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05.06.12

Rabattplattform: Loupus will Groupon das Fürchten lehren

Loupus hat eine Rabattplattform gestartet, bei der Händler nicht den bei der Konkurrenz typischen unvorteilhaften Teilnahmebedingungen ausgesetzt sind. Entsprechend leicht tut sich das Leipziger Startup damit, Partner zu akquirieren.

Bekannte Dealplattformen wie Groupon, DailyDeal oder DeinDeal in der Schweiz haben aus Sicht von Händlern und Gastronomen einen entscheidenden Nachteil: Sie nehmen die Zahlungen der Konsumenten vorab online entgegen, verzögern die Auszahlung bis zu Wochen nach der Einlösung des jeweiligen Deals durch die Kunden und behalten außerdem einen nicht unbedeutenden Anteil (in manchen Fällen bis zu 50 Prozent) als Provision für sich. Jeder Einzelhändler und Unternehmer, der also über derartige Portale Neukunden akquirieren möchte, muss dazu in Vorauslage gehen und ein erhebliches Investment tätigen. Einen etwas anderen Ansatz fahren mobile Gutscheindienste wie Coupies oder Dealomio. Dort wird für werbetreibende Händler eine pauschale Gebühr pro vermitteltem Kontakt (zum Beispiel vom Smartphone-Nutzer geöffneten Rabattcoupon) fällig. Dieses Modell ist aus Sicht von Firmen auf der Suche nach Aufmerksamkeit mit weniger Risiko behaftet. Gleichzeitg werden aber nur stark im mobilen Web vertretene Zielgruppen erreicht.

Das Leipziger Startup Loupus versucht mit seiner Rabattplattform, die existierende Lücke zu schließen. Das Konzept ist dabei bei Weitem nicht revolutionär. Doch der Ansatz der vier Freunde hinter Loupus ist dennoch sympathisch. Ihr Ziel ist es, Groupon & Co das Fürchten zu lehren. Wie soll dies geschehen? Indem jeder Händler in wenigen Schritten bei Loupus einen eigenen Deal erstellen kann, ohne dafür vorab in die eigene Kasse greifen zu müssen oder einen erheblichen Teil des Umsatzes Loupus überlassen zu müssen. Loupus-Nutzer, die einen interessanten Gutschein auf der Site finden, können sich diesen ausdrucken und beim jeweiligen Anbieter vorzeigen - wo sie auch vor Ort bezahlen. Händler, Gastronomen und Dienstleister erhalten somit ihre Erlöse zum Zeitpunkt des Kundenbesuchs, nicht erst Wochen später. Für jeden von Nutzern angeforderten Gutschein berechnet ihnen Loupus 0,55 Euro - ungeachtet vom Wert des Deals.

Laut Loupus-Mitgründer Jörg Petzschler haben die Sachsen nach knapp einem Jahr fast 800 Partner gewinnen können, wobei es sich nach seiner Aussage überwiegend um Kunden von Groupon und DailyDeal handelt. Die Gewinnung und Bindung von Firmen läuft laut Petzschler deutlich besser als die Akquisition von Nutzern, weshalb bisher nur vergleichsweise wenige Coupons in Anspruch genommen werden. Weil sich auch der Umsatz dementsprechend in Grenzen hält, betreiben Petzschler und seine Mitstreiter Loupos momentan in ihrer Freizeit neben dem Beruf.

Doch dass muss nicht immer so bleiben. Denn mit der steigenden Menge an Coupons wächst auch die Attraktivität des Portals für die Konsumenten. Und da sich für Händler die Risiken einer Teilnahme bei Loupus in Grenzen halten, dürfte deren Zahl weiter zunehmen. Die Vorzüge gegenüber Groupon und Konsorten sieht der Loupus-Chef unter anderem in der fehlenden vertraglichen Bindung, der direkten Transaktion zwischen Kunde und Händler, der geringen Provision, der Möglichkeit zum Limitieren von Angeboten (auch wichtig, um Betrug durch Wettbewerber zu verhindern) sowie der vollen Kontrolle über Angebotsinhalt und Formulierungen.

Das Ziel, sich gegen die großen Konkurrenten zu positionieren, indem man den Partnern - deren Zufriedenheit und Wiederholungsrate mittelfristig essentiell für das Überleben einer Dealplattform ist - ein deutlich attraktiveres Angebot macht, schafft Sympathien. Im Optimalfall werden Händler sich selbst dafür einsetzen, Loupus Bekanntheit zu verschaffen. Denn könnten sie im großen Stil Kampagnen über den Dienst durchführen und ähnlich wie bei Groupon hunderte Neukunden akquirieren, wäre dies für sie erheblich günstiger.

Mittelfristig müsste sich Loupus allerdings zur Einführung einer Alternative zum Ausdrucken von Coupons durchringen. Mit einer mobilen App würde das Unternehmen umgehend in das Territorium von Coupies vorstoßen. Bisher fehlt Coupies eine Webvariante für Nutzer ohne Smartphone. Sollte sich Loupus aber gut entwickeln, dürfte dieser Zustand nicht lange Bestand haben.

Ob es den Leipzigern nun gelingt oder nicht, die etablierten Dealplattformen in Bedrängnis zu bringen: An einer gut besuchten Alternative zu Rabattportalen, bei denen Geschäften unverhältnismäßig große Opfer abverlangt werden, um ihr Angebot neuen Kunden zu präsentieren, dürfte auf Einzelhändlerseite großes Interesse bestehen. Letztlichendlich profitieren davon auch Konsumenten, da sie so auch Rabatte von Firmen in Anspruch nehmen können, denen eine Partizipation bei Group-Buying-Portalen wie Groupon schlicht zu kostspielig und risikoreich erscheint.

Link: Loupus

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