreten der Hauptseite eine Verbindung mit Facebook aufgenommen (im Quellcode ersichtlich). Die Folge: Der Bildschirm blieb heute früh schwarz. Das Startup ließ uns bereits wissen, dass man diesen Flaschenhals beheben wolle.

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Das Berliner Meinungsportal Amen bietet seinen Anwendern den Login entweder über ein mit einer E-Mail-Adresse verbundenes Benutzerkonto oder per Facebook. Wer sich über das soziale Netzwerk anmelden wollte, musste damit bis etwa 9:00 Uhr warten, als dies wieder Lebenszeichen von sich gab.

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Dito SoundCloud.

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Und zum Abschluss ein erfrischendes Beispiel, wie man den temporären Ausfall eines "Identitätsanbieters" (was Facebook mittlerweile darstellt) handhaben kann, ohne dass dabei Anwender mit hässlichen Fehlermeldungen oder nicht reagierenden Seiten konfrontiert werden: Moviepilot.com, ebenfalls aus Berlin, führt eigenständig eine Verfügbarkeitskontrolle durch und signalisiert den Ausfall einer Login-Möglichkeit mit einer entsprechenden grafischen Darstellung. Löblich auch: die alternativen Loginwege über Google und Twitter.

Fazit

Facebook glänzt mit einer beachtlichen Verfügbarkeit. Der letzte umfassende Ausfall geschah im September 2010, was angesichts von 850 Millionen aktiven Anwender und der Tatsache, dass sämtliche Zugriffe über lediglich drei, alle in den USA befindlichen Rechenzentren abgewickelt werden, eine Leistung ist. Doch kommt es zu einer Downtime, dann sollten an das Social Network angeschlossene Webdienste darauf vorbereitet sein. Entweder, indem sie Ausweichlösungen für den Login anbieten und sich nicht vollständig von Facebook abhängig machen, oder zumindest, indem sie Anwendern das Rätselraten über den Grund der fehlgeschlagenen Zugriffsversuche durch eine "persönliche" Fehlerseite ersparen.

Kommentare

  • ClaudiaBerlin

    08.03.12 (09:44:17)

    Eine hoffentlich LEHRREICHE Erfahrung für all diese Dienste, die sich derart abhängig von FB machen und die User zwingen, sich über FB anzumelden (und damit unter deren Überwachung zu agieren)!

  • Thomas

    08.03.12 (10:36:34)

    Sie wahr lehrreich. Facebook fällt selten genug aus, so dass der Aspekt vernachlässigt werden kann. Es lohnt sich nicht, Geld für den Fallback zu investieren. Sonst hätten es wohl mehr getan? ;)

  • Manuel

    08.03.12 (11:37:43)

    Ich denke ein Ausfall von Facebook ist nicht das grösste Problem der Dienste. Auf deren Infrastruktur würde ich mich grundsätzlich verlassen, da fallen eher andere Systeme aus. Bedenken hätte ich vor einer Abhängigkeit von einem derart viel grösseren Partner. Was, wenn sie Logins für Drittseiten plötzlich nicht mehr erlauben? Was, wenn sie zB. Spotify sperren, weil sie selbst einen ähnlichen Dienst anbieten wollen. Oder wenn sie plötzlich Geld dafür haben wollen? Letzteres soll ja bei Google Maps vorgekommen sein.

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