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28.07.11

Sifonr: Deutsches Gründerduo ermöglicht P2P-Videochats im Browser

Sifonr, ein Startup aus der Nähe von Ulm, ermöglicht kostenlose P2P-Videochats für unbegrenzt viele Teilnehmer direkt im Browser. Das Gründerduo hat nichts Geringeres vor, als den Kommunikationsmarkt im Internet zu revolutionieren.

 

Die Implementierung von Videochats in Webdienste ist spätestens seit dem jüngsten Launch einer entsprechenden Funktion bei Facebook sowie der Integration von Videokonversationen für bis zu zehn Personen gleichzeitig in Google+ einer der Trends des Jahres - auch wenn es bisher keine verlässlichen Indikatoren dazu gibt, inwieweit derartige Features in den Augen von Usern für den Zweck der Kommunikation mit Freunden und Bekannten mehr als eine kurzweilige Spielerei darstellen.

Etwas anders sieht es im geschäftlichen Kontext aus: Videokonferenzen mit an verschiedenen Orten befindlichen Kollegen und Kunden gehören für zahlreiche Unternehmen zum Alltag. Entsprechend vielfältig ist das Angebot an zumeist kostenpflichtigen Diensten. Selbst bei Skype muss zumindest ein Gesprächsteilnehmer einen Premium-Zugang besitzen, sobald sich mehr als zwei Personen in ein Videotelefonat einklinken wollen.

Die in der Nähe von Ulm beheimateten Brüder Florian Wild und Sebastian Wild haben sich dazu entschlossen, den Markt für Videochats mit einem alternativen Ansatz aufzumischen: Ihr Dienst Sifonr ermöglicht kostenfreie browserbasierte Video-Gruppenchats auf Peer-to-Peer-Basis ohne Anmeldung für unbegrenzt viele Teilnehmer.

Wer zu einer Videokonferenz einladen will und Flash installiert hat, steuert dazu sifonr.com an und startet einen öffentlichen oder privaten Raum (private Räume erhalten eine kryptische URL, öffentliche eine deskriptive der Form www.sifonr.com/topics/netzwertig). Nachdem man dem Flash-Plugin den Zugriff auf das Mikrofon und die Webcam freigegeben hat, können durch Weiterleitung des Links zum Raum beliebig viele andere User dem Videochat beitreten.

Eine weitere Möglichkeit ist die Einbettung des Videochats in externe Seiten. Das sieht dann folgendermaßen aus (RSS-Leser sehen das Widget wahrscheinlich nicht):

Eine Besonderheit von Sifonr ist die dezentrale Struktur des Dienstes: Ein zentraler Server ist nicht notwendig, Videogespräche werden direkt zwischen den Usern vermittelt. Lediglich ein so genannter Rendezvous-Service ist notwendig, damit User miteinander verbunden werden können. Wer will, kann diesen über einen hauseigenen Server oder über den eigenen Computer betreiben.

Die Sifonr-Macher Florian und Sebastian Wild unterstreichen die Eignung ihrer Entwicklung als anonyme, verschlüsselte Kommunikationsplattform, die keinerlei Nutzerdaten erfasst oder speichert. Entwicklern steht eine API zur Verfügung, um Sifonrs Technologie in andere Anwendungen einzubauen.

Die Gebrüder Wild beschreiben Sifonr als den "Video-Group-Chat für Jedermann". Gleichzeitig preisen sie aber auch eine kommerzielle Nutzung ihres Dienstes an, der ihrer Aussage nach gut mit Firmennetzwerken harmoniert. Während die nichtkommerzielle Nutzung unter Creative-Commons-Lizenz kostenfrei ist, wird für gewerbliche Anwender und Unternehmen eine individuell gestaffelte Lizenzgebühr fällig, die aber "für jeden Geldbeutel erschwinglich" ausfalle.

Sifonr verfolgt einen sehr löblichen Ansatz, den man insbesondere im Hinblick auf die starke Abhängigkeit unserer Onlinekommunikation von wenigen mächtigen Internetkonzernen nur unterstützen kann. Ob der Dienst tatsächlich den Kommunikationsmarkt im Internet revolutionieren kann, wie die Pressemitteilung verspricht, wird maßgeblich von der Video- und Gesprächsqualität sowie von der Fähigkeit des Gründerduos abhängen, ihrer vom äußeren Erscheinungsbild noch etwas ungeschliffenen Lösung einen professionellen, vertrauenswürdigen Anstrich zu geben. Es wäre nett, wenn dies klappen würde!

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