<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

17.12.13

Relaxed: Schwedischer Netflix-Konkurrent wirbt mit einem Autoresponder für Facebook und Twitter

Um Menschen ungestört Filme und Serien gucken zu lassen, hat der schwedische Netflix-Konkurrent Viaplay einen Autoresponder für Facebook und Twitter entwickelt. Gar keine so dumme Idee!

Digitale Kampagnen und Viralaktionen von Unternehmen haben über ihren bestenfalls kurzen Unterhaltungseffekt hinaus selten handfesten Nutzen für Webuser. Der schwedische Onlinefernsehdienst Viaplay, eine Art lokale Alternative zu Netflix, sticht nun mit einer Aktion heraus, die bei Anwendern in aller Welt auf echtes Interesse stoßen könnte: Die Macher des Service haben unter dem Namen Relaxed einen Autoresponder für Facebook und Twitter auf die Beine gestellt.

Viaplay motiviert das Projekt, das allen Usern ungeachtet der Existenz einer Mitgliedschaft bei dem Videoservice offen steht und die englische Sprache nutzt, mit dem Abschalten vom Social-Media-Getümmel während der Feiertage. Die Nordeuropäer wollen mit Relaxed dafür sorgen, dass Nutzer in Ruhe Filme, Serien und Sportereignisse streamen können, anstatt sich in langen Konversationen bei Facebook und Twitter zu verheddern. Ob das ausgedehnte, gebannte Starren auf den Bildschirm tatsächlich die beste Art darstellt, zwischen Weihnachten und Silvester ein wenig Ruhe vom Alltagstrubel zu bekommen, darüber gibt es sicherlich unterschiedliche Ansichten. Nutzer von Relaxed können aber freilich selbst entscheiden, was sie mit ihrer durch den Service freigesetzten Zeit anfangen. Relaxed

Der Einrichtungsprozess ist simpel: Anwender verbinden ihr Facebook- oder Twitter-Konto mit Relaxed, geben die notwendigen Freigaben und wählen anschließend die Zeitspanne, in der Abwesenheitsbenachrichtigungen verschickt werden sollen. Zuletzt geben sie den maximal 125 Zeichen umfassenden Text für den Autoreply ein. Relaxed serviert vier Vorschläge, Eigenkreationen sind aber auch möglich. Das war's. Im persönlichen Mitgliederbereich lassen sich die Benachrichtigungen bei Bedarf wieder ausschalten.

Relaxed funktioniert für Einträge anderer User auf der Facebook-Pinnwand, persönliche Facebook-Nachrichten sowie @-Nachrichten bei Twitter. Sobald ein Kontakt auf einem dieser Wege eine Interaktion einleitet, versendet Relaxed den definierten Text. Viaplay verspricht, Relaxed auch nach den Feiertagen weiterbetreiben zu wollen. Es handelt sich also nicht nur um eine Weihnachtsaktion.

Eine vernachlässigte Lücke

Auch wenn das Projekt, das durch den Verweis auf autorelaxed.com am Ende des Abwesenheitstextes sowie deaktivierbare, auf den Service aufmerksam machende Einmal-Updates viral die Bekanntheit von Viaplay erhöhen soll, hinsichtlich seines Funktionsumfanges äußerst begrenzt daherkommt, erfüllt es einen klaren Nutzen und belegt eine Lücke, die bislang überraschendweise vernachlässigt wurde. Eine Suche nach Autorespondern für Twitter und Facebook förderte einige mir bis dato unbekannte Apps zu Tage, bei denen entweder die Seriosität nicht garantiert werden kann, die augenscheinliche Schwächen bei der Usability aufweisen oder die nur als kostenpflichtiges Produkt angeboten werden. Relaxed dagegen ist gestaltet und strukturiert wie eine typische, schön polierte Consumeranwendung. Viayplay gehört zum schwedischen Medienriesen MTG, was es einigermaßen unwahrscheinlich macht, dass mit den Account-Freigaben der Nutzer Schindluder getrieben wird.

Je mehr unserer Kommunikation über soziale Netzwerke anstelle von E-Mail abläuft, desto logischer ist es eigentlich, für diese neuen Kommunikationskanäle auf die gleichen Werkzeuge zugreifen zu können, die auch Nutzern von E-Mails zur Verfügung stehen. Das heißt zwar nicht, dass man im Urlaub analog zur Mail auch bei Facebook eine Abwesenheitsbenachrichtung aktivieren sollte - viele User wollen sich gerade in ihrer Freizeit intensiv mit ihren Freunden und Bekannten austauschen. Aber auch immer mehr professionelle Kommunikation findet über Social Networks statt. Es kann da durchaus höflich sein, Absender von Nachrichten darüber zu informieren, dass sie bis in zwei Wochen nicht mit einer Antwort rechnen sollten.

Mehr Einstellungen wären schön

Letztlich entscheiden die individuellen Kommunikationspräferenzen darüber, ob User die Notwendigkeit für Social-Media-Autoresponder sehen. Fein wäre, wenn Relaxed dem hohen Individualisierungsgrad gerecht werden und erweiterte Einstellungen anbieten würde, so dass man etwa bestimmte Personen oder Listen von den Autoreplies ausnehmen könnte. Auch die Erweiterung um andere Dienste, allen voran natürlich LinkedIn, würde Relaxed aufwerten. Die Twitter-Integration erscheint mir in ihrer aktuellen Form zumindest für Nutzer, die viele @-Antworten erhalten, nicht sonderlich sinnvoll. Hier müsste eigentlich unterschieden werden zwischen tatsächlichen Anfragen und "harmlosen" Erwähnungen, die grundsätzlich keine Reaktion erfordern.

Dass Viaplay weitere Ressourcen in die Kampagne investieren will, ist allerdings unwahrscheinlich. Das Unternehmen möchte Abos für seine Videoservice verkaufen, nicht groß ins Social-Media-Management-Geschäft einsteigen. Andererseits ließe sich mit vergleichsweise wenig Ressourcen über lange Zeit die Marke des in Skandinavien gegen zahlreiche Wettbewerber ankämpfenden Dienstes stärken. Vielleicht fühlen sich auch Startups animiert, die Idee von Relaxed aufzugreifen und ernsthafter anzugehen. Das Tool hätte zumindest als Marketing-Gag, aber vielleicht auch als Erweiterung des Produkts, gut zum Social-Media-Planer Buffer gepasst.

Relaxed ist jedenfalls eine schöne Geschichte die zeigt, dass eine digitale Kampagne auch wirklich nützlich sein kann. /mw

Link: Relaxed

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer