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21.05.08Leser-Kommentare

Sind Blogs eigentlich links?

Wenn es eines Beispiels für das Böse der Blogosphäre bedarf, muss regelmäßig 'Politically Incorrect' herhalten. Man könnte meinen, Bloghausen sei ein brauner Sumpf - die Frage sollte aber besser heißen: Sind Blogs eigentlich links?

Wenn man den Berichterstattern der Holzmedien trauen darf, gilt: Blogs sind die Heimstatt aller Kryptofaschisten und notorischen Wortmüllproduzenten, die in den Löchern des spießbürgerlichen Vorurteilswesens auf fette Beute lauern, während sie, die gebenedeiten Redakteure, wie Engel über jenem dahinduftenden Mordor tief unter ihnen schweben. Wenn sich allerdings jemand wirklich auskennt, lautet die Antwort anders.

Mit Parteipolitik hat die Blogosphäre dabei wenig zu tun. Von welcher Partei auch immer, es gibt meines Wissens bisher nirgendwo ein ernstzunehmendes Parteiblog in Bloghausen. Bezeichnenderweise. Und Angela Merkels Vlog-Versuche gleichen - recht betrachtet - eher einem Anbiederungsversuch an eine wahlstrategisch bedeutsame Zielgruppe, deshalb, weil 'man das medienpolitisch jetzt auch so macht', keineswegs aber ist es eine mediale Großtat unter der virtuellen Zirkuskuppel.

In den Augen der Blogger - Bizziniss-, SEO- und PR-Blogger bleiben vorläufig mal außen vor - steht auf der einen Seite so etwas wie 'die dunkle Macht'. Und ihr gegenüber, nämlich im virtuellen Auenland auf der grünen Wiese, da finden wir die Jungs und Deerns mit den Lichtschwertern - nämlich die Guten, auch Blogger genannt. Ob der Gegner dann Schäuble, Westerwelle, Lafontaine oder Johannes B. Kerner heißt, ist dabei ziemlich humpe. Man nennt das, was 'böse' oder 'dunkel' scheint, erst einmal 'rechts'. In Wirklichkeit ist es meist schlicht 'oben'. Denn Blogger sind eben ziemlich egalitär und anti-elitär, wenn sie nicht gerade elitär sind ...

"Salonanarchisten" stieß ein Freund mal hervor, als ich mit ihm über das Phänomen plauschte. Da ist schon was dran. Einer dieser Alpha-Blogger kam zum Beispiel mit einem goldenen Löffel im Mund auf die Welt und garniert seither luxurierend sein Leben mit viel Silberbesteck, Kandelabern und auch Zweitwohnungen, wo er dann mit nassforschen 'Entrepreneurs' und 'Start-Ups' den Boden zu wischen pflegt. Ein anderer tituliert sich 'Weltherrscher' und erfreut die Blogosphäre mit Selbstkomponiertem auf der Stromgitarre, also auf jenem Instrument, das nicht umsonst als der 'Dominator' der Klangwelt gilt. Politisch aber steht bei beiden - und es handelt sich nur um zwei Beispiele aus einer ganzen Reihe - ein eindeutig herrschaftsfreier Impetus im Vordergrund, der ökonomisch nichts Schöneres kennt, als wenn irgendein Bizziniss-Projekt mal wieder im strengen Duft verbrannten Geldes den Blog-River hinab abschifft. Die eigene Zielvorstellung lautet eher: wirkliche Kommunikation ohne PR-Gesäusel, Marktgeschrei und Nebenabsichten (wie auch immer das dann aussähe). Blogger sind gewissermaßen auf jene Art 'links' wie auch Kabarettisten 'links' sind.

Programmatische Texte dagegen gibt es nirgends (vielleicht mit einer einzigen Ausnahme, dem 'Cluetrain Manifesto'). Der Blogger, der das 'Kapital', den Keynes oder Kautsky wirklich gelesen hätte, der wäre mir jedenfalls noch nicht begegnet. Über die Zugehörigkeit entscheidet nirgendwo eine offizielle 'Parteilinie', wie bei den klassischen Taubenzüchtervereinen unseres parlamentarischen Lebens, die Zugehörigkeit ist 'Gefühlssache' an einem Ragout von 'praktischem Menschenverstand', man bewegt sich mit seinen Anschauungen in der Mitte oder am Rand der großen 'Blase' - der so genannten 'Blogosphäre'.

Ich weiß, dass dieses Bild erheblich vom journalistischen Medienbild abweicht. Dort gilt - unter Zuhilfenahme von Angstphantasien und viel Projektion - das Web 2.0 als brauner Sumpf. Prompt ertönt immer wieder triumphierend ein Name in den empörten Pamphleten: Politically Incorrect! Gemeint ist jenes Krakeelbecken aller Fremdenhasser, die sich angesichts der derzeitigen verschwörungstheoretischen Konjunktur vor allem auf den Islamismus kaprizieren, aber gern auch mal einen Schwulen brennen sehen würden.

Klar, PI ist eine eklige Veranstaltung - ist es andererseits aber nicht auffällig, dass immer NUR dieser Name fällt? Hat ganz Holzstetten denn nichts anderes zum Beweis bieten? Wo wären denn die zahllosen anderen Blogs ähnlich angebräunter Monosynapsen? Ich rede schließlich auch nicht über die Holzmedien, indem ich ständig die 'St-Pauli-Nachrichten' oder die 'Deutsche Soldatenzeitung' schwenke. Gut, die Schweiz bietet mir noch ihren 'Winkelried' als letztes Aufgebot an, der ist doch aber auch eher zum Kabarett zu zählen. Ansonsten tummelt sich alles, was rechts ist, in einigen schön 'muckelig' abgesicherten Foren und Chatrooms - mit anderen Worten: in den geschlossenen Clubs des Web 1.0., und damit in der guten alten Homepage-Zeit. Aber eben selten auf freier Wildbahn, wo die Blogger zu finden sind, und wo es was auf die Mütze gibt. Geisterfahrer-Blogs wie 'Politically Incorrect' sind daher trotz ihrer Blogform eher 'holzmediale Erzeugnisse' - oder in den Worten eines Aussteigers:

 

"Man darf PI aber auch nicht überbewerten. Es ist ein Blog. Weiter nichts. Ein bekannter Blog, allerdings verdankt man diese Bekanntheit der bewussten Provokation. Und den Medien wie der FAZ, der Taz, der SZ - die sich PI als Feindbild ausersehen haben und mit ihren Warnungen vor PI diesem Blog jedesmal neue Leser zuschanzen, die dann zuerst von der Deutlichkeit der Worte auf diesem Blog begeistert sind. Die erst später oder gar nicht merken, dass sich dort mittlerweile ein Mob tummelt, der mit Demokratie nichts am Hut hat."

Jaja, diese dienstbaren Geister, die unsere Medien riefen und päppelten ... über den Daumen gepeilt jedenfalls und mit einigen Ausnahmen sind Blogs in der Regel antitotalitär, ziemlich auf soziale Gerechtigkeit bedacht, in ihrer großen Mehrheit antirassistisch, mit einem scharfen Blick für Lächerlichkeit begabt, aller Macht gegenüber misstrauisch, geldnasenallergisch, sabbelfranzresistent und sich selbst Autorität genug. Deswegen haben es auch alle Bizziniss-Gestalten in Bloghausen so schwer: Wo der dicke Ökonomisten-Kater eingezwängt ins Micky-Maus-Kostüm und mit Sugar-Daddy-Allüren herumtappt und das Porzellan zerschlägt, da herrscht unweigerlich Aufregung im Mäuseturm. Und sei die Maske noch so 'authentisch' oder 'viral'!

Rundgelutschte Politikerwörter dagegen wie 'liberal', 'christlichsozial', 'antikapitalistisch' oder 'sozialistisch' passen auf die Bewohner von Bloghausen wie die Gabel zur Suppe. Ich greife, wenn ich Außenstehenden einen Hauch von dieser im allgemeinen höchst hilfsbereiten und kooperativen Welt vermitteln will, allenfalls zum soziologischen Kunstwort 'kommunitaristisch'. Was wiederum den Nachteil hat, dass es kaum jemand versteht, obwohl es halbwegs zutrifft ...

Hier einige bekanntere und unbekanntere Blogs, die in meinen Augen es politisch gern im Mainstream der Blogosphäre treiben. Die Analyse solcher Inhalte würde weit mehr Einsichten bringen als der ständige Fokus auf diese eine altmediale Krawallveranstaltung namens PI:

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • ghost

    21.05.08 (13:13:51)

    Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, den ganzen Beitrag zu lesen - aber worauf willst Du hinaus???

  • Lambrakis

    21.05.08 (13:14:57)

    Hier mehr zum Autor dieses Artikels: http://www.winkelried.info/2007/10/13/klaus-jarchow-pressesprecher-des-teufels/ Damit wäre wohl alles zu diesem Linksfaschisten, bzw. zu Medienlese gesagt.

  • Klaus Jarchow

    21.05.08 (14:12:17)

    @ ghost: Mir geht es darum, das dominante Medienbild eines 'braunen Sumpfes Web 2.0' grundlegend in Frage zu stellen. Da gibt es nämlich faktisch nicht viel, was diesen Lieblingsmythos des Altjournalisten belegen könnte. Zumindest sind die Holzmedien in der Summe sehr viel rechter als die Blogosphäre. Andererseits vielleicht aber auch darum, einen 'romantischen Antiglobalismus' à la Naomi Campbell ein wenig zu glossieren. Und auf den 'Kommunitarismus' als Bezugspunkt zu verweisen, der ja als 'rinkslechte' Theorie gar nicht mal so blöd war ... @ lambrakis: Oh Gott, ich war bis 1990 mal bei den Grünen! Und das haben Sie ganz allein herausgefunden?

  • arbiter

    21.05.08 (14:13:59)

    @ LAMBRAKIS: Klar ist es legitim, nicht mit Jarcow konform zu gehen. Wozu diese abweichende Meinung eines Rechtsfaschisten mit dem Vorwurf des Linksfaschisten tarnen? Nur um zu beweisen, der Verstand bleibt ausgeschaltet? Winkelried wird nicht besser dadurch, richtiger schon gar nicht. Die Winkelried-Wortwahl sagt mehr über den dort herrschenden Charakter. Der Link dorthin und das hinweisende Pronomen in der ersten Zeile offenbart auch noch den des Tipgebers. Im Blog tummelt sich ein Meinungsspektrum, das in der Regel durch Meinugsfreiheit gedeckt ist. Die Spurensuche der Linken nach Meinung von Rechts und die der Rechten nach Meinung von Links ist eine der überflüssigsten Fingerübungen überhaupt, entlarvt allerdings den jeweiligen Sucher ziemlich genau -(nicht wahr, LAMBRAKIS?!!).

  • Lambrakis

    21.05.08 (14:24:23)

    @Arbiter Sag mal, verstehst Du eigentlich was Du schreibst oder tust Du nur so? Ach ja, unter uns gesagt: der Artikel ob hat lediglich die Aufgabe, ein bisschen Traffic zu generieren, weil sonst eh niemand vorbeikommt. Alter Trick ...

  • Florian Steglich

    21.05.08 (14:34:53)

    Lambrakis: Ich hatte mich schon gewundert, dass es so lange gedauert hat, bis so ein Link von Dir kam. Das wäre damit geklärt. Ich lass ihn stehen, es ist so absurd, dass sich jeder selbst seine Meinung bilden kann. Allerdings haben wir keine Lust, uns den Quark hier anzuhören, also mäßige Deinen Ton.

  • Florian Steglich

    21.05.08 (15:37:55)

    [Lambrakis und Kominform gelöscht. Wie ich schon sagte: Der Link oben bleibt gern exemplarisch stehen, weitere Trollkommentare werden gelöscht.]

  • gebsn

    21.05.08 (20:15:44)

    Muss mich hier Ghost anschliessen: Was ist denn hier die Aussage? Genauso wie im "richtigen" Leben gibt's linke, rechte, konservative, liberale, revolutionäre etc. pp. Blogger. Warum die Blogger politisch besonders gepolt sein sollen, will mir nicht in den Schädel.

  • ghost

    21.05.08 (20:26:42)

    ""es ist so absurd, dass sich jeder selbst seine Meinung bilden kann."" Also, dann lass uns unsere Meinung haben - nur komisch, dass Du da diese Meinungen im Sinne .... - verbieten willst...

  • Florian Steglich

    21.05.08 (21:16:48)

    ghost: I wo, niemand will etwas verbieten, dafür sind wir hier alle viel zu liberal. Aber Kommentare, die sich ausschließlich auf persönlicher, beleidigender Ebene bewegen, löschen wir im Sinne einer guten Diskussionskultur. Das ist unabhängig von der politischen Richtung und davon, wer angegriffen wird, was jeder weiß, der hier regelmäßig liest.

  • arbiter

    21.05.08 (23:30:37)

    @ LAMBRAKIS: Natürlich tu ich nur so, als verstünde ich, was ich hier schreibe! Warum sollte ich verstehen wollen, wovon Du keine Ahnung hast? So langweilig ist mir nun auch wieder nicht. Aber es freut natürlich, wenn ein Schuh paßt, auch wenn es nur der rechte ist. Dafür tuts der Kommentar Nr. 4 allemal.

  • ghost

    21.05.08 (23:51:24)

    Eigentlich müsste ich mich im Laken lachend wälzen - leider geht das derzeit nicht. Sei dem so - kritische Meinungen sind eh nie gefragt? "Wollen sie nun Appel oder Birne?" Nein, Tomaten... "Ham wer nich"...

  • mds

    22.05.08 (01:09:36)

    I wo, niemand will etwas verbieten, dafür sind wir hier alle viel zu liberal. In welchem Sinn verstehst Du «liberal»? Mittlerweile ist auch in Europa «liberal» analog dem amerikanischen Sprachgebrauch ein Synonym für «links».

  • arbiter

    22.05.08 (01:48:16)

    "Mittlerweile ist auch in Europa «liberal» analog dem amerikanischen Sprachgebrauch ein Synonym für «links»." Wenn das der Westerwelle hört, wickelt er sich wieder aus dem Laken und stellt glatt das Lachen ein. Andererseits, der macht so gerne jeden Quatsch der Amis mit ... Selbstverständlich läßt sich jeder Begriff verdrehen und verballhornen, sogar europaweit. Annehmen möchte ich, der Teil des blauen Planeten, auf dem ich mich bewege, gehört noch zu Europa. Dort ist die Analogie bisher nicht angekommen. Vielleicht bin ich ja auch nur rückständig. Immerhin zeigt diese Lesart für `lieberal´, wie wenig sich mit der rechts/links Debatte eine inhaltliche Diskussion führen läßt, fehlt doch grundsätzliche Einigung über die Begriffe. Statt dessen wird Gesinnungen nachgeschnüffelt und gegen zuvor Unterstelltes polemisiert.In diese Sackgasse gehts von rechts und links, auch für Liberale.

  • Rick

    22.05.08 (08:19:59)

    Mit Verlaub, nach meinem Geschmack werden hier ein wenig zu viele pauschale Stereotypen über einen Kamm geschoren. 'Professionelle' Medien und Blogger schenken einander heute rein gar nichts in der Disziplin weltanschaulichen oder wirtschaftlichen Unsinn aller Richtungen & Ideologien zu verbreiten. Einzig sind Journalisten darin noch besser bezahlt. Die Trennung in rinks und lechts ist auch nur eine künstlich konstruierte und gepflegte welche, in Deutschland zB marschieren ATTAC und NPD längst gemeinsam gegen dieselben Feindbilder wie zB die böse Globalisierung. Wenn man dennoch unbedingt in Links/Rechts-Schemata denken möchte, dann sollte man IMHO hier im deutschsprachigen Raum Deutschland/Österreich von der Schweiz unterscheiden. In den beiden erstgenannten Ländern verlaufen ideologische Linien sehr klar: sprich steht ein Mensch für einen bestimmten Unsinn einer Richtung kann man dafür ausgehen dass er den anderen Unsinn derselben Richtung auch glaubt und verbalgewaltig vertritt. Gerade die Schweizer Blogger sind hier anders und sagen wir mal weltanschaulich offener. Es gibt nicht wenige eidgenössische Blogger die patriotische stolze Schweizer sind (nach deutschem Verständnis also Rechtsextremisten und Neonazis), gleichzeitig in Wirtschaftsdingen aber Keynes nachgeraten (nach deutschem Verständnis somit Linke Socken). Wie auch immer, ob Medienwelt oder Bloggerwelt nun mehrheitlich links oder rechts wären ist ein wenig wie mit den Geisterfahrern. Ein Geisterfahrer glaubt ja auch es kämen ihm tausende Geisterfahrer entgegen. Wer selber politisch extrem links steht sieht natürlich die Medienwelt als braunen Sumpf. Wer selber politisch extrem rechts steht sieht Medien- oder Bloggerlandschaft als verbrannte rote Erde.

  • gebsn

    22.05.08 (08:29:34)

    @Rick Mit Verlaub, nach meinem Geschmack werden hier ein wenig zu viele pauschale Stereotypen über einen Kamm geschoren. Du machst es dir aber auch nicht viel schwerer. Wer "extrem links" stehe, sehe die Medienwelt als braunen Sumpf? Ich selbst sehe mich ziemlich links, kann aber sehr wohl verschiedenste politische Schattierungen bei den (Schweizer) Medien erkennen. Und weil ATTAC und NPD beide mit der Globalisierung nicht einverstanden sind, sind links und rechts deiner Meinung nach kaum zu unterscheiden? Also bitte!

  • Klaus Jarchow

    22.05.08 (09:43:20)

    @ Rick Ganz so einfach ist es eben nicht: Diejenigen etablierten Medien, welche die Blogosphäre vor allen anderen als einen 'braunen Ort des Schreckens' zeichnen, unter Zuhilfenahme von einigen versprengten 'Herremenschen', die stehen eben nicht 'extrem links', sondern meist mitten im liberalen und medialen Mainstream. Ihre verzeichnete Sicht ist - so sehe ich das - einem dumpfen Ressentiment geschuldet und hat mit der vagen Ahnung einer ökonomischen Konkurrenz zu tun, weil immer mehr von ihrem angestammten Werbegeld in dieses - ähbäh! - Zwischennetz fließt. Richtig ist, was du über die Unbrauchbarkeit der Kategorien 'links' und 'rechts' sagst. Man muss schon tief im Gestern leben, um an solchen altideologischen Märchenstunden noch Gefallen oder überhaupt etwas Erklärungstaugliches zu finden. Deswegen ja auch mein Hinweis auf den Kommunitarismus als näheste Parallele zu Bloghausener Zuständen, im Grunde ist der K. eine ausgesprochen 'rechte' politische Theorie mit vielen 'linken' Zügen. Oder - wahlweise - eine 'linke' Theorie mit ausgesprochen 'rechten' oder sogar nationalpatriotischen Tönen. Insofern liegen die Schweizer Blogger, wie du sie dort zeichnest, noch nicht einmal neben der Spur ...

  • freddy

    22.05.08 (13:16:19)

    Hallo viel zu pauschalistisch, werter KJ. Wenn bloggereien was auf Dauer bleiben wollen müssen sie nicht nur lesbar. Sondern auch antikapitalistisch sein. Auch und gerade bei Ihnen in Ganzdeutschland, Austrogruß;-) Freddy

  • Medienknete

    22.05.08 (18:36:19)

    Ich denke schon, dass Klaus Jarchow recht hat, wenn er sagt, dass "die Holzmedien in der Summe sehr viel rechter als die Blogosphäre" sind. Zumindest sind Blogger "extremer": Medien sind Mainstream, und Mainstream ist "Mitte" - mit Tendenz nach Rechts in Richtung auf die Anzeigenkunden und eventuell besserverdienende Chefredakteure. Wenn jemand andererseits nicht mit der "Mitte" einverstanden ist, hat er ein gutes Motif, um seine Meinung in einem Weblog kundzutun. Welcher Blogger möchte schon gerne "Mainstream" sein? Außerdem sind Blogger intensive Internetbenutzer, und die sind im Schnitt jünger und besser gebildet als der Normalbürger. Die Jüngeren und besser Gebildeten stehen aber im politischen Spektrum von der Tendenz her meist links vom Durchschnitt. Wenn in den Medien gerne Geschichten von rechtsradikalen Blogs verbreitet werden, dann liegt das sicher daran, dass man mit dem Stigma "rechtsradikal" eben prima Stimmung machen kann. Ich halte es allerdings für unwahrscheinlich, dass viele Journalisten im Ernst glauben, die Bloggosphäre wäre komplett im braunen Sumpf versunken.

  • veritas

    22.05.08 (21:13:21)

    Der Blogger, der das ?Kapital?, den Keynes oder Kautsky wirklich gelesen hätte, der wäre mir jedenfalls noch nicht begegnet. dem kann man abhelfen. www.wiweb.at

  • Florian Steglich

    22.05.08 (23:14:53)

    "Selbstverständlich läßt sich jeder Begriff verdrehen und verballhornen, sogar europaweit. Annehmen möchte ich, der Teil des blauen Planeten, auf dem ich mich bewege, gehört noch zu Europa. Dort ist die Analogie bisher nicht angekommen." » mds: Dieser Aussage von Arbiter schließ' ich mich an (ich höre sogar öfter ein "liberal", mit dem "rechts" gemeint ist, aber auch das meinte ich hier nicht).

  • Wolf-Dieter Roth

    23.05.08 (10:00:23)

    "Liberal" ist halt etwas, das allen Radikalinskis am meisten stinkt. Warum killen Terroristen am liebsten Friedensstifter? Bin Laden würde auch niemals Bush ermorden (lassen), dann wäre ja sein Feindbild weg, was sollte er dann noch tun? Aber die, die Vernunft in die Sache bringen wollen, die werden dann mit Bomben in andere, von ihm erwünschtere Stimmung gebracht. Insofern ist klar, daß neutral-liberale Leute mehr stören als die "konservative Mitte", obwohl im Links-Rechts-Spiel beide gleich positioniert sind. Und: Wenn man sich links-rechts vom Ursprung (Sitzplatz im Reichs-/Bundestag) ansieht, dann sitzen Links und Rechts recht nah beisammen, die Mitte dagegen weit weg...

  • arbiter

    23.05.08 (11:25:53)

    Was für Bin Laden gilt, gilt natürlich auch für George W.: Ja nicht Bin Laden erwischen, sonst ist das Feindbild futsch! `Neutral-liberal´ ist der Schwamm, der von rechts bis links alle naß macht und glaubt, er sei knochentrocken. Zur Freiheit, zum Freisein hilft nicht Neutralität, sondern entschiedenes Engagement. Die `konservative Mitte´ erinnert an `ein bißchen schwanger´. Viel gewonnen wäre ja schon, die rechten bis linken Spektren von konservativ über liberalistisch bis fortschreitend sozial könnten sich auf ein gemeinsames Ethos einigen. Solange aber Politik und Religion bzw. Konfession eine so innige Verbindung abgeben, bleibt jeder Anstand auf der Strecke. Allerdings ist das eine Diskussion abseits des hier gestellten Themas.

  • Klaus Jarchow

    23.05.08 (12:17:14)

    @ Wolf-Dieter: Wir kennen im Deutschen noch beide Gebrauchsweisen des Wortes 'liberal'. Der Satz 'Er kam aus einem liberalen Elternhaus' kann bedeuten, dass es dort wenig hinter die Löffel gab, es kann aber auch heißen, dass der Guido Westerwelle wider Erwarten doch noch Vater geworden sei. Da aber die Amerikaner mit ihrem Zwei-Parteiensystem nur 'Reps' und 'Democrats' kennen, also zwei 'liberale' Parteien, die eine gemäßigt, die andere ultra-liberal, da ist ihnen die politische Bedeutung des Wortes 'liberal' verloren gegangen. So ist das Wort dort zum Schimpfbegriff für 'Sissies' und 'Weicheier' verkommen ...

  • arbiter

    23.05.08 (21:35:16)

    Na bravo! Jetzt sind US-Republikaner liberal und US-Demokraten ultra-liberal! Kann es sein, daß nicht nur den Amis die `politische´ Bedeutung des Wortes `liberal´verloren gegangen ist? Irgend etwas an den Ausagen einer gewissen Frau Clinton und der Herren Barak und Mac Cain der vergangenen 12 Monate muß demnach liberal bis ultra-liberal gewesen sein, und kein Mensch weiß, was. Dabei ist alles davon nur national, US-national und der Wunsch nach Regelfreiheit, letzterer deutlich illiberale Ablehnung des Funktionsmechanismus Staat allgemein. Und dann wäre da noch die Frage, ob privat liberal und politisch liberal zwei paar Stiefel sind, oder das eine ohne das andere nicht geht.

  • Frank

    24.05.08 (15:25:43)

    Das Leitmediengeschwafel von der "Rechtsradikalität" der Blogger dient doch nur dazu, davon abzulenken, wie verfassungsfeindlich mittlerweile die etablierte Politik (Schäuble, Glos, Ludewig usw.) selbst agiert. und die Leitmedien (ich nenne sie lieber 'Leidmedien') sind doch nur Hofberichterstatterbüttel des Kapitals, das sich wiederum die Politiker gekauft hat (Clement, Schily, Hansen usw.). Wen juckts also? Aber der Beitrag hat schon seinen Sinn. Immerhin werden ein paar lesenswerte Blogs verlinkt. Das ist doch schon mal was. Würde ich mich als links bezeichnen? Nun, ich bin Mitgleider der Partei "Die Linke", ich engagiere mich bei den sozialen Themen schwerpunktmäßig, und ich sehe, wie runtergekommen D mittlerweile ist aufgrund unsere führenden Politiker und der asozialen Wirtschaftselite. Wenn ich links genannt werde, weil ich das bekämpfe, dann - das gebe ich zu - habe ich gegen das Etikett "Links " überhaupt nichts. Ich selbst würde mich eher als "ehrliche Haut" bezeichnen mit einem Rest von Anstand und Moral, der das ganze asoziale Pack (meistens werden die dann auch noch Leistingsträger genannt) bekämpft, daß dieses Land und seine Infrastruktur unnötigerweise an Heuschrecken verscherbelt. So viel dazu von mir.

  • arbiter

    24.05.08 (17:11:23)

    Also gut, Leidmedien schwafeln gelegentlich von `Rechtsradikalismus´ der Blogger. Unbestreitbar gibt es solchen "rechten" Rand gelegentlich bei den Bloggern. Aber in welcher Realität läßt sich das eine und/oder das andere als Dauerfeuer ausmachen? Zwei Mal Popanz gibt kein Thema, auch nicht für Links. So neu ist ja nicht, daß wir von den ca. 200 Reichsten mit Meinungsfreiheit im Wirtschaftswunderland versorgt werden. Das `Uhrwerk Geld´ hat uns Arno Schmidt mit "Das steinerne Herz" und dem wunderbaren Zahlendreher von 1945 zu 1954 ganz gut markiert, fast so gut wie Orwells 1984 anno 48. Nur die Charakterlosigkeit, die haben beide sehr unterschiedlich, aber durchaus treffend abgebildet. Links/Rechts sind eben Begriffe ohne Inhalt, den Gesinnung erst erzeugt, zudem beliebtes Chamäleonhemd für Berufspolitiker vom Format Mende, Zogelmann, Verheugen, Schily, manchmal auch nur Tarnanstrich auf dem Weg zur Macht. Medien sind mit ihrem elitären Anspruch auf Meinungshoheit einerseits Teil des Systems, andererseits Handlanger, wie nicht zuletzt die Tibetberichterstattung zeigt. Schön, wenn jemand angesichts 59 Jahre Deutscher Freistaat noch nicht resigniert hat. Auch schön, wenn er sich politisch engagiert. Am schönsten, wenn er das gegen den Strich und gegen den Mainstream tut, stirbt doch bekanntlich die Hoffnung zuletzt. Outen mag ja inzwischen in sein, ob das der Diskussion hier hilft?

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