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08.11.13

Risikoinvestitionen in Jungfirmen: AngelList begeistert die Startup-Branche

AngelList, eine aufstrebende US-Plattform, die Risikokapitalgeber mit Startups zusammenbringt, hat die Investitionsmöglichkeiten deutlich erweitert. Gerade für Unternehmen in frühen Phasen ist dies eine erfreuliche Entwicklung.

flickr_khrawlingsVon den Machern von VentureHacks ursprünglich 2009 als Mailingliste für hochwertige Investorenkontakte für Startup ins Leben gerufen, hat sich AngelList in den USA mittlerweile zum Dreh- und Angelpunkt von Startups entwickelt, die in der Seed-Phase auf der Suche nach Risikokapitalgebern oder nach neuen Mitarbeitern sind.

Bisher wurden über AngelList Investments in Höhe von 200 Millionen Dollar in die Wege geleitet. 1.300 Unternehmen haben von 21.000 registrierten Investoren Geld einsammeln können. AngelList lässt die gelisteten Investoren eine spezifische Akkreditierung durchlaufen, bevor diese auf der Plattform aktiv werden dürfen. Namhafte Kapitalgeber wie Dave McClure, Gründer von 500Startups, Eric Ries, Autor von The Lean Startup, oder auch Marissa Mayer, CEO von Yahoo!, sind auf AngelList vertreten.

AngelList selbst hat jüngst eine weitere Runde Funding abgeschlossen, diesmal in Höhe von 24 Millionen Dollar. Das Geld stammt unter anderem von Google Ventures, The Kauffman Foundation, Atlas Ventures und vielen Kleininvestoren. Das Startup nutzte für diesen Prozess vorwiegend das eigene "Invest Online"-System. Wenn sich Investoren über Invest Online an Startups beteiligen, erhält AngelList zehn Prozent Provision auf den Umsatz aus jedem zustande gekommenen Deal.

Öffentliches Fundraising 

Seit Ende September haben Startups die Möglichkeit, ihr Fundraising auf AngelList und darüber hinaus öffentlich zu bewerben, da die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) das Verbot für öffentliches Anwerben von Kapital aufgehoben hat. Dies erweitert die Möglichkeiten für Startups erheblich, in frühen Phasen Investoren anzuwerben.

Das so genannte Public Fundraising wurde auch direkt von zahlreichen Startups genutzt, um in ihrem Netzwerk die Neuerung zu kommunizieren und kapitalstarke Interessenten anzuwerben. Außerdem können sich mehrere Investoren mit den neuerdings geschaffenen Syndikaten auf AngelList zusammen tun und Startups unterstützen. Auch hierfür müssen die Investoren akkreditiert sein.

Syndikate machen auch kleine Investitionssummen möglich

Mit den Syndikaten können Investoren nun Kapitalrunden für Startups sozusagen crowdfunden. Am Kopfe eines Syndikats steht ein Lead Investor, der weitere Investoren zusammenführt, die jeweils kleinere Summen in das betreffende Startup investieren, um am Ende auf die Zielsumme zu kommen. Als Entlohnung erhält der Syndikatsleiter bei erfolgreichem Umsatz des Deals eine Provision von 20 Prozent anteilig von den anderen Investoren. Außedem fließen ein paar Prozente an AngelList. Die anderen Unterstützer, so genannte Backers, haben den Vorteil, dass sie nicht die komplette Investitionssumme von beispielsweise 500.000 Dollar aufbringen müssen, sondern etwa nur 50.000 Dollar. Syndikate können nicht nur durch einzelne Business Angels geformt werden, sondern auch durch Fonds. Einer der ersten Geldgeber, der ein Syndikat auf AngelList eröffnete, war Tim Ferriss, erfolgreicher Buchautor und Startup-Berater. Er führt ein Syndikat an, welches bis dato mit 315 Unterstützern mehr als anderthalb Millionen Dollar für das Startup Shyp gesammelt hat.

Brad Feld, Managing Director der Foundry Group, hat angekündigt , bis Ende 2014 insgesamt 50 Seed-Investitionen für je 50.000 Dollar auf AngelList mit Hilfe von Syndikaten zu investieren und dabei mit Unterstützern bis zu 500.000 Dollar je Deal zusammenbringen zu wollen.

Obwohl AngelList vorwiegend in den USA aktiv ist, werden auch immer mehr ausländische Startups auf die Möglichkeiten der Plattform aufmerksam, vor allem in Hinblick auf das Public Fundraising. Startups aus dem Ausland müssen dabei konform zu den Regeln und Gesetzen der USA und ihres Heimatlandes arbeiten, um Kapital über AngelList einsammeln zu können. Es bleibt zu hoffen, dass die Plattform ihren Wirkungskreis international erweitern wird, damit möglichst viele Startups von den neuen Möglichkeiten zur Kapitalbeschaffung über die Plattform profitieren können. Gerade die Syndikatsfunktion ist ein wichtiger Schritt, um auch Investoren mit geringeren Einsätzen dazu zu holen. Investoren mit klassischen Vorgehensweisen müssen jedoch keine Angst haben, durch Plattformen wie AngelList ersetzt zu werden. Denn Erfahrungen im Umgang mit Risikoinvestitionen und Startups sowie ein Netzwerk in der realen Welt sind immer noch am wertvollsten für erfolgreiche Investitionen.

Bild: khrawlings unter CC-Lizenz BY 2.0

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