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04.04.09Leser-Kommentar

re:publica '09, Tag 3: Social Networks und holländische Wohnzimmer

Am dritten Tag der re:publica wurde in Berlin endlich etwas gegen den Testosteronüberschuss auf den Konferenzbühnen getan - und für das WLAN. Unser Rückblick auf einige der Panels des letzten Konferenztages.

Politik 2.0: Natürlich auch ein Thema auf der Netzkonferenz.

Für den dritten Tag haben die Veranstalter der re:publica einiges in den Mix geworfen. Die Entscheidung zwischen den terminlich sehr eng gelegten Veranstaltungen fiel noch schwerer als zuvor, die Themen waren homogener und es hätte schöne Diskussionen geben können. Große Räume blieben leer, in den kleinen saß man zum Teil viel zu nah kuschelig beieinander. Und zum Abschied gab's dann sogar fast ganztägig WLAN, hallelujah!In Holland ist es an der Regel, im Wohnzimmer keine Vorhänge aufzuhängen – und dennoch würde keiner auf die Idee kommen, sich auf die Straße zu stellen und hereinzustarren. So viel Respekt forderte Jan Schmidt vom Hamburger Hans-Bredow-Institut im ersten Vortrag des Tages. Die Änderungen am Design und den AGB von Facebook verglich er mit einem Vermieter, der in unserer Wohnung Türen ersetzt oder Wände herausreißt – ohne unsere Einwilligung. Leider konnte sich des schlechten Timings am letzten Konferenztag wegen keine Diskussion über Identitätsmanagement oder die Frage, wie dem "fundamentalen Wandel der Kommunikation" (Schmidt) zu begegnen ist, entwickeln.

Der Vortrag von Cory Doctorow von der Blog-Wundertüte Boing Boing wäre eigentlich der perfekte Einstieg in die re:publica '09 gewesen: Er sprach über den Dinosaurier Musikindustrie, doch was er so erzählte, wurde zwischen den Zeilen eine Zusammenfassung dessen, was die re:publica-Besucher so am Netz fasziniert. Definitiv eines der Highlights der Konferenz. Und weil Doctorow so wahnsinnig schnell spricht, konnte er auch ein bisschen von dem zeitlichen Rückstand wieder aufholen.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales war zwar sehr sympathisch, und sein Vortrag hat zurecht für den ein oder anderen Lacher gesorgt, ansonsten jedoch hatte "Jimbo" leider nicht viel Neues zu erzählen: Grundkenntnisse über die Wikipedia hätten bei den re:publia-Teilnehmern vorausgesetzt werden können.

Weiter ging es ziemlich mau mit dem Panel mit dem provokanten Titel Wenn Frauen bloggen. Warum Babykotze genauso relevant ist wie das iPhone, in dem fünf Frauen von ihren unterschiedlichen Blogs (von Technik über Mode bis zu Feminismus) erzählten. Interessant wurde es erst, als aus der faden Ich-mache-dies-und-du-?-Runde eine Diskussion über Feminismus, den Testosteronüberschuss auf den re:publica-Bühnen und die Forderung nach einer Frauenquote für die Konferenz wurde. Auf die Frage, warum denn nun Babykotze relevanter Inhalt für Blogs ist, gab es allerdings trotz zahlreicher Wortmeldungen aus dem Publikum keine zufriedenstellende Antwort.

Mit reichlich Verzögerung und den "üblichen Verdächtigen" ausgestattet startete das Panel Politische Blogs in Deutschland - und wurde durchaus interessant. So antwortete etwa Zeit-Redakteur Kai Biermann einem Blogger im Publikum, der sich über ungenügende Recherche und Weitblick politischer Journalisten beklagte, er solle doch selbst diese Funktion übernehmen. Auch Blogger könnten die vierte Gewalt sein, so Biermann. Julia Seeliger hingegen erwartet von "den gut bezahlten Journalisten in den Hauptstadtbüros" gute Arbeit und eben nicht, dass sie den kritischen Blick den Blogger überlassen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Gordon Bujak

    06.04.09 (11:10:26)

    nett

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