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03.04.12 09:37

, von Martin Weigert

Revolution des E-Commerce: UPcloads Webcam-Körpervermessung startet offiziell

UPcload hat eine Technologie zur Körpervermessung per Webcam entwickelt. Sie könnte den E-Commerce revolutionieren. Am heutigen Dienstag öffnet das Berliner Startup seine Tore.

 

Konsumenten müssen in Zukunft nie mehr Kleidung im Internet bestellen, die ihnen nicht passt. Dies verspricht das Berliner Startup UPcload. Realisiert werden soll dies mit einer Technologie, welche eine Fernkörpervermessung über die Webcam ermöglicht. 2010 haben die zwei Wirtschaftswissenschaftler Asaf Moses und Sebastian Schulze ihr Unternehmen gegründet und seitdem zusammen mit einem israelischen Programmiererteam an der Vermessungssoftware gearbeitet.

Angesichts des glasklaren Nutzwerts und hohen Innovationsgrads der UPcload-Idee avancierte das junge Unternehmen aus der Hauptstadt schnell zu einem Liebling der Medien - immerhin könnte es den Grundstein für eine Revolution im E-Commerce legen.

Bisher konnte UPcload lediglich von einer begrenzten Anzahl an Testnutzern ausprobiert werden. Am heutigen Dienstag jedoch öffnet sich der Vorhang: Ab sofort steht der Service allen Anwendern mit einer Webcam zur Verfügung.

UPcloads Geschäftsmodell basiert auf einer Kooperation mit Onlineshops, denen Nutzer dann im Falle eines Bestellwunsches Zugriff auf ihr UPcload-Profil und damit auf ihre Körpermaße geben. Für Anwender erfordert der Einsatz von UPcload also einen einmaligen Messprozess, der nur wiederholt werden muss, wenn sich die Konfektionsgröße nennenswert verändert haben sollte (beispielsweise nach einer erfolgreichen Diät).

Zum heutigen UPcload-Launch stehen lediglich eine Handvoll Händler bereit, die schon an das System der Hauptstädter angeschlossen sind, darunter der Merchandising-Shop der Humboldt-Universität zu Berlin (wo das Gründerduo studiert hat), das E-Commerce-Angebot des Modelabels Workaholic, der Onlineshop von The Norce Face (nur für ausgewählte Beta-Kunden aus den USA) sowie der Maßhemdenversand Shirts On The Fly.

Zum Start veranstalten die Berliner außerdem ihre eigene kleine Exklusiv-Verkaufsaktion: Auf 100days.upcload.com finden Modeinteressierte in den nächsten drei Monaten fast jeden Tag ein neues Kleidungsstück von ausgewählten Designern zu einem vergünstigten Preis, das direkt von der Site und dank UPcload in der perfekten Größe bestellt werden kann.

Nach Aussage von UPcload-Pressesprecher Steffen Poralla laufen derzeit Verhandlungen mit großen Händlern über die Integration von UPcload in deren Onlineangebote. Bis dahin möchte das Team des Startups aber erst einmal Anwender dazu bewegen, ein Profil bei dem Dienst anzulegen, den Körpervermessungsprozess zu absolvieren (der einige Minuten in Anspruch nimmt und eine freie, möglichst weiße Wand als Hintergrund erfordert) und gegebenenfalls in einem der Pilotshops etwas zu bestellen. Erst wenn Anwender diese Schritt durchlaufen haben und dann auch tatsächlich von der Passform der bestellten Kleidungsstücke überzeugt sind, steht der großen nationalen und internationalen Expansion nichts mehr im Wege.

Für die nächsten Monate ist neben den Gesprächen mit Partnern der Launch eines neuen, von beteiligten Shops zu integrierenden Widgets inklusive sozialer Funktionen sowie der Aufbau von Geschäftsaktivitäten in den USA geplant. UPcload nimmt dazu ab Juli am German Silicon Valley Accelerator-Programm teil. In einem späteren Schritt soll die UPcload-Technologie auch auf die Erfassung von Füßen und Schuhgrößen erweitert werden. Für 2013 ist der Launch einer Smartphone-App vorgesehen.

UPcload hat bisher ingesamt rund 750.000 Euro von Business Angels sowie aus Preisgeldern von Startup-Wettbewerben eingesammelt.

Das Unternehmen gehört momentan zweifelsohne zu den spannendsten und innovativsten deutschen Startups des digitalen Sektors und ist mit seiner Lösung bisher weltweit einzigartig. Mit Clothes Horse könnte gerade in New York ein potenzieller Konkurrent entstehen - allerdings verzichtet der Dienst auf eine visuelle Fernvermessung und setzt stattdessen auf ein Frage-Antwort-System, um davon eine Größenempfehlung für das zu bestellende Kleidungsstück abzugeben. Auch Microsofts Bewegungssteuerung Kinect sowie Augmented-Reality-Lösungen könnten eines Tages zur effektiven Körpervermessung eingesetzt werden. Noch ist das alles aber nichts für den Massenmarkt. UPcload hat (auch aufgrund der bereits internationalen Beachtung) eine reelle Chance, diesen zuvor zu erobern.

Link: UPcload

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Kommentare: Revolution des E-Commerce: UPcloads Webcam-Körpervermessung startet offiziell

Das ist echt mal ne Idee, die ich gar nicht schlecht finde. Sobald das Ding nach Übersee wandert, müssen die Webcams halt ein wenig "erweitert" werden :-P

Diese Nachricht wurde von Suchmaschinenoptimierung am 03.04.12 (12:33:46) kommentiert.

lol

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 03.04.12 (14:20:00) kommentiert.

Interessant Idee. Wird dort gut funktionieren, wo die Shops auch genau ihre eigenen Grössen wissen. Heute ist es aber leider üblich, dass Grössen auch innerhalb von einzelnen Shops oder Marken nicht standardisiert sind. Das liegt daran, dass möglichst preiswert eingekauft und so von unterschiedlichsten Herstellern gesourced wird, die unterschiedliche Grössen haben. Die Vermessung ist natürlich perfekt für wirkliche Masskonfektion oder Unternehmen, die ihre komplette Herstell- und Supplychain kontrollieren.

Diese Nachricht wurde von Patrick Stähler am 03.04.12 (19:13:46) kommentiert.

Eine wirklich gute Sache. Auf jeden Fall sinnvoll bei Läden wir youtailor oder tailorstore bei denen man maßgeschneiderte Hemden/Anzüge bestellt. Ob es bei Nike etc. viel bringt? Deren Kleidung sitzt doch sowieso nicht eng an. Mehr Infos zum Business Model wären interessant. Bezahlen die Partnershops für die Benutzung oder woher sollen die Einnahmen kommen?

Diese Nachricht wurde von Thomas Müller am 04.04.12 (03:31:11) kommentiert.

Die Idee, jedes Kleidungsstück bereits in der Produktion - also durch einen herstellerseitiges Gegenstück der Technik - in der Massenfertigung entsprechend mit Messpunkten zu versehen, hatten wir hier schon einmal angerissen. Welche Bedenken der Handel bzgl. Virtual Dressing hat, habe ich hier zusammengefasst. Aus Konsumenten-Sicht sehe ich die Standardisierung allgemein positiv, jedenfalls innerhalb bestimmter Marken. Hier hat sich durch QM in den vergangenen Jahren sehr viel getan. Größengenauigkeit, unabhängig von der Produktionsstätte, ist als wichtiges Instrument zur Markenbindung im ECommerce erkannt worden: Kennt man seine individuelle Größe eines Markenproduktes, kann man das heute oft "blind" nachbestellen. Besonders bei Markenjeans ist mir das aufgefallen. Wo man früher 5 Hosen einer Marke und eines Modells in der gleichen Größe durchprobieren musste, gibt es heute weit weniger Fertigungstoleranzen. Über bestimmte Markenartikler hinaus, die ihre SCM derart kontrollieren können, ist dein Einwand bezüglich Sourcing-Strategien aber berechtigt.Und auch spannend. Schaut man auf die Bedenken, die im Textilhandel geäußert werden, den Fortschritt der Technik und das weiterhin großen Wachstumspotenzial im Fashion Segment, dann stellt sich vielleicht irgendwann für Händler die Frage: Eignet sich Virtual Dressing nicht, weil es sich nicht mit der eigenen Einkaufspolitik vereinbaren lässt, oder wird die Bereitschaft der Kunden sich zu "vermessen" irgendwann so groß sein, dass man eher seine Sourcing-Strategie diesem Trend anpassen sollte?

Diese Nachricht wurde von Karsten Werner am 04.04.12 (07:22:39) kommentiert.

Das Business-Modell ist Pay-Per-Use. Für die Endkunden ist der Service gratis. Die Shops zahlen für jeden UPcload-Login auf ihrer Website eine Gebühr an den Dienstleister. Eine Login-Session ist 24h gültig und es fällt auch nicht mehr an, wenn sich Kunden Größenempfehlungen o. sonstige Infos zu mehr als einem Produkt abholen.

Diese Nachricht wurde von Karsten Werner am 04.04.12 (11:07:11) kommentiert.
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