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27.09.10Leser-Kommentare

Selbstdarstellung im Internet: Der unterschätzte Faktor

Sich als Person im Netz zu präsentieren, ist mit allerlei Vorurteilen belegt und wird gerne kritisch beäugt. Ein Plädoyer für eine neue Sicht auf Selbstdarstellung im Internet.

 

Christopher Grieser studiert Kommunikationswissenschaften und Philosophie (derzeit unterbrochen). Er lebt in Berlin und ist an Praktika im Bereich digitaler Medien und an der Mitarbeit in Forschungsprojekten interessiert. Erreichbar ist er bei Twitter unter @zrendavir oder bei Xing .

Selbstdarstellung ist etwas, das im Netz – speziell in Social Networks – meist einen negativen Anklang hat. Nicht selten fallen im selben Satz auch Begriffe wie "Profilierungssucht" oder "virtueller Exhibitionismus". Außerdem seien die Profile ohnehin nur Eigen-PR und beschönigen uns selbst. Diese Vorurteile und Missdeutungen haben allerdings dazu geführt, dass die Möglichkeit zur Selbstdarstellung im Internet ein noch weit unterschätzter Faktor ist.

Zunächst bleibt abzugrenzen, was überhaupt Selbstdarstellung ist. Der Begriff scheint selbsterklärend zu sein, doch gibt es immer noch Grenzfälle: Ist die Veröffentlichung der eigenen Geolocation Selbstdarstellung? Ist die Wahl der Kleidung Selbstdarstellung? Sind Fotos, die andere von uns schießen und bei Facebook veröffentlichen, Selbstdarstellung?

Die Frage danach, was Selbstdarstellung ist, ist mit der Frage verbunden, was denn (digitale) Identität ist. Und schon die alten Griechen erkannten Probleme bei der Frage nach der Eindeutigkeit von Identität. Entsprechend des Begriffs der digitalen Identität Selbstdarstellung als die Summe unserer digitalen Profile zu sehen wäre noch zu unkonkret. Was gehört zum Profil und was nicht?

Gastautor Christopher GrieserDie Wahl des Profilfotos ist Selbstdarstellung. Die Veröffentlichung des eigenen Aufenthaltsortes bei Google Latitude nicht? Der Irokese eines Teenagers ist Selbstdarstellung, aber die Wahl der Kleidung nicht? Das Interview, das man autorisiert, ist eine Form von Selbstdarstellung. Und die Bilder von uns, die unsere Freunde ins Netz stellen nicht?

Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass eine Definition von Selbstdarstellung nur dann widerspruchsfrei möglich ist, wenn jegliche Information über einen miteinbezogen wird. Selbstdarstellung ließe sich daher definieren als die autorisierte Freigabe von Informationen, die mit der eigenen Person verknüpft sind.

Google Latitude als auch foursquare wären damit eine Form der (automatisierten) Selbstdarstellung. Die Autorisierung geschieht bei Latitude zum Zeitpunkt der Aktivierung des Dienstes. Die Fotos auf Facebook, die von anderen hochgeladen werden, sind keine Selbstdarstellung – wohl aber, wenn man die Verlinkung akzeptiert (also "autorisiert") hat.

Schon die Street-View-Debatte hat gezeigt, dass Dinge, die in der analogen Welt als selbstverständlich akzeptiert werden (z.B. Panoramafreiheit), in der digitalen Welt als problematisch erachtet werden. Ähnlich scheinen die Reaktionen auf Selbstdarstellung offline und online zu sein: Wie häufig wird die modische Auswahl der eigenen Kleidung als "Exhibitionismus" bezeichnet? Und wie häufig wird das wiederholte Wechseln von Profilbildern bei Facebook als "virtueller Exhibitionismus" bezeichnet?

Ein weiterer Faktor ist die Kanalreduktion im Internet. Im Gegensatz zum direkten Gespräch fehlen Mimik, Gestik, Tonfall und generelle Wahrnehmung des Äußeren unseres Gesprächspartners. Dabei ist ja bekanntlich ein Großteil unserer Kommunikation nonverbal. Bei textbasierten Nachrichten haben sich daher Smileys als ein Ersatz für die nonverbale Kommunikation etabliert, um die Kommunikation zu erleichtern. Man kann sich vorstellen, dass ausführliche Profilangaben in Social Networks ein Ersatz für das fehlende physische Erscheinungsbild im Netz sind. Ähnlich den Smileys, die ein Ersatz für die fehlende Mimik sind. Das äußere Erscheinungsbild ist offline eine Erleichterung der Kommunikation, da sie uns die Situation besser einschätzen lässt: Wie alt ist die Person mir gegenüber, welches Geschlecht hat sie und welchen sozialen Stand? Analog dienen online die Profilangaben dazu, uns den Hintergrund einer Person besser einschätzen zu lassen.

Es gilt also endlich zu akzeptieren, dass Selbstdarstellung in Social Networks nichts Unnatürliches oder Negatives ist, sondern eine natürliche Notwendigkeit, um soziale Interaktion im Netz zu erleichtern. Genauso wie die Wahl der alltäglichen Kleidung eben auch nichts Unnatürliches ist.

Infolgedessen ist es nur logisch, wenn Michael Seemann dazu aufruft, das eigene Bild im Netz zu beeinflussen. Denn wenn andere unautorisiert das eigene Bild im Netz bestimmen, ist das zwar keine Selbstdarstellung, aber es steht der Funktion von Selbstdarstellung, nämlich soziale Interaktion zu erleichtern, nichtsdestotrotz entgegen.

Bleibt noch der Vorwurf der Unehrlichkeit: Wir idealisieren unser Bild im Internet um vor anderen möglichst gut dazustehen. Doch eine Studie an der Universität Mainz scheint das zu verneinen: Wir sind im Netz doch überraschend ehrlich. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass eine ehrliche Selbstdarstellung für die Erfüllung der Funktion der Selbstdarstellung förderlicher ist als eine unehrliche. Anders gesagt: Mit einer idealisierten Selbstdarstellung wird soziale Interaktion (langfristig) eher erschwert als erleichtert.

Doch diese Erkenntnisse gelten bisher nur für "klassische" Social Networks und können noch nicht auf geschäftliche Social Networks wie Xing verallgemeinert werden. Auch im Bereich Online-Dating scheint es durchaus Beschönigungen der eigenen Person zu geben.

Exemplarisch kann man auch Twitter betrachten: Trotz des Vorwurfs, nur eine Plattform zur Selbstdarstellung zu sein, hat sich Twitter etabliert, da Selbstdarstellung letzten Endes auch ein menschliches Bedürfnis darstellt.

Und das ist der Punkt, an dem Selbstdarstellung ein unterschätzter Faktor ist: Aufgrund von Missdeutungen und Vorurteilen wird die Notwendigkeit der Selbstdarstellung unterschätzt. Jede neue technische Entwicklung, die die Möglichkeiten zur Selbstdarstellung erweitert, wird skeptisch betrachtet. Warum sollte ich anderen Leuten mitteilen wollen, wie ich aussehe? Warum sollte ich anderen mitteilen, was ich gerade tue? Warum sollte ich anderen mitteilen, was ich gerade für einen Film sehe, was ich eingekauft habe? Warum sollte ich anderen mitteilen wollen, wo ich mich gerade befinde?

Doch die Frage, die man sich eigentlich stellen sollte, lautet: Warum gibt es nicht noch viel mehr Möglichkeiten für mich, mich darzustellen?

(Foto: stock.xchng)

Kommentare

  • caschy

    27.09.10 (13:10:33)

    Lesenswerter Beitrag, danke dafür.

  • Marc Marius Müller

    27.09.10 (13:21:08)

    Guter Beitrag. Hatte mich damit im Rahmen meiner Bachelor Arbeit beschäftigt, Thema war Personal Branding, und bin zu einem ganz ähnlichen Schluss gekommen: Hilfreich und nützlich, aber unterschätzt. Bleibt zu hoffen, dass es sich durchsetzt.

  • fschuetz

    27.09.10 (13:26:00)

    Toller Artikel, vielen Dank! Ich verstehe unter "Selbstdarstellung" auch eher etwas postivites, wie Eigenmarketing oder Sichtbarkeit. Und auf die letzte Frage bezüglicher weiterer Möglichkeiten hätte ich auch direkt noch eine Antwort: Das kostenlose Yasni Exposé, um sich von Namensvettern abzugrenzen und sich selbst als Person mitsamt dem eigenen Angebot und Fähigkeiten im Netz zu präsentieren: http://www.yasni.de/expose ;-)

  • Marie-Christine Schindler

    27.09.10 (14:05:25)

    In dem Moment, in dem wir etwas über uns im Internet veröffentlichen, stellen wir uns dar. Abgewandelt von Paul Watzlawick würde das dann heissen: "Man kann sich nicht nicht darstellen". Wir liefern mit jedem einzelnem Beitrag ein Puzzlestück zum dargestellten „Ich“. Das greift aber weiter wie das Profilfoto oder selber verfasste Beiträge. Jeder Kontakt den wir haben, jedes "gefällt mir" das wir anklicken, jede Seite von der wir Fan sind, jede Seite, die wir bookmarken: Alles trägt zu unserem Gesamtbild bei. Ich bin der Meinung, dass gerade diese Dimension meist unterschätzt wird.

  • Meeresbiologe

    27.09.10 (14:30:43)

    Ich halte die Tatsache, dass Menschen, die sich in Medien (sei es nun im Fernsehn, Radio oder neuerdings im Internet) produzieren, sich selbst darstellen und Selbstdarstellung betreiben, ehrlich gesagt für eine Selbstverständlichkeit und für eine Binse. Einen sonderlich negativen Beiklang hat das m.M. auch nicht, wenn Millionen Menschen das Netz u.a. eben genau dazu nutzen und es längst Alltag für Millionen Menschen ist. Das Internet hat die Möglichkeiten zur Selbstdarstellung sicher ungeheuer (bis ungeheuerlich) erhöht und trägt mit diesen Möglichkeiten wesentlich zum vielbeklagten Information Overload bei. Aber negativ oder unterschätzt? Nein. Es handelt sich hierbei mit dem Internet um eine neue Realität, im Prinzip um eine Revolution der Möglichkeiten zur Selbstdarstellung, mit der wir fortan wohl oder übel leben müssen.

  • rob d

    27.09.10 (14:38:26)

    Schöner Artikel. Danke dafür.

  • Anonymous

    27.09.10 (15:01:46)

    [Mit Hinweis auf die Kommentarrichtlinien gelöscht)

  • Steffen Rühl

    27.09.10 (16:03:21)

    Es freut mich, dass das Thema mal sehr objektiv und gut aufbereitet dargestellt wird (schon wieder "Darstellung" - des Autors?). Ich hab da für alle Interessierten noch eine Programm-Empfehlung: Am Abend des 19. Oktober findet in Berlin eine Podiumsdiskussion mit dem knackigen Titel "Soziale Netzwerke im Internet und elektronische Rabattsysteme - Chance für eine bessere Lebensgestaltung oder Gefahr für die informelle Selbstbestimmung?" statt. Sind ein paar interessante Teilnehmer dabei: Peter Drunkenmölle von Payback, Malte Spitz von "Facebook Privacy Control - NOW" und Peter Schaar sowie meine Wenigkeit .. wird sicher lustig. ;-)

  • vera

    27.09.10 (16:13:28)

    Die Einen lehnen es als Selbstverliebtheit ab, die Anderen haben wohl noch aus der Kindheit im Ohr, 'dräng dich nicht vor'. Beides falsch, denn nur, wer Öffentlichkeit erlangt, wird gehört. Warum, bitte, sollte man sonst schreiben? Ich hatte kürzlich in etwas anderem Zusammenhang gefragt: Bin ich eine Nutte? Ulrike Langer und andere haben sich mit dem Thema beschäftigt, auf Journalismuslehrgängen kehrt es immer wieder: Wie werde ich eine Marke? So lange das als eitel, exhibitionistisch oder sonstwie negativ gilt, sieht es auch mit dem Journalismus schlecht aus. Und mal ehrlich: Hat nicht fast jeder schon mal über Sascha Lobo gedacht, er sei ja irgendwie schon ein cleverer Hund?

  • Steffen Rühl

    27.09.10 (16:39:14)

    Korrekt! ;-) "Personal Branding" ist nach "Employer Branding" (von dem die meisten Firmen auch noch nix gehört haben) und der allseits bekannten Produkt- und Marken-Bewerbung genau das, was künftig noch viel mehr die Erfolgreichen von den Unerfolgreichen trennen wird. Letztere sind aktuell aber stärker sichtbar, da jammern ja auch schön ist und man dafür noch nicht mal was können muss ;-) Auch Paris Hilton (und Sascha Lobo ist ja durchaus was Ähnliches) kann durchaus was: sich selbst darstellen! Wer das als "Nichtleistung" empfindet solls doch einfach nach machen - leichter kommt man doch dann nicht zu Ruhm und Reichtum. Oder? (sorry Martin fürs erneute polarisieren)

  • Daniel Lücking

    27.09.10 (19:16:45)

    Hervorragender Beitrag! Es ist schon seltsam, dass ein Volk, wie das Deutsche sich Traditionen wie Schützenfeste leistet und sich gleichzeitig um die Selbstdarstellung im Netz sorgt. Halten wir uns einmal vor Augen: Eine uniformierte Gruppe an Männern (ggfs. auch Frauen) läuft mit Waffenimmitationen in pseudomilitärischer Paradeaufstellung durch die Straßen, um im Anschluss oder während dessen ein über Tage andauerndes Besäufnis zu zelebrieren. Wäre ein ähnliches Gefährdungsbewusstsein in diesem Fall vorhanden, wie bei der Thematik Selbstdarstellung im Internet müsste unsere Politik einschreiten und Verbote aussprechen ;-) Leider mangelt es im Netz momentan noch an gesundem Menschenverstand, der ein nachahmenswertes Bild transportiert, wie man sich im Netz verhalten sollte.

  • Ernst Probst

    27.09.10 (19:31:47)

    Jeder Mensch ist Selbstdarsteller. Er stellt sich selbst auf der Bühne des Lebens dar. Wer selbst ein schlechter Selbstdarsteller ist, kann meistens bessere Selbstdarsteller nicht leiden.

  • Sonia

    27.09.10 (22:55:15)

    Ich kann Deinen Überlegungen wunderbar folgen und sehe es ähnlich. Im Übrigen mache ich bei xing.com in Sachen Authentizität ähnliche Erfahrungen, wie in anderen Social Networks auch. Echte menschliche Interaktion wird durch Ehrlichkeit erst möglich, auch im Netz.

  • Christopher Grieser

    27.09.10 (23:00:43)

    Sehe ich auch so. Anbiederung wäre es, wenn man wirklich aufmerksamkeitsheischend auf sich verweist ohne einen Beitrag zur Debatte zu leisten. Das ist schließlich offline als auch online nervig. (Steffen Rühl z.B. erwähnt eine Podiumsdiskussion, an der er teilnimmt, ohne Link. Wenn ich jetzt dahingehen will, muss ich mühsam googlen. ;) ) Aber gerade zu der Frauen und Bloggen Debatte kann ich eigentlich nur auf Shirky verweisen: http://www.shirky.com/weblog/2010/01/a-rant-about-women/ (Ein gesundes Maß) Selbstdarstellung ist alles andere als verkehrt.

  • Robert Frunzke

    28.09.10 (01:54:38)

    Ein schönes Plädoyer für die Selbstdarstellung! Ich schätze, Du hast da absolut recht. Die Selbstdarstellung an und für sich sollte nicht immer so negativ belastet aufgefasst werden (wie sie aktuell manchmal aufgefasst wird). Deiner Schlussfolgerung kann ich allerdings absolut nicht beipflichten: "Doch die Frage, die man sich eigentlich stellen sollte, lautet: Warum gibt es nicht noch viel mehr Möglichkeiten für mich, mich darzustellen?" Die Antwort wäre: "weil es niemanden interessiert"! ;-) Die Selbstdarstellung erfüllt nur ihren Zweck innerhalb des jeweils gegebenen Umfeldes, in dem Du auch agieren willst. Die Darstellung Deiner Selbst hilft den Anderen, Deine Aktionen in einen Kontext zu setzen ("wer ist er, dass er dies oder jenes schreibt oder tut?..."). Es geht um die soziale Interaktion, nicht um die Selbstdarstellung ihrer selbst willen. Und genau da ist wohl auch die Grenze zur "Profilierungssucht" zu finden: eine Selbstdarstellung ohne entsprechendes Umfeld (nämlich jenem, in dem Du AGIEREN willst) ist reine Profilierungssucht.

  • Marc Marius Müller

    28.09.10 (02:26:18)

    Ein sehr guter Kommentar, der das größte Problem der Selbstdarstellung und der Selbstdarsteller anspricht: die Grenze zur Profilierungssucht zu finden und sie infolgedessen nicht zu überschreiten.

  • Christopher Grieser

    28.09.10 (05:09:18)

    Danke. Selbstdarstellung muss in einem Kontext stehen - seh ich genauso. Aber das Problem mit der "Profilierungssucht" halte ich eigentlich für fast vernachlässigbar. Das Internet (genauer: gute Internetdienste) bieten ja immer eine Ignorieren/Unfollow/Verbergen Funktion an, sodass Profilierungssüchtige schnell ins Leere rufen, wenn sich nicht doch jemand für sie interessiert. (spontaner und noch wenig durchdachter Gedanke:) Hier könnte auch so etwas ähnliches wie ein umgekehrter Streisand-Effekt wirken.

  • Meeresbiologe

    28.09.10 (09:19:36)

    Wobei man, wenn man Selbtstdarstellung bejaht, auch das Profilierungsstreben nicht grundsätzlich verneinen kann. Wer sich selbst darstellt, vermittelt ganz automatisch auch ein Profil von sich selbst. Die Frage ist also weniger, ob Profilierung ja oder nein, sondern welches Profil und Profilierung mit welchen Mitteln. (Als negatives Beispiel für Profilierungssucht habe ich z.B. das Stichwort Duisburg und noch so einige andere in Google gefunden.)

  • Betten Liebe

    28.09.10 (10:14:23)

    Ich denke, dass durch die aktuellen Medien, die nun ja studivz, facebook, twitter und co immer weiter pushen (und sind diese schon selbst die medien) das ganze Spektakel noch eine ganz andere dimension bekommen wird.

  • Andreas Wiedow

    28.09.10 (10:46:37)

    Interessantes Thema. Leider nur Note 4 -ausreichend für den deutschen Bedarf vielleicht. Im Übrigen in fast jedem Abschnitt eine Wiederholung dessen, was bereits im ersten Abschnitt gesagt wurde, nur jeweils anders verpackt. Dadurch wird es aber nur bedingt 'wahrer'. Und wie der Autor später in anderem Zusammenhang sagt: spontaner und noch wenig durchdachter Gedanke Genau dieser Passus weiter oben . . . Frunzke - Es geht um die soziale Interaktion, nicht um die Selbstdarstellung ihrer selbst willen. . . . drückt die ganze Misere aus. Gesunde Selbstdarstellung ist . . . Selbstdarstellung und braucht erstmal gar keinen Kontext. Einen Picasso hat es erstmal nicht interessiert, ob jemandem seine Kunst gefällt. Sie war Ausdruck seiner Selbst. Der 'Kontextgedanke' ist zu sehr eingebunden in das dem Deutschen so sehr eigene und hinderliche Herdenbedürfnis. yasni ist deshalb so erfolgreich, weil es ein längst bestehendes Bedürfnis befriedigt. Ein natürliches Bedürfnis innerhalb der deutschen Neidkultur, was meine derzeit 90 Negativsmileys dort deutlich belegen. Meist von Leuten, die mit mir unbedingt 'socialisen' wollten. Socialising und Internet ist ein wiedowspruch in sich selbst. Socialising findet nach wie vor ausschliesslich IRL statt. Alles andere ist eine Illusion. Und wer für die Selbstdarstellung einen Kontext braucht bzw. erwartet, arbeitet mit Projektionen. Gesunde Selbstdarstellung jedoch - meine Meinung - hat sehr viel damit zu tun: Mach Dein Ding. Gemäss dem Spruch: Erst wenn es Dir egal ist, was andere über Dich denken, ist grenzenloser Erfolg möglich.

  • Meeresbiologe

    28.09.10 (11:16:12)

    Die Auffassung, dass Selbstdarstellung keinen Kontext bräuchte, stimmt "leider" nicht. Weil man sich selbst ja immer vor jemandem darstellt - sei es vor Anderen oder vor sich selbst. Selbstdarstellung ist also eine Beziehungssache und steht damit zwangsläufig auch in einem Kontext. Ob es einen Picasso nicht interessiert hat, ob seine Kunst gefällt, sei mal dahingestellt. Aber sobald er sie anderen Menschen gezeigt hat, hat er sich mit seinen Bildern in einen Kontext begeben. Insofern halte ich die Vorstellung, dass grenzenloser Erfolg erst möglich ist, wenn es einem egal ist, was andere über einen selbst denken, für etwas naiv und so nicht für verallgemeinerbar. Ein gewisser Eigensinn gehört sicher zur Originalität und zum Erfolg, aber letzlich will man auch mit diesem Eigensinn mehr oder weniger Anklang bei Anderen finden, weil sich Erfolg in der Regel nur über solchen Anklang bei Anderen realisieren läßt.

  • Martin Weigert

    28.09.10 (11:51:15)

    Erst wenn es Dir egal ist, was andere über Dich denken, ist grenzenloser Erfolg möglich. Ich glaube, da ist viel Wahres dran!

  • Andreas Wiedow

    28.09.10 (11:57:44)

    @ Meeresbiologe - 'erstmal' ist das entscheidende Wort. Und mit dem Beispiel 'Picasso' - wie Sie es dann auch schreiben - sind Sie ja genau auf meiner Schiene. Quote: Aber sobald er sie anderen Menschen gezeigt hat. Sobald impliziert, dass er sie davor erstmal angefertigt hat. Und dafür wäre der Kontext eher schädlich gewesen. Wenn Sie Kontext an den Anfang stellen, geht die Originalität verloren. Dann wäre Picasso Auftragsarbeiter gewesen und - bezogen auf den Originalbeitrag hier . . . wären wir dann bei: Wie es Euch gefällt. Nach diesem Prinzip verfahren wohl viele und von daher verstehe ich Sie auch, weil . . . nicht jeder schafft es zum Solitär oder hat das Zeug dazu. Aber . . . soll man deshalb das Ziel von vorne herein ausblenden ? @ weil sich Erfolg in der Regel Das ist Ihr Thema. Und auch da bin ich völlig bei Ihnen. Wenn man's anderen Recht macht, bestenfalls sogar von erfolgreichen prominenten Beispielen 'kopiert' hat man oft mehr Erfolg als der 'Originator', das Original. Der Vordenker. Aber dann sind wir bei den 'Stepford' wives bzw. den toten Fischen, die mit dem Strom schwimmen. @ naiv und so nicht für verallgemeinerbar. Damit treffen Sie's auf den Punkt. Der gesamte Artikel ist verallgemeinerbar. Eben 'ausreichend' für die Allgemeinheit. Darf aber für sich nicht in Anspruch nehmen, in die Tiefe zu gehen. Meine Meinung. Was heisst 'leider' in Ihrem Kontext ?

  • Meeresbiologe

    28.09.10 (12:06:40)

    PS. Selbstdarstellung braucht auch von daher schonmal äußere Kontexte, als sich ein Selbst überhaupt nur in Bezug auf und in Beziehung zu äußeren Kontexten entwickelt. Insofern ist bereits die Darstellung des eigenen Selbsts die Darstellung von etwas, das sich selbst nur in Beziehung zu, d.h. im Kontext mit etwas entwickelt. Gerade auch Künstler wie Picasso entwickeln ihr Selbst in Kontext mit Äußerem und der Gesellschaft und nehmen mit ihrer Kunst Bezug auf ebensolches Äußeres. Insofern sind äußere Kontexte sogar mit eine Voraussetzung von Selbstdarstellung, als sich ein Selbst, erst recht ein künstlerisches Selbst nur in Kontexten entwickeln kann.

  • Meeresbiologe

    28.09.10 (12:41:07)

    Bezug nehmen auf äußere Kontexte heißt ja beleibe nicht nur, es Anderen recht zu machen, wie Sie vielleicht diesem Fehlschluß erliegen. Übereinstimmung ist also längst nicht der einzige Kontext von Selbstdarstellung, sondern solcher Kontextformen und Ziele von Selbstdarstellung gibt es viele andere: Irritierenwollen, Beeinflussenwollen, Konfrontieren, Aufmerksammachen usw. usf. Wer sich selbst darstellt, tut das, weil er entweder - und zwar Anderen - irgend ein Bild von sich selbst vermitteln will bzw. weil er allein dieses Sichdarstellen reizvoll findet oder/und weil er mit seinen Selbstdarstellungen irgendetwas bei Anderen auslösen und bewirken will. Die Selbstdarstellung ist also in jedem Fall, auch vor der Veröffentlichung z.B. von Kunstwerken irgend eine Reaktion auf etwas und damit ein Kontext, eine Haltung zu etwas Äußerem. Natürlich keinesfalls nur zustimmende oder um Zustimmung heischende Haltungen. Was man von Selbstdarstellung wohl verallgemeinern kann, dass ihre Urheber in ihren Darstellungen in der Regel beachtet werden wollen, aber eben keinesfalls nur unbedingt positiv. Das ist im übrigen eine interessante Frage: Hat Picasso lediglich gemalt, um allein sich selbst auszudrücken? Ich glaube kaum. Ich denke schon, dass er in seinen Selbstdarstellungen auch mindestens irgendwie beachtet werden wollte - wie eben auch Twitterer, Blogger usw. ihre Darstellungen in der Regel an bestimmte Adressaten richten (an alle die es lesen können) und sich damit zwangsläufig und automatisch in äußeren Kontexten bewegen. Das läßt sich an der ganz einfachen Frage des Eingangsabschnitts festmachen: Wem gegenüber präsentiert man sich denn im Netz, wem gegenüber stellt man sich selbst dar? Doch in erster Linie gegenüber potentiellen Lesern. (Mein "leider" bezog sich nur darauf, dass ich in Sachen Kontext/Nichtkontext anderer Meinung bin.)

  • Oliver Springer

    28.09.10 (13:02:46)

    Selbstdarstellung war schon immer wichtig im Zusammenleben mit anderen Menschen. Was die Selbstdarstellung im Internet angeht, gibt es allerdings ein Problem: Alle können verfolgen bzw. recherchieren, wie man sich selbst darstellt. Im sogenannten richtigen Leben kann man seine Selbstdarstellung bzw. überhaupt sein Verhalten weit besser auf die jeweilige Situation beziehen. Ein Teenager stellt sich gegenüber seinen Freunden anders dar als gegenüber seinen Eltern. Im Internet gibt es außerhalb geschlossener Benutzergruppen kaum Möglichkeiten, diese Bereiche "sicher" zu trennen. Hinzu kommt noch der Ewigkeits-Aspekt, wie ich das jetzt mal nennen möchte. Wer sich über eine Person online informiert, kommt auch an Informationen aus der Vergangenheit. Man müsste sich also eigentlich bei jeder Form der Selbstdarstellung auch fragen, ob man für alle Zeiten so wirken möchte. Aber kurz zum eigentlichen Thema: Ja, die Möglichkeiten (positiver) Selbstdarstellung werden noch stark unterschätzt. Wenn man bedenkt, wie wichtig es ist, in welcher Weise man im Internet wahrgenommen wird, müsste es eigentlich eine große Nachfrage nach einer Dienstleistung in Richtung "Online-PR für jedermann" geben. Dienste wie Yasni bieten nützliche Tools, die man nutzen solle. Aber ich denke, dass darüber hinaus persönliche Beratung und maßgeschneiderte Maßnahmen sehr lohnend sein können. Der Markt dafür mag noch nicht bestehen, aber das ist für mich ein Beleg dafür, wie sehr das ganze Thema mit seinen Chancen noch unterschätzt wird.

  • Andreas Wiedow

    28.09.10 (13:35:56)

    @ gibt es allerdings ein Problem Und das ist gleichzeitig die Lösung: Wenn Sie genug 'Material' haben, können Sie auch einiges 'unter den Teppich kehren' bzw. bei yasni auf die hinteren Seiten 'verfrachten'. Dann steht auf Seite 1 immer nur das, was Sie aktuell dort stehen haben wollen. Nur wer nichts macht, macht keine Fehler. @ Man müsste sich also eigentlich bei jeder Form der Selbstdarstellung auch fragen, ob man für alle Zeiten so wirken möchte. Das ist stets die Grundsatzfrage, die ich meinen Kunden stelle: Wollen Sie im Internet sein, ja oder nein. Wenn ja, gibt's kein Zurück mehr. Das fängt bei Online-Überweisungen an. Konsequenterweise müssten die, die es nicht wollen, also ihre Überweisungen nach wie vor zur Bank tragen. Aber selbst wenn man Einträge macht, die einem Jahre später eher peinlich sein würden . . . schauen Sie sich meine Begriffswolke auf yasni an. Und dabei habe auch ich Einiges an 'Schrott' im Internet hinterlassen getreu nach Sir Peter Ustinov's Motto: Autoritäten sind von Hause aus imperfekt. Lieber fehlerhaft begonnen als perfekt gezögert. @ Der Markt dafür mag noch nicht bestehen, aber das ist für mich ein Beleg dafür, wie sehr das ganze Thema mit seinen Chancen noch unterschätzt wird. Der Markt dafür ist da. Das Angebot auch. Reputation from Scratch.

  • vera

    28.09.10 (14:30:29)

    @Christopher Grieser Auf Shirky hatte ich mit Ich! Ich! Ich! geantwortet.

  • Lari Syrota

    29.09.10 (17:50:30)

    Ich denke, ein ganz entscheidender Punkt bei der Selbstdarstellung wird nicht genug beachtet: Authentizität. Denn genau die macht den Unterschied aus zwischen willkommener, angenehmer Selbstdarstellung und solcher, die als unangenehm und aufdringlich empfunden wird. Wer sich selbst im Internet bis zu einem bestimmten Grad "transparent" macht, hilft anderen, sich ein Bild über diese Person zu machen und erleichtert die Kommunikation. Manchmal geht's aber einfach zu sehr in Richtung 'Personal Marketing', und sobald man eher das Gefühl hat, man hätte es mit Werbung zu tun, kann ich als Rezipient dem nichts Gutes abgewinnen – es nervt.

  • Fabio Ziemßen

    01.10.10 (01:33:22)

    Mir gefällt der Artikel auch sehr gut. Eigentlich ist die Schaffung einer Identität im Netz in erster Linie eine Hilfestellung zur Wahrnehmung der eigenen Person von anderen. Gefährlich wird es nur, wenn man seinen Standpunkt zu oft wechselt und demnach auch nicht als Person/Meinung greifbar ist. Man sollte sich daher doch im klaren sein, welche Stellung man zu bestimmten Themen bezieht... Vielen Dank an den Autor und weiter so

  • Robert Frunzke

    16.10.10 (15:27:28)

    Zum Kontext-Gedanken: Würde ich hier plötzlich einen 3 Wochen alten Artikel kommentieren, so könnte man meinen, dass ich entweder ziemlich "langsam" bin, oder dass mir an diesem Thema wirklich etwas liegt. Nunja, so oder so. Google hat seinen ganz eigenen Kontext, in den es Begriffe und Namen setzt, und so hilft mir auch schon "dieser Text" hier dabei, meine ganz persönliche Selbstdarstellung im Internet aus der Google-Perspektive heraus zu formen - einzig und allein innerhalb des Google-Kontextes (und so auch für jeden, der dort nach meinem Namen sucht...). In einem sozialen Kontext gesehen, dürfte der letzte Absatz wenig sinnvoll sein. Und außerhalb jeglichen Kontextes male ich verrückte Bilder, mache verrückte Musik, und überhaupt nur verrückte Sachen, und niemand wird je davon erfahren! So wird aus mir wohl auch kein Picasso, egal wie sehr und wie angestrengt ich mich selbst darstelle - entschuldigen Sie, Herr Wiedow, aber ich sehe keinen realen Beitrag zur Diskussion in Ihrem Picasso-Vergleich! War das ein Text ohne tieferen Sinn vielleicht? Oder doch nicht? Oder ich wiederhole einfach nochmal meine ursprüngliche Kernaussage: "Die Selbstdarstellung erfüllt nur ihren Zweck innerhalb des jeweils gegebenen Umfeldes, in dem Du auch agieren willst. Die Darstellung Deiner Selbst hilft den Anderen, Deine Aktionen in einen Kontext zu setzen (“wer ist er, dass er dies oder jenes schreibt oder tut?…”). Es geht um die soziale Interaktion, nicht um die Selbstdarstellung ihrer selbst willen." Gerade Picasso war ein Meister im Verkaufen innerhalb seines besonderen Kreises, das Spiel mit seiner Selbstdarstellung im Kreise seiner potentiellen Kunden war doch gerade eben seine "Gabe" .. so hat er doch sehr gut davon gelebt, dass vermögende (und teilweise von seinen Bildern fast besessene) "Freunde" diese gekauft haben. Und der Weg dahin (man könnte jetzt spöttisch meinen, die "Werbung" und "Anpreisung" - aber das war es nunmal) war lang und steinig und sicher nicht immer schön! Picasso war sicher nicht der Menschen-scheue Mensch, den manch einer in seine Bilder hinein interpretiert, er hat sehr wohl sehr hart an seiner Rezeption innerhalb der damals wichtigen (und lukrativen) Kunstszene gearbeitet. Auch wenn jetzt vielleicht manche Kunstfreunde aufschreien - aber genau diese Selbstdarstellung ist doch immernoch __der__ Weg, um Kunst zu Geld zu machen, nicht wahr? Wie auch immer. Selbstdarstellung ist wichtig, aber immer auch nur innerhalb eines Rahmens (eben des Kontextes) hilfreich. Oder kurz und knackig: Selbstdarstellung allein ist für die Katz'.

  • Andreas Wiedow

    19.10.10 (15:33:35)

    @ War das ein Text ohne tieferen Sinn vielleicht? Oder doch nicht? Oder ich wiederhole einfach nochmal meine ursprüngliche Kernaussage: Ich glaube, wir unterscheiden uns hier eh' nur marginal. Mein Standpunkt hat viel mit dem Zeitpunkt und der zeitlichen Abfolge zu tun. Und am Anfang jeder Selbstdarstellung steht bei mir eben nicht der Kontext - der kommt erst später - sondern das Selbst verbunden mit der Frage: Will ich mich so ? Oder selbst ganz ohne Frage: Ich tue einfach und stelle dar. Interessantes Futter - aus meiner Sicht - dazu: Is anxiety contagious at social groups? Mehmet Yildiz (Kontext: Erst der Kontext/die Gruppe hindert eine ungehinderte - A-Priori-Selbstdarstellung) und Delete (Buch) von Prof. Viktor Mayer-Schönberger (Kontext: Würden manche bevor sie sich in den Kontext begeben erst prüfen, ob sie sich so darstellen wollen, würden sie manchem Hindernis aus dem Weg gegangen sein - oder auch nicht)- googeln Sie die Stichworte, dann finden Sie die entsprechenden Blog dazu. Wenn Sie wollen. Nochmal zur zeitlichen Abfolge . . . @ Wie auch immer. Selbstdarstellung ist wichtig, aber immer auch nur innerhalb eines Rahmens (eben des Kontextes) hilfreich. Oder kurz und knackig: Selbstdarstellung allein ist für die Katz’. Das sagen die 'Anderen' und hindern damit oft die zarten Anfänge derjenigen, die sich selbst genügen würden. Und deswegen, weil die Hürde des Kontextes eingebaut ist, oft gar nicht erst ihre Kreativität entfalten. Oder - um mit Ihren Worten zu sprechen - die wollen erstmal gar nicht geholfen bekommen. Wenn mein kleiner Sohn zu Musik tanzt, stellt er sich selbst dar und drückt sich aus. Das Bewusstsein des Kontextes geht ihm völlig ab. Und wenn meine Frau und ich ihn dabei beobachten, ist das 'erstmal' alles Andere als für die Katz'.

  • Robert Frunzke

    19.10.10 (19:26:31)

    @Andreas Wiedow: Du redest mehr von Selbsterfahrung, sich selbst zu erkennen, finden und auch sich auszudrücken usw. Aber nicht von Selbstdarstellung.

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