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08.11.10

RockMelt: Der Facebook-Browser, der nicht von Facebook stammt

Das US-Startup RockMelt hat mit dem Launch seines gleichnamigen sozialen Browsers für Aufmerksamkeit gesorgt. Wir haben uns den eng an Facebook angelehnten Neuling angeschaut.

 

Es gibt wohl kaum ein US-Tech-Blog, das heute früh nicht über einen neuen sozialen Browser mit Namen RockMelt berichtet, der in der Nacht in geschlossener Beta-Version an den Start ging. Glücklicherweise gelangte ich an eine der von TechCrunch ausgelobten Invites, wodurch ich mir das Werk des unter anderem von Netscape-Erfinder Marc Andreessen finanziell unterstützten US-Startups bereits anschauen konnte.

RockMelt basiert auf Chromium, dem Open-Source-Projekt, das auch die Grundlage für Googles Browser Chrome darstellt. Entsprechend ähnlich ist die Oberfläche. Wer Chrome nutzt (wie ich), wird sich in RockMelt sofort zu Hause fühlen. Auch die Chrome auszeichnende Geschwindigkeit konnte RockMelt trotz der engen Integration mit Facebook und der zusätzlichen Verknüpfung mit Twitter beibehalten - was letztlich an Eigenschaften ausreichen sollte, um das designierte Schicksal von RockMelt nicht automatisch mit dem gefloppten und bisher auf dem langsameren Firefox-Browser aufbauenden Social Browser Flock zu vergleichen (zukünftig setzt Flock allerdings auch auf Chromium).

RockMelt ist im Prinzip ein Facebook-Browser, der nicht von Facebook stammt. Egal wohin im Netz die Reise geht - mit RockMelt ist der eigene Social Graph immer nur einen Klick entfernt. Eine Verknüpfung von RockMelt mit dem persönlichen Facebook-Konto ist Voraussetzung, um den Browser verwenden zu können. Am linken Browserrand werden sämtliche Facebook-Freunde mit ihren Profilfotos dargestellt, inklusive Suchfunktion sowie direkter Möglichkeit zum Chatten, Versenden einer Mail oder Hinterlassen einer Nachricht auf der Pinnwand.

Neben dem URL-Feld ist ein "Share"-Button platziert, mit dem sich jede gerade besuchte Site direkt bei Facebook publizieren lässt. Am rechten Browserrand positioniert RockMelt verschiedene Streams - neben dem Facebook-Newsfeed und dem persönlichen Profil-Stream ist dort auch eine allerdings im Featureumfang beschränkte Twitter-App platziert.

Außerdem befindet sich dort Platz für RSS-Feeds - wobei der unattraktive "RSS"-Begriff natürlich nicht fällt. Stattdessen beschränkt man sich auf "Feeds". Mit zwei Klicks lassen sich die aktuell besuchte Website oder zuvor angesteuerte Onlinepräsenzen abonnieren, die anschließend mit einem kleinen quadratischen Icon in der Feed-Spalte am rechten Browserrand auftauchen. Ein Klick auf ein Feed-Logo öffnet ein Fenster mit den jüngsten Artikeln in chronologischer Reihenfolge.

Sehr gut gefällt mir persönlich die Trennung von URL- und Suchfeld. Während die Vereinigung beider Felder bei Chrome zwar ein Schritt nach vorne sein sollte, konnte ich mich nie richtig damit anfreunden. Eine Suche öffnet ein kleines Fenster, das sich über die aktuelle Seite legt, statt den Browser ganz zu Googles Ergebnisseite zu leiten.

[photos title="Die Funktionen von RockMelt"]

Was RockMelt in meinen Augen auszeichnet: Es dauert fünf Sekunden und man weiß genau, wo sich welche Funktion befindet und was man mit ihr anstellen kann. RockMelt ist keineswegs überladen mit Features (was, wenn ich mich recht erinnere, mein damaliger Eindruck von Flock war), sondern es konzentriert sich auf die wesentlichen Elemente von Facebook und kombiniert diese mit einer Prise Twitter (ob man dafür auf den Twitter-Client seiner Wahl verzichten möchte, bezweifle ich) und einem Mini-Feedreader.

Optisch und von der Bedienung her hat das US-Startup meines Erachtens nach einen gelungenen Start hingelegt. Die Frage ist nun, inwieweit eine hinreichend große Zahl von Anwendern die Integration von Facebooks Kernfunktionen in den Browser für wichtig genug empfindet, um dafür ihrem bisherigen Lieblingsbrowser den Laufpass zu geben. Dass es Millionen von Facebook-Süchtigen Facebook-Nutzern gibt, die den gesamten Tag bei dem Social Network verbringen, ist bekannt. Eine theoretische Nachfrage nach einer smarten Integration in den Browser sollte somit zumindest vorhanden sein.

Für Stirnrunzeln dürfte bei manchen die Tatsache sorgen, dass durch die Verknüpfung mit Facebook und den Zwang zum Login die Gefahr der detaillierten Protokollierung des Surfverhaltens inklusive Verknüpfung von Präferenzen mit Klarnamen besteht. Zwar wird das Internetnutzungsverhalten durch Cookies und andere Tracking-Verfahren ungeachtet des gewählten Browsers ohnehin schon aufgezeichnet, aber (abgesehen von Ausnahmen) nicht in Verbindung zu vollständigen Personennamen gebracht. RockMelt-Mitgründer Tim Howes erklärt bei TechCrunch, dass die Macher des Browsers keinen Erkenntnisse darüber erhalten, wer auf welche Sites surft. Schön, dass er das sagt. Zweifel wird es aber dennoch geben.

Auf www.rockmelt.com könnt ihr euch in die Warteliste für einen RockMelt-Invite eintragen.

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