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20.05.08Kommentieren

Rewes neue Frauenzeitschrift: Kein Grund zur Sorge

Rewe will in Deutschland ein eigenes Frauenmagazin in den Supermärkten verkaufen – genau wie in Österreich. Wir haben uns Maxima, das Vorbild von Rewe Austria, angesehen.

Wie die Branchendienste berichten, soll das 80 Cent teure Magazin in allen 3000 deutschen Rewe-Märkten verkauft werden und Titeln wie Maxi, Petra, Freundin und Für Sie Konkurrenz machen. Müssen die deutschen Verlage nun Zittern?

Schauen wir mal: Maxima - die besten Seiten der Frau heißt das Magazin, dass in allen österreichischen Merkur-, Bipa- und Billa-Filialen aufliegt. Der Titel des Magazins ist Programm. Maxima hält, was es verspricht: ein typisches Frauenmagazin, wie es sie schon massenhaft gibt. Ein Großteil der Geschichten ist Servicejournalismus. Viele große und kleine Bilder, wenig Text und ein einfaches Layout:

 

Etwas Besonderes ist Maxima nun wirklich nicht. Dafür ist die Zeitschrift sensationell billig. Jeden Monat bekommt man für einen Euro rund 180 Seiten Hochglanzpapier. Die Themenpalette zielt auf ein junges, weibliches Publikum ab, von der Altersgruppe her klar begrenzt auf Unter-Vierzigjährige. Obligat sind also Accessoires, Kosmetikprodukte und Parfüms, die keiner braucht.

Ebenso mit an Bord sind Modetrends, Wellnesstipps, Fitnessideen, ein Horoskop, ein Rätsel und Rezepte, die in der Zeitschrift super ausschauen, beim Nachkochen aber garantiert nicht so perfekt gelingen. Kurz besprochen werden Bücher und Musik, Küchenmaschinen und Popstars. Gepackt ist das alles in sechs Rubriken: In & Interessant, Beauty & Mode, Fit & Gesund, Family & Leben, Kulinarik & Reisen sowie Kultur & Technik.

Die fünf Coverstories bekommen mehr Platz und mehr Text als der Rest. Länger als fünf Minuten liest man dennoch nicht daran. Kreative Ansätze, die Maxima aus der Flut der anderen Frauenzeitschriften hervorheben würde, sind kaum dabei. Die Titelgeschichte ?Leben zu zweit. Was sie tun können, damit kein Partner draufzahlt? (hier als PDF zum Herunterladen) hat es schon oft genug woanders gegeben. Außerdem trieft der Text vor Klischees und alltagspsychologischen Binsenweisheiten.

Ebenfalls kein Lichtblick ist die Serie zum Thema Zeitmanagement (hier als PDF zum Herunterladen). Schon der Titel ?Mehr Zeit für mich? schraubt die Erwartungen aufs Minimum, der Rest des Beitrags ist bleibt oberflächliches Gequatsche. Die zehn Zeittipps sind einfach platt und abgedroschen. Der Test ?Wie gut funktioniert Ihre Tagesplanung?? ist nutzlos.

Bei halbwegs klarem Verstand schüttelt man über die Geschichte von Erdenergien und Erdheilung ebenso den Kopf wie bei der PR-Story über Bipa (die Drogeriekette Bipa gehört zum Rewe-Konzern, der das Heft herausgibt). Allein der Anfangssatz ist ein schlechter Witz: ?Bipa ist das beste große Unternehmen 2008?. In grellem Pink, der Corporate Design- Farbe von Bipa, sind die PR-Phrasen als Unterüberschriften nicht zu übersehen: ?Fairness am Arbeitsplatz?, ?Chancengleichheit? und ?Business mit Wohlfühlfaktor?.

Der Ansatz für die Geschichte ?World Wedding?, die Hochzeitsrituale aus anderen Ländern beleuchtet, ist zwar interessant, aber auch nichts Neues. Den Titel Reportage verdient diese Zusammenfassung von Hintergrundinformationen dennoch auf keinen Fall. Eine gute Idee ist das Special zur Euro 2008, ein Portrait von Nachwuchsfußballern und ihren Müttern. Das ist eine der wenigen Geschichten, wo Ansätze von kritischem Journalismus zu erkennen sind.

Im Großen und Ganzen bleibt Maxima aber einem Themenmix treu, der nicht über Lifestyle, Konsum und Selbstoptimierungtipps hinausreicht. So langweilig und einfach gestrickt, dass es zum Durchblättern reicht. Zum Lesen lädt Maxima nicht ein.

Noch so ein Magazin braucht die Frau heute wohl kaum. Davon gibt es mehr als genug.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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