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01.12.11Leser-Kommentare

Remixen von Inhalten: Farfromhomepage ermöglicht "kreatives Browsen"

Farfromhomepage ermöglicht das Erstellen von interaktiven Präsentationen, die Contentschnipsel und ganze Websites enthalten können. Das Berliner Startup liefert damit einen weiteren Beitrag zum boomenden Segment der Kurationsdienste.

 

Wenn Anwender auf der Suche nach Informationen oder Medieninhalten zu einem bestimmten Thema sind, dann kann es passieren, dass sie statt einzelnen, manuell zu durchforstenden Google-Resultatseiten eine kompakte, interaktive Präsentationen mit einer Auswahl der wichtigsten Aspekte bevorzugen würden. Das Berliner Startup Farfromhomepage möchte mit seinem gleichnamigen Dienst dieses Bedürfnis stillen und parallel kreativen und informierten Nutzern die Gelegenheit bieten, ihr persönliches Können und/oder Wissen mit anderen zu teilen.

Bei dem gerade in geschlossener Beta-Phase lancierten Service erhalten User ("Autoren") die Möglichkeit, verschiedene Contentelemente wie Fotos, Texte, Videos, Klänge und ganze Websites in einer linear ablaufenden Präsentation zusammen zu mixen. Das Besondere: Der Betrachter kann mit sämtlichen in dieser "Tour" platzierten Objekten interagieren.

Diese können verschoben und in ihrer Größe verändert werden. In einer Tour dargestellte Websites verhalten sich genauso, wie sie es beim direkten Ansteuern der jeweiligen Adresse tun würden - Links lassen sich anklicken, Grafiken speichern und es kann munter gescrollt werden. Betrachter können eine Tour pausieren, um sich mit dem zum entsprechenden Zeitpunkt eingeblendeten Content zu beschäftigen. Ein Beispiel für eine Tour gibt es hier (Update: Dies funktioniert derzeit nicht öffentlich sondern nur, wenn man ein Konto bei dem Dienst besizt).

Damit unterscheiden sich mit Farfromhomepage erstellte Touren von klassischen Präsentationen oder Slideshows, bei denen Inhalte nicht direkt von der Originalquelle angezeigt sondern als Kopie dargestellt werden. Farfromhomepage speichert keine der in Touren enthaltenen Inhalte auf seinen eigenen Servern, sondern bezieht diese in Echtzeit von der jeweiligen Quelle, wenn Anwender eine Tour starten.

"CreativeBrowsing" nennen die Farfromhomepage-Gründer Manuel Scheidegger und Janosch Asen das, was sich mit dem jungen Service anstellen lässt, und bereichern das boomende Segment der Kurationsdienste um eine weitere spannende Facette.

Im Gegensatz zu "herkömmlichen" Curation-Produkten wie Storify oder Curated.by, bei denen allein die konsistente Darstellung von aus dem Netz zusammengesammelten Informationshäppchen im Vordergrund steht, ist Farfromhomepage passend zur Herkunft Berlin popkulturell angehaucht und richtet sich auch an künstlerische Geister, die Webinhalte auf eine neue Art miteinander vermischen möchten. Das optische Erscheinungsbild sowie die Eingrenzungsoptionen für die Suche ("Drama", "Docu", "Kunst", "Presentation", "Pop", "Other") unterstreichen diesen Anspruch.

Um eine eigene Tour zu kreieren, öffnet man direkt im Browser den "Guido" genannten, an Film- oder Audioschnittsoftware erinnerenden Editor. Dort stehen einem sechs Spuren ("Layer") zur Verfügung, die sich mit im Zeitverlauf wechselnden Objekten per URL-Eingabe aus dem Netz befüllen lassen (unterstützt werden auch YouTube-Videos und SoundCloud-Audiostreams). Importierte Elemente können in ihrer Größe, Position und Dauer der Einblendung modifiziert sowie durch Texte und kleinere Animationen ergänzt werden. Jede Tour kann als privat markiert oder für den öffentlichen Zugriff gespeichert werden.

Mit dem Aufkommen zahlreicher Services zum Kuratieren, Modularisieren und Remixen des Webs entsteht gleichzeitig ein neuer Urheberrechtskonflikt. Doch Farfromhomepage-Mitgründer Scheidegger hält das Unterfangen für rechtlich einwandfrei: "Wir lassen jeden verwendeten Content im Browser der Betrachter original ansteuern, zeigen seine URL an und der Urheber kriegt seinen Visit".

Geld verdienen will das Duo mit einer Pro-Version, die es Unternehmen erlaubt, "Cross-Content-Touren" auf der eigenen Website zu platzieren. In der kostenfreien Standard-Fassung können Touren nicht auf externen Sites eingebettet werden.

Der Ansatz von Farfromhomepage erinnert entfernt an Qwiki, das Wikipedia-Einträge vorliest und mit einer Slideshow begleitet, an den ungarischen Dienst Dragontape, bei dem Anwender aus YouTube- und SoundCloud-Inhalten visuelle Mixtapes gestalten können, sowie an das interaktive Präsentationstool Prezi - aber eben nur entfernt. Die Idee des Berliner Startups hat auf jeden Fall ihren Reiz, auch wenn sich strukturierte Personen womöglich an dem Chaos stören könnten, das bei einer gleichzeitigen Darstellung von bis zu sechs verschieb- und vergrößerbaren Webschnipseln leicht entsteht.

Farfromhomepage befindet sich derzeit in geschlossener Beta-Phase, hat uns jedoch einen Link bereitgestellt, über den ihr euch registrieren könnt.

Kommentare

  • Christoph

    01.12.11 (13:10:45)

    Also auf diese Tool freu ich mich. Ich hoffe die Kreationen kann man dann auch in die eigene Seite einbinden.

  • Nele

    02.12.11 (16:01:03)

    @Christoph Auf jeden Fall! Wir arbeiten daran... Solange kannst du es ja erst mal testen.

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