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24.09.13Kommentieren

Sachbuch-Zusammenfassungen für das iPhone: Blinkist will das Tempo erhöhen

Blinkist fasst Sachbücher für den mobilen Konsum in kleine Häppchen zusammen. Neun Monate sammelten die Berliner Nutzerfeedback und feilten am Produkt, jetzt soll es richtig durchstarten.

BlinkistHandliche Zusammenfassungen von Sach- und Fachbüchern bieten einen Mehrwert für vielbeschäftigte, neugierige Leser und gleichzeitig für die Buchbranche eine Möglichkeit, die Verkäufe anzukurbeln - auf Basis dieser Grundannahme lancierten Tobias Balling, Niklas Jansen, Sebastian Klein und Holger Seim zu Jahresbeginn ihr Startup Blinkist. Dessen iPhone-App verspricht wissbegierigen Menschen mit dicht gedrängten Terminkalendern, das Wichtigste aus einem Sachbuch in jeweils 15 Minuten unterwegs auf dem Smartphone lesen zu können. 20.000 Downloads, rund 1.000 zahlende Nutzer

Die vor rund neun Monaten veröffentlichte erste Version war für die Berliner eine Art Testballon, um in Erfahrung zu bringen, wie ihr Konzept bei Anwendern ankommt und welches Preismodell sich für ihren Dienst eignet. Bislang bot Blinkist sowohl ein Abo für 4,49 Euro pro Monat als auch den Einzelkauf eines "Blinks" (Zusammenfassung eines Buches) per In-App-Kauf für 1,79 Euro an. Laut Blinkist-Mitgründer Holger Seim wurde die Anwendung ohne nennenswertes Marketing seitens des Startups bislang rund 20.000 Mal heruntergeladen, etwa 1.000 Nutzer haben sich in dieser Zeit für ein Abo oder mindestens einen Blink-Erwerb entschieden.

BlinkistVersion 2.0 mit vereinfachtem Preismodell

Am heutigen Dienstag gibt Blinkist den Startschuss für die Version zwei seiner App, die gleichzeitig auch den Übergang von der Test- zur Wachstumsphase markiert. Auf Basis ihrer bisherigen Erfahrungen haben sich die Macher entschlossen, das Preismodell zu simplifizieren und den Einzelkauf von Blinks, der für das Team einiges an Mehrarbeit beinhaltet, abzuschaffen. Um den Übergang für bisherige Anhänger dieser Option aber so angenehm wie möglich zu gestalten, wird das Abo für einige Tageg für 2,69 Euro anstelle von 4,49 Euro pro Monat angeboten. Dieser Spezialpreis gilt auch für sämtliche laufenden Blinkist-Abos, die automatisch auf den günstigeren Tarif umgestellt werden. Co-Founder Seim bezeichnet dies als Dankeschön an alle frühen Tester.

Gratis-Angebot mit einer Einschränkung

Um die Einstiegsbarrieren für das Abo zu senken, führt Blinkist gleichzeitig einen Gratis-Service ein, der monatlich drei von dem Dienst ausgewählte Blinks kostenfrei in der Bibliothek der Nutzer verfügbar macht. Der Haken: User müssen sich mit den Buchzusammenfassungen zufrieden geben, die Blinkist ihnen serviert. Seim erklärt aber, dass der Dienst aus den von Nutzern angegebenen Interessensmerkmalen sowie der Anwendungshistorik lernt und somit im Laufe der Zeit immer genauer weiß, welche Titel einen Nutzer interessieren könnten. Letztlich soll das Modell aber natürlich User mit Blinkist vertraut machen und sie dazu animieren, ein Abo zu erwerben, womit sie unbeschränkten Zugang zu den derzeit angebotenen rund 110 Buchzusammenfassungen erhalten. Der Fokus bei diesen liegt auf Werken aus dem Wirtschafts- und Life-Improvement-Bereich. Jeden Monat kommen derzeit acht bis zehn Titel hinzu, mittelfristig sollen es 15 bis 20 neue monatlich werden. Bisher erstellt Blinkist die Zusammenfassungen eigenhändig, indem freie Autoren die Bucher lesen, mit eigenen Worten zusammenfassen und anschließend an die Qualitätsprüfung der Blinkist-Redaktion übermitteln.

Verlage sollen ins Boot geholt werden

Urheberrechtlich ist dies legal, und laut Seim hat sich bisher auch noch kein Verlag drohend verhalten. Trotzdem möchten die Hauptstädter am liebsten mit den Verlagen zusammenarbeiten, Gespräche dazu laufen mittlerweile. Je besser die Gründer belegen können, dass Blinkist sich positiv und nicht negativ auf Verkäufe auswirkt, desto größer sind die Erfolgschancen. Ein erster Schritt dahin ist eine jetzt implementierte Option, um die Werke zu konsumierten Blinks in voller Länge als E-Book über den iTunes Store zu erwerben. Demnächst sollen auch Printausgaben direkt über Blinkist bestellt werden können.

Internationaliserung und neue Plattformen

Das siebenköpfige Blinkist-Team wird mit Einführung der Version 2 seinen Fokus von der Produktentwicklung stärker auf Wachstum legen. Ziel sei es laut Holger Seim, innerhalb von zwölf Monaten der Gewinnschwelle nahe zu kommen. Nach einer 300.000-Euro-Seedfinanzierung durch den Telekom-Inkubator Hubraum soll eine für den Herbst anvisierte Anschlussfinanzierung die notwendigen Mittel für eine Internationalisierung liefern. Geplant ist, Blinkist noch in diesem Jahr weltweit verfügbar zu machen und dabei den britischen und US-amerikanischen Markt besonders ins Visier zu nehmen. Bereits in Arbeit ist eine Web-App, zudem steht eine Android-Anwendung auf der Roadmap. Beschleunigt werden soll das Wachstum bei den Nutzern durch Kooperationen mit Onlinediensten, deren Zielgruppen sich mit der von Blinkist überschneidet. In erster Linie schweben den Berlinern Vermarktungspartnerschaften mit Umsatzbeteiligung vor, aber auch Integrationen der Blinkist-Funktionalität in Drittangeboten schließen sie nicht aus.

Mit 1.000 Käufern von Blinks (beziehungsweise Abos) hat das Startup schon einmal bewiesen, dass es für das Produkt eine Nachfrage und auch Zahlungsbereitschaft gibt. Offen ist noch, wie weit sich das Modell skalieren lässt, und ob es zu Verlagspartnerschaften kommt, wodurch die Berliner mitunter vom eigenhändigen Erstellen von Zusammenfassungen befreit würden. Ab jetzt wird die Branche genau hinschauen, wie es für Blinkist weitergeht. /mw

Link: Blinkist

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