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06.05.10

Qype trifft Yelp: Konfrontation der Empfehlungsportale

Das Hamburger Empfehlungsportal Qype ist Marktführer in Großbritannien und Frankreich. Ab sofort trifft es in beiden Ländern auf sein US-Pendant Yelp.

Qype vs YelpQype ist eine der großen deutschen Erfolgsgeschichten im Web, betrachtet man die Relevanz in ausländischen Märkten. Das Empfehlungsportal und Stadtmagazin mit Sitz in Hamburg, bei dem Nutzer Orte beschreiben und bewerten, ist neben Deutschland auch in Frankreich und England Marktführer. Lokale Sites gibt es zudem für die Schweiz, Spanien, Irland, Österreich, Polen, Brasilien und Italien.

Trotz Konkurrenz zum Beispiel von Tupalo.com aus Österreich oder Cityvox aus Frankreich konnte sich Qype bisher relativ problemlos in Europa ausbreiten und erreicht über 17 Millionen Unique Visitors monatlich. Die Frage ist jedoch, wie lange noch.

Denn wie fast alle hiesigen Webanbieter hat auch das im Sommer 2006 gestartete Qype ein US-Gegenstück: Yelp, seit Oktober 2004 im Netz und das dominierende Empfehlungsportal auf dem US-Markt. Im März verzeichnete das Unternehmen mit Sitz in San Francisco laut eigenen Angaben 31 Millionen Unique Visitors auf seinen vier Ländersites (USA, Kanda, Irland, Großbritannien).

Wie so oft treffen deutschen Anbieter früher oder später auf ihre US-amerikanischen Vorbilder. Das war bei studiVZ und Facebook genau so wie bei Xing und LinkedIn. Vieles deutet nun darauf hin, dass auch Qype sich in Zukunft stärker mit seinem US-Wettbewerber auseinandersetzen muss:

Mit einem französischen Portal hat Yelp gerade zum ersten Mal eine nicht-englischsprachige Site an den Start gebracht und ist damit nun in zwei der drei Qype-Kernmärkte vertreten.

Der Eintritt von Yelp in den französischen Markt muss von Qype eindeutig als Kampfansage gesehen werden. Doch bedeutet die alleinige Existenz europäischer Yelp-Angebote natürlich noch lange nicht, dass es Qype nun sofort ans Eingemachte geht.

In der Zahl der Orte und Nutzerbewertungen liegt der deutsche Dienst in den betroffenen Märkten wenig überraschend vorne (z.B. Shopping-Locations in London: Qype 56.627, Yelp 12.308), was einen Großteil der User von einem sofortigen Wechsel abhalten wird.

Doch schon durch aggressive Werbekampagnen und guten Suchmaschinen-Traffic existiert die Gefahr eines veränderten Kräfteverhältnisses. Auch im mobilen Bereich stehen beide Unternehmen mit entsprechenden Applikationen in Konkurrenz zueinander.

Während es für Yelp, das zur Jahreswende kurz vor einer 500-Millionen-Dollar-Übernahme durch Google stand und dann stattdessen 25 Millionen Dollar frisches Risikokapital einheimste , im Heimatland USA eigentlich blendend läuft, sieht sich das Unternehmen in jüngster Zeit verstärkt Kritik ausgesetzt.

So fühlten sich mehrere Geschäftleute von Yelp erpresst, nachdem sie sich gegen Anzeigenbuchungen auf dem Empfehlungsportal entschieden hatten und anschließend feststellen mussten, dass positive Nutzerbewertungen von ihren Yelp-Profilen verschwunden waren.

Auf die in Folge dessen erhobenen Sammelklagen reagierte der Internetanbieter mit signifikanten Veränderungen . So werden als ungeeignet markierte Bewertungen jetzt transparent angezeigt und nicht mehr einfach gelöscht. Außerdem wurde Betreibern von Geschäften die Möglichkeit genommen, ihren bevorzugten Review gegen Entgelt prominent hervorzuheben.

Empfehlungsportale sind stetig Versuchen von Händlern und Unternehmen ausgesetzt, eigene Bewertungen zu frisieren oder bei Konkurrenten den Miesmacher zu spielen. Vielleicht müssen Geschäftsleute in Großbritannien und Frankreich ja bald ein Auge auf ihre Profilseiten bei beiden Diensten werfen, bei Qype und Yelp.

Ob Yelp auch einen Vorstoß in den deutschsprachigen Raum plant, ist unklar. yelp.de ist seit Jahren registriert und leitet auf die US-Site weiter. Wir haben bei dem Unternehmen angefragt und warten auf eine Antwort.

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