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10.06.11Leser-Kommentare

Private Wohnungsvermittlung: Airbnb beklagt sich über die deutsche Konkurrenz

Airbnb, die angesagte US-Plattform zur Vermittlung von Privatunterkünften, attackiert in einer E-Mail ihre deutschen Kontrahenten und scheint sich dabei insbesondere auf einen Nachahmer zu beziehen.

 

Man sagt ja, Konkurrenz belebt das Geschäft. Doch in einigen Fallen kann sie auch zu einer Schlammschlacht zwischen den Wettbewerbern führen. Genau diese scheint sich gerade zwischen den privaten Zimmer- und Wohnungsvermittlungsplattformen anzubahnen - einem der Startup-Trends dieses Jahres.

Nachdem sich gezeigt hat, dass das von der aus San Francisco stammende Plattform Airbnb etablierte Konzept des temporären Mietens und Vermietens von Unterkünften zwischen Privatpersonen ein verheißungsvolles wirtschaftliches Potenzial mit sich führt, dauerte es nicht lange bis zum Auftauchen erster Nachahmer:

Ende Februar gab Qype-Gründer Stephan Uhrenbacher den Startschuss für 9flats.com, und kurze Zeit später folgten die Samwer-Brüder mit Wimdu sowie dessen chinesischem Zwilling Airizu.

Und auch wenn es sich bei der privaten Vermittlung von Unterkünften mutmaßlich um einen Nischenmarkt handelt, scheinen Investoren von der Attraktivität der Idee überzeugt zu sein: Airbnb soll gerade 100 Millionen Dollar Risikokapital eingenommen haben und mit einer Milliarde Dollar bewertet werden.

9flats.com hatte nur drei Monate nach dem Start bereits zehn Millionen Euro von Investoren auf dem Konto, und auch bei Wimdu gab es bereits eine "übppige Finanzierungsrunde" mit Beteiligung von "ein paar alten Samwer-Bekannten".

Während die Erwartungen an die Peer-to-Peer-Wohnungsvermittlung offenbar hoch sind, ist die Stimmung zwischen den Konkurrenten nicht die beste. So muss man zumindest eine E-Mail deuten, die Airbnb gestern an seine mehr als 100.000 registrierten Vermieter geschickt haben soll und in der es sich zu heftigen Attacken gegen seine Kontrahenten hinreißen lässt.

Das Startup aus Kalifornien bezichtigt in der Mail namentlich nicht genannte "Airbnb-Klone", sich für die Akquise neuer Unterkünfte als Vertreter von Airbnb oder alternativ "einer internationalen Variante von Airbnb" auszugeben, bei Airbnb angelegte Wohnungsprofile zu duplizieren und sich als Teil von Ebay und/oder Groupon auszugeben. Die Mail schließt mit der Bitte, Verdachtsfälle an die bitterernst wirkende Adresse detectives@airbnb.com zu senden.

Auch über das Motiv hinter diesen Praktiken informiert Airbnb in dem Schreiben: "Die betreffenden Anbieter haben schon in der Vergangenheit auf die Masche gesetzt, eine Website zu kopieren, aggressiv Nutzer abzuwerben und schließlich die Imitation an das Original zu verkaufen."

Soll Vertrauen erweckenDie Beschreibung erinnert in der Tat an den Stil der Samwer-Startups. Und tatsächlich ist es Wimdu, das mit dem Verweis "Wird bald auf Groupon vorgestellt" auf seiner Website offenbar das Vertrauen neuer Nutzer gewinnen will (die drei Samwer-Brüder sind auch an Groupon beteiligt).

Ich habe 9flats.com-Chef Stephan Uhrenbacher heute früh kurzfristig per Mail gefragt, inwieweit die Beschuldigungen von Airbnb auf 9flats.com zutreffend könnten. Er findet deutliche Worte:

"Wir rufen Menschen an, die ihre Wohnungen im Internet listen (legal!), und mit deren Einverständnis werden sie bei uns gelistet. Wimdu dagegen legt 'Fake'-Buchungen bei Airbnb und bei uns an, um an die Adressen der Vermieter zu kommen. Hierauf bezieht sich auch Airbnb."

Auch Wimdu bat ich um eine Stellungnahme, sollte diese eintreffen, wird dieser Artikel aktualisiert.

Vorschnell sollte man Airbnb die Rolle des "Opfers" aber nicht abnehmen. Denn das 2008 gegründete Unternehmen hat in seinen Anfängen angeblich ebenfalls auf fragwürdige Methoden zur Akquisition neuer Unterkünfte gesetzt. So soll es systematisch Vermieter vom US-Kleinanzeigenportal Craigslist abgeworben und dabei im großen Stil automatisierte E-Mails verschickt haben.

Die Verbalattacke von Airbnb erfolgt nur wenige Tage, nachdem das Unternehmen mit Accoleo einen anderen, deutlich kleineren Nachahmer aus Deutschland übernommen und die Öffnung eines Büros in Hamburg angekündigt hat. Vom Airbnb-Presseverantwortlichen Christopher Lukezic erfuhren wir, dass auch eine zusätzliche Niederlassung in Berlin ins Auge gefasst wird.

Während die Wohnungsvermittlung zwischen Privatpersonen und die damit verbundene Nutzung gemeinsamer Ressourcen einer von Nachhaltigkeit geprägten Ideologie folgt, scheint hinter den Kulissen ein heftiger Verdrängungswettbewerb zu herrschen, bei dem ein faires Geschäftsgebaren leicht unter die Räder kommt.

Fortsetzung folgt (mit Sicherheit).

Update 11. Juni 13:00 Uhr: Wimdu hat uns als Antwort einen PR-Text geschickt, der jedoch nicht auf die konkreten Vorwürfe eingeht. Seine Geschäftspraktiken bezeichnet Wimdu als "marktkonform".

Kommentare

  • Oliver Preikschat

    10.06.11 (10:17:04)

    Interessanter Artikel, das (Kalt-) Anrufen von Vermietern (die selbst bei ImmoScout oder sonstwo inserieren) ist ohne Einwilligung übrigens auch illegal. Ich bin sehr gespannt ob das in Deutschland wirklich ein so großer Markt wird, ich würde mein Haus jedenfalls nicht an Fremde vermieten....

  • Insider

    10.06.11 (11:06:35)

    Eine Freundin teilte mir mit, dass es sogar noch weiter geht. Der Typ, der bei ihr ein Zimmer via airbnb gebucht hatte, klappte bei ihr vor Ort das Notebook auf mit den bereits vorgefertigten Profilen für ihren Start in wimdu und begann, von den Vorteilen zu schwärmen. Geht's noch?

  • Insiderin

    10.06.11 (12:33:24)

    Nicht nur, dass der Typ seinen Laptop aufgeklappt hatte. Ich war auch schon gleich bei denen gelistet (mit den Bildern, die ich bei AirBnB eingestellt hatte, der komplette Text wurde einfach kopiert, mir wurden nur die Login Daten übermittelt. Ich musste dort meinen Account löschen (den ich noch nicht mal angelegt hatte) Aber es geht ja noch weiter: Nur 1 Woche später bekam ich eine neue Reservierung für 1 Nacht, hatte die akzeptiert und schwupps hats Telefon geklingelt und die Dame wollte mich von den Vorzügen dieser - auf Deutschland / Europa ausgerichteten - Plattform überzeugen. Desweiteren bekam ich noch x-Mails von irgendwelchen Fotografen, die mein Zimmer fotografieren wollten, Einladungen und Spam etc. Seitdem ich die beiden bei AirBnB geblacklistet hatte (puuh...noch nie zuvor musste ich sowas machen, fühlt sich so richtig nach Verpetzen an... = nicht gut) ist Ruhe.

  • jowe

    10.06.11 (14:03:59)

    Ein startup aus Österreich sollte hier nich unerwähnt bleiben: prooms.com

  • Klaus

    10.06.11 (14:22:55)

    Dass die Samwers klonen und an Originale verkaufen ist ja nichts neues und die leugnen es ja nicht, sollte also niemanden mehr aufregen. Die größte Lachnummer in diesem Spiel ist doch wohl eindeutig dieser Uhrenbacher von 9flats. Der predigt überall, dass er nie geklont hat und nie klonen würde, rät allen davon ab und klont schon wieder nach qype/yelp nun auch airbnb.

  • Martin Weigert

    10.06.11 (14:39:19)

    Danke für den Hinweis.

  • Peter

    10.06.11 (15:26:46)

    Klaus, da verstehst du Stephan völlig falsch. Er klont nicht, sondern tut immer nur das, was er für inhaltlich richtig hält. ... habe 9flats gemacht, nicht weil es der letzte Schrei ist, sondern weil ich zwei Jahre lang das Thema Sharing mir angeguckt hab und dieses Thema "Wie kann ich Resourcen sparen und Lebensqualität verbessern?" und da kam eben halt nach dem Thema Auto relativ schnell das Thema Wohnung auf ... und dann kam auch noch ein super Businessmodell auf ... aber mir gings erstmal darum was zu tun, was ich für inhaltlich richtig halte. Quelle: Interview bei Deutsche-Startups

  • TT

    10.06.11 (15:39:10)

    Interessanter Artikel, das (Kalt-) Anrufen von Vermietern (die selbst bei ImmoScout oder sonstwo inserieren) ist ohne Einwilligung übrigens auch illegal. systematische, ungefragte outbound Akquise ist aus gutem Grund illegal. Da könnte airbnb doch am besten die Anwälte einschalten.

  • Petra Panther

    11.06.11 (09:07:54)

    Super Werbung für Wimdu. 10% regen sich vielleicht auf, aber 90% denken sich, dass sie so noch mehr dazuverdienen können.. und recht so! Was maßt sich Airbnb an, jetzt das Opfer zu spielen? Verlangen Sie wirklich von den Leuten Exklusivität? Verlangen sie von Ihren Nutzern, dass sie nur auf AirBNB die Zimmer einstellen sollen? Oh nein! Es gibt Wettbewerb! Oh nein! Ihr potentielles Monopol ist gefährdet! Oh nein! vielleicht ist unser Laden in den nächsten Finanzierungsrunde nicht so hoch bewertet.. Schmarrn.

  • Porsche 911

    12.06.11 (12:31:23)

    Da legt sich airbnb auch mit den falschen an. Airbnb hat zwar 100 Mio. Kapital eingenommen, aber die wimdu-macher (aka samwers) sind um einiges erfahrener und gerissener. Wird ne spannende Sache, auch ob der Exit an das Original so funktioniert wo jetzt Porzellan zerbrochen wurde. Durchaus denkbar, dass die VCs bei airbnb irgendwann die Gründer rauskicken/-kaufen und dann andere einsetzen, die dann später auch wimdu akquirieren

  • Robin

    12.06.11 (15:33:51)

    Auch wenn hinter airbnb ein kommerzieller Gedanke steckt, die Gründer scheinen in Ihrer Vision und Mission, wirklich was bewegen zu wollen sehr glaubwürdig und die Communit bzw. das geschaffene ist echt ein klasse Ding. Schade, dass jetzt wieder die Panzerknacker kommen.

  • Peter

    15.06.11 (12:18:29)

    gloveler.com ist auch eine gute schnell größere werdende Unterkunftsvermittlungsseite! Welche sich im deutschen sowie im europäischen Markt etabliert hat!

  • Insiderin

    15.06.11 (17:36:37)

    Was mir hier in der Diskussion völlig abgeht: Da geht es nicht um ein Auto sondern um das Privateste was man so hat: Die eigenen 4 Wände. Und wenn hier ein Unternehmer so arrogant und kotzig vorgeht, dann möchte ich wirklich nicht das Clientel sehen, das Eure liebevoll aufgebaute Wohnungstauschgeschichte ruiniert. Denn dann gibts eine Afterhour nach der Anderen in der einst so schönen Wohnung. Viel Spass damit.

  • nikolas woischnik

    20.06.11 (15:55:54)

    Ein Interview mit allen drei Gründern zur deutschen Expansion gibt es auf TechBerlin http://www.techberlin.com/post/6720522292/airbnb-interview

  • Olaf

    20.06.11 (20:12:42)

    Ich würde doch niemals in meine Wohnung fremde Leute reinlassen. Auch ist eine Wohnung generell nicht für die ständige Aufnahme Fremder ausgestattet. Ich kann mir nur vorstellen, daß Leute Zimmer vermieten, weil sie unbedingt Geld brauchen. Dort möchte ich nicht übernachten.

  • Porsche 911

    20.06.11 (23:26:24)

    "Nicht der gewinnt den Kampf, der die stärksten Waffen hat, sondern der, der bereit ist am meisten zu opfern."

  • Gunnar

    04.08.11 (10:02:26)

    Es gibt seit Jahren so viele Anbieter auf diesem Gebiet von homecompnay.de bis fineandmine.de! Ich frage mich wie die damit umgehen, da die bestimmt keine 100 Mio. Finanzspritze kriegen...habe allerdings immer gute Erfahrungen mit denen gesammmelt!

  • Rene

    19.11.11 (22:47:48)

    Unbegreiflich, wie ein Unternehmen wie Airbnb mit 1 Milliarde Dollar bewertet werden kann. Das ist so weit weg von jeglicher Realität, so viel Potenzial kann im dem Geschäft nicht stecken.

  • Andi

    29.03.13 (14:20:48)

    Der Immobilienmarkt von an privat wird sich in Deutschland nie durchsetzen. Dafür ist die Immobilien-Lobby viel zu groß.

  • Julien

    30.03.13 (10:49:19)

    Das liegt nicht nur an der Immobilienlobby. Bei den Deutschen gilt mehr als bei Amis oder Südeuropäern "My home is my castle". Fremde Leute will da niemand in seiner Bude haben.

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