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26.11.07Leser-Kommentare

"Rich vs. King": Warum Unternehmer sich selber feuern sollten

Jungunternehmer, die eine Firma starten, haben unterschiedlichste Motive für dieses Wagnis: Man will die Welt verändern, tolle Produkte entwickeln, in seinem eigenen Stil arbeiten können, eine ganz besondere Unternehmenskultur aufbauen, sein Hobby zum Beruf machen, und so weiter.

Was man aber als Motivationsfaktoren am häufigsten findet, sind die zwei klassischen Kernmotive des Unternehmertums: "Sein eigener Chef sein" (Kontrolle) und "Viel Geld verdienen" (Profit). Viele denken, dass das beides möglich ist und orientieren sich an Vorbildern wie Bill Gates oder Steve Jobs, die sowohl viel Geld gemacht haben als auch immer noch die einflussreichsten Personen in ihren Firmen sind.

Die meisten Jungunternehmer haben Angst davor, irgendwann die Kontrolle über die eigene Firma zu verlieren. Besonders wenn externe Geldgeber mit im Spiel sind, ist diese Gefahr real, denn gerade beispielsweise Venture Capitalists sind dafür bekannt, dass sie gern mal die Gründer an der Unternehmensspitze ablösen. Macher Firmengründer fürchtet, dass ein von aussen kommender angestellter Manager das Unternehmen ruinieren könnte, so dass man am Schluss weder als eigener Chef noch als Millionär dasteht.

Aber sind Kontrolle und Profitstreben wirklich sich gegenseitig verstärkende Faktoren? Oder ist vielleicht sogar das Gegenteil der Fall?

Eine Studie von Noam Wasserman von der Harvard Business School spricht für letzteres: In seinem vielbeachteten Papier "Rich versus King: Strategic Choice and the Entrepreneur" (PDF) untersuchte Wasserman hunderte von High-Tech-Firmen und versuchte abzuwägen, ob es für den Firmenwert positiv oder negativ ist, wenn der/die Gründer am Ruder bleiben.

Das Resultat mag manchen überraschen: Je mehr Kontrolle bei den Gründern verblieb, desto weniger war eine Firma wert. Noch erstaunlicher: Selbst wenn Gründern nach Aufgabe der Kontrolle nur noch ein relativ kleiner Aktienanteil der Firma blieb, war dieser Anteil mehr wert als bei den Unternehmern, die immer noch der uneingeschränkte Herr im eigenen Laden waren. Firmengründer, die bereit sind, die Kontrolle über ihr Unternehmen aufzugeben, fahren im Durchschnitt also finanziell besser.

 

Ursachen für diesen Zusammenhang gibt es mehrere: Für schnelles Wachstum brauchen gerade High-Tech-Unternehmen oft reichlich Kapital, und externe Geldgeber verlangen meistens viel Einfluss auf die Unternehmensstrategie. Wenn einem Gründerteam aber seine Unabhängigkeit besonders wichtig ist, verzichtet es oft auf externes Kapital und schränkt damit unter Umständen die Wachstumsmöglichkeiten der Firma empfindlich ein.

Das gleiche gilt für das Anwerben talentierter Mitarbeiter: Richtig gute Leute verlangen oft einen Aktienanteil, wenn sie bei einem Startup einsteigen. Wenn die Gründer nicht bereit sind, diesen Anteil zu gewähren, suchen sich die besten Leute oft einen anderen Arbeitgeber. Das ist natürlich wiederum zum Nachteil des Unternehmens.

Mit anderen Worten: Fälle wie Bill Gates, Steve Jobs, Larry Ellison oder Michael Dell sind die absolute Ausnahme. Diese herausragenden Unternehmerpersönlichkeiten sind sowohl immer noch CEO und/oder Aufsichtsratsvorsitzender ihrer Firmen und haben gleichzeitig ein enormes Vermögen angehäuft. Gründe dafür gibt es verschiedene, und wie so oft im Leben spielen Timing und Glück nicht die kleinste Rolle.

Für den etwas durchschnittlicheren Unternehmensgründer stellt sich hingegen ganz klar die Frage: Will ich lieber reich werden oder "König" meiner Firma sein? Natürlich gibt es gute Gründe für beide Wege, aber Jungunternehmer sollten sich gut überlegen, welcher Faktor ihnen wichtiger ist.

Kommentare

  • Peter Hogenkamp

    27.11.07 (09:46:56)

    Gut zu wissen. Will gerade jemand CEO und VR-Präsident von Blogwerk werden? :-)

  • Alexander Trust

    28.11.07 (15:30:47)

    Vielen Dank für den Hinweis auf das nicht uninteressante Pamphlet von Wasserman.

  • Dr. Dean

    28.11.07 (20:39:54)

    "Firmengründer, die bereit sind, die Kontrolle über ihr Unternehmen aufzugeben, fahren im Durchschnitt also finanziell besser."Diese Aussage ist Blödsinn. Sorry. Wenn ein Autor einer "wissenschaftlichen" Untersuchung nicht ausreichend die Grundbegriffe der Logik kennt, und auch nicht die verschiedenen Varianten, zu einer Beobachtung mögliche Ursachen zu benennen, dann ist klar, dass derartige Unfugasusagen herauskommen müssen. Es ist gut möglich - und das Design der "Untersuchung" hat das nicht erfragt - dass die verglichenen Gruppen (grob vereinfacht: fremdfinanziert vs. gründerfinanzeirt) sich fundamental unterscheiden - und zwar von vornherein in ihren Erfolgsaussichten. Nicht die Fremdfinanzierung oder die Gründerferne ist also die Ursache für eine gute Performance, sondern eine vorgelagerte Ursache, welche die zu unterscheidenden Gruppen trennt - nämlich die Erfolgsaussichten einer Unternehmung. Knapp gesagt, wenn eine Unternehmung keine oder nur relativ geringe Erfolgsaussichten hat, dann wird sie auch keine Fremdfinanzierung bekommen, selbst, wenn sie das wollte. Wenn man aber nun hinterher vergleicht, wie fremdfinanzierte Unternehmen performt haben, dann hat man damit keine (!) Aussage über den Nutzen einer Fremdfinanzierung und gar den Nutzen eines Gründerausstiegs getroffen. Trottel.

  • Andreas Göldi

    28.11.07 (20:54:19)

    @Dr. Dean: Wenn Du schon so eine deutliche Meinung dazu hast, kannst Du uns sicher auch sagen, was Deiner Ansicht nach diese von vornherein feststehenden Erfolgsaussichten ausmacht. Das wuerde mich echt interessieren. Ich habe da naemlich ernste Zweifel, ob Du dafuer messbare und klare Faktoren finden wirst. Unternehmenserfolg ist keine eindimensionale Angelegenheit, die von simplen Kausalitaeten abhaengt (schon gar nicht von der Qualitaet der Geschaeftsidee -- wie auch immer man die definieren will). Gerade das Verhalten der Gruender ist ein essentieller Grund fuer den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens. Ebenso Fremdfinanzierung: Ob ein Unternehmen externes Kapital bekommt, haengt von sehr vielen Faktoren ab (nicht zuletzt vom Verhalten der Gruender). Und Umfang, Quelle und Art dieser Finanzspritzen haben wiederum massive Auswirkungen auf den spaeteren Unternehmenserfolg. Aber wie gesagt, da Du da ja offenbar ueber wesentlich tiefreichendere Einsichten in die Natur unternehmerischer Erfolgsaussichten verfuegst, wuerden mich selbige sehr interessieren.

  • Matthias

    28.11.07 (21:33:36)

    super spannend! also: 1. ohne zu schleimen: das ist klar der beste deutschsprachige blog über unser business, und ich halte andreas' analytische fähigkeiten für absolut außergewöhnlich, selten eine so fundierte meinung zu diesen ganzen themen gelesen. 2. den grundaussagen der studie würde ich intuitiv auch zustimmen. 3. beim lesen hatte ich aber GENAU DAS GLEICHE PROBLEM wie Dr. Dean! irgendwie kommt die studie mit der falschen methodik zur richtigen aussage... oder so... 4. jetzt begreife ich nicht, wie du andreas, das was dr. dean schreibt, nicht nachvollziehen kannst ;) evtl. liegts am begriff "erfolgsaussichten" - das ist schwammig und nicht definiert. vielleicht könnte wir die faktoren "skalierbarkeit" und "optimale unternehmensgröße" mit in die betrachtung einbeziehen. extrembeispiel: gründer 1: unternehmensidee "webdesign-dienstleister für internet-auftritte von fusspflege-praxen" gründer 2: musik-download-portal mit schwerpunkt junge zielgruppen beide gründer legen begeistert los und machen ihr ding, nach 3 jahren sieht es so aus: gründer 1: sitzt in gemieteten 1-familen-endreihen-haus im keller mit 1 mitarbeiterin und 2 400-euro-kräften und der hund schaut auch ab und zu noch rein gründer 2: dem gehören nur noch 5% von seinem laden, aber der wird jetzt für ein schweinegeld an sony bmg verkauft. daraus folgt: gründer 1 ist king, gründer 2 ist rich. soweit ja richtig. nur der umkehrschluss stimmt halt nicht: gründer 2 hätte das unternehmen ja gar nicht mit der "king"-strategie aufbauen können, und gründer 1 hätte gar kein geld gebraucht bzw. nie welches bekommen, weil es eben ein typisches small-business/local-business - dienstleistungs-ding ist, was sich gar nicht hochskalieren läßt. das ist die kritik von dr.dean, und der schliesse ich mich an. aber trotzdem hat die aussage der studie natürlich ihre berechtigung: denn angenommen beide gründer wollen diesen online-store gründen. dann kann es ohne weiteres sein: gründer 1 ein kleines business hochgezogen aber nie genug geld für marketing gehabt und ausgegeben, und bleibt in der nische hängen. gründer 2 gehort nicht mehr viel, aber hat den weltweiten rollout geschaft, und das natürlich nur mit kapital und dem know-how von anderen. also: aussage plausibel, nur mit dem studiendesign eigentlich nicht zu leisten. @andreas: andere meinung? her damit ;)

  • Andreas Göldi

    28.11.07 (22:45:09)

    @Matthias: Zunächst mal Danke für das Kompliment!

    OK, ich sehe jetzt klarer, wo die Kritik herkommt.

    Natürlich ist es immer schwierig, bei so komplexen Themen eindeutige Kausalitäten abzuleiten. Und natürlich besteht darum (wie bei jeder wissenschaftlichen Studie) die Gefahr, eine Wirkungskette zu entdecken, wo gar keine ist.

    Aber Dein Beispiel ist durchaus kompatibel mit der Aussage der Studie:

    Gründer 1 hat sich vermutlich für dieses Nischenbusiness entschieden, weil er sich mit einer relativ risikoarmen Idee selbständig machen wollte. Vorteil: Er muss keine Kontrolle aufgeben, sondern bleibt sein eigener Chef.

    Gründer 2 ist hingegen ehrgeiziger und wagt sich an eine Geschäftsidee, die eine viel geringe Erfolgschance und höheren Finanzbedarf hat, aber auch zu einem grösseren Erfolg werden könnte. Dazu muss er auch aber bereit sein, vermutlich irgendwann die Kontrolle über das Unternehmen aufzugeben.

    Die Studie sagt im Prinzip auch aus, dass die Persönlichkeit bzw. Präferenzen der Gründer wesentlich darüber entscheiden, was für eine Art von Firma diese Leute gründen und welche Form der Finanzierung sowie welche Managementstruktur sie sich dafür aussuchen. Und der empirische Zusammenhang ist offenbar, dass bei mehr Risiko (= typischerweise auch mehr externe Finanzierung und weniger eigene Kontrolle) das finanzielle Ergebnis für die Gründer im Durchschnitt besser ist.

    Finanzierung und Managementkontrolle sind so gesehen lediglich die beobachtbaren Variablen für die dahintersteckenden Absichten. Die Kausalitätskette ist im Prinzip: Präferenzen/Persönlichkeit der Gründer --> Firmentyp --> erfolgsversprechendste Form von Finanzierung und Management für diesen Firmentyp --> adäquate oder inadäquate Reaktion der Gründer --> finanzieller Erfolg/Misserfolg. Etwas anderes behauptet die Studie gar nicht, nur ist eben "Firmentyp" keine klar quantifizierbare Eigenschaft (und "Erfolgsaussichten" noch viel weniger).

    So gesehen ist natürlich die Aussage "Firmengründer, die die Kontrolle aufgeben, werden reicher" stark verkürzt und lässt einen Teil der Kausalitäten aus. Aber ich kenne durchaus Leute, die genau in diese Falle getappt sind: Manchmal gründen Leute eine Firma, die eigentlich viel externes Kapital und professionelles Managment brauchen würde, sind dann aber im entscheidenden Moment doch nicht bereit, die Kontrolle aufzugeben. Und das ist finanziell offenbar nachteilig.

    Einiges wird auch noch klarer, wenn man die lange Working-Paper-Version der Studie liest:
    http://web.mit.edu/iandeseminar/Papers/Fall2006/Wasserman.pdf
    (Sorry, hatte ich nicht verlinkt).

    Daraus geht auch hervor, dass in der Studie nur IT-Firmen berücksichtigt wurden, und zwar nur solche, die zumindest ein wenig externes Kapital erhalten haben. Die untersuchte Gruppe war also durchaus recht homogen, und damit dürfte die Aussage über die Wirkung der Gründerpräferenzen durchaus ihre Berechtigung haben.

  • Matthias

    29.11.07 (02:14:57)

    @andreas: ok, habe das working-paper jetzt noch nicht genauer angeschaut, aber wenn die gruppe der untersuchten firmen tatsächlich alle etwas externes kapital erhalten haben und somit zumindest nicht sofort ersichtlich in einem small business/ nischensegment agieren wollten, können wir uns auf deine erweiterte analyse einigen. mich würde ja interessieren warum dr.dean so "abgegangen" ist. da ich hier anonym bin, kann ich gerne sagen, dass mich das thema schon betrifft: nach einigen jahren als angestellter in habe ich ein eigenes unternehmen gegründet, nur mit eigenem kapital. natürlich waren zunächst mal beide motive - king+rich - wichtig, den darin enthaltenen zielkonflikt habe ich nicht erkannt. und wie bei den meisten leuten die mal angestellt waren, waren die king - also unabhängigkeitsmotive - dann letztlich stärker. nun habe ich nach ein paar jahren harter arbeit ein unternehmen ohne fremdes kapital aufgebaut, was sich in einem markt befindet, der mir langfristig nicht beliebiges wachstum ermöglicht. die optimale größe liegt wohl bei rund 1 mio. euro umsatz und gutem gewinn. das läuft. davon kann man auch prima leben, aber von reichtum im weitesten sinne bin ich natürlich weit entfernt. und da ich noch nicht mal eine theoretische idee habe, wie ich den umsatz z.b. verzehnfachen könnte, wird sich das mit dieser firma auch nicht ändern. nun kann ich natürlich verkaufen und was neues machen. aber da ist der haken halt, dass das unternehmen ohne mich wesentlich weniger wert ist als mit mir. das ist ja bei kleinen firmen generell so. ich will da nun nicht jammern - andere leute haben ganz andere probleme. aber irgendwie ärgerts mich schon, dass ich den zielkonflikt nicht früher erkannt habe und einen risikoreicheren weg eingeschlagen habe. oder mich zumindest bewusst dagegen entschieden habe. so war es nicht so richtig eine bewusste entscheidung, sondern ist "einfach so gekommen". das wurmt mich schon. hätte ich deinen blog mal schon vor 3 jahren gelesen ;)

  • Andreas Göldi

    29.11.07 (03:01:20)

    @Matthias: Tja, das Dilemma kenne ich nur zu gut. Ich war bisher in einem halben Dutzend Startups aktiv involviert, und bei jedem stellte sich früher oder später die Frage (oft auch wiederholt), wie stark und schnell man wachsen will und ob man dazu externes Kapital braucht. Oft kommt es auch anders, als man denkt: Bei einigen Projekten startet man mit grossen Ambitionen und muss später zurückbuchstabieren, bei anderen hebt das Ding ganz unerwartet ab. Leider ist das oft nicht planbar, klare Absichten hin oder her. Eins habe ich aber wirklich gelernt: Man ist nie unersetzlich, und oft ist das Beste, was man tun kann (für sich und die Firma), anderen Leuten das Feld zu überlassen. Meiner alten Firma geht es besser denn je, seit ich weg bin :-)

  • David

    30.11.07 (06:24:09)

    @Matthias Ich kann nicht glauben, dass du mit 1 Mio. am Ender der Fahnenstange angekommen bist. Ich kann nicht glauben, dass ein Markt bzw. Dein Geschaeftszweig nur 1 Mio. zulaesst und mehr ist nicht drin. Ohne Dich persoenlich angreifen zu wollen, aber man kann aus jedem Markt mehr rausholen. Irgendeinen Zulieferer, Produzenten, whatever kann man immer ueberspringen. Wie gesagt ich will Dich nicht angreifen, sondern Dich ermutigen Dich hinzusetzen und einfach mal zu ueberlegen, was der naechste Schritt sein koennte. Als Beispiel, im Falle von Gruender 1 waeren die moeglichen naechsten Schritte, zu den Fusspflege Designs auch Manikuere oder aehnliches hinzuzufuegen. Oder offline, haette er nen Fusspflege Salon waere ein moeglicher naechster Schritt, eine Franchise Kette hochzuziehen. Fakt ist man muss nur in groesseren Dimensionen denken.

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