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09.01.13

Shpock, Stuffle: Kopf-an-Kopf-Rennen der mobilen Flohmärkte

Die Möglichkeit, gebrauchte Gegenstände zu kaufen und private Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, ist zu einer Notwendigkeit geworden. Die mobilen Flohmärkte Stuffle und Shpock zeigen, wie Startups mit dem Fokus Location davon profitieren könnten.

2013 könnte das Jahr des "Everywhere Commerce" werden, des mobiles Einkaufens von überall und der Verknüpfung von Mobile und stationärem Handel. Zwei Komponenten allerdings dürften noch hinzu kommen: Collaborative Consumption und Location, etwa die Übersicht verfügbarer Produkte in der Nachbarschaft mit der Möglichkeit, sie zu kaufen oder zu tauschen. Nachdem wir euch im vergangenen Mai bereits Stuffle vorgestellt haben, erreicht uns nun die Nachricht eines weiteren mobilen Flohmarkts für die Nachbarschaft: Shpock. Laut Gründer Armin Strbac belebt Konkurrenz das Geschäft und die Ähnlichkeit zwischen beiden Apps ist in der Tat frappierend. Und Shpocks Praxis, auf der Website im Hintergrund eine Karte des aktuellen Standorts des Nutzers mit vermeintlichen, aber in dieser Form nicht existierenden Angeboten in der Nähe anzuzeigen, ist durchaus irreführend. Doch darum soll es hier nicht gehen.

Sowohl Shpock als Stuffle setzen auf Einfachheit und Design, ein Konzept, mit dem unter anderem Instagram groß geworden ist. Der Nutzer wird nicht durch einen langen Anmeldeprozess geschickt wie in der mobilen eBay-App, vielmehr sieht er sofort aktuelle Angebote in der Nachbarschaft. Ich bin überrascht, dass es sogar bei mir im beschaulichen Bonn in beiden Marktplätzen bereits allerhand Angebote gibt. Beide Apps haben aufgrund ihrer Einfachheit allerdings den Nachteil, dass man Produkte nicht suchen oder zumindest nach Kategorien sortieren kann. Korrektur: Zumindest bei Shpock habe ich eine Suche und eine Kategorienauswahl mittlerweile entdeckt. Sie versteckt sich hinter dem Shpock-Logo.

Sowohl Shpock als auch Stuffle setzen auf Impulskäufe - und bieten damit einen Unterhaltungsfaktor, wie ihn seinerzeit eBay besaß.

 

Ist das ein Modell mit Zukunft? Ich denke, ja. Beide Startups sind derzeit noch sehr klein, aber das Potenzial ist da. Strbac berichtet uns von 100.000 Downloads von Shpock seit dem Start im September. Vor allem im Heimatmarkt Österreich sei die App der Wiener gefragt. Stuffle ist eine eigenständige App der Hamburger Niederlassung der niederländischen Beteiligungsgesellschaft Digital Pioneers und zählte Weihnachten 120.000 Nutzer . Aktuell liegen beide Apps also ungefähr gleichauf. Stuffle erhielt im November eine Kapitalspritze in sechsstelliger Höhe von Startup-Investor Tim Schumacher, um das Geschäft weiter aufzubauen und jeweils eine App für Android und das iPad nachzureichen. Shpock gibt es für iPhone und Android.

Teilen als Notwendigkeit

Und jetzt soll es so richtig losgehen mit lokalen Marktplätzen oder Tauschringen wie Foodsharing ? Es ist nur eine Vermutung, aber ich denke, wir sind so weit. Collaborative Consumption ist inzwischen mehr als ein Trend, es ist eine Notwendigkeit. Alltagsgegenstände und Services wie Bahnfahrten, Hotelübernachtungen und technische Geräte sind gemessen an europaweit geringen Durchschnittslöhnen und hoher Arbeitslosigkeit für viele inzwischen kaum noch bezahlbar. Die Vermittlung von privaten Wohnraum wie bei AirBnB, Wimdu oder Couchsurfing, Carsharing wie bei Flinc, Nachbarschaftsauto und Carpooling , ein lokaler Marktplatz für Dienstleistungen wie bei Gidsy oder der Tausch und Kauf von Gebrauchtgegenständen ist hier als Gegentrend zu verstehen.

Funktionieren können diese Dienste, wenn sie die Angebote möglichst einfach und nah vermitteln und gleichzeitig unterhalten. Shpock und Stuffle sind hier dem etwas schwerfällig gewordenen eBay inzwischen voraus, selbst wenn Letzterer natürlich noch über das größere Angebot verfügt. Location Based Services können dann funktionieren, wenn sie dem Nutzer etwas bieten. Hier haben Foursquare, F1eld und Amen ihren Nutzen noch nicht ganz ausspielen können, weil sie dem Anwender eher etwas abverlangen, als ihm etwas zu geben. Ob es nun ausgerechnet Shpock und Stuffle sein werden, die sich durchsetzen, kann ich an dieser Stelle nicht einschätzen. Dass der Trend in diesem Jahr weite Verbreitung findet, da bin ich allerdings guter Dinge. In einem Jahr melde ich mich an dieser Stelle gerne wieder und lasse Revue passieren, was aus meiner Prognose geworden ist. Ich bin mir sicher, es wird ein gutes Jahr für Location und Collaborative Consumption werden.

Update, 10.1.12: Adrian Korte schreibt mir noch etwas Genaueres zu den Stuffle-Zahlen: Mittlerweile seien es über 130.000 Downloads, die Zahl der monatlich aktiven Nutzer betrage 42.000. Anfangs hat Stuffle eine Anmeldung über Facebook vorausgesetzt. Inzwischen ist aber auch eine gewöhnliche Registrierung möglich, so dass Facebook-Nutzerzahlen nicht mit absoluten Nutzerzahlen gleichzusetzen sind. Die Zahl von 7.000 monatlichen Nutzern, die Facebook angibt, könne man mit keinem anderen Analyse-Tool bestätigen; Facebook sei hier sehr ungenau.

Links: Shpock, Stuffle

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