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30.01.14

Publishing auf dem iPhone und iPad: Jimdo erlaubt das Bloggen von unterwegs, will aber nicht Tumblr bedrängen

Jimdo ergänzt seine iOS-App um eine Funktion zum Bloggen von unterwegs. Das profitable Unternehmen aus Hamburg betont jedoch, damit nicht Minibloggingdiensten wie Tumblr in die Quere kommen zu wollen.

JimdoApps verdrängen Websites, zumindest was die Nutzung von mobilen Geräten aus angeht. Auch soziale Netzwerke und neuartige, magazinartige Publishingplattformen wie Medium veranlassen User dazu, private Onlinepräsenzen unter eigener Domain links zu lassen. Doch beunruhigen können diese oft in den Netzmedien skizzierten Trends Matthias Henze, einen der drei Macher des Hamburger Homepagebaukastens Jimdo, gar nicht. Genau genommen sieht er die Entwicklung eher positiv: Social Networks und andere Onlineplattformen steigern seiner Ansicht nach sogar den Bedarf an einem zentralen Identifkationsplatz im Netz, den User selbst kontrollieren. Und die Appifizierung des mobilen Webs hätten er seine Teamkollegen zwar auf dem Schirm, sehen aber keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Der Großteil der Betreiber von Jimdo Pages - Privatpersonen sowie kleine und mittelgroße Unternehmen - würden wenig von einer nativen App profitieren, ist Henze überzeugt.

Worauf Jimdo natürlich reagiert, ist die Verlagerung der Webnutzung von stationären Rechnern hin zu mobilen Geräten. Optimiert sind Jimdo-Sites für diese schon länger. Seit August können Präsenzen nicht nur direkt vom iPhone sondern auch mit dem iPad administriert und aktualisiert werden. 250.000 Mal wurde die Anwendung seitdem heruntergeladen. Heute erweitert Jimdo die iOS-App um eine essentielle Funktion, nämlich ein Blogwerkzeug. Die Webvariante von Jimdo bietet bereits seit fast sechs (!) Jahren eine entsprechende Funktion. Doch bis vor kurzem kam es den Machern der zehn Millionen registrierten Jimdo-Sites nicht in den Sinn, ihre Präsenzen auch von unterwegs aus zu pflegen. Mit dem Durchbruch des mobilen Webs ändert sich dies. Die Nachfrage nach einem mobilen Bloggingtool war groß, erklärt Co-Founder Henze. Ab sofort steht es in der iOS-App allen Nutzern zur Verfügung.

Gefragt, ob dies der Anfang einer Neupositionierung von Jimdo in Richtung Wordpress, Tumblr oder anderen, schlanken Blogsystemen sei, antwortet der Norddeutsche mit einem bestimmten "Nein". Das Blogfeature diene in erster Linie dazu, ohne viel Aufwand News auf einer Jimdo-Site zu veröffentlichen. Wer ausschließlich ein Blog betreiben will, ist bei den auf das Bloggen spezialisierten Plattformen besser aufgehoben, sagt Henze. Jimdo setze seine aus Website, Blog und Shopsystem bestehende Dreigliedrigkeit fort und spreche diejenigen an, die an einer Mischung aus diesen Komponenten interessiert sind, und die sich dafür Cross-Plattform-Zugriff wünschen. Eine Android-App komme demnächst, kündigt Henze passend zum Thema an.

Vor anderthalb Jahren machte Jimdo von sich reden, als es eine umfangreiche Finanzierungsrunde ausschlug. Nach Aussage von Matthias Henze haben er und seine zwei Mitgründer diesen Schritt nicht bereut. Jimdo ist seit Anfang 2010 profitabel, hat 185 Mitarbeiter und finanziert seine Expansion aus den erwirtschafteten Umsätzen. "Es macht einfach so viel Spaß, das Unternehmen gemeinsam mit dem Team aufzubauen und weiterzuentwickeln", gerät Henze ins Schwärmen. Eine Exit stehe nicht zur Debatte - und Druck seitens des einzigen externen Investors, dem (heute nicht mehr aktiven) European Funders Fund der Samwer-Brüder, gebe es auch über sechs Jahre nach dem Deal nicht.

Jimdos Fokus auf nachhaltigem Wachstum hat den Nachteil, dass es nur langsam und ohne die üblichen Riesenschlagzeilen vorangeht, die mit enormen Kapitalspritzen ausgestattete Startups oft produzieren. Der Vorteil allerdings sind weitgehend autonome Entscheidungen der Macher und eine gesündere interne Firmenkultur. Mit fast 200 Angestellten sind die Elbstädter kein kleiner Fisch mehr. Wenn sie so weiter machen wie bisher, dann rücken sie eines Tages doch noch an die Spitze der global erfolgreichen deutschen Webfirmen vor. Selbst wenn das nie ihr eigentliches Ziel war. /mw

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