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16.09.11

Sichtbarkeit von Inhalten: Kein Verlass auf Facebooks Privatsphäre-Einstellungen

Facebook verfeinert seine Privatsphäre-Einstellungen stetig und will Mitgliedern glaubhaft machen, dass sie die volle Kontrolle über ihre Daten besitzen. Doch gleichzeitig verändert das soziale Netzwerk eigenmächtig die Sichtbarkeit der Nutzerinhalte.

 

Wenn ein soziales Netzwerk umfangreiche Privatsphäre-Einstellungen anbietet und Nutzern damit das Gefühl gibt, sie hätten Kontrolle über das Veröffentlichen persönlicher Inhalte, dann setzt dies das Vertrauen der Anwender in die bereitgestellten Mechanismen voraus. Facebook hat mein Vertrauen heute (mal wieder) erschüttert.

Ich verwende seit langer Zeit das Listen-Werkzeug, um Kontakte zu kategorisieren und bestimmte, von mir publizierte Inhaltstypen vor entfernten Bekannten zu verbergen. Meine Facebook-"Freunde" landen dazu stets in einer von drei Kategorien: uneingeschränkter Profilzugriff, "B-Liste" mit eingeschränktem Profilzugriff und "C-Liste" mit stark eingeschränktem Profilzugriff.

Bisher hatte die C-Liste keinen Zugriff auf meine Pinnwand - etwas, das ich auch in regelmäßigen Abständen "kontrolliert" habe. Doch als ich dies heute über die nun deutlich zentraler als bisher auf dem Profil positionierte "Anzeigen als"-Funktion testen wollte, musste ich feststellen, dass Personen in meiner C-Liste nun überraschenderweise auch meine Pinnwand sehen können - zwar nicht selbst von mir dort veröffentlichte Status Updates, aber Aktivitäten wie "Likes", Events und Kommentare von mir auf anderen Facebook-Profilen.

Ich habe weder eine Einstellung verändert, noch wurde ich von Facebook gefragt, ob ich bestimmte Inhalte auf meiner Pinnwand für Kontakte aus meiner C-Liste zugänglich machen möchte. Ich vermute, dass der Fall eine Folge von Facebooks jüngsten Veränderungen rund um die Privatsphäre-Einstellungen ist - dabei muss irgendeine Option von Facebook entfernt worden sein, die Auswirkungen auf die Sichtbarkeit meiner Pinnwand-Einträge hatte.

So etwas darf einfach nicht passieren! Wozu soll ich mir die Mühe machen und bis ins Detail ausdefinieren, wer was sehen darf, wenn Facebook bei der nächsten funktionellen Anpassung Teile meiner Einstellungen zunichte macht, ohne das ich davon erfahre?

Nicht minder frustrierend ist übrigens die Tatsache, dass ich auch nach zehn Minuten des Suchens keine Option gefunden habe, welche die angesprochenen Inhalte für die Kontakte aus meiner C-Liste von meiner Pinnwand entfernt. Wahrscheinlich ist die Lösung simpel, aber allein der Fakt, dass man als User unangemessen viel Zeit aufwenden muss, um eine frühere, von Facebook eigenmächtig deaktivierte Einstellung wiederherzustellen, verdeutlicht, dass Facebooks Kontrollmechanismen auch in der jüngsten Fassung ein Desaster sind.

Für mich lässt das Ereignis nur einen Schluss zu: So sehr Facebook granulares Sharing und Listen-Funktionen propagiert und so sehr es vorgibt, Nutzern dabei helfen zu wollen, die Kontrolle über ihre Daten zu behalten, so wenig ist auf das Social Network in diesem Punkt Verlass. Es ist traurig, dies einmal mehr vor Augen geführt zu bekommen.

Falls einige von euch ebenfalls Listen einsetzen, würde mich interessieren, ob die von euch getätigten Einstellungen noch Bestand haben oder ebenfalls ohne euer Zutun abgeändert worden sind.

Eine andere, zum Thema passende Neuerung ist mir auch noch aufgefallen: Facebook-Profile geben nun auch Nicht-Kontakten Auskunft über neue "Freundschaften", selbst wenn ein User das Profil für den öffentlichen Zugriff geschlossen hat. Mag sein, dass sich auch dies modifizieren lässt, und wirklich sensibel sind die so an die Öffentlichkeit geratenden Informationen auch nicht - dennoch wurde auch dieses "Feature" ohne Wissen der Nutzer eingeführt.

Facebook-Sprecherin Tina Kulow versicherte mir auf Anfrage, dass Facebook die Problematik untersuchen wird.

Update: Andere Facebook-Nutzer machen ähnliche Beobachtungen (siehe Kommentare).

Update 2: Facebooks Antwort: " Wir haben keine Einstellungen verändert ".

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