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12.05.09Leser-Kommentare

Programmier-Schnittstellen: Facebook und Twitter sind gekommen, um zu bleiben

Haben Twitter und Facebook ihren Höhepunkt überschritten? Nein. Sie fangen gerade erst an. Einmal etabliert und in Verbindung mit funktionierenden Programmierschnittstellen können nur noch schwerwiegende eigene Fehler zu Hindernissen werden.

Vor einigen Wochen hat Andreas Göldi hier auf netzwertig.com gefragt, ob Twitter und Facebook ihren Zenit erreicht haben. Gibt es für beide Dienste nur noch eine Richtung - nach unten? Nein, ganz im Gegenteil.

Es gibt drei Gründe, warum Facebook, Twitter und co. mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr verschwinden und stattdessen noch weiter wachsen werden:

     

  1. Die Nutzung ist für viele User zu einem Bestandteil ihres Alltags geworden. Die Angebote sind für viele so wenig wegdenkbar wie Mobiltelefone.
  2. Das Follower-Prinzip sorgt für eine Skalierbarkeit der Community, weil die Größe des Angebots keinen oder zumindest keinen direkten Einfluss auf die Wahrnehmung des Dienstes durch den einzelnen Nutzer hat.
  3. Am wichtigsten aber sind die Programmierschnittstellen (APIs), welche sicherstellen, dass die Dienste auf verschiedenste Arten vom Nutzer angesprochen und genutzt werden können und die künftige Bedeutung sicherstellen.

Im Detail:

 

1. Nutzung: Alltag

Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen heutigen Angeboten wie Facebook und einstigen Hypes a la GeoCities.

Während eine Homepage bei Geocities seinerzeit ganz lustig war, hatte es neben dem Neuigkeitsfaktor kaum praktische Vorteile. Social Media, wozu man Facebook und Twitter zählen kann, sind Kommunikationsformen. Sie sind natürlich auch noch weit mehr als das. Aber sie eigenen sich vor allem für den täglichen Kommunikations-Gebrauch.

Facebook und auch Twitter sind dabei so sehr im Alltag ihrer Nutzer angekommen, dass man durchaus von einer Abhängigkeit ihrer User sprechen kann (eben so, wie man auch vom Telefonnetz abhängig geworden ist). In Ländern wie den USA, in denen Facebook, in eine weitreichende Durchdringung der Bevölkerung erreicht hat, ist das über 200 Millionen aktive Nutzer starke Netzwerk so wichtig wie das Telefon. Vielleicht für nicht wenige User sogar wichtiger. Das ist vom Lock-in-Effekt und der Stickyness mit lustig blinkenden Homepages mit angeschlossenen Gästebüchern nicht zu vergleichen.

MySpace, das lange Zeit auf die blinkende Selbstdarstellung statt dem Ausbau ernsthafter Kommunikationsmöglichkeiten gesetzt hatte, merkt jetzt, dass genau das langfristig das falsche Pferd war. So viele Musiker wie möglich zum eigenen Profil zu adden, wird irgendwann langweilig, die Kommunikation mit Freunden und Bekannten nicht.

Twitter ist ganz ähnlich. Es ist zu einem täglich genutzten Werkzeug für Kommunikation geworden. Im Gegensatz zu Facebook ist Twitter ein Publishing-Werkzeug. Aufgrund seiner Einfachheit lässt es sich leicht in den Alltag selbst vielbeschäftigter Menschen integrieren. Besser als etwa ausgewachsene Blogs.

Allein die Tatsache, dass die Twitter-Nutzer seit dem ersten Quartal 2007 mit regelmäßigen Ausfällen des Dienstes leben und eben nicht zu konkurrierenden Diensten in Scharen gewechselt haben, dürfte Beweis genug sein für den Lock-In-Effekt des dortigen Social Graphs.

 

2. Follower-Prinzip oder: Skalieren von Communities leicht gemacht

Das Follower-Prinzip ist wichtig:

Das Erlebnis ‘Twitter’ hängt massgeblich davon ab, wem man folgt. Das ist zunächst eine ziemlich banale Erkenntnis. Aber die Implikationen sollte jeder durchdenken, der einen Webdienst plant oder die aktuellen Entwicklungen des Webs verstehen will.

Denn das Follower-Prinzip ist ein recht junges, aber sehr mächtiges Prinzip, dass sich quer durch die neuen Webdienste zieht.

Ohne dass der Anbieter zusätzliche Optionen anbieten muss, kann jeder Nutzer sich das Twitter schaffen, dass er oder sie möchte.

Das Follower-Prinzip stellt eher nebenbei sicher, dass es für den einzelnen Nutzer nicht wichtig ist, ob die Site von 2.000 Menschen benutzt wird, oder von 200 Millionen.

Wobei selbst das sogar zu kurz gegriffen ist. Denn auf einer Site mit 200 Millionen aktiven Nutzern wird man mit höherer Wahrscheinlichkeit die eigenen Freunde anfinden. Da man aber selbst entscheidet, wen man zu seinem Erlebnis auf der Site hinzufügt, fallen die meisten negativen Erscheinungen, die bei großen Sites zwangsläufig entstehen, weg.

Ergo: Dank der Follower-Architektur bleiben die positiven Effekte großer Netzwerke erhalten (man findet jeden), die schlechten (man ist genervt von der Verschiebung der Community weg von der eigenen Peergroup) bleiben einem aber erspart.

Solang ich nicht aktiv neue Freunde und Bekannte auf Facebook, Twitter und co. hinzufüge, bekomme ich kaum etwas davon mit, wie groß oder klein diese Sites sind.

Andreas Göldi schreibt :

Schliesslich ist niemand an allen 175 Millionen Usern interessiert, sondern nur an den gut 120 Leuten, mit denen der durchschnittliche User online “befreundet” ist.

Das stimmt. Aber die entscheidende Frage lautet, ob die 120 geaddeten Freunde einen geringeren Wert haben, sobald 200 statt 100 Millionen angemeldete Nutzer auf Dienst XY ihr Unwesen treiben? Antwort: Solang der Dienst auf dem Follower-Prinzip basiert, bleibt der Wert der persönlichen Verbindungen mehr oder weniger unangetastet und unabhängig von der Größe der Gesamt-Community.

Es ist somit mehr oder weniger für die bereits vorhandenen Nutzer eines Webdienstes irrelevant, ob dieser im Mainstream ankommt oder nicht. Jeder ist Schmied seiner eigenen Erfahrung mit den Webdiensten. Bei Twitter und co. mehr noch als bei Facebook, weil letzteres aufgrund seiner Architektur ein reziprokes Hinzufügen von Nutzern erfordert.

 

3. Programmierschnittstellen: Das Fundament

Die ersten zwei Punkte sind für den heutigen Erfolg der Webdienste wichtig. Der jetzt folgende Punkt, die Programmierschnittstellen (APIs), sind der Grund, warum Facebook, Twitter und co. gekommen sind, um zu bleiben.

Hat man erstmal ein in der jeweiligen Nische etabliertes Angebot, wird auch die damit angebotene API interessant und zieht ein entsprechendes Ökosystem an.

Für Twitter bedeutet das zum Beispiel, dass man weniger Website, weniger Destination ist, als vielmehr Infrastrukturanbieter.

Bei diesem interessiert wiederrum nicht, wie die Site selbst aussieht. Es interessiert, ob die eigenen Freunde, Bekannten und andere Personen, an denen man interessiert ist, auf der Site registriert und mit einem verbunden sind. Der sogenannte Social Graph. It's the data, stupid.

Der zweite wichtige Aspekt neben den Daten ist die Zugänglichkeit. Sowohl Twitter als auch Facebook machen die auf ihnen verfügbaren Daten zugänglicher als die meisten anderen Webdienste.

Ist das alles zu kompliziert ? Nein. Die Komplexität des User-Interface hängt nicht davon ab, ob der Webdienst eine API einsetzt oder nicht. Sie hängt davon ab, wie kompetent die Webdesigner und Informationsarchitekten die dahinter liegende komplexe Architektur in eine verständliche Oberfläche übersetzen können.

APIs machen aus Websites Universen. Angebotsbündel zur Nutzung der auf ihnen hinterlegten Verbindungen. Deshalb ist Facebook so versessen darauf, dass sich Leute mit bürgerlichem Namen und nicht mit Pseudonymen anmelden und dass man auf Facebook nur Leute hinzufügt, die man auch tatsächlich kennt (Und egal wie erfolgreich man mit diesen Massnahmen letztlich ist: Es gibt kein Netzwerk aktuell, das mehr reale Verbindungen beinhaltet). Facebook weiß, dass die größte Social-Graph-Ansammlung der Welt gleichzeitig der mit Abstand größte Aktivposten von Facebook ist.

APIs machen die Webdienste zukunftssicher, denn sie ermöglichen, dass die Nutzung des Social Graphs an jede künftige Nutzung angepasst werden kann; notfalls eben von Drittanbietern.

Nebenbei bieten APIs damit auch eine Markteintrittsbarriere fiesester Natur: Niemand wird sich mehr die Mühe machen (können), einen eigenen Dienst mit eigenen Social-Graph-Daten aufzubauen, wenn Facebook erstmal in jedem Land der Welt das dominierende Social Network ist. Der einzig wirtschaftlich sinnvolle Weg ist dann, auf Facebook aufzusetzen. Man ist als Anbieter gezwungen, Facebook zu nutzen. Die Implikationen für das Web sind weitreichend und nicht unbedingt wünschenswert:

Facebook ist auf dem Weg zum Google der Social Networks zu werden. In ein, zwei Jahren könnte jeder, der täglich im Web ist und mit Freunden interagieren will, nicht mehr an einem Facebook-Account vorbeikommen. Weil die Mehrzahl der zwischenmenschlichen Online-Interaktionen dann über den auf Facebook hinterlegten Social Graph laufen werden.

Das Einzige, das mit ziemlicher Sicherheit auch in Zukunft nicht 'uncool' werden wird, sind Freundschaften. Alles andere regeln APIs.

Um noch einmal die Telefonmetapher zu gebrauchen: Die APIs machen aus Facebook und Twitter Netzbetreiber. Die 'coolen Endgeräte' können dann von den Betreibern selbst kommen oder von Drittanbietern (siehe hier etwa die Vielzahl an Twitter-Clients).

APIs sind und bleiben die Zukunft der Webdienste. Nebenbei zementieren sie die aktuell etablierten Webdienste mittel- bis langfristig.

Das muss man alles nicht gut finden. Im Gegenteil: Bei beiden Diensten, Facebook und Twitter, etablieren sich gerade zwei Unternehmen mit nahezu komplett proprietären Lösungen an einer Stelle, an der eigentlich offene Standards und Protokolle für die Weiterentwicklung des Web-Ökosystems bei weitem zu bevorzugen wären. Das ändert aber nichts an der aktuell beobachtbaren Entwicklung.

Und während all dies passiert, verstehen sich die deutschen Social Networks weiterhin mehr oder weniger als Portale mit sozialen Komponenten.

Go figure.

Kommentare

  • Jack

    12.05.09 (17:56:20)

    guter Artikel, kann den Thesen nur zustimmen. nur im Bezug auf Facebook als das Google der Social Networks: Ich finde das ist sogar noch eine Untertreibung. Sobald Google einen technisch überlegeneren Konkurrenten erhält, wird die "Macht" von Google sehr schnell bröseln - die User nutzen einfach die andere Suchmaschine. Sobald aber ein Social Network kommt, dass Facebook überlegen ist, muss es erst mühsam anfangen den gigantischen Social Graph von Facebook aufzubauen. Facebook hat hierfür 5 Jahre gebraucht. Da die User es als mühsam empfinden, sich in verschiedenen Social Networks anzumelden, bräuchte dieser Facebook Konkurrent theoretisch sogar noch länger. Und in dieser Zeit, kann Facebook selber wieder Innovationen aufsetzen usw. Wenn man sich das vor Augen führt wird ja erst deutlich, wie enorm eine Quasimonopelstellung von Facebook wäre.

  • Andreas Göldi

    12.05.09 (18:12:43)

    Marcel, zu Deinen beiden ersten Punkten gibt es ein sehr einfaches Gegenbeispiel: Hotmail. Das war bis so ca. 2003 der mit Abstand bedeutendste E-Mail-Provider, und heute ist das Ding in der westlichen Welt praktisch tot. Hotmail war DER E-Mail-Dienst fuer Non-Geeks und damit so stark Teil des Alltags, wie ein Webdienst es nur sein kann (Punkt 1). Ausserdem gibt keinen staerkeren Lock-In-Effekt als bei E-Mail, schliesslich hatten die Leute da nicht nur ihre ganzen Kontakte, sondern die ganze Korrespondenz drin (Punkt 2). Trotzdem haben Dutzende von Millionen von Leuten (inkl. etwa zwei Dutzend meiner eigenen Bekannten) ihre primaere E-Mail woanders hin verschoben, weil der Dienst sich einfach nicht weiterentwickelt hat und andere bessere Angebote hatten. Und genau das droht auch Facebook und Twitter. Bisher sind beide Dienste durchaus noch innovationsfreudig und wendig, aber das ist bei Startups meistens nur eine Frage der Zeit. Wait for it. Man kann damit sogar ein Stueck weit Deinen dritten Punkt kontern: 2003 wusste niemand mehr ueber die Kontaktnetze der Internetuser als Hotmail (also Microsoft). Haben sie was daraus gemacht? Hat sie das geschuetzt? Nur weil man Daten und ein paar lustige Sekundaerapplikationen dank APIs hat, heisst das noch lange nicht, dass daraus ein langfristiger Wettbewerbsvorteil resultiert. Und Nein, das waren keine anderen Zeiten. Seit 2003 ist der Durchdringungsgrad des Internet nicht mehr wesentlich gestiegen. Bis auf die heutigen Teenies waren das im wesentlichen die gleichen User wie heute. Neulich hab ich an einer Konferenz mal einen treffenden Spruch gehoert: "Man muss bei der Beurteilung langfristiger Entwicklungen daran denken, die Selbstherrlichkeit der Gegenwart zu unterdruecken." Genau das gilt auch hier: Heute moegen Facebook und Twitter die Stars sein, in ein paar Jahren sind es andere.

  • someone

    12.05.09 (18:33:15)

    der große unterschied von twitter und facebook zu hotmail ist doch aber einfach der, dass email ein offener standard ist, d.h. wenn ich zu einem anderen anbieter wechsel, kann ich noch immer kontakt mit meinen alten bekannten auf hotmail kontakt aufnehmen. wechsel ich von facebook zu studivz dann bin ich von den leuten auf facebook abgeschnitten und kann nicht mehr mit ihnen kommunizieren.

  • Marcel Weiss

    12.05.09 (18:33:29)

    Andreas, da sind wir beide unterschiedlicher Ansichten. :) Ich sehe wie gesagt in den APIs die Möglichkeit der Dienste, sich langfristig zu etablieren. Weil es dann nur noch um die hinterlegten Daten geht und der Zugriff variabel über verschiedene Enduserapplikationen stattfindet. Der Unterschied zwischen Hotmail und Facebook: Man kann auf MySpace oder studiVZ niemanden auf Facebook erreichen und umgekehrt. Man kann aber mit GMail etwa genau die gleichen per Email erreichen wie mit Hotmail. Ich kenne mich nicht mit Hotmail aus, denke aber, dass man die Kontakte in irgendeiner Form auch exportieren konnte. Social Networks sind so oder so sehr viel geschlossener als das Email-System (und ja, das hat mehr Nachteile als Vorteile). Oder anders: Facebook und Twitter sind jeweils Email, nicht Hotmail. Hotmail wäre bei dem Vergleich ein Desktop- oder Webclient, der auf sie zugreift. Das ist keine tolle Entwicklung, deshalb schreibe ich oben: "Bei beiden Diensten, Facebook und Twitter, etablieren sich gerade zwei Unternehmen mit nahezu komplett proprietären Lösungen an einer Stelle, an der eigentlich offene Standards und Protokolle für die Weiterentwicklung des Web-Ökosystems bei weitem zu bevorzugen wären." Ob das alles so kommt, wird sich zeigen. Es spricht aktuell nichts dagegen. Vor allem da Facebook mittelfristig jede Einsatzmöglichkeit des Social Graphs über die APIs einfach aufsaugen kann. (Mit den FB-Daten geht wesentlich mehr als mit den Daten bei Hotmail seinerzeit). Du schreibst: "Nur weil man Daten und ein paar lustige Sekundaerapplikationen dank APIs hat, heisst das noch lange nicht, dass daraus ein langfristiger Wettbewerbsvorteil resultiert." Meiner Meinung nach unterschätzt Du völlig die Bedeutung von APIs. Gerade Twitter ist ein Beweis dafür, was mit APIs möglich ist. Neben der Vielfalt des Ökosystems bestätigt das auch die Nutzung (API zu Website 10 zu 1 ist die offzielle Ansage, und zumindest die netzwertig.com-Zugriffsstatistiken bestätigen das). Und das alles beginnt gerade erst. Die US-Unternehmen haben hier Fundamente gelegt, die nicht mehr einfach weggehen. Mit diesen werden sie für den Internetverkehr höchstwahrscheinlich so wichtig wie ISPs. Ob sie damit dann auch richtig gut verdienen werden, steht auf einem anderen Blatt (kein ISP erzeugt etwa Gewinne in der Höhe wie Google afaik, auch wenn es ohne ISPs kein Google gebe). Aber sie werden auf jeden Fall nicht mehr einfach verschwinden, weil ein neuer cooler Dienst erscheint. Denn der neue coole Dienst braucht die gleichen Daten.

  • Felix A.

    12.05.09 (20:23:59)

    1) Meiner Meinung nach wird Facebook stark bleiben, da viele Faktoren einfach dafür sprechen. Zum Beispiel ein exzellenter Leader, bereits sehr gute Marktdurchdringung, Innovationsfreude (denke das bleibt auch). Damit sich etwas an der Führerschaft von Facebook ändert, müssten sie in Zukunft schon sehr schwerwiegende Fehler begehen. Aber ich vermute Facebook hat aus den bisherigen Fehlern (z.B. Privatsphäre, UI-Modifikationen etc) gelernt. Schaut euch an, wie lange Microsoft schon dominant ist. Ich denke das ist auf Facebook übertragbar - ohne jetzt in die Details zu gehen. 2) Überschätzt. Twitter wird bald Geschichte sein. 3) Überschätzt. Ich denke hier wird wieder der Techie-Denkfehler begangen: Sich nicht als Techie in den Normaluser hineinzuversetzen können.

  • Daniela

    12.05.09 (21:33:26)

    [quote]Niemand wird sich mehr die Mühe machen (können), einen eigenen Dienst mit eigenen Social-Graph-Daten aufzubauen, wenn Facebook erstmal in jedem Land der Welt das dominierende Social Network ist.[/quote] Quark. Auch Facebook wird in spätestens 2 Jahren wieder von Community X überrumpelt werden. Ebenso kann Facebook nach wie vor keiner regionalen Community das Wasser reichen.

  • Marcel Weiss

    12.05.09 (21:46:21)

    @Daniela: Warum ist das Quark? Warum sollte ein neues Startup von den eigenen Usern verlangen, alle Freunde neu zu adden, wenn sie die Daten über Facebook Connect bekommen können? Oder anders gefragt: Wenn bei zwei Wettbewerbern einer FB Connect einsetzt und der andere das nicht macht und damit wesentlich mehr Arbeit von neuen Usern verlangt, wer wird da wohl schneller Erfolg haben?

  • Daniela

    12.05.09 (23:40:24)

    Facebook Connect ist doch nur eine halbherzige Sache. Damit bleibt man von FB abhängig bzw. bleiben die Leute gleich bei FB. Ich hab zumindest noch keine Community gesehen, die sinnvoll (!) irgendwie VON Facebook profitiert. Und das "alle Freunde nochmal neu adden" haben wir doch schon dutzendfach gemacht, obwohl wir es ja eigentlich nie mehr tun wollten. Egal ob nun bei StudiVZ, WKW, Facebook, MySpace oder Lokalisten. Ehrlich gesagt kann ich auf 90% meiner "Freunde" bei den obigen Portalen gut und gerne verzichten, weil man von denen sowieso nichts hört/liest. Und das geht nicht nur mir so. Bei einem neuen Portal brauch ich also nur meine restlichen 10% Leute animieren sich anzumelden und das reicht dann vollkommen. Facebook wird jedenfalls in Zukunft eine Rolle spielen aber nicht DIE Rolle.

  • hathead

    13.05.09 (02:36:45)

    "Und während all dies passiert, verstehen sich die deutschen Social Networks weiterhin mehr oder weniger als Portale mit sozialen Komponenten." Ich glaube nicht, dass die Features oder die Interoperabilität entscheidend für das Überleben sein werden. Die Frage die sich stellt ist, wer auf lange Sicht finanziell überleben kann. Facebook hat zwar viele tolle Funktionen und trotzdem hat man finanzielle Probleme. Twitter schwimmt zwar derzeit im Venture-Kapital. Monetarisierung: Fehlanzeige. Studivz schreibt auch keine schwarzen Zahlen, allerdings ist das Rot hier nicht ganz so dunkel wie bei Facebook. Am Ende wird vermutlich keiner das Rennen machen. Aber das wird die Zeit zeigen. Wie bei Hotmail...

  • Martin Weigert

    13.05.09 (09:12:26)

    Kurzer Einwurf am Rand: Dass Hotmail in der westlichen Welt quasi tot ist, würde ich nicht behaupten. Allein in meinem Bekanntenkreis und Freundeskreis gibt es unzählige Personen, die Hotmail nutzen - Menschen aus unterschiedlichsten Ländern in Europa. Davon abgesehen denke ich, kann man Hotmail und Facebook/Twitter nicht vergleichen. E-Mail-Anbieter kann man vergleichsweise einfach wechseln, ähnlich leistungsfähige Alternativen gibt es genug. Facebook/Twitter sind die dominierenden Social-Web-Anbieter, zudem wirken Netzwerkeffekte sehr viel stärker.

  • ben_

    13.05.09 (09:23:03)

    Um in die gleiche Kerbe wie Andreas Göldi zu schlagen: Können wir bitte nochmal die Diskurse um MySpace von vor 3 oder 4 Jahren rauskramen? Meine 50 Cent dazu: Ich glaube, dass Social-Networks im Grund den gleichen Bediungen unterliegen wie Bekleidung. Defakto gibt es keinen Unterschied zwischen einer Jeans von Carhartt und einer von Levis, bis auf ein klitzekleines Label darauf. Trotzdem musste man in den 80er unbedingt Levis tragen und in diesem Jahrzehnt halt Carrhartt. Ich glaube, dass Twitter und Facebook jener unglaublich langsame, grundlose und unerklärliche und darum grausame Abstieg bevorsteht, den die Mode Branche seit jeher kennt. Das ist der Preis identischer Funktionalitäten und der Selbstinszenierung als hippes Popkulturprodukt.

  • ben_

    13.05.09 (09:40:11)

    Oder ich sags mal nochmal anders: Facebook und Twitter werden in weniger Jahren wieder out sein, weil sie jetzt in sind. Weil die nachfolgende Generation Kanäle sucht und haben will, die nicht die Kanäle ihrer Vorgänger, Eltern und Lehrer sind.

  • Martin Weigert

    13.05.09 (09:43:39)

    MySpace hat zu keiner Zeit die Bedeutung erreicht wie Facebook heute. Zu keinem Zeitpunkt hatte man bei MySpace einen Großteil seiner Bekannten und Freunde als Kontakte. Bei Facebook ist dies für viele der Fall (gerade außerhalb Deutschlands). Facebook ist dabei, eine Maximalpenetration zu erreichen, bei der jeder seine gesamten sozialen Kontakte dort hat. Es gibt dann überhaupt keinen Anreiz mehr, das Social Network zu wechseln. Kurz gesagt: MySpace war groß in einer Zeit, in der viele User das Internet und Communities zum ersten Mal entdecken. Facebook ist groß zu einer Zeit, in der die meisten User ihre Erfahrungen gemacht haben und nun wissen, was sie wollen. Solange Facebook dies bietet und sich weiterentwickelt, ist die Gefahr sehr gering, dass eine Nutzerabwanderung im großen Stil erfolgt. Ausschließen kann man es nicht - weil es keine Vergleichswerte oder Erfahrungen aus der Vergangenheit gibt - aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr sehr gering.

  • Silke Berz

    13.05.09 (09:45:26)

    hm, du schreibst, dass fb für viele schon wichtiger ist als das telefon. im prinzip ist es für die heutigen kids aber auf alle fälle schon wichtiger als email. email ist für uns ein derart wichtiges kommunikationsmittel, dass wir uns nicht vorstellen können, dass es irgendwann abgelöst wird. warum also soll nicht irgendwann ein kommunikationsmittel kommen, das (für kommende generationen) wichtiger sein wird als social networks (insb. fb)? und zwar weil sie das netz anders nutzen als wir heute. ganz so final abschließend würde ich fb nicht als das ende der neuen entwicklungen hinstellen.

  • ben_

    13.05.09 (11:00:04)

    @Martin Weigert: Auch wenn ich nicht weiß, ob Du Dich auf mich beziehst, antworte ich mal, Zum einen: Ich hab ja nicht behauptet, dass Facebook wie Myspace ist. Ich habe behauptet, dass die Diskurse die gleichen sind. Mir klingen die Lobrpeisungen noch in den Ohren. Zum zweiten: Erzähl mal AOL, dass das bieten von Features und eine massive Marktdurchdringen die Gefahr der Nutzerabwanderung gering halten würde. Und drittens: Du läßt mein Hauptargument außer acht. Um Features geht es doch gar nicht mehr. Die nötigen Features bekomme ich überall. Zur Not von Google. Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem Facebook einfach unkuhl ist, andem die Leute etwas neues haben wollen, weil das Neue am Neuen eben kuhl ist. Weil man kuhl ist, wenn man als erster was macht, was die anderen noch nicht machen. Das ist die Logik der Jugendkultur, die StudiVZ und Facebook ihre Milliarden PIs verschafft. Und seien wir mal ehrlich. Es ist ja auch dies die herausragendste Eigenschaft der SN, dass man nichts von Wert zurückläßt, wenn man heute geht und nicht wiederkommt. Ander als Flickr oder Delicious ist ihr Content nur Kommunikation. Was interessiert mich mein Gerede von Gestern. Und unter uns Pastorentöchern: Mit "jeder seine gesamten sozialen Kontakte" wäre ich ja vorsichtig. Selbst die meisten Leute, die ich aus der Netzindustrie kenne sind wenn überhaupt nur rudimentär bei Facebook, geschweige denn, dass sie ihre "gesamten sozialen Kontakte" dort hätten. Und gut darüber reden tut eigentlich keiner, den ich kenne, geschweige denn die Features als vital zu betrachten. Dazu kommt noch die Elterngeneration, und jene beruflichen Ebenen, die es schlicht weder nötig haben, noch überhaupt in Erwägung ziehen irgendwas in irgendeinem Social Network zu machen.

  • Martin Weigert

    13.05.09 (11:50:04)

    Ben, es geht - wie hier schon so oft gepredigt - um Netzwerkeffekte. Und die sind bei Facebook stärker denn je. Das mit dem cool und uncool ist auch so ein Märchen. Die wenigsten nutzen Facebook, weil es cool ist. Man nutzt es, weil es praktisch ist. Weil alle seine Freunde und Bekannte dort sind (so dies der Fall ist). Natürlich ist dies nicht für alle Ewigkeit in Stein gemeisselt. Aber das Thema Coolness-Faktor würde ich im Bezug auf Facebook persönlich als sehr nebensächlich betrachten. Achja - und wer spricht über Leute aus der Netzindustrie? Die spielen bei der Betrachtung von Facebooks Zukunftsaussichten keine Rolle. Es sind die Privatuser, die eine Plattform nach vorne bringen. Und von denen hat Facebook genug.

  • Felix A.

    13.05.09 (12:17:14)

    Ich kann Martin nur beipflichten. Dem Großteil der Nutzer ist es völlig egal, ob eine Platform gerade angesagt ist, oder bereits Feature X oder Y bietet. Die Leute können sich Nachrichten schreiben, Bilder anschauen, neue Leute ansprechen, kennenlernen. Aber dann hört es bei den meisten Menschen auch schon auf. Wenn jetzt eine Plattform wie Facebook dabei auch noch (im Gegensatz zu MySpace oder auch StudiVZ) ein exzellente UI bietet, fühlen sich die meisten User einfach wohl und sehen keine Veranlassung zu einem anderen Anbieter zu wechseln.

  • Daniela

    13.05.09 (14:08:37)

    [quote]Das mit dem cool und uncool ist auch so ein Märchen. Die wenigsten nutzen Facebook, weil es cool ist. Man nutzt es, weil es praktisch ist.[/quote] Es ist im Moment einfach "in" dort zu sein... das war bei StudiVz damals genauso. Und die Horde wird ohne zu Murren weiterziehen... und auch die Freunde werden letztendlich folgen. Aber bei Netzwertig ist ja Facebook immer das Maß der Dinge... zumal es ja jetzt API hat usw. *ggg*

  • Andreas Göldi

    13.05.09 (14:22:30)

    @Martin: Zu Hotmail: Fakt ist, dass Hotmails Userzahlen fallen, waehrend die anderen grossen E-Mail-Provider weiter stark wachsen. Yahoo E-Mail ist inzwischen gut doppelt so gross wie Hotmail. Zu Myspace: Sorry, aber es ist einfach kreuzfalsch zu behaupten, dass Myspace (in den USA) nie die gleiche Rolle spielte wie Facebook. Myspace hat Facebook erst im November 2008 ueberholt und war ein Jahr zuvor noch doppelt so gross. Gerade fuer die Teenie-Zielgruppe drehte sich das Leben lange total um Myspace. Die Abwanderungsbewegung zu Facebook fand erst sehr spaet statt, aber sie war sehr gewaltig, als sie mal einsetzte. Und genau das gleiche Phaenomen droht Facebook, wenn das naechste Shiny Object daherkommt...

  • Martin Weigert

    13.05.09 (15:41:28)

    Du schränkst den MySpace-Erfolg doch sehr gut ein: Teenie-Zielgruppe und hauptsächlich in den USA. Facebook vernetzt global, und hat gleichzeitig keinen Schwerpunkt bei Jugendlichen - entsprechend geringer schätze ich die Auswirkungen eines nachlassenden Coolness-Faktors ein. Die Verwendung von Realnamen und echten Identitäten kommt noch hinzu. Auch das hatte Myspace nicht (mittlerweile ja, aber jetzt ist es zu spät), was meiner Meinung nach die Bindung der User zum Netzwerk erschwert. Viele versteckten sich bei MySpace hinter virtuellen Identitäten, die sich genauso schnell ablegen wie annehmen lassen. Seinen Account bei Facebook zu deaktivieren kommt schon sehr viel mehr einem digitalen Selbstmord gleich (vorsicht, absichtlich übertriebene Metapher). Nein, ich bleibe dabei. Myspace war zu seiner Hochzeit in vielen Punkten sehr viel schwächer aufgestellt als Facebook heute.

  • Henning

    14.05.09 (22:01:11)

    Sehr interessanter Artikel und sehr interessante Diskussion. Ich hab nur eine Anmerkung: @ben_ (15) In Facebook ist längst nicht nur "Live-Kommunikation" alias "mein Gerede von gestern". Dort gibt es auch Foto-Alben, evtl. Videos und ein persönliches Nachrichten-Archiv (mit dem Rückzug der Mail-Kommunikation mehr und mehr das, was früher mal das Mail-Postfach war - dort laufen ja bald mehr Benachrichtigungs-Mails oder andere automatisierte auf als persönliche Nachrichten, denn die kommen mehr und mehr über Social Networks oder Twitter). Soweit mein Beitrag zur Diskussion.

  • Oliver Springer

    15.05.09 (23:39:25)

    Es wurden schon sehr gute Argumente gebracht, deshalb fasse ich mich mal kurz. @Marcel Weiss: Was Facebook angeht, kann ich weitgehend folgen. Wobei die große Unbekannte ja doch noch ist, wer diese gewaltige Infrastruktur mal finanzieren soll. Von fantastischen Gewinnen rede ich da gar nicht, doch die schwarze Null muss schon sein. Spätestens letztes Jahr sollte der Letzte gemerkt haben, dass irgendwann Zahltag ist. Aber gut, ich persönlich bin optimistisch, dass sich da was findet. Die Daten etc. alle schon auf Facebook zu haben, ist wie eine Kette für die User. Aber: Sollte es keine technische Lösung geben, diese weitgehend zu einem anderen Netzwerk transferieren zu können? Bei Twitter bin ich mir nicht so sicher, wie gut die Zukunftsaussichten sind. Ich glaube an Mikroblogging an sich und denke, das wir hier noch spannende Entwicklungen erleben werden. Wobei gerade Facebook besser als kein anderer Dienst Twitter überflüssig machen könnte. Aber auch sonst könnte Twitter schneller Konkurrenz erwachsen. Um zumindest noch lesen zu können, was andere auf Twitter schreiben, muss man ja auch nicht drin sein. Das geht ja auch über RSS. In Twitter hat man kaum Einstellungen vorgenommen und kann keine komplexen Profile ausfüllen. Der Wechsel dürfte viel leichter fallen. Gäbe es für Twitter ein überzeugendes Geschäftsmodell, würden einige der üblichen großen Player bestimmt mit Macht ein "besseres Twitter" an den Start bringen. Besonders die Betreiber der großen Instant Messaging-Dienste könnten in einer Top-Position in den Wettbewerb eintreten. Das gibt es nicht nur eine große Ähnlichkeit in der Funktionalität, sondern es gibt dort auch schon die Verbindungen zu Kontakten. Nicht zu vergessen ist die Nutzerbasis von Twitter derzeit ja noch ziemlich klein im Vergleich etwa zum MSN-Messenger.

  • Lucien

    17.05.09 (13:59:23)

    Kann in Bezug auf Facebook nur zustimmen. Denke das bleibt erstmal *die* Killer-App der Social Media-Welt. Was Twitter angeht muss ich aber Oliver Recht geben: Ich verstehe nicht, was Twitter für den Privatnutzer interessant machen soll. Was Twitter kann, kann Facebook viel, viel besser und einfacher. Ich denke Twitter wird sich in einer Nische für Power-Netz-User einquartieren oder untergehen...

  • stephan dietze

    17.06.09 (18:40:59)

    Hallo Marcel, ich schreibe gerade meine Magisterarbeit über Weblogs und Twitter und für mich klingt das alles plausibel und dennoch frage ich mich ob diese social software nicht zu gering geschätzt und falsch verwendet wird. Unter http://www.zeit.de/zeit-wissen/2009/04/Kiosk-Schluss-Mit findet man einen absoluten 'Verriss-Artikel' gegen Twitter. Doch eines erscheint mir auch dort plausibel. Die Belanglosigkeiten der Informationen ist zu hoch, oder? Wielange hält das ein Medium durch und ist dies nicht schädlich? Wird nicht irgendwann die Kommunikation so abflachen, dass es keinen Reiz mehr gibt Twitter zu nutzen? In meinen Augen sind die 'neuen Medien' vor allem in nicht-demokratischen Systemen wirksamer und vor allem wichtiger. Doch in der heutigen westlichen Konsumgesellschaft, erscheint mir diese Art der Kommunikation als 'Spiel gegen allgegenwertige Langeweile'.

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