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13.03.12Leser-Kommentare

Schnelllebiges Internetgeschäft: Startups kommen und gehen, Plattformen bleiben

Das Internetgeschäft ist extrem schnelllebig. Startups kommen und gehen. Erfolgreich etablierte Plattformen allerdings haben eine deutlich längere Lebenserwartung.

 

Die Welt des Internets und seiner führenden Anbieter ist schnelllebig. Startups und Onlinedienste, über die heute jeder redet, könnten schon morgen (oder in einem Jahr) in der Versenkung verschwunden sein. Dies ist eine Tatsache, die sich Anwender bewusst sein sollten, und die bei Beobachtern der Branche weitgehend als Binsenweisheit gilt.

Doch die Einsicht, dass Webangebote und die dahinterstehenden Unternehmen vergänglich und kurzlebig sind, führt immer wieder zu dem Trugschluss, dass dies ausnahmslos für alle Internetfirmen und insbesondere für solche aus dem Social-Web-Segment gelten muss. Wer hat nicht schon einmal die Behauptung gehört, Facebook könnte jederzeit das Schicksal von MySpace erleiden?!

Startups und Webservices kommen und gehen - das stimmt. Aber erfolgreiche Plattformen bleiben (länger). Letzterer Aspekt wird gerne übersehen, ist aber ein immer wichtiger Faktor des digitalen Ökosystems und eine unterschätzte Konstante in der sich täglich verändernden digitalen Welt.

Bei einer Plattform im IT-Kontext handelt es sich um eine einheitliche Basis, auf der Anwendungsprogramme ausgeführt und entwickelt werden können. Unternehmen, denen es gelingt, sich als attraktive Plattform bei Entwicklern zu etablieren, erhöhen nicht nur ihren von Anwendern wahrgenommenen Mehrwert, sondern auch den Lock-In-Effekt und damit die Nachhaltigkeit der Plattform. "Je mehr Teilnehmer einer Gruppe die Plattform einsetzen, desto attraktiver wird die Plattform für die Nutzer der anderen Gruppe und umgekehrt", so beschrieb Marcel Weiß einst die grundsätzliche Dynamik von Plattformen, die jeweils einen zweiseitigen Markt darstellen.

Plattformen können unterschiedliche Ausprägungen annehmen. Die Betriebssysteme von Microsoft, Apple, Linux und Google (Android), Browser wie Internet Explorer, Firefox oder Chrome, aber auch Onlinedienste wie Salesforce ermöglichen es Entwicklern, ihre Anwendungen innerhalb der jeweiligen Plattformumgebung laufen zu lassen. Twitter, foursquare und nun auch Xing dagegen gestatten externen Anwendungen, Funktionalität der Plattform bei sich zu integrieren. Facebook und LinkedIn bieten beide Optionen an. Amazon dagegen stellt sowohl die technologische Plattform für tausende Webangebote als auch einen Marktplatz für (physische und digitale) Produkte sowie Händler bereit. Spotify hat sich gerade für Musikapps geöffnet.

Wer genau hinschaut, stellt fest, dass die meisten international erfolgreichen IT- und Internet-Unternehmen einen zumindest partiellen Plattformansatz verfolgen. Dessen Ausformung kann zwar unterschiedlich ausfallen, aber gemein haben alle, dass sie anderen Marktteilnehmern gestatten, ihre Ressourcen und Features für eigene Zwecke einzusetzen.

Auch eine von vielen Developern oder Partnern bevölkerte Plattform ist kein Garant für einen unendlichen Triumph: Der Niedergang von Symbian, Palm oder Windows Mobile zeigt, dass Plattformen, die nicht kontiniuierlich erneuert und an veränderte Marktbedingungen sowie Konsumentenbedürfnisse angepasst werden, eine begrenzte Lebensdauer haben. Wobei man darüber streiten kann, ob es sich hierbei überhaupt um objektiv gesehen erfolgreiche Plattformen mit einer breiten, aktiven Entwickler-Community gehandelt hat. Unter anderem am Desinteresse von Developern scheiterte auch Googles OpenSocial-Idee.

Doch wenn es einem Unternehmen erst einmal geglückt ist, eine sowohl bei der Nutzerschaft als auch bei Entwicklern akzeptierte und eifrig in Anspruch genommene Plattform zu etablieren, dann ist dies das sicherste Anzeichen überhaupt dafür, dass der Anbieter so schnell nicht wieder von der Bildfläche verschwinden wird.

Beispiele für temporär vielbesuchte Websites und Communitys, die daraufhin fast urplötzlich in der Versenkung verschwanden, gibt es viele. Doch nach unangefochten erfolgreichen Onlineplattformen mit einer lebendigen Developer-Community sowie einer aktiven Anwenderschaft, die heute nicht mehr existieren, kann man lange suchen.

Startups kommen und gehen, Plattformen bleiben - zwar nicht für immer, aber deutlich länger als das durchschnittliche Tech-Startup.

(Illustration: stock.xchng/zeusmedia)

Kommentare

  • André

    13.03.12 (09:47:59)

    Agree Und das ist der Grund warum inzwischen auch jeder eine Plattform sein will

  • mysha

    14.03.12 (11:39:28)

    Ein weiterer Grund die eigenen Daten lieber auf der eigenen Seite hochzuladen, als bei irgendeinem Startup. Der eigene Blog erfüllt zwar sicherlich nicht die Anforderungen als Plattform, aber zumindestens ist sichergestellt, dass dieser nicht so schnell wieder verschwindet und damit die mühsam generierten Inhalte...

  • ben_

    14.03.12 (16:14:58)

    Äh … das scheint mir ein wenig sehr schwammig zu sein … Betriebssystem, Browser, bis hin zu so spitzen Anwendungen wie Twitter gemeinsam über den Kamm "Plattform" zu scheren scheint mit doch etwas gehaltlos, v.a. wenn als Ergebnis nur bleibt: Erfolgreiche Plattformen bestehen länger. Ist es nicht ein Kriterium für "Erfolg", dass er dazu führt, dass etwas länger bleibt? Dodo und Riesenfaultiere … nicht so erfolgreich. Ratten und Kaninchen … sehr erfolgreich.

  • Martin Weigert

    14.03.12 (16:17:40)

    Ben, auch wenn es dir schwammig erscheint... es trifft doch trotzdem auf die im Artikel erwähnte Plattformdefinition zu. Betriebssysteme, Browser, Onlinedienste.... solange sich Anwendungen darauf aufbauen lassen, sind es Plattformen. Und erfolgreiche Plattformen halten länger als isoliert agierende Angebote.

  • ben_

    18.03.12 (13:12:51)

    Und eben bei der Argumentation bin ich eben nicht bei Dir. "Länger halten" ist Teil der Definition von "erfolgreich". Der erste Teil Deiner Argumentation ist eine Tautologie. Natürlich halten erfolgreiche Plattformen länger. Sie sind ja auf erfolgreich. Erfolglos Plattformen hingegen halten nicht länger als isoliert agierende Angebote. Der Teil an Wahrheit der in Deiner These steckt scheint mir dies zu sein: Plattformen werden (wenn sie Erfolg haben) deutlich größer als isoliert agierende Angebote. Und schon größe allein führt dazu, dass etwas länger anwesend ist. AOL ist immer noch nicht tot. Ebenso wie Napster. Etliche kleine propreitäre Softwareprojekte und Startups hingegen sind schon eine halbe Ewigkeit da, stehen halt nur nicht so im Fokus. Photocase z.B. ist drei Jahre älter als Facebook und immer noch da. Basecamp ist nur einen Tag jünger als Facebook und erfreut sich bester Gesundheit. Plam OS oder OS/2 hingegen sind praktisch tot …

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