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25.08.14

Sehr ungewöhnlich: Ein schwedisches Taxi-Unternehmen reagiert auf Uber mit Innovation!

Während anderswo die Taxilobby auf den Barrikaden steht und gegen Beförderungs-Startups wie Uber protestiert, reagiert das schwedische Taxi-Unternehmen Taxi Stockholm anders: Es startet einen eigenen Limousinen-Dienst und entwickelt Spielereien, um die positive Haltung gegenüber neuen Technologien zu betonen.

Wenn ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell und Strukturen im analogen Zeitalter entstanden, von technologiegetriebenen Konkurrenten in Bedrängnis gebracht wird, gibt es ganz allgemein zwei grundsätzliche Handlungsalternativen: Die eine ist der von juristischen Attacken, empörten offenen Briefen und lautstarken Protesten charakterisierte Versuch, dem Neuling möglichst viele Steine in den Weg zu legen und ihn im Idealfall ganz zu zermürben, um selbst möglichst wenig am eigenen Produkt oder Dienst verändern zu müssen. Der andere Weg ist die Flucht nach vorne. Die vom Newcomer geschaffene Innovation und ihr Kundennutzen wird hierbei anerkannt und mit eigenen signifikanten Verbesserungen oder gar einer kompletten Neuerfindung des eigenen Angebots beantwortet. Traditionell fällt es dem Establishment schwer, sich Variante zwei anzunehmen. Viele der Sektoren, die in den vergangenen Jahren von Netzakteuren aufgemischt wurden, glaubten lange Zeit, ihre Energie in den Widerstand gegen die als unwillkommene Eindringlinge gesehenen Startups und Technolgiefirmen investieren zu müssen, anstatt in Produktinnovation. Aktuellster Fall ist die hiesige Taxilobby, die bekanntlich alle Hebel in Bewegung setzt, um On-Demand-Beförderungsdienste dorthin zu verbannen, wo sie keine Gefahr mehr für den seit Jahrzehnten nicht herausgeforderten Taxibetrieb darstellen.

Doch es geht auch anders, wie das schwedische Taxi-Unternehmen Taxi Stockholm beweist. Der Zusammenschluss von Taxifahrern und -unternehmern, der im Großraum Stockholm marktführend ist, reagierte auf die Einführung von Uber nicht wie manche Kollegen in Deutschland mit heftigen Verbalattacken und rechtlichen Scharmützeln, sondern entschloss sich, die Amerikaner durch das eigene Produkt und eine kundenorientierte Strategie am Gewinn großer Marktanteile zu hindern.

Deshalb beschloss man in Skandinavien, Ubers Kernprodukt - den Limousinenservice - einfach mit einem eigenen, sehr ähnlichen Angebot anzugreifen. Derzeit befindet sich Taxi Stockholm Premium im Testbetrieb. Wie bei Uber kommen schwarze Limousinen ohne Aufschrift und mit herausgeputzten Chauffeuren zum Einsatz. Offiziell soll es im Herbst mit 50 Fahrzeugen und einer eigenen App losgehen. Die Chancen des Vorhabens stehen gar nicht schlecht: Die Marke Uber ist vielen Schweden noch gar nicht bekannt. Taxi Stockholm dagegen ist allen ein Begriff. Es könnte so kommen, dass am Ende viele Kunden mit erhöhten Komfortbedürfnissen lieber mit Autos von Taxi Stockholm als von Uber fahren.

Taxi Trails

Doch das Taxi-Unternehmen möchte nicht nur kopieren. Gleichzeitig versucht es, die Loyalität der Fahrgäste mit experimentellen Diensten abseits der eigentlichen Beförderungsleistung zu erhöhen und die Marke so zu stärken. Mit Taxi Trails haben die Nordeuroäer nun einen virtuellen Stadtführer an den Start gebracht, der sich aus GPS-Daten von mehr als acht Millionen Taxi-Fahrten im Raum Stockholm speist. Das Ganze hat die Form einer interaktiven Heatmap, die mit verschiedenen Filtern ausgestattet ist und die aufzeigt, wann welche Art von Fahrgast besonders häufig welches Ziel anfährt. Taxi Trails richtet sich also einerseits an Touristen, die auf einem unkonventionellen Weg erfahren möchten, welchen Gegenden sie unbedingt einen Besuch abstatten müssen. Es dient andererseits aber auch als Spielerei für Einheimische. Und die Namensgebung “Taxi Trails by Taxi Stockholm” hilft, alle Nutzer daran zu erinnern, wer verantwortlich für die Bereitstellung der Daten ist.

Die Entwicklung von Taxi Trails soll eine wichtige Botschaft transportieren: Bei dem Unternehmen handelt es sich um eine moderne Organisation, die in der Lage ist, den Ansprüchen der mobilen, technologieaffinen und Komfort und Service schätzenden Kundschaft gerecht zu werden. Der Anbieter positioniert sich damit weitaus zukunftsorientierter, als man dies von hiesigen Vertretern des Taxigewerbes mit ihrer kompletten Fokussierung auf die Vernichtung der neuen Konkurrenz behaupten kann. Vielleicht hilft ihnen das Beispiel aus Schweden, zu erkennen, wie sie ihre Mittel und Energie besser investieren könnten. /mw

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