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30.10.13Leser-Kommentar

Prismatic: Ein intelligenter Nachrichtenaggregator, der sein Versprechen hält

Dienste, die Nutzern zu ihren Interessen passende Texte servieren wollen, gibt es viele. Prismatic macht das besonders gut.

PrismaticAls die Führungsriege des Axel-Springer-Verlags vom Sommer 2012 bis zum Frühjahr 2013 das Silicon Valley unsicher machte, ging es ihr unter anderem darum, Kontakt zu für die Medienbranche der Zukunft wegbereitenden Startups zu knüpfen und Inspiration für ihre eigenen Projekte zu erhalten. Ein Angebot, dass die Springer-Männer bei ihrer Reise besonders beeindruckte, war der Newsaggregator Prismatic. Speziell Chef-Lobbyist Christoph Keese geriet - trotz seiner Sympathie für das Leistungsschutzrecht - mehrfach ins Schwärmen über den Service aus San Francisco, der im vergangenen Jahr seine Pforten öffnete und Nutzern seitdem dabei hilft, lesenswerte, zu ihren Interessensgebieten passende Inhalte zu finden. Die Besonderheit des Startups im Vergleich zu den diversen anderen sozialen Nachrichten-Apps, von Flipboard und Pulse bis Zite und News360, liegt in der ausgeklügelten, im Hintergrund arbeitenden Empfehlungstechnologie, welche auf Basis von Lesegewohnheiten sowie anderen Aktivitätsmustern relevante Artikel präsentiert. Ein solches Versprechen machen zwar nahezu alle Newsreader - bei Prismatic funktioniert es aber auch wirklich wie angepriesen. Mittelfristig plant Co-Founder Bradford Cross, Prismatic auf Basis seiner smarten "Machine Learning"-Technologie in eine Empfehlungs- und "Serendipitäts"-Maschine für die Welt zu machen. Die Pläne des Unternehmens gehen also weit darüber hinaus, wissbegierige Anwender mit Lesetipps zu versorgen.

Bislang lautet das Motto der Kalifornier aber erst einmal simpel: "Create a Newsfeed of your Interests". Im Zuge meiner seit Jahren andauernden Suche nach dem optimalen Empfehlungsdienst für journalistische Inhalte bin ich jüngst selbst bei Prismatic hängengeblieben. Ich hatte den Dienst schon einmal kurz nach dem Debüt ausprobiert, mich damals jedoch nicht sofort zu Hause gefühlt. Dieses Mal war dies dank einer neuen Browseroberfläche sowie dem Vorhandensein einer iPhone-App anders: Derzeit fällt mir kein Service ein, der meinen Pull-Medienkonsum in Form von hunderten, via Feedly abonnierten RSS-Feeds besser um eine Push-Komponente erweitert als Prismatic. Das heißt nicht, dass Prismatic perfekt ist. Es bedeutet, dass die meisten anderen Dienste nicht meinen Ansprüchen gerecht werden.

Prismatic

Was Prismatic für mich besonders macht, ist neben dem sehr aufgeräumten, übersichtlichen Design das dreigliedrige Follow-Prinzp, welches die Grundlage für die Bereitstellung von Artikeln darstellt: Prismatic-Nutzer können Themenbereiche, einzelne Publikationen sowie andere Anwender des Dienstes abonnieren. Dieser Ansatz, der in ähnlicher Form auch von der Wissensplattform Quora verfolgt wird, garantiert einen möglichst vielfältigen Mix an präsentierten Inhalten aus einer Vielzahl von Quellen - allseits bekannte genauso wie eher obskure, aber nicht minder interessante. Je nach dem, wie Prismatic die aktuelle Lage einschätzt, serviert es Nutzern über die neue, aufgeräumte, leicht an Pinterest erinnernde Browseroberfläche Artikel, die sie interessieren können. Welche Signale und Kriterien der Service für die Auswahl zu Grunde legt, wissen nur die Prismatic-Macher. Meist reicht schon ein neues Laden der Seite, und der Dienst zeigt einem andere Texte an als zuvor. Genau dieser Aspekt gefällt mir sehr, garantiert er doch stetig neuen Lesestoff. Beiträge lassen sich favorisieren, ablehnen, für später ablegen, kommentieren und im Netz teilen - hier ist klar, dass diese Aktionen von Prismatic für die künftige Justierung der Empfehlungen genutzt werden.

Noch habe ich einiges zu bemängeln: Auf dem persönlichen Profil befindet sich eine Menüleiste mit den Funktionen "All", "Public", "Read", "Saved", "Liked", "Shared", "Posted" und "Commented". Doch Texte, die ich mit einem Sternchen versehe, tauchen gar nicht unter "Saved" auf. Was der Sinn der "Public"-Sektion ist, leuchtet mir auch nicht ein. Hinzu kommt, dass in der iPhone-App weniger Interaktionselemente angeboten werden. Dort fehlt etwa die Möglichkeit, Artikel zu "liken". Außerdem fehlt die Follow-Komponente für andere Prismatic-Nutzer. Dafür listet die Applikation zu jedem vorgestellten Artikel verschiedene übergeordnete Themenfelder, die sich sofort abonnieren lassen. Auf diese Weise entsteht schnell eine beachtliche Liste an Interessensgebieten, aus denen Prismatic fortan seine Empfehlungen speist.

Eine optimierte iPad-App sowie eine Android-Version hat Prismatic bislang nicht im Angebot. Beides ist jedoch geplant, wie uns das Unternehmen mitteilte. Bis dahin funktioniert die unter preview.getprismatic.com erreichbare Browser-Variante recht gut auf Tablets und größeren Smartphones. Auch wenn die Prismatic-Macher eigenartigerweise auf ein heute eigentlich selbstverständliches responsives Design verzichten.

Seit der Bekanntgabe einer Finanzierungsrunde in Höhe von 15 Millionen Dollar Ende 2012 hat man von den Kaliforniern in der Technologiepresse nur wenig gehört. Allerdings wurde im Juli eine neue Version der iPhone-App veröffentlicht, und dass Geldnot den Entwicklungsprozess bremst, kann angesichts der großzügigen VC-Runde ausgeschlossen werden. Sofern Prismatic nicht gerade vor dem Verkauf an irgendeinen nur an dem Know-how des Teams interessierten Webgiganten steht, dann hat der Dienst die Chance, so etwas wie die Zeitung der Zukunft werden. /mw

Link: Prismatic

Kommentare

  • T. Looschelders

    22.01.14 (18:40:51)

    Das ist ein sehr guter Tipp. Ich finde die Qualität von Prismatic auch ungleich höher als die des häufig gehypten Konkurrenten "Flipboard". Ich habe lange nach einer solchen App gesucht und bin gespannt, in welche Features die Entwickler das VC noch verwandeln.

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