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11.10.10Leser-Kommentare

simfy und steereo fusionieren: Deutschlands On-Demand-Musikdienste vereinen ihre Kräfte

Überraschende Fusion im Bereich der kostenlosen Dienste für werbefinanziertes Musikstreaming: simfy und steereo werden eins, steereo verschwindet vom Markt.

 

Aktualisiert

Die zwei einzigen Onlinedienste in Deutschland, die das kostenlose On-Demand-Streaming von kommerzieller Musik erlauben, vereinen ihre Kräfte: Wie das Handelsblatt berichtet (via deutsche-startups.de), werden das Kölner Startup simfy sowie die Münchner Holtzbrinck-Gründung steereo fusionieren. steereo-Nutzer sollen zu simfy wechseln, das damit nicht nur den Konkurrenzkampf der zwei jungen Services im Markt für werbefinanziertes On-Demand-Musikstreaming gewinnt, sondern in Deutschland zukünftig der alleinige Anbieter in diesem Bereich ist.

Das Handelsblatt zitiert Claas van Delden vom steereo-Investor Holtzbrinck Digital, der als Grund für die Entscheidung die zeit- und kostenaufwendigen Verhandlungen mit Plattenfirmen und Rechteverwertern wie der Gema angibt. Diese sind in der Tat keine großen Freunde von Webangeboten, die Gratis-Streaming von Mainstream-Musik ermöglichen, und geben sich entsprechend wenig kompromissbereit - etwas, das auch Europas angesagtesten Streaming-Dienst und simfy-Vorbild Spotify bisher an einem Deutschland-Start gehindert hat.

Finanzielle Details zu der vom Handelsblatt als "Investitionsrunde" bezeichneten Fusion wurden nicht bekannt gegeben. Erst im Frühjahr konnte sich simfy über eine für die deutsche Onlinebranche ungewöhnlich hohe Finanzspritze über sieben Millionen Euro freuen. Kapital, um steereo aus der Holtzbrinck-Herrschaft zu befreien, war also verfügbar. Update: Es handelt sich in der Tat um eine Beteiligung von Holtzbrinck Digital an der simfy-Muttergesellschaft Music Networx AG. Das heißt, dass Music Networx nicht steereo von Holtzbrinck übernommen hat, sondern dass Holtzbrinck nun über Music Networx an simfy beteiligt ist und offenbar weiter an das Konzept von kostenlosen Musikservices auf Freemium-Basis glaubt.

Bei netzwertig.com haben wir sowohl simfy als auch steereo vom ersten Tag ihres Bestehens an beobachtet. simfy erblickte bereits Ende November 2007 in geschlossener Beta-Phase das Licht der Onlinewelt, damals noch als Plattform, auf der Nutzer ihre eigene Musiksammlung speichern und mit Freunden tauschen konnten. Ende 2009 folgte dann der offizielle Relaunch als vollwertiger Streaming-Dienst.

simfy bietet rund 6,2 Millionen Titel, die in der Gratis-Variante in Playlisten abgelegt und in diesen (sowie in Form ganzer Alben oder Radiostationen) angehört werden können. Eine Premium-Version für 9,99 Euro pro Monat offeriert unbegrenzten On-Demand-Zugriff auf alle Titel sowie Apps für den Desktop, für iPhone und Android. An einer iPad-Anwendung wird gerade gearbeitet. Seit kurzem ist simfy neben seinem Heimatmarkt Deutschland auch in der Schweiz verfügbar und in Deutschland zudem offizieller Streaming-Partner von Last.fm. Eine Expansion nach Belgien, Luxemburg und in die Niederlande ist geplant.

steereo initiierte seine Beta-Phase im Mai 2009. Ähnlich wie simfy setzt steereo auf ein Freemium-Modell. Premium-Nutzer zahlen zwischen 2,99 und 4,99 Euro für werbefreien Zugriff sowie die Möglichkeit zur Nutzung der Desktop- und iPhone-App. Einen detaillierten Vergleich von simfy und steereo findet ihr hier. Aber all das spielt nun eigentlich keine Rolle mehr, denn durch die Fusion gehört steereo bald der Vergangenheit an...

Ob eine Vereinigung der Kräfte am Ende zu positiven Resultaten führt, bleibt abzuwarten. Womöglich hat ein gestärktes simfy tatsächlich eine bessere Ausgangslage und Verhandlungsposition, insbesondere was den Roll-Out in weiteren Ländern betrifft. Andererseits entfällt jedweder Wettbewerb, was mittelfristig die Gefahr einer zu großen Kompromissfreude mit sich führen könnte. Iimmerhin muss simfy nun bei der Vertragsgestaltung nicht mehr mit einem Auge beobachten, wie sich die Konkurrenz verhält, und könnte damit eher in Versuchung geraten, sich auf bestimmte, aus Nutzersicht negative Vorschläge von Plattenfirmen und GEMA einzulassen.

Unabhängig davon ist es jedoch erfreulich, simfy dabei zu beobachten, wie es nach einigen Jahren der Suche nach einem geeigneten Profil nun wächst, gedeiht und sich offenbar auch ein direktes Aufeinandertreffen mit Spotify zutraut, das seit einigen Monaten in den Niederlanden verfügbar ist (sowie in Schweden, Norwegen, Finnland, Großbritannien, Frankreich und Spanien).

Während Spotify den Kölnern funktionell um einiges voraus ist - die simfy-Desktop-App erinnert optisch an eine frühere Version des Spotify-Clients - investiert das Stockholmer Startup gerade sämtliche Ressourcen, um im dritten Anlauf endlich auf dem US-Markt starten zu können. Während Spotify auf der anderen Seite des Atlantiks daran arbeitet, mit allen Mittel die Blockadehaltung der Labels zu durchbrechen, könnte simfy die Gunst der Stunde nutzen und die vielen, von Spotify bisher vernachlässigten europäischen Länder erschließen. Der Zeitpunkt dafür erscheint perfekt.

Kommentare

  • Andreas

    11.10.10 (10:20:24)

    Steereo hat mir nie gefallen, Simfy ist ganz ok, hat aber noch viel ungenutztes Potential für Erweiterungen. Das Maß aller Dinge ist aber immer noch Spotify, funktional und was die Größe des Musikkatalogs angeht. Bin gespannt, ob iTunes doch noch einen On-Demand-Streamingdienst etabliert, das dürfte für viel Wirbel bei den aktuellen On-Demand-Services sorgen.

  • Daniel

    11.10.10 (21:05:08)

    Find ich schön, dass nicht mehr Gelder für Konkurrenzkampf verbrannt werden. Andere Frage: Wie finanziert sich eigentlich Grooveshark und bekommt die Möglichkeit für DE und AT Musikinhalte zu streamen (mMn. die derzeit größte Konkurrenz von simfy)?

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