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02.11.11

Rdio: Skype-Gründer wollen ihren Musikdienst nach Deutschland bringen

Anfang 2012 soll der von den Skype-Gründern Niklas Zennström und Janus Friis entwickelte Musikdienst Rdio nach Deutschland kommen. Unterdessen sucht Spotify nach Personal, das im D-A-CH-Raum mit den Labels verhandelt.

 

Bisher bietet nur ein einziger Dienst in Deutschland legales, kostenfreies On-Demand-Streaming von Musik, nämlich das Kölner Startup simfy. Ausländische Konkurrenten wie Spotify konnten sich bisher nicht mit der Verwertungsgesellschaft GEMA auf einen Lizenzvertrag einigen, und der einstige simfy-Wettbewerber steereo wurde vor einem Jahr Teil von simfy und daraufhin abgewickelt. Kontrahenten wie JUKE oder Napster bieten keine Gratis-Variante an und konkurrieren mit simfy deshalb lediglich bei der monatlichen Musikflatrate.

Doch mit simfys komfortabler Marktsituation könnte es Anfang des kommenden Jahres vorbei sein: Laut paidContent und TechCrunch plant der US-Musikdienst Rdio, Anfang 2012 in Deutschland zu starten. Nach den USA, Kanada und Brasilien wäre es das vierte Land, in dem der von den Skype-Gründern Niklas Zennström und Janus Friis entwickelte Service auf Sendung geht.

Die zwei Serienentrepreneure aus Skandinavien begannen Ende 2009 damit, ein hochkarätiges Team für ihr geplantes neues Startup zusammenzustellen und sich mit den Labels zu einigen. Mitte 2010 präsentierten sie dann Rdio der US-Öffentlichkeit.

Zu Beginn bot Rdio Musikstreaming nur in Form einer kostenpflichtigen Flatrate an. Nachdem der schwedische Wettbewerber Spotify jedoch im Sommer dieses Jahres seine Tore für US-Nutzer öffnete und in der werbefinanzierten Basisversion gratis angeboten wird, sah sich Rdio gezwungen, ebenfalls auf einen Freemium-Ansatz zu setzen. Seitdem können Hörer mit einer dynamischen, von den Nutzungsgewohnheiten abhängigen zeitlichen Limitierung kostenfrei Musik hören und dabei aus einem Katalog von zwölf Millionen Titeln auswählen.

Für 4,99 Dollar monatlich entfernt Rdio alle Begrenzungen und für 9,99 Dollar ist auch das unlimitierte Streaming über mobile Applikationen inbegriffen. Wie simfy kann Rdio auch über eine Desktop-Anwendung genutzt werden und steht seit kurzem zudem als App für das iPad zur Verfügung (Spotify ist hier Nachzügler).

Konzeptionell und auch bei der Preispolitik sind sich simfy und Rdio somit äußerst ähnlich. Sollte Rdio sich mit der GEMA auf einen Lizenzvertrag einigen können, der dem Unternehmen mit Sitz in San Francisco auch das Anbieten einer Gratisvariante unter ökonomisch vertretbaren Umständen ermöglicht, könnte es zu einem spannenden Wettkampf der zwei Streamingdienste kommen.

simfy verfügt dabei über den Heimvorteil und eine von dem Unternehmen aus Köln nicht näher spezifizierte Anzahl an aktiven Nutzern, während Rdio dank seiner prominenten Gründer einen gewissen Medienvorteil besitzt. simfy betreibt seinen Dienst auch in der Schweiz und Österreich, zudem steht ein Launch in Belgien unmittelbar bevor.

Studien zeigen, dass sich (kostenfreies) On-Demand-Streaming über einschlägige Musikservices bisher noch nicht zu einem Massenphänomen entwickelt hat. Insofern sollte der Markt in Deutschland problemlos weitere Anbieter vertragen, die mit Marketingaktivitäten dabei helfen, dass Thema in den Haushalten bekannt zu machen.

paidContent verweist im selben Artikel auch auf eine Stellenanzeigen von Spotify, in dem der schwedische, in acht europäischen Ländern und den USA verfügbare Streaminganbieter Personal für die Verhandlungen mit den Plattenfirmen in Deutschland, der Schweiz und Österreich sucht. Nach einem gescheiterten Anlauf in Deutschland vor zwei Jahren wollen es die Schweden offenbar nochmals hierzulande versuchen. In der Schweiz sind sie sogar schon ein Stück weiter: Dort konnte sich das sehr eng mit Facebook kooperierende Musikstartup jüngst mit der nationalen Verwertungsgesellschaft einigen, was einen baldigen Launch in der Alpenrepublik in Aussicht stellt.

An eine Lancierung von Rdio oder Spotify in Deutschland sollte man erst glauben, wenn sie ganz offiziell verkündet wird. Zu viel kann in letzter Minute bei der Sicherung der notwendigen Streamingrechte schief gehen. Dennoch erscheint es zum jetzigen Punkt nicht mehr allzu illusorisch, für 2012 mit dem Eintritt weiterer Streamingdienste in den D-A-CH-Markt zu rechnen.

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