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06.10.09

scoyo: Interaktive Lernplattform mit USA-Ambitionen

Eine neue Generation von Strebern steht uns bevor - zumindest dann, wenn das Konzept des spielerischen Lernens des Hamburger Dienstes scoyo aufgeht. Seit kurzem feilt der Bertelsmann-Spross auch an einem US-Ableger.

scoyoEiner der schwierigsten Aspekte des Bloggens über neue, innovative Onlinedienste ist es, solche Services vorzustellen, die auf eine völlig andere Zielgruppe ausgerichtet sind als man selbst. Das Schöne am Bloggen ist aber wiederum, dass man einen Beitrag dann genau mit einer solchen Feststellung eröffnen kann.

Im aktuellen Beispiel geht es um scoyo, einem jungen Unternehmen aus Hamburg, das eine interaktive Lernplattform für Schüler betreibt. Naturgemäß ist es nicht gerade einfach, sich bei einem Review in die Köpfe von Zwölfjährigen zu versetzen - und auch die Elternrolle hat bisher niemand im netzwertig.com-Team inne.

Das sollte uns jedoch nicht daran hindern, einen neugierigen Blick auf den zum Bertelsmann-Konzern gehörenden und 2007 gegründeten Dienst zu werfen. Und nachdem ich nun gerade ein wenig mit scoyo herumgespielt habe, könnte ich mir schon vorstellen, dass wissbegierige Schüler der Klassen 1 bis 7 ihre Freude an dieser stark durch Spaß motivierten Art des Lernens haben.

scoyo bietet rund 4000 interaktive Lernspiele, Übungen und Tests zu den Fächern Deutsch, Mathe, Englisch, Biologie, Chemie, Physik und Kunst. Die Inhalte orientieren sich an den Lehrplänen der 16 Bundesländer, eingeteilt in Grundschüler und Fortgeschrittene (5. bis 7. Klasse). Für erledigte Aufgaben erhalten die jungen Nutzer Punkte und können sich in der Highscoreliste mit anderen Kindern vergleichen.

scoyo in Aktion

Wenig verwunderlich richtet sich scoyo in seiner Ansprache auch an Eltern und Lehrer - nicht nur, um durch sie an neue User zu gelangen, sondern auch, um ihnen beim sensiblen Thema "Onlinenutzung von Kindern" die Kontrolle über die Dauer und -intensität zu geben. Eltern erhalten Statistiken darüber, wie lange ihre Kinder scoyo an einzelnen Tagen verwendet, wie viele Lernsitzungen sie absolviert und wie viele Aufgaben sie abgeschlossen haben.

Ich bin kein Pädagoge und kann daher nicht beurteilen, inwieweit diese Art des "Gamebased-Learning" sich positiv auf die Entwicklung von Schülern auswirkt. Pädagogisch wertvoller als ausgiebige Ego-Shooter-Sessions sollte scoyo für Kinder aber in jedem Fall sein. Das Unternehmen gibt an, den Dienst zusammen mit Lehrern und Bildungsexperten entwickelt zu haben, und verweist auf eine Studie des Lehrstuhls für Mediendidaktik der Universität Duisburg-Essen, die bei einem Feldexperiment mit 824 Schülern aus Deutschland einen durchschnittlichen Lernzuwachs von 64 Prozent festgestellt hat.

Interessant ist auch scoyos Geschäftsmodell: Anders als viele Webanbieter verzichten die Hamburger auf einen Freemium-Ansatz und bietet neben einem 24-stündigen Testzugang lediglich kostenpflichtige Mitgliedschaften - mit Preisen zwischen 4,99 und 19,99 monatlich je nach Laufzeit. Mir ist kein vergleichbarer Anbieter wie scoyo bekannt, insofern ist der Dienst in seiner Preissetzung relativ unabhängig. Update: SUPER RTL bietet mit dem Toggo-CleverClub ein ähnliches Angebot für Kinder im Grundschulalter.

Einleuchtend klingt scoyos Argument, keine werbefinanzierte Version anbieten zu wollen, da Anzeigen die Kinder von den Lerninhalten ablenken würden. Auch wäre eine Vermarktung bei der Zielgruppe Minderjähriger mit zusätzlichen rechtlichen Anforderungen verbunden.

Zu Nutzer- und Umsatzzahlen schweigt sich scoyo momentan noch aus. In jedem Fall denkt man in großen Dimensionen und hat im September die Beta-Phase einer US-Version gestartet. Neben dem 50-köpfigen Team in Hamburg sind eine Handvoll Mitarbeiter in den USA mit der Anpassung der Inhalte an den US-Markt beschäftigt. Andere Schulformen, unterschiedliche Lehrpläne und kulturelle Aspekte erfordern eine gründliche Adaption.

In der zweiten Jahreshälfte 2010 soll der offizielle US-Launch stattfinden, dem man laut eigener Aussage aufgrund einer wesentlich aufgeschlosseneren Einstellung zum Lernen mit neuen Medien auf der anderen Seite des Atlantiks optimistisch entgegen sieht. Auch Versionen für die Schweiz und Österreich sind in Planung.

Für Eltern unter den netzwertig.com-Lesern, die scoyo ausprobieren möchten, stellt der Dienst drei Gratiszugänge für jeweils sechs Monate zur Verfügung. Wer Interesse hat, hinterlässt bitte einen Kommentar unter Angabe seiner E-Mail-Adresse im entsprechenden Feld (bitte nicht über Facebook Connect kommentieren, da keine E-Mail-Adresse übertragen wird).

Update: Die Gratiszugänge sind weg.

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