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05.07.13

Server-Startup aus Hamburg: Protonet verspricht eine Cloud ohne ihre Nebenwirkungen

Schon im Vorfeld des offiziellen Debüts sorgte das aus Hamburg stammende Server-Startup Protonet für viel Beachtung. Mit frischem Kapital beginnt jetzt die offizielle Auslieferung der Variante für gewerbliche Kunden. Auch eine Version für Privatanwender steht auf der Roadmap.

Für manche Startups könnte das Timing einfach nicht besser sein. So auch für das aus Hamburg stammende Jungunternehmen Protonet. Denn was die Elbstädter gerade in Angriff nehmen, beantwortet womöglich vielen IT-Verantwortlichen mit begrenzten Ressourcen die Frage, welche Alternative es für sie zu klassischen Cloudlösungen gibt. Denn die "Public Cloud" bereitet derzeit aufgrund der Überwachungsdebatte manch einem Unternehmer Kopfschmerzen.

Die Protonet-Gründer Ali Jelveh und Christopher Blum haben in den vergangenen vier Jahren zusammen mit einem kleinen Team den "einfachsten Server der Welt" entwickelt. In dieser Woche begann offiziell die Auslieferung des stilvollen minimalistischen Kastens mit der ebenfalls in Eigenregie geschaffenen Server-Software. Die Protonet-Box richtet sich an alle Unternehmen, die keine Zeit mit der umständlichen und komplizierten Administration ihres IT-Systems verbringen wollen oder können, die aber den Nachteilen der Cloud aus dem Weg gehen möchten. Rundumlösung ohne laufende Kosten

Der Protonet-Server bietet bis zu 16 TB Speicher, erlaubt den Zugriff sowohl aus dem Firmennetzwerk als auch von außerhalb über mobile Geräte, und beinhaltet sämtliche Werkzeuge und Funktionen, um alle gängigen Anforderungen in puncto Datenschutz, Virenschutz, Backups, Ausfallsicherheit und Kompatibilität erfüllen zu können. Zu den weiteren von den Norddeutschen angepriesenen Vorzügen von Protonet gehört eine besonders einfache Bedienung, ein eingebautes Social Network zur Kommunikation und Kollaboration sowie der Verzicht auf versteckte Kosten. Über den Anschaffungspreis hinaus fallen Nutzern keine weiteren Kosten an. Die Preisspanne liegt zwischen 2749 Euro für einen Intel Pentium Dual-Core-Prozessor (2 x 2,5 GHz) mit 4 TB Speicher und 4099 Euro für einen Intel Xeon Quad-Core-Prozessor (4 x 2,5 GHz) mit 16 TB Speicher - jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer und ausschließlich erhältlich für gewerbliche Kunden.

Schwerpunkt Einfachheit

Das Produkt des Startups aus Hamburg - das direkt in der Hansestadt gefertigt wird - bietet durchaus Diskussionsstoff. Mein Kollege und Gadget-Kenner Jürgen Vielmeier attestiert der orangefarbenen Box aus Hamburg zwar ein chices Design, konstatiert aber nüchtern, dass der Server technisch eigentlich nichts Neues biete und vergleichsweise teuer sei.

Indem die Macher ihren lediglich mit einem einzigen Knopf ausgestatten Server auf konsequente Simplizität und Eleganz trimmen, wenden sie Tüftlern, erfahrenen IT-Chefs und ökonomischen Einkäufern den Rücken zu. Für all diese existieren zweifellos preisgünstigere, leistungsfähigere und besser individualisierbare Lösungen, um die Unternehmens-IT auf den neuesten Stand zu bringen.

Doch spätestens seit Apple wissen wir, dass Attribute wie hoher Nutzungskomfort, durchdachte Usability und formschöne Ästhetik bei manchen Menschen auf großes Interesse stoßen und eine erhöhte Zahlungsbereitschaft nach sich ziehen. Protonet zielt genau auf diese Gruppe von Personen. Speziell kleinen und jungen Unternehmen fehlen mitunter die Mittel, um einen erfahrenen Systemadministrator anzustellen. Das Startup von der Elbe will hier aushelfen und glaubt, die Vorteile einer von überall erreichbaren Cloudlösung mit den Vorteilen einer lokalen Hardwareinfrastruktur vereinen zu können.

Auch Privatanwender sollen bedient werden

Derzeit werden die Server nur an Geschäftskunden verkauft. Eine Variante für Privatanwender ist aber geplant. Neben den Verkaufserlösen sollen künftig auch der Vertrieb von Zubehör sowie Premium-Service-Verträgen Umsätze generieren. Mittelfristig fassen die Hamburger außerdem eine Lizenzierung des Server-Betriebssystems ins Auge. Da dieses auch eine eigene App-Plattform beinhaltet, entstünden dadurch zusätzliche Monetarisierungspotenziale. Aber noch ist dies Zukunftsmusik.

Dass es für Protonet einen Markt gibt, haben die ambitionierten Gründer Anfang des Jahres mit einer geglückten Crowdfundingaktion bewiesen. Nicht einmal eine Stunde benötigte Protonet, um bei Seedmatch die damalige Maximalsumme von 200.000 Euro einzusammeln. Diese beachtliche Nachfrage wiederum machte auch private Geldgeber hellhörig: Wie diese Woche bekannt gegeben wurde, haben eine Reihe aus Hamburg stammender Business Angels 900.000 Euro in das aufstrebende Startup investiert.

Wenn ein Team aus unternehmerisch relativ unerfahrenen Jungspunden ein kommerzielles Hardware-Produkt auf den Markt bringt, dieses am Hochlohnstandort Deutschland fertigt und gewisserweise die Verantwortung für den reibungslosen IT-Betrieb in hunderten oder tausenden Firmen übernehmen will, dann muss man damit rechnen, dass auch einmal etwas schief gehen kann. Umso beeindruckender ist, wie weit Jelveh, Blum und ihre Mitstreiter bereits gekommen sind. Die Enthüllungen um die Beschattung der Webnutzer durch Geheimdienste und die damit aufkommenden Zweifel an der öffentlichen Cloud sind für die Norddeutschen ein glücklicher Zufall. Das Glück der Tüchtigen sozusagen. Mal sehen, was sie daraus machen. /mw

Link: Protonet

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