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12.12.08 15:24, von Ole Reißmann

Slanted und Co.: Fünf Magazine zum Anfassen

Text auf Papier: Wir stellen Zeitschriften vor, die man nicht gerne im Internet lesen möchte. Unsere Print-Perlen zu Weihnachten: Bella triste, Dummy, Lettre International, Dare und Slanted.

Holzhausen? Von wegen! Print lebt natürlich, in Form edler Magazine. Deswegen stellen wir heute nicht die aktuelle Zeitschriften-Todesliste hier auf die Seite, sondern setzen unsere weihnachtliche Einkaufsberatung mit einer Auswahl ansprechender Printprodukte fort. Wo man diese in Berlin stilvoll erwerben kann, hat Ronnie am Donnerstag berichtet. Los geht's:

Design: Vollgepackt mit Bildern, Illustrationen und Interviews ist das Typographie-Magazin Slanted. Thema der aktuellen sechsten Ausgabe sind Zeichen, "Signs, Symbols, Ornaments". Überall werden wir mit Zeichen und Schildern konfrontiert. Das Heft widmet sich den Designern und Künstlern der Zeichenwelt. Dingbat-Schriftarten, Ornamente in der Kunst, Zeichen im Alltag, dazu Porträts junger Künstler, Buchrezensionen, Projektberichte ... dieses vielfätige und umfassende Magazin brummt vor Ideen und Kreativität. Manchmal sind Texte zwar eher für Eingeweihte geschrieben, aber aus allen Essays liest man unbedingte Begeisterung heraus und wird mitgenommen in ein eigenes Universum – das "Gefühl Typografie", wie es im Untertitel von Slanted heißt. Der Offset-Druck ist selbstredend an Qualität nicht zu übertreffen. Slanted, 196 Seiten, 12 Euro

Kunst: Nur keine Angst. Dieses Heft wagt es, zeigt einfach, kümmert sich nicht um Konventionen. Aus Hamburg kommt Dare, ein hochglänzendes Magazin für zeitgenössische Kunst, aufwendig und edel produziert. Zu sehen gibt es viele, viele Fotografien, Illustrationen und Interviews. Wichtig sind Werke und Künstler, das Heft zwischen Kulturmagazin und Kunstbuch pfeift auf Szene-Gehabe und Galerie-Hype. Die vierköpfige Redaktion um Isa Maschewski gibt das Heft ein Eigenregie heraus, ohne Verlag im Hintergrund. Einige Seiten der zweiten Ausgabe können auf daremag.de angesehen werden, wo auch das Blog zum zweimal jährlich erscheinendem Magazin beheimatet ist. Dare, 152 Seiten, 14,50 Euro

Gesellschaft: Immer ein Tabu brechen, immer ein bisschen bäh. Lässig posende Kinder mit Zigarette im Mund? Auf dem Cover und als Fotostrecke im Berliner Gesellschaftsmagazin Dummy. So ganz hat man sich dann wohl doch nicht getraut, handelt es sich doch um Schokoladenzigaretten. Thema der aktuellen Ausgabe ist "Glück" – was schenkte man gewogenen Menschen lieber, als das? Aufgeteilt in die Abschnitte "Happiness is a warm gun", "Pech gehabt" und "Toi toi toi" gibt es Reportagen und Geschichten rund um das höchst volatile Gefühl. Immer mit dem Dummy-typischen Dreh: Geht es um Kinderglück, wird von einem Samenspender berichtet. Warum Lotto-Glück ins Gegenteil umschlägt. Eine Erotikmesse ohne Höhepunkte. Lustige Grufties. Keine Frage, dieses Magazin macht glücklich. Viel zu schnell hat man es durchgeblättert und sehnt sich nach mehr – wie nach Schokolade und Zigaretten, den unbestritten größten Glücksbringern. Dummy, 132 Seiten, 6 Euro

Kultur: Die Texte aus Lettre International haben eins gemeinsam: Nach der Lektüre fühlt man sich bereichert. Die Winter-Ausgabe habe ich noch nicht selber gelesen, deshalb aus dem Newsletter: "Reportagen und Gedankenspiele zu den USA nach Bush, zu Ursachen und Folgen des Finanzcrashs und zum Untergrund Osteuropas. Landschaftsporträts aus Australien beleuchten Erkundungen der Natur und Erkenntnisse zu den materiellen Grundlagen unseres Denkens. Stimmlagen der Imagination klingen an in einem Gespräch mit dem Nobelpreisträger J.M.G. Le Clézio, bei einer Nahverkehrsfahrt in den Wahnsinn, mit einer der stärksten poetischen Stimmen des Surrealismus sowie bei Artauds Beschäftigung mit dem Film. Tanz und Rotation werden zum Inbild einer nachfortschrittlichen Zyklomoderne. Henning Mankell sucht nach alten Schriften in Timbuktu, und in Südafrika werden wir Zeugen von großer Kultur und Menschlichkeit." Lettre International, 11 Euro

Literatur: Nicht verwirren lassen – die aktuelle Ausgabe von Bella triste kommt auf dem Cover ohne Vokale aus, "Blltrst. Ztschft fr jng Ltrtr" heißt es dort leicht kryptisch. Der Typograf Andreas Töpfer hat die 22. Ausgabe gestaltet, jedem Text ein eigenes Layout verpasst, Illustrationen gezeichnet, das Inhaltsverzeichnis auf den Rückumschlag gepackt und sich den Titel ausgedacht. Die aufwendige und ansprechende Form passt gut zum Inhalt. Sorgsam ausgewählte Texte, aufregende, ungewöhnliche Literatur (zum Beispiel ein schwer verstörender Auszug aus Matthias Karows "Rodaks Köter"). Dreimal im Jahr erscheint Bella triste, die Plattform für junge deutschsprachige Literatur aus dem Umfeld der Universität Hildesheim. Ein kleines Magazin, herausgegeben mit Begeisterung und Leidenschaft für Prosa und Lyrik. Die Texte in Bella triste stammen von unbekannten Autoren genauso wie von renommierten Schreibern, in Essays wird außerdem Gegenwartsliteratur diskutiert. Bella triste, 132 Seiten, 5 Euro

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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Kommentare: Slanted und Co.: Fünf Magazine zum Anfassen

Zum Slanted Magazin sollte man ergänzen, dass dieses Magazin die gedruckte "Verlängerung" des Slanted-Blogs (www.slanted.de) ist. Also genau andersrum, wie's meist bei den meisten Zeitschriften ist.

Diese Nachricht wurde von roger witte am 15.12.08 (14:59:25) kommentiert.

... DARE - großartig !

Diese Nachricht wurde von Olaf am 02.01.09 (11:49:30) kommentiert.
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