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10.01.12 14:49, von Martin Weigert

Quantified Self: Sich selbst besser verstehen lernen

Hunderte Smartphone-Apps und Dutzende Gadgets ermöglichen es experimentierfreudigen Menschen, Daten über ihr Verhalten, ihren Körper und ihre Gesundheit festzuhalten und mit anderen zu vergleichen. Die sogenannte Quantified-Self-Bewegung wächst.


 

Screenshot: RuntasticAls ich vor einigen Tagen die dritte Phase der Vernetzung - das Internet der Dinge - beleuchtete und diesem für das gerade angebrochene Jahr einen Aufstieg in puncto öffentlicher Wahrnehmung prognostizierte, tangierte ich einen anderen wichtigen Trend, ohne ihn beim Namen zu nennen. "Quantified Self", zu Deutsch "Selbstquantifizierung". Dabei handelt es sich um die eigenständige Erhebung und den Vergleich von Zahlen rund um Körper-, Gesundheits- und Lebensdaten mit Hilfe digitaler Hilfsmittel.

Einer der von mir beschriebenen Teilaspekte des Internets der Dinge sind neuartige Produktearten und Gadgets, welche auf die Omnipräsenz von (drahtlosen) Internetverbindungen bauen, um in dieser Form bisher unmögliche Anwendungsbereiche zu eröffnen. Einige der als Beispiel erwähnten Geräte, nämlich Fitbit, Up oder Withings, gehören zu den geliebten Werkzeugen der wachsenden Selbstquantifizierungs-Bewegung, welche die neuen technischen Möglichkeiten und die Gelegenheit zum Austausch mit anderen Datensammlern über das Netz dazu nutzen wollen, gesünder, bewusster und - weil weniger von Diagnosen Dritter abhängig - selbstbestimmter zu leben.

43 Gadgets zur Datenmessung am eigenen Körper listet das Onlineportal quantifiedself.com mittlerweile auf. Von vernetzten Waagen über Apparate zur Analyse des Schlafverhaltens bis hin zu Blutdruck- und Pulsmessern. Gemein haben sie alle, dass Daten digital erhoben und auf verschiedenen Wegen analysiert und kollaborativ verglichen werden können.

Für viele Messungen und Selbstuntersuchungen reichen aber auch Smartphone-Apps aus: Ob Fitness-Tracker wie RunKeeper oder Runtastic, Health-Apps wie mySugr oder Anwendungen mit vorrangig motivierendem Charakter à la iJoule: Den Selbstoptimierern geht es darum, einen besseren, gesünderen Lebensstil zu entwickeln, körperliche Schwächen und Stärken zu erkennen und ganz generell zu verstehen, wieso sie leben, wie sie leben. Daten sollen hierfür Erkenntnisse und Einblicke geben, die dem subjektiven Bewusstsein sonst verborgen bleiben. Nahezu 300 für Quantified-Self-Anhänger interessante iOS- und Android-Apps werden bei quantifiedself.com aufgeführt.

Liest man Artikel, die bisher zur Selbstquantifizierung veröffentlicht wurden, wie zum Beispiel bei Spiegel Online oder Süddeutsche.de, entsteht schnell der Eindruck, es handele sich um ein verrücktes Hobby einiger Digital- und Technologie-Apologeten, über das Normalbürger maximal schmunzeln kann. Zumal eventuelle Risiken schnell ausgemacht sind: Geht es nämlich nur noch um die Verbesserung der Zahlen und den Wettstreit mit anderen statt um die Sache selbst, könnte der Trend zu neuem Konkurrenzdenken führen, so wie man es von Reputationsindikatoren im Social Web her bereits kennt, befürchtete jüngst Simone Janson bei unserem Schwesterblog imgriff.com.

Doch Tatsache ist: Mit jedem verkauften Smartphone gewinnt die Thematik an Relevanz und Mainstreamcharakter, auch wenn die Selbstquantifizierung sich am Anfang eher darauf beschränkt, mit Apps Aufenthaltsorte (zum Beispiel über den Check-In bei foursquare oder Facebook) oder die gelaufenen Kilometer festzuhalten. Diejenigen, die Selbstquantifizierung auf die Spitze treiben und jeden noch so kleinteiligen Aspekt ihres Alltags mit dem Mobiltelefon oder speziellen Gadgets messen, um die gewonnenen Werte anschließend mit denen anderer Daten-Geeks bei Daytum abzugleichen - inklusive einer DNA-Analyse durch 23andme - bleiben sicher vorerst in der Minderheit.

Einen äußerst hörenswerten Radiobeitrag zur "Vermessung des Selbst" kann auf der Website von Deutschlandradio Kultur gestreamt oder heruntergeladen werden (via). Ein Transkript findet ihr hier. Autor Christian Grasse beleuchtet unterschiedliche Facetten des Quantified Self und skizziert auch, welche Brisanz das Thema in der Zukunft für die Gesellschaft haben könnte:

"Richard Resnick: Gen-Anwendungen im Endkundenbereich werden regelrecht aufblühen. Wollen Sie sehen ob sie genetisch kompatibel zu ihrer Freundin sind? Gen-Analyse auf dem iPhone. Es gibt für alles eine App. Wollen Sie wirklich einen Präsidenten wählen, dessen Genom auf einen Herzfehler hinweist? Denken sie mal darüber nach? Es ist 2016 und die führende Präsidentschaftskandidatin veröffentlicht nicht nur die letzten vier Jahre ihrer Steuerunterlagen, sondern auch ihr persönliches Genom und es sieht wirklich sehr gut aus. Und dann fordert sie im Wahlkampf ihre Gegner auf, dasselbe zu tun. Glauben Sie wirklich das wird nicht passieren?"

Habt ihr schon mit der Selbstvermessung begonnnen?

© 2015 förderland
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Kommentare: Quantified Self: Sich selbst besser verstehen lernen

Die aktuelle Berichterstattung in den deutschen Medien baut gerne ein Bild der Quantified Self Anhänger als Technikfreaks und obsessiven Datensammlern auf. Die meisten Nutzer konzentrieren sich stattdessen auf einen oder wenige Gesundheitsparameter, um den Einfluss von z.B. einer Diät oder eines Trainings zu ermitteln. Hierdurch wurden schon oftmals gesundheitliche oder sportliche Verbesserungen erzielt. Technik wie Apps oder Sensoren macht dies nur einfacher.

Diese Nachricht wurde von Florian Schumacher am 11.01.12 (11:18:08) kommentiert.
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