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28.05.13Leser-Kommentare

Produktinitiativen ohne Erfolg: Facebook verliert seine Innovationsfähigkeit

Facebook ist nicht faul, was die teilweise schnelle Konzeption und Veröffentlichung neuer Features und Produktinitiativen angeht. Doch große Erfolge bleiben aus.

PokeFacebook, das weltweit führende soziale Netzwerk, hat ein Problem: Dem Unternehmen ist die einstmals so beachtliche, stetiges Neuerfinden ermöglichende Innovationsfähigkeit abhanden gekommen. Dies äußert sich auf zwei Arten: Potenzielle "Volltreffer", bei denen CEO Mark Zuckerberg und sein Team sich nicht komplett beim Wettbewerb inspirieren lassen, kommen bei den Nutzern nicht mehr an. Und ansonsten kopiert das Unternehmen nur noch die Services der Konkurrenz - mit mäßigem Erfolg.

Beispiele gefällig? Facebooks Android-Launcher Home ist zwar eigentlich keine schlechte Idee, hat aber bisher nicht den erhofften Erfolg gebracht. Die Downloadzahlen halten sich in Grenzen, die Bewertungen im Play Store sehen schlecht aus. Das "Facebook Smartphone" HTC First kommt gar nicht erst nach Europa. Wenn das noch etwas werden soll, muss Facebook radikal nachbessern.

Facebook Kontextsuche Graph Search wurde Anfang des Jahres unter massiver Pressebewachung vorgestellt und nach und nach einem Teil der Nutzer verfügbar gemacht. Ich habe bisher keinen Zugang, doch ist die allgemeine Stille von Tech-Presse und Bloggern in Bezug auf das groß angepriesene Feature ein klares Zeichen dafür, dass es weit hinter den wahrscheinlich viel zu hohen Erwartungen zurückgeblieben ist. Lobeshymnen sind mir bisher noch gar keine untergekommen, deutliche Kritik dagegen schon.

Und Facebooks neuer, im März vorgestellter Newsfeed? Obwohl er wie alle größeren Produktlancierungen von Facebook auf einer eigens einberufenen Presseveranstaltung präsentiert wurde, erwies er sich nach längerem Testen als simple kosmetische Überarbeitung. Innovation ist das nicht.

Was bleibt, sind die diversen bereits erfolgten oder kolportierten Imitationen bestehender Konzepte von Kontrahenten, die das soziale Netzwerk in Windeseile nachbauen lässt. Facebook Camera sollte Instagram in die Quere kommen, bevor sich Zuckerberg zum spontanen Kauf des Wettbewerbers entschloss. Die App dümpelt seitdem vor sich hin. Mit Poke bastelte das Social Network innerhalb von zwölf Tagen eine Kopie des Shooting-Stars Snapchat - die sich als völliger Reinfall entpuppte.

Aktuellen Medienberichten zufolge feilen die Kalifornier derzeit sowohl an einem Pendant zu Twitters Video-Dienst Vine als auch an einem Konkurrenten für den populären, nun unter der Obhut von Yahoo befindlichen Minibloggingdienst Tumblr.

Wer innovativ sein möchte, muss Risiken eingehen und Experimente wagen. Diese führen zu gelegentlichen Misserfolgen, und manchmal ist auch einfach etwas Geduld erforderlich, bis ein Vorstoß sein Potenzial entfaltet. Gefährlich wird es aber, wenn nahezu alle wichtigen Produktinitiativen zu Enttäuschungen bei den Anwendern führen oder bei ihnen erst gar nicht auf Interesse stoßen.

In der Vergangenheit haben Facebooks Neuerungen regelmäßig zu ausartenden Nutzerprotesten und Boykottdrohungen geführt. Heute dagegen werden sie ignoriert. Das ist kein gutes Zeichen. Kurzfristig ändert dies nichts am Momentum des sozialen Netzwerks mit seinen 1,11 Milliarden aktiven Mitgliedern. Doch wenn Facebook auf Dauer nicht mehr in der Lage ist, erfolgreiche Produktinnovation zu betreiben, erinnert das stark an das Schicksal vieler anderer einstiger Vorzeigefirmen der IT-Branche, deren Evolution irgendwann ein Ende nahm. /mw

Kommentare

  • Michael

    28.05.13 (15:09:14)

    Eigentlich trifft das mehr oder weniger auf alle Netzwerke zu. Man könnte es fast für eine Art Internet-Naturgesetz halten, dass die guten Ideen von Netzwerken den Massen ihrer Nutzer hinterherhinken und unter ihre eigenen Innovationsschwäche oder unter weiß ich was zusammenbrechen. Jedenfalls kommt es bei sämtlichen Netzwerken nur langsam und schleppend voran. Google+ bewältigt und strukturiert seine eigene gute Komplexität nicht, und hat immer noch keine zusätzliche Ordnungsebene für Kreise eingezogen, wenn man ein paar mehr von ihnen hat. Das Problem fehlender mehrerer Ordnungsebenen haben eigentlich sämtliche Netzwerke und Internetdienste. Twitter kommt und kommt nicht aus dem Knick mit seinem technischen Wachstum, bleibt weiter auf je 20 Listen und Suchen beschränkt und ist somit zwar eine schöne Idee als unfertige Dauerbaustelle. Grundproblem von Facebook ist neben den auch hier vorhandenen Ordnungsproblemen die mangelnde Offenheit für ein Netzwerk, Graph Search bleibt vorerst ein unerreichbarer Witz. Youtube ist überhaupt kein richtiges vollwertiges Netzwerk ohne Follower-Transparenz und Abo-Listen. Auch in der Google-Suche fehlt leider bis heute ein Suchwort-Management zum Anlegen von Stichwort-Systematiken. Wenn es keine richtige Systematik im Internet gibt, brauchen User Werkzeuge dafür, sie sich selbst anzulegen. Ordnung und Struktur ist das Grundproblem, quasi das Grundthema im Internet, wird aber wenig angegangen. Kommt mir so vor, dass die großen Internet-Ökosysteme die User mit ihren einst guten Ideen angefixt haben und sie nun mit der Algorithmensuche wie mit einem Haufen Stecknadeln allein im Regen stehen lassen und dieses Ordnungs-Grunderfordernis übersehen. Das wird auf Dauer nicht funktionieren und zu Stagnation allerorten führen. Gerade die geschäftliche Werbeverwertung braucht viel mehr Struktur und Ordnung in den Netzwerken. Denn nur wenn Ordnung in Netzwerken herrscht, werden sie auch ordentlich genutzt.

  • André Luce

    29.05.13 (08:42:30)

    Die Nutzungsmotive der Facebookanwender werden immer partikularer. Wenn die User in der Masse zufrieden sind, ist ein Mangel an "großem Erfolg" verschmerzbar.

  • Experimentiert

    29.05.13 (13:21:01)

    DAs Facebook es nicht lange machen wird, habe ich bereits seit 2 Jahren gesagt. Da Facebook ja nie etwas komplett neues gebracht hat, es hat nur altes in eines zusammengeführt und weil es das erste war das es sowas gemacht hatte, war es anfangs interessant, doch seien wir mal ehrlich, Facebook ist halt nichts anderes als Chatraum und Forum für Flirter und viel mehr steckt dahinter auch nicht, am Anfang durchaus lUstig dabei mitzumachen, aber irgendwann kotzt das die Leute echt an alles und jeden zu liken.... ;-) Facebook und damit Zuckerberg wird in die Geschichte eingehen wie schnell man doch im Internet Milliardär werden kann und das ohne richtigen Businessplan und ohne richtigen Produkt. Einfach typisches aufblasen von etwas was es gar nicht Wert ist, die Presse ist da vor allem Schuld, weil sie Facebook Audienz gaben, damit kann ich ja jedes Projekt nach oben pushen wie es bei Facebook im nachhinein richtig analysiert werden wird.

  • Michael

    30.05.13 (12:07:14)

    @Experimentiert Dass es Facebook nicht mehr lange machen wird, glaube ich kaum. Sowas kann nur annehmen, der den sozialen Stellenwert von Facebook nicht erfasst. Facebook ist eine riesige, allseits etablierte Kommunikations- und Informationsmaschine. Die allenfalls allmählich durch etwas völlig neues, völlig besseres ersetzt werden könnte. Aber was sollte das derzeit sein ... Auch so ein neumodischer Schießmichtot-Bilderquatsch Snapshot ist sicher kein vollwertiger Ersatz für ein umfassendes universelles Netzwerk wie Facebook

  • Martin Weigert

    30.05.13 (12:25:35)

    @ Experimentiert Andere haben sowas schon 2007 gesagt. Heute, 6 Jahre später, brüsten sie sich damit dann nicht mehr ;)

  • Experimentiert

    30.05.13 (15:25:01)

    @Martin Weigert Facebook verlor in den letzten 3 Monaten immerhin 3 Millionen User nur in den USA.... ;-) Der beginn des Abstiegs... ;-) Facebook, kann meines erachtens nur 3 bis maximal 5 Jahre lang neue User begeistern, danach verliert es langsam aber sicher an der fehlenden Nutzbarkeit. Es ist halt auch nicht mehr als ein Quatschforum oder Chat und Flirtplattform, am Anfang sind solche Dinge sicher interessant, aber langfristig einfach nutzlos.... Da man mit Freunden auch in anderen Formen in Kontakt bleiben kann und Facebook einfach nur mehr stresst als es einen tatsächlichen Nutzen oder gar echten Mehrwert hätte.

  • Somaro

    09.06.13 (12:54:29)

    Das die Facebook-App Home welche Android quasi ersetzt und Facebook als die "whole World" darstellt hier als "keine schlechte Idee" dargestellt wird, sagt ja schon alles. Und das Fazit des Artikels lautet dann genauso: Wo sind die Innovationen damit wieder Geld reingepumpot wird?! Völlig egal ob dieses Ding bestehennd aus Palaver, Werbung und SPAM überhaupt nennenswerten Gewinn macht - Hauptsache wir begonnen einen neuen Orgasmus und sabbern den Boden voll wenn unser King Zuckerberg auf der Bühne steht!" Sorry der drastischen Worte, aber der Artikel klingt wie ein enttäuschter Liebhaber. Ein Liebhaber der wissen könnte, dass seine Traumfrau nur deshalb noch über die Einkaufstraße schlendert weil alle Typen sie anglotzen. Wenn er es denn wollte.

  • Martin Weigert

    09.06.13 (15:56:57)

    "Keine schlechte Idee" aus Sicht von Facebook und der besonders aktiven Nutzer, die das soziale Netzwerk ohnehin rund um die Uhr nutzen.

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