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12.11.14Kommentieren

Schmutzige Cloud: Greenpeace prangert Amazon Web Services an

Während Apple, Facebook und Google inzwischen auf erneuerbare Energien für ihre Rechenzentren setzen, hinkt ausgerechnet Amazon mit seinen vielgenutzten Web Services noch hinterher. Greenpeace erhöht nun den Druck auf den Webgiganten. Zugleich schafft die Organisation zugleich Öffentlichkeit für eine wichtige Frage: Wie umweltfreundlich ist das Internet?

Greenpeace macht mit Flyern wie diesen gegen Amazon mobil. (Bild: Jan Tißler) Greenpeace macht mit Flyern wie diesen gegen Amazon mobil. (Bild: Jan Tißler)

Viele Menschen achten inzwischen nicht mehr nur auf ihren Stromverbrauch, sondern auch darauf, woraus ihr Anbieter den Strom produziert. Aber wenn es uns damit ernst ist, müssen wir auch an anderer Stelle genau hinschauen. Und dazu gehört: Woher bekommen eigentlich all jene Webdienste ihren Strom, die wir tagein, tagaus nutzen? Schließlich verbraucht das Internet erstaunliche Mengen Energie: Im Jahr 2011 hat „die Cloud“ weltweit bereits mehr Strom verbraucht als ganz Deutschland zusammengenommen. Und der Bedarf steigt.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace schaut schon seit etlichen Jahren gerade auch Tech-Unternehmen über die Schulter und macht öffentlich Stimmung, wenn die sich nicht umweltgerecht genug verhalten. Apple beispielsweise verweist inzwischen in jeder Produktpräsentation darauf, wie umweltfreundlich ihre Geräte sind. Und auch bei seinen Rechenzentren setzt das Unternehmen inzwischen zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien. Ähnlich vorbildlich sind laut Greenpeace außerdem Box, Facebook, Google, Rackspace und Salesforce. Das geht aus einem Report hervor, den Greenpeace im Frühjahr veröffentlicht hatte. Jodeln für den Umweltschutz

Amazon aber legt laut Greenpeace nicht einmal offen, aus welchen Energiequellen sich sein Strom für die zahlreichen Rechenzentren des Unternehmens zusammensetzt. Dabei geht es hier nicht nur um den weltgrößten Onlinestore. Die „Amazon Web Services“ sind darüber hinaus das Rückgrat beliebter Internetdienste: Netflix, Pinterest, Spotify und Yelp sind nur einige Beispiele.

Um auf das Thema aufmerksam zu machen, hatte Greenpeace im Frühjahr zunächst eine Reihe von Werbeclips mit dem Musiker und Comedian Reggie Watts veröffentlicht. Hier wurde zunächst niemand direkt genannt und angegriffen. Ein Beispiel:

www.youtube.com/watch

Das scheint sich aber jetzt zu ändern: Vor ein paar Tagen fand ich hier in San Francisco ein Flugblatt im Hausflur vor, das nun Amazon direkt attackiert. Es verweist dabei auf eine Website, die fragt: Was hat Amazon.com zu verbergen? Per Online-Formular kann man Amazons Gründer und CEO Jeff Bezos eine Nachricht schicken und natürlich via Social Media aktiv werden.

Greenpeace setzt also auf die bereits bewährte Zermürbungstaktik: Ein Thema setzen und es dann langsam eskalierend immer wieder hervorholen – bis das betreffende Unternehmen ein Einsehen hat. Und aus meiner Sicht sind sie damit vollkommen im Recht: Wenn wir verändern wollen, wie unser Strom erzeugt wird, müssen große Unternehmen wie Amazon zur Verantwortung gezogen werden. Dass es möglich ist, zeigt die schon genannte Konkurrenz. Apple betreibt beispielsweise die größte private Solaranlage in den USA. Und Facebook hat 1,9 Milliarden US-Dollar in Windenergie investiert.

Natürlich kann man das Vorgehen von Greenpeace zugleich kritisieren. Amazon wird sicherlich auch deshalb an den öffentlichen Pranger gestellt, weil es ein bekannter Name ist. Internetgrößen wie Digital Realty werden zwar ebenfalls genannt, aber nur am Rande.

Übers Web versucht Greenpeace Druck auszuüben. Übers Web versucht Greenpeace Druck auszuüben.

 

So funktioniert Öffentlichkeitsarbeit eben oft: Man muss Namen haben, mit denen Menschen etwas anfangen können. In der Vergangenheit wurde deshalb oft Apple angeklagt. Nun ist eben Amazon dran.

Der Internetriese hatte in früheren Stellungnahmen zu dem Thema erklärt, die Fakten würden von Greenpeace falsch dargestellt. Es hat aber nicht den Anschein, als ob die Umweltschützer das ebenso sähen und sich zufrieden geben würden.

Jetzt ist wieder Jeff Bezos am Zug.

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