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19.01.11Leser-Kommentare

SEO und Contentfarmen: Wenn die Suchmaschine zum Maß aller Dinge wird

Kann man Suchmaschinenoptimierung mit hochwertigen journalistischen Dienstleistungen kombinieren? Verschiedene Anbieter glauben, dass dies geht, und richten ihre Inhalte primär an den Ansprüchen von Google & Co aus.

 

Die Kollegen von deutsche-startups.de berichteten gestern über die Finanzierungsrunde des Hamburger Suchmaschinenoptimierers Testroom, der von Neuhaus Partners einen einstelligen Millionenbetrag für das weitere Wachstum erhalten hat.

Das Thema Suchmaschinenoptimierung (SEO) kommt bei uns eher seltener zur Sprache. Aus einem speziellen Grund möchte ich die Meldung aber erwähnen und kommentieren: Einmal von dem Seltenheitswert einer derartigen Kapitalspritze für ein deutsches Startup im übervölkerten SEO-Markt abgesehen war es das folgende Zitat von Matthias Grychta von Neuhaus Partners, das mir sofort ins Auge sprang: “Testroom bietet die optimale Verbindung von technischer Kompetenz und hochwertigen journalistischen Inhalten."

Bin ich der einzige, der meint, dass Suchmaschinenoptimierung und die Erstellung von hochwertigen journalistischen Inhalten im krassen Gegensatz zueinander stehen und kaum miteinander vereinbar sind? Immerhin geht es bei SEO unter anderem darum, Texte suchmaschinenfreundlich zu gestalten, was zum Beispiel bedeutet, frühzeitig bestimmte Suchwörter zu platzieren, Begriffe stetig zu wiederholen und die Struktur des Textes an die Bedürfnisse der Suchmaschine anzupassen. Der Gegensatz zum journalistischen, sprachlich anspruchsvollen und variierten Schreiben ist offensichtlich, oder?

SEO ist eine Notwendigkeit, daran besteht kein Zweifel. In einer perfekten Welt, in der es nur seriöse Websites von hoher Qualität gibt, wäre sie vielleicht hinfällig. Aber da in der Realität Millionen minderwertige, allein für die schnelle Generierung von Anzeigenumsätzen erstellte Sites existieren und gerade diese sich durch intensive SEO-Arbeit auf den vorderen Rängen der Ergebnisseiten von Google, Bing & Co breitzumachen versuchen, bleibt allen anderen Anbietern nichts anderes übrig, als ihrerseits nachzuhelfen und an den Stellschrauben zu drehen, die ihre Suchmaschinenpositionierungen verbessern können.

Zu einem Problem wird SEO in meinen Augen, wenn dies nicht mehr nur eine Nebendisziplin des Betriebs einer Websites darstellt, sondern zum Zentrum und Selbstzweck wird. Wenn nicht mehr existierende, auf den User und die Usability ausgerichtete Texte zum Einsatz kommen, sondern große Teile der Site in erster Linie an die Bedürfnisse der Suchmaschinen angepasst werden.

Die Hervorhebung der "hochwertigen journalistischen Inhalte" (auch auf der Testroom-Website) deutet jedoch darauf hin, dass die Hamburger genau in diesem Bereich ihre Stärke sehen - zumal das verwandte Schaffensfeld der so genannten "Contentfarmen" seit dem Aufstieg das mittlerweile einen Börsengang anvisierenden US-Unternehmens Demand Media in Webkreisen ohnehin als potenziell attraktiv gilt.

Demand Media analysiert das Suchverhalten der Nutzer und lässt dann von einem Netzwerk an tendenziell niedrig bezahlten Schreiberlingen dazu passende Inhalte produzieren, um sich schnellstmöglich den aus diesen Suchen resultierenden Traffic abzuholen und durch Werbung zu monetarisieren.

Demand Media realisiert damit ein von SEO-Agenturen seit langem praktiziertes Verfahren in einem sehr viel größeren Stil. Auch wenn man argumentieren könnte, dass es ja die User sind, welche die jeweiligen Inhalte nachfragen, so setzt das Prinzip von Demand Media auf möglichst niedrigen Produktionskosten (z.B. durch einen hohen Anteil an Freelancern) und eine Art digitale Fließbandfertigung, was dem Unternehmen den Ruf eingebracht hat, haufenweise Billiginhalte zu generieren (was Demand Media natürlich bestreitet).

Mir persönlich fehlt an dem Demand-Media-Modell (aber auch an dessen geringer dimensionierten Umsetzungen mancher Suchmaschinenoptimierer) der Nutzen für die User. Der angesprochene Widerspruch zwischen qualitativem und für Suchmaschinen angepasstem Content erfordert Kompromisse, und diese macht auch heute schon jeder Qualitätsanbieter (was man nun auch immer als Qualitätsanbieter definiert).

Erfordert bzw. garantiert das Geschäftsmodell jedoch ein hervorragendes Ranking, ist die Gefahr groß, dass dieser Kompromiss zu Lasten der Qualität des Inhalts geht.

Jedes Unternehmen, das Content nicht zumindest teilweise aus eigener Überzeugung, Kompetenz oder Leidenschaft heraus produziert und sich an eigenen Maßstäben und Werten orientiert sondern stattdessen ausschließlich den Ansprüchen der Suchmaschinen hörig ist, erschwert den Suchenden das Auffinden gehaltvoller Suchergebnisse (Kritik an der sich verschlechternden Qualität der Google-Resultate hört man in diesem Kontext häufiger). Je mehr Firmen dem Konzept von Demand Media folgen (in Deutschland z.B. contentfleet), desto eher wird die Websuche für Anwender zum Spießroutenlauf.

Vielleicht gelingt Testroom ja die Quadratur des Kreises, seinen Kunden tatsächlich hochwertige journalistische Dienstleistungen anzubieten, welche gleichzeitig alle Anforderungen von Google erfüllen. Immerhin handelt es sich beim Gründerteam Michael Dunker und Andreas Fey um ehemalige Journalisten.

Der grundsätzlichen, von Demand Media mit Börsenträumen angeheizten Tendenz, anspruchslosen Content kostengünstig (am Fließband) zu erstellen und damit die Suchergebnisseiten zu verstopfen, um möglichst viele Besucher anzulocken und mit Werbung zu bewerfen, bevor sie ihre Suche an anderer Stelle fortsetzen, kann ich allerdings sehr wenig abgewinnen. Den Anwendern hilft es kaum, die Suchmaschinen belastet es und für die Websites, die Inhalte mit weniger SEO-Fokus aber mehr Hingabe produzieren, ist es ebenfalls eine Herausforderung.

Bleibt zu hoffen, dass Suchmaschinen auch in Zukunft den Contentfarmern einen Schritt voraus sein werden. Sofern nicht der breite Einzug von Social Search die Rahmenbedingungen ohnehin neu definiert.

(Illustration: Flickr/igorbrasil, CC-Lizenz)

Kommentare

  • ring2

    19.01.11 (13:52:50)

    Ja, ... Bin ich der einzige, der meint, dass Suchmaschinenoptimierung und die Erstellung von hochwertigen journalistischen Inhalten im krassen Gegensatz zueinander stehen und kaum miteinander vereinbar sind? ... da bist Du vielleicht nicht der Einzige, Unsinn ist es trotzdem ;) ... das was Du danach zitierst ist zwar das klassische Modell "demand media" - klar, verstanden - aber das heisst ja noch lange nicht, dass man journalistische Texte nicht auch optimieren kann/sollte.

  • Martin Weigert

    19.01.11 (14:01:42)

    Klar, wie auch im Text erwähnt - bis zu einem gewissen Grad machen das alle (auch wir). Worauf ich mich bezog, war, SEO als Kerndienstleistung anzubieten und das mit "hochwertigen journalistischen Inhalten" machen zu wollen. Da sehe ich einen Widerspruch. Simples Beispiel: Es ist für Ranking gut, in der Überschrift, im Lead und ganz am Anfang des Textes das Keyword zu haben. Rein stilistisch und aus Gesichtspunkten der Ästhetik und Lesefreundlichkeit ist das jedoch (je nach Wort) möglicherweise ein No-Go. Nur wird jeder SEO eben dennoch Option 1) wählen. Obwohl Option 2) eher als "hochwertige journalistische Arbeit" zählen würde.

  • ring2

    19.01.11 (14:05:43)

    ;) schon verstanden - danke für die schnelle Antwort. (übrigens, und das ist meine ganz persönliche Erfahrung, können echt gute Schreiber besser SEO, eben weil sie auf diesen ästhetischen Schnickschnack eher verzichten, aber das ist eine andere Diskussion :)

  • Martin Weigert

    19.01.11 (14:08:29)

    Das wäre dann natürlich eine heftige Gegenthese... ;)

  • Max

    19.01.11 (14:13:04)

    @Martin Ich denke SEO und hochwertige journalistische Arbeit sind miteinander vereinbar. Das mit dem Keyword zu Beginn ist sicherlich als Teil von SEO anwendbar, aber wenn man das wirklich ernsthaft betreibt gehört sicherlich noch mehr dazu also nur Schema F. Du willst ja mit deinen Texten im journalistischen Bereich nicht für Tagesgeld oder Kredit ranken, wo eventuell solche Maßnahmen zum Tragen kommen würde. Im Bezug auf journalistische Texte würde ich da eher Wert darauf legen, dass die Seite sauber gecrawlt werden kann, schnell lädt, die Titletags vernünftig gestaltet sind und der User eigentlich das findet, was er wirlich sucht. Das ist z.B ein weiterer Punkt, auf den Google immer weiter achtet: die User Experience! Findet die Masse an Usern eben nichts auf den künstlichen Contentfarmen kann das Keyword noch so oft am Anfang, fett und rot stehen, die Seite rutscht nach hinten.

  • Michael S

    19.01.11 (14:16:27)

    Martin, du siehst das meiner Ansicht nach nicht ganz richtig. Guter Content und gutes SE Optimieren schließen sich nicht aus. Vor ein paar Jahren hat es vielleicht noch geholfen eine Seite mit Keywords vollzustopfen um damit gut zu ranken. Mittlerweile nimmt die Wichtigkeit von on-page SEO immer mehr ab (gut man muss seine Hausaufgaben was das Technische anbelangt - redirects etc. natuerlich machen - und auch das keyword im title schadet nicht). Was aber wirklich zaehlt, sind die Inlinks - und wer ueber laengere Zeit gute Links erhalten will, muss guten Content liefern. Und in einer Zeit, in der die Suchmaschinen gerade beginnen Socialmedia auch in das Ranking einfließen zu lassen (zB Anzahl und Reputation von Tweets oder Shares auf Facebook) - wird nur gut ranken wer guten Content hat.

  • Martin Weigert

    19.01.11 (14:24:56)

    Das würde die Rolle des SEOs dann aber nahezu überflüssig machen, oder? Zudem würde es bedeuten, dass Demand Media tatsächlich guten Content produziert... sonst würde ja deren Modell nicht funktionieren. "Guter Content" ist imo zudem nicht gleichzusetzen mit "hochwertigen Journalistischen" Inhalten.

  • Florian

    19.01.11 (14:25:31)

    Klar ist SEO kein Selbstzweck. Aber man sollte zumindest genauso ehrlich sein und zugeben, dass "hochwertige journalistische Inhalte" nun mal auch dem Zweck dienen, Auflagen zu verkaufen oder Werbeklicks zu generieren.

  • Stefan

    19.01.11 (14:35:53)

    Hallo Martin! Ich sehe es ähnlich wie Michael. Das Problem ist heute gar nicht mehr die Suchmaschinenoptimierung, die Grundkenntnisse haben sehr viele. Genau diese reichen aber eben oft aus um gut zu ranken, vorausgesetzt man liefert hochwertigen Content. Nehmen wir deinen Blog als Beispiel. Bei dir spielt SEO kaum eine Rolle, denn deine Artikel sind grundsätzlich interessant, hochwertig und dementsprechend verlinkenswert. So kommt auch eine entsprechendes Ranking zustande. Würdest du jetzt einen größeren Wert auf SEO legen, würde es zwar noch besser werden, fällt aber vielleicht gar nicht ins Gewicht. Hochwertiger Content ist die beste Basis für ein gutes Ranking. Schafft ein Dienstleister wie Textroom das und es entwickelt sich dadurch eine gute Online Reputation, dann ist auch vieles möglich. Warum dann allerdings über 1 Mio Finanzmittel in das Start-Up geschoben werden, ist mir auch schleierhaft. Dieser Ansatz ist nun nicht gerade neu und wird bereits von einigen Unternehmen erfolgreich umgesetzt.

  • Christian

    19.01.11 (14:49:24)

    "Immerhin geht es bei SEO unter anderem darum, Texte suchmaschinenfreundlich zu gestalten, was zum Beispiel bedeutet, frühzeitig bestimmte Suchwörter zu platzieren, Begriffe stetig zu wiederholen und die Struktur des Textes an die Bedürfnisse der Suchmaschine anzupassen." Das ist nicht ganz richtig und tendiert zu Humbug bzw. Richtung Mythos (welcher sich leiter sehr weit verbreitet und sehr tief festgesetzt hat). Die sogenannten SEO-Experten sollten sich mal weniger mit dem Gelaber der anderen SEO-Experten auseinandersetzen und dafür mehr mit Google und seinen Aussagen selbst. Ja, es ist ein Teil des Ranking-Algorithmus, macht aber nur einen sehr kleinen Teil davon aus, den, besonders journalistische Seiten, ignorieren sollten (aus den oben genannten Bedenken). Einen viel größeren Einfluss beispielsweise haben direkte Verlinkungen. Ich denke schon, dass im Fall von Journalistische Webseiten das Thema SEO durchaus wegzudenken ist. Google geht es dabei einfach um Korrektheit und Benutzbarkeit/Einfachheit. Dies erreicht man beispielsweise durch sauberes HTML und schnelle Ladezeiten. Diese Faktoren sind zwar Teil des Rankings, sollten aber als selbstverständlich angesehen werden und nicht als Maßnahme zur SE-Optimierung. Dummerweise sind diese Webseiten alles profitgetrieben und setzen deswegen alles daran, so weit wie nur irgend möglich nach oben auf die Suchergebnisseiten zu gelangen.

  • eric

    19.01.11 (15:15:44)

    Ich muss dazu auch was sagen: Du schreibst ein paar Annahmen, die falsch bzw. einfach veraltet sind. Es geht bei SEO schon lange nicht mehr darum, Keywords so häufig wie möglich zu nennen. Wir machen SEO für Qualitätsmedien - und den besten SEO-Text habe ich von einem Politik-Ressortleiter einer großen deutschen Tageszeitung als Test bekommen. Warum war der so gut? Weil er ganz automatisch viel richtig gemacht hat: Er hat die 7 journalistischen W beantwortet, er hat kurze und gerade (Haupt-)Sätze geschrieben, er hat sich nicht in irgendwelchen hintersinnigen Bildern verloren. Und er hat auch Wolf Schneider (dt. Sprachpapst) beherzigt und ist ihm in der Forderung gefolgt, Wichtige Wörter nicht durch andere, meist unpassende Formulierungen zu verschleiern. Und natürlich hat er am Anfang des Textes gesagt, worum es geht und in der Überschrift (der die User etwa 50 Millisekunden geben bei der Entscheidung, ob sie den Text lesen) auch die Hauptsache des Artkels genannt. Ist SEO deshalb überflüssig? Nö. Weil es noch genug Vollpfosten gibt, die es mit dämlichen Wortwiederholungen versuchen und viele Schreiber, die gar nicht wissen, dass es journalistische W gibt. Und das ist nur die inhaltliche Sicht, von Struktur, Technik und Backlinks habe ich gar nichts gesagt. Wir können uns dazu gerne mal austauschen. Wobei wir über Testroom nicht streiten können - da bin ich geschätzte 200 % deiner Meinung ;-) eric

  • Bär

    19.01.11 (15:59:04)

    Nennt mich naiv, aber ich glaube noch an das Gute in der Suchmaschine :-) Die Idee hinter Google & Co. ist doch. Eine Suchmaschine ist gut, wenn sie gute Ergebnisse liefert. Gute Ergebnisse sind die, die dem Suchenden dienen. Websites dienen dem Suchenden, wenn sie nützliche / hochwertige / relevante Inhalte bieten. Eine Suchmaschine muss gut sein, sonst ist sie weg vom Fenster. Also ist es ihr zweit-ureigenstes Ziel, gute / relevante Websites hoch zu ranken. (Nebenbei: Das ureigenste Ziel ist natürlich, Werbung zu schalten. Wenn das auch ohne zufriedene Nutzer ginge, ja dann ... :-) Unter dieser Prämisse ist die "böse" SEO (Contentfarmen, Linkfarmen) lediglich der Tatsache zu verdanken, dass die Suchmaschinen mit ihren automatisierten Ranking-Verfahren nur annähernd die reale Relevanz einer Website in Bezug auf eine Suchanfrage einschätzen können, oder? Und die unseriösen SEO-Anbieter nutzen aus, dass Google und Co. zwischen gutem Content und Content-Mimikry nicht unterscheiden können (was imho übrigens für In-Page-Kriterien genauso gilt wie für Social Linking). "User Experience", "technische Hausaufgaben machen", das stützt alles die Aussage "Hochwertiger Content ist die beste Basis für ein gutes Ranking". Der schließe ich mich an.

  • Martin Weigert

    19.01.11 (16:10:04)

    Danke an euch für die konstruktive Kritik und die diversen Hinweise. Für mich bleiben jedoch folgende Fragen: Wenn SEO mittlerweile tatsächlich so sehr auf Content-Qualität fokussiert ist, wie dies mehrere Male hier in den Kommentaren unterstrichen wurde, was bedeutet dies dann für die enorme Menge an SEO-Agenturen, wieso sind die SERPS zu manchen Begriffen dennoch von Sites mit minderwertiger Qualität überhäuft und wie kann ein Unternehmen wie Demand Media einen Börsengang anstreben und anscheinend ziemlich brummen, wenn es offenkundig an den Punkten spart, die üblicherweise als Voraussetzung für Qualitätscontent gelten? So sehr SEO verteidigt und aus der Ecke der potenziellen Unseriosität herausgeholt werden soll, so sehr wird dies durch offenkundige Erfolgen der unseriösen SEOs konterkariert.

  • Bär

    19.01.11 (16:29:17)

    Wunsch und Wirklichkeit? :-) Realität ist doch, das die Demand Medias den Google-Bemühungen um relevanten Content in den Suchergebnissen immer eine Nasenlänge voraus sind. Und dass viel zu viele Kunden glauben, dass sie auf Dauer ohne Qualität, nur mit SEO-Trickserei, eine lahme Website zum Besuchermagneten machen können. Wenn dann das Budget in solche SEO fliesst, dann profitieren Firmen wie Demand Media vom SEO-Hype, auf Kosten aller.

  • eric

    19.01.11 (19:46:34)

    Mal ganz konkret: Welche Begriffe sind denn mit wirklich idiotischen Seiten überflutet? Das sind die, für die Affiatiates viel Geld verdienen weil Leute da einkaufen. Man kann das etwa damit vergleichen, dass in Einkaufszentren (in denen die Menschen in einer Kaufbewegung sind) nur wenige Quadratzentimeter werbefrei sind. Wieso soll das im Internet anders sein? Ich finde, da sollte man das Internet schon auch ernst nehmen: Damit wird viel Geld verdient, deshalb wollen möglichst viele ein Stück von ab haben. Deshalb Werbedruck. Und bei vielen Bereichen ist es ja auch so, dass es nicht mal vernünftige Seiten gibt. In anderen Bereichen (also, wo kein Supermarkt ist) sind die Ergebnisse doch prima. Wir können Google nicht zu unserem Aufpasser machen - sondern müssen halt beobachten, wie die Suchmaschine gegen Spam kämpft. Nicht weil sie "edel und gut" ist, sondern weil das ihr Geschäftsmodell ist. Wenn zu Suchen miese Seiten angezeigt werden, ist das in Bug bei Google, an dem die vermutlich arbeiten. Das sehen wir doch immer wieder, wie eBay-Seiten oder die Ciaos dieser Welt die Ergebnisse überschwemmen - und dann wieder weg sind. Nun gibt es natürlich SEOs, die auf diese "Bugs" von Google optimieren und damit eine schnelle Mark machen.Es gibt auch viel schlechte Werbung im Fernsehen und an den Mist in meinem Briefkasten will ich gar nicht denken. Andere SEOs setzen halt eher auf langfristige Strategien und setzen auf gute Inhalte - was in Nicht-Shopping-Bereichen auch funktioniert. Du schreibst: "wieso sind die SERPS zu manchen Begriffen dennoch von Sites mit minderwertiger Qualität überhäuft". Bitte zeige mir Suchbegriffe, bei denen meine Werbevermutung oben nicht gilt, die aber geflutet sind. Und damit meine ich relevante Themen wie Politik, Wirtschaft, Gesellschaft u.s.w.. Wir hatten in Deutschland doch schon längst unser "Demand Media" - die Plattform misterinfo. Diese wurde tatsächlich von Google aus dem Rennen genommen (witzigerweise jetzt erst von Springer gekauft *kicher*). Ansonsten lese ich manchmal, dass die SERPS voller Dreck seien - aber sehe aber, dass im Grunde 95 % der deutschen User dann doch mit der Suchmaschine zufrieden sind (so viel Anteil hat Google in Deutschland etwa). Also entweder sind das alles Schlafwandler oder es gibt zwischen dem Geschimpfe und der Realität einen großen Unterschied. Wie gesagt: Ich freue mich über wichtige Suchbegriffe, auf denen lauter SEO-Dreck-Seiten stehen - dan kann ich mir das mal anschauen. Und dann haben wir auch prima Beispiele. Gerne kommentiere ich die dann - das ist mein Job. eric

  • Bär

    19.01.11 (20:36:10)

    Ich würde da eric in weiten Teilen zustimmen, und noch versuchen, einen Aspekt beizusteuern: Es liegt in der Natur der Sache, dass Suchmaschinen die Suchanfragen in einem (1!) bestimmten Kontext interpretieren. Und der heißt in vielen Bereichen des Netzes nun einmal "Kommerz" oder "Technik". Ein gutes Beispiel: Googelt mal "Apple" auf google.com. Auf Seite 2 kommt unten der erste Eintrag zur Frucht, und bis zur Erwähnung der Apple Records kann man eine Weile Blättern. Provokante These: 90% der Suchenden bekommen das, was sie erwarten, aber die 10% Beatles- und Frucht-Liebhaber sehen die Ergebnisse als "Jobs-verseucht" an. Man kann es nicht allen recht machen :-) Trotzdem gibt es sicherlich Fälle, wo Google zu 90% Schrott liefert. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass die Suchmaschinen-Betreiber wissen, dass sie dagegen vorgehen müssen.

  • wolfgang

    19.01.11 (22:23:54)

    Immerhin handelt es sich beim Gründerteam Michael Dunker und Andreas Fey um ehemalige Journalisten. Wie man es nimmt. Ist man ein Journalist, wenn man von BILD kommt? Dazu evtl. auch diese - wie ich finde - sehr interessante Diskussion bei Niggemeier. Bin ich der einzige, der die Testroom-Webseite irgendwie seltsam findet?

  • Olaf

    19.01.11 (23:15:26)

    Es ist nich von der Hand zu weisen, dass der massenhaft von SEOs fabrizierte Content minderer Qualität das Netzt überfüllt. Nach meiner Schätzung sind inzwischen 20-40% aller Websites aus einem SEO bzw. Afilliate Hintergrund entstanden. Dennoch sehe ich Deine Kritik etwas zu eindimensional, da Du den Aspekt der externen Velinkung gar nicht bedenkst, die mindestens genauso auf das Ranking EInfluss nehmen wie die Onpage Faktoren wie z.B. der Inhalt. Ich bin der Überzeugung, dass qualitativ guter Content es einfacher hat diese Backlinks zu erzeugen. Natürlich kann man diese Backlinks auch künstlich erzeugen, aber gerade was redaktionelle Seiten angeht sehe ich es nicht so schwarz und denke dass sich gute Inhalte auch in den Suchmaschinen durchsetzen. Zudem sollten Liebhaber von qualitativ guten Inhalten auch die Fähigkeit besitzen diesen rauszufiltern.

  • Loewenherz

    19.01.11 (23:30:43)

    Ich pflichte vielen hier gemachten Aussagen bei. Aber muss auch klar widersprechen: SEO und hochwertiger Content lassen sich hervorragend vereinbaren. Das schreibe ich als SEO und Publizist. Wenn ihr SEO natürlich nur auf hohe Keyword-Density etc. beschränkt, nun denn... da kommt kaum lesbares bei heraus.

  • Martin Weigert

    20.01.11 (01:32:40)

    Ja darauf wollte ich an dieser Stelle nicht weiter rumreiten. Und nein da bist du wohl nicht der Einzige. ;)

  • eric

    20.01.11 (07:30:47)

    Ach, Olaf. Ein markige Pauschalaussage! Ich hoffe, du meinst damit nicht alle Seiten (dann müsstest du ja ganz schön viel gesehen haben) sondern die Suchergebnisse von Google. Bei 20 % Spam wäre noch eine Menge Platz für Qualitätshinhalt. Finde ich also gar nicht so schlecht. In meinem E-Mail-Postfach habe ich eine deutlich schlechtere Relation. Bei 40 % wäre das wirklich ärgerlich. Und da wiederspreche ich dir und gebe dir die Möglichkeit, mich zu überzeugen: Nenne mir eine Handvoll ernsthafter Suchbegriffe die NICHT reine Werbung provozieren (also nicht "Kredite ohne Schufa" oder "iPhone kaufen" oder "Poker) bei denen auf Seite 1 bei Google 40 % Spam zu finden ist... Wird schwer, kann ich dir sagen. Denn halt eben auch Qualitätsmedien haben Wind davon bekommen und machen SEO. AH! Dürfen die das denn???? Natürlich, warum nicht? Sie dürfen ja auch versuchen, im Kiosk direkt neben der Kasse zu liegen oder bei Lidl ins Sortiment zu kommen. Mit anderen Worten: Auch Seiten mit hoher Qualität achten auf SEO und schmeißen trotzdem nicht Wortjauche ins Web. Netzwertig hier achtet durchaus auch auf seine Sichtbarkeit bei Google, gell Martin? Und du willst hier ja nun nicht von Spam sprechen, oder? ;-) eric

  • Martin Weigert

    20.01.11 (07:35:12)

    Korrekt. Aber es geht ja um das Motiv: Macht man SEO, weil man will, dass Inhalte gefunden werden, oder macht man Inhalte, um mit ihnen SEO zu betreiben, Auf uns trifft das Erst zu. Auf Contenfarmen das Zweite.

  • Olaf

    20.01.11 (10:51:49)

    Ach Eric, natürlich aller Seiten, auch die es nicht in die Top 100 bei Google schaffen. Ich spreche hier auch von Linkfarmen, Satelittenseiten, Landing Pages, Keyword Domains oder was man auch immer im SEO Context zur Linkgenerierung, Monetarisierung etc. nutzen kann. Anscheinend hängst Du Dich zu sehr an meiner Aussage 20-40% auf, sonst sind wir von der Meinung nämlich gar nicht so weit auseinander. Das mit den Prozentangaben lässt sich natürlich nur schwer beweisen. Es ist aber mein Gefühl. Und das du diese 40% nicht auf den ersten SERPs findest unterstützt ja wieder nur die These, dass die Suchmaschinen es wohl einigermaßen schaffen Spam von qualitativ guten Content zu trennen bzw. sich dieser auch in den SERPs durchsetzt. Bei Begriffen, die keinen kommerziellen Hintergrund haben ist es ja wohl logisch, dass hier das Verhältnis der Spam Seiten geringer ist. Da wo die meiste Kohle zu holen ist wird am meisten gespamt.

  • eric

    20.01.11 (13:45:56)

    Na klar, das ist natürlich polemisch von mir, dich auf die Prozentzahlen festzunageln. Aber die Vorlage kam von dir ;-) Aber eben auf diesen Hintergrund wollte ich ja auch aufmerksam machen: Man sagt schnell mal, dass einem der Index zugespammt vor kommt. Doch bei genauerer Betrachtung ist das halt in den Bereichen, in denen Geld verdient wird. Und da ist nun mal das Internet auch nicht besser als die Real World - und wir Verbraucher sind aufgerufen, auch noch selber zu denken. Ich würde allerdings eine andere Diskussion mal gerne aufmachen: Müssen wir möglicherweise Sorge haben, dass das die Suchergebnisse, äh, "oligarisiert" werden? Egal, ob guter oder schlechter Content: Ohne SEO-Etat wirst du dich nicht durchsetzen gegen die Großen. Das heißt, die Kleinen werden kleiner. Deshalb sehen wir - auch in Meinungsbereichen - vor allem die Seiten von wirtschaftlich starken Marken. Das finde ich, bitte ohne jetzt hier als Linker gelten zu wollen, irgendwie ein bisschen bedenklich.

  • Bär

    20.01.11 (14:09:15)

    Ich würde das "zugespammt vorkommen" gar nicht so sehr quantitativ sehen, sondern eher qualitativ. Wenn ich mein neues Produkt "Brmpfwrzl" google (gerade gemacht, gibt es noch nicht :-) und auf der ersten Seite auch nur einen oder zwei Links finde in der Art: "'brmpfwrzl' günstig bei murksateo kaufen" "'brmpfwrzl' bei bmazon.de für fast umme" "'brmpfwrzl' superschnell im Usenet downloaden" "gefunden auf 'brmpfwrzl.softwaredownload.com'" dann zeigt das doch geradewegs den Weg in Richtung SEO-Hölle, oder? Weder Suchmaschinen-Betreiber noch Suchende haben davon einen Nutzen - außer es fließt Geld zur Suchmaschine. (Die Beispiele sind willkürlich gewählt, hängt Euch nicht an den Sitenamen auf)

  • eric

    20.01.11 (14:18:28)

    Da sind wir einig! Lustig ist ja sogar (es lebe die Gemifcation!) dass man eigentlich mit genügtend Suchdruck auf brmpfwrzl Demand Media und die Testrooms mit Artikeln zu diesem Thema beschäftigen könnte ;-) Aber was du da meinst, ist wohl eher eine Funktion in den AdWords. Hier kann man den Suchbegriff dynamisch einbinden. Für eine solche Suche würde aber niemals eine Anzeige erscheinen - weil ja niemand drauf bieten würde. Wie auch... Trotzdem hast du recht: Suchbegriffe, die häufig verwendet werden, führen in Contentfarmen zu automatischen Müll-Artikel. Aber, wenn ich da meine Lebensumgebung anschaue: Ich komme selten auf solche Seiten. Warum? Weil Google sie eigentlich ganz gut raus filtert und weil wir diese Seiten im Grunde auch ganz gut schon auf der Suchergebnisseite erkennen. Oder? Zynisch gesagt: Ja, es wird diesen brmpfwrzl-Beitrag geben - aber keiner liest ihn.

  • Andreas

    20.01.11 (17:25:25)

    Es ist schon vereinbar, braucht aber sicher gegenseitige Kompromisse. Ein Link aus einem Text sollte nur dann gemacht werden, wenn die Zielwebseite auch wirklich von Nutzen für den Leser ist. So falsch sind deine Aussagen nicht, Martin. Eine Gefahr ist grundsätzlich vorhanden, wenn es nur noch um die Platzierungen geht. Ich denke, es liegt auch ein bisschen an dem SEO Spezialist oder Texter selbst, wie er an einen Text herangeht. Loewenherz hat es richtig formuliert: nur hohe Keyword-Density wäre nicht mehr lesbar. Dieser Schuss geht devintiv nach hinten raus.

  • Olaf

    20.01.11 (17:30:11)

    ...abgesehen davon dass die keyword density eh nicht mehr so die entscheidende Rolle für das Ranking spielt.

  • Bär

    20.01.11 (21:39:52)

    Nee, ich meinte nicht die automatische Adwords-Generierung, sondern eine Art der Content-Produktion, bei der SEO-Firmen ohne Sinn und Verstand (!) mehr oder weniger mechanisch Content für Suchbegriffe produzieren. Gerade dadurch fühlen sich mein Sinn und Verstand zutiefst beleidigt. Apropos "brmpfwrzl": Gerade noch im Blog, jetzt schon in Google. Morgen dann in Paris, Rom, Tokyo, Mercateo? Leute, kauft mehr brmpfwrzl (r)

  • Max

    21.01.11 (12:33:49)

    Die Aussage so schlecht kann google nicht sein wenn 95% in Deutschland es benutzen... Ich finde das google nur noch mäßig gut ist, das Problem ist das die Konkurrenz einfach schlecht ist. Ich persönlich nutze nur noch für 10% der Dinge direkt die Suchmaschine. Für das meiste was ich brauche/nutze habe ich mittlerweile eine Entsprechende Seite gefunden und gehe direkt dorthin. Mit diesem Vorgehen scheine ich auch nicht ganz allein dazustehen immerhin kommen auf meine Seite 54% der User per Direktzugriff und 44% via Verlinkung und nur 1,9% via Suchmaschine (1,8% google)

  • Olaf

    21.01.11 (12:38:17)

    @max:Für den Traffic über die Suchmaschine bist Du ja auch selbst verantwortlich. Die Aussage, dass nur 1,8% deines Traffics über Google kommt, hat ja auch eventuell mit deiner fehlenden Präsenz dort zu tun.Aus Erfahrung in diversen Themengebieten und Branchen kann ich nur sagen, dass der organische Suchmaschinentraffic im Schnitt zwischen 25-50% liegt. Je nachdem wie es um die Sichtbarkeit der Domain bestellt ist. Wenn AdWords noch zusätzlich geschaltet werden ist der Anteil von Google noch höher...

  • Manfred

    07.03.11 (19:51:22)

    Vielleicht liege ich ja völlig falsch, aber ich behaupte jetzt einmal, dass die ganze Aufregung um SEO etwas überzogen ist. Meiner Erfahrung nach ist die Offpage-Optimierung einer Website wesentlich wichtiger als die Onpage-Optimierung. Und das, was sich außerhalb einer Website abspielt, nämlich die Backlinks, sieht ohnehin niemand, der nicht weiß, wie man danach sucht. Die optimale Keyworddichte einer Webseite sollte ohnehin unter 5 Prozent liegen (allerdings variiert das je nachdem, wie man seine Keywords außerhalb des sichtbaren Seitenbereiches unterbringt). Die Sortieralgorithmen der Suchmaschinen schließen also Keywordstuffing und ähnliches aus. Ich stimme Loewenherz voll zu: Hochwertiger Content und SEO sind durchaus kein Widerspruch. Wie gesagt, der wesentliche Teil spielt sich Offpage ab und ist eigentlich "unsichtbar".

  • Rainer

    31.03.11 (12:29:52)

    Guter unique content gewinnt immer mehr an Bedeutung im Web, denn nur dadurch werden die Suchergebnisse einigermaßen überschaubar und wiederholen sich nicht 20 Mal, egal ob dieser von Journalisten oder Hobby-Autoren produziert wird. Natürlich steht die Suchmaschinenoptimierung dabei im Vordergrund. Details zum Thema unique content http://www.content.de/lexicon/Unique-Content-19.html

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