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07.07.08Leser-Kommentare

Presse-GAU: Energie? Strom? Atomkraft?

Das Comeback der Atomenergie scheint unumgänglich – aber was hat der Ölpreis damit zu tun? Und exportiert Deutschland nicht sogar Strom, der im Überfluss produziert wird?

Umstrittenes Atomkraftwerk Temelin in Tschechien: Deppentheater im medialen Raum? (Bild Keystone/CTK, David Veis)

Die Atomkraft findet derzeit wieder fleißige Lobbyisten in fast allen Medien. Weshalb? Wieso? Warum? Etwa, weil die Erdölvorräte abnehmen - und uns deshalb der Strom auszugehen droht? Man könnte aus vielen Artikeln diesen Eindruck gewinnen: Ich habe einfach mal einige Meldungen hier und hier und hier und hier in der Reihenfolge ihres Einlaufs aus dem Ticker gegriffen. Der Spiegel macht sogar eine Titelgeschichte daraus, über das "unheimliche Comeback" der "Energie von morgen".

Kann bitte jemand den Faktenrührern und Feuermeldern mal dauerhaft verständlich machen, dass wir in Deutschland zwar eine 'Benzinlücke' haben, aber eben keine 'Stromlücke'. Obwohl doch unser Wirtschaftsmichl von der CSU davon so gern daherschwätzt. Das Gegenteil ist wahr:

In Deutschland produzieren wir - auch nach dem absehbar jahrelangen Ausfall der zwei maroden Groß-AKWs Brunsbüttel und Krümmel - noch immer so viel Strom, dass wir die Niederlande und auch die Schweiz derzeit ganz problemlos und mehrheitlich mitversorgen können. Etwa 20 Mrd. Kilowattstunden beträgt unser Export derzeit, Deutschland ist Überschuss-Weltmeister in der Stromproduktion.

Auch wird der meistverwendete Energieträger 'Kohle' weder knapp, noch in dem Ausmaß teurer wie das Erdöl, das tatsächlich von einer Rekordmarke zur nächsten stürmt. Wenn folglich unsere Strompreise steigen, dann muss das andere Gründe haben als ausgerechnet Rohstoffknappheit, Gründe, die nicht auf dem Weltmarkt zu suchen sind. So ganz nebenbei wird übrigens auch der ersatzweise propagierte Rohstoff Uran bereits knapp: Nach dem Erdöl wird als nächstes dieser Kernbrennstoff zur Neige gehen, dann erst das Erdgas und als letzter Primärrohstoff schließlich die Kohle (s. Grafik).

Wenn also die Strompreise steigen, dann werden in meinen Augen vor allem Windfall-Profite realisiert, meist über die gekonnte Kapazitätsakrobatik an der großen Lottoeinnahmestelle in Leipzig - was auch deshalb möglich ist, weil 'die großen Vier' in einem aufgeheizten Diskussionsklima ums Benzin auch den Strom ganz sutje piano aktionärsgerechter preislich platzieren können. Der Gaspreis kommt dank eines geneigten Gesetzgebers erfreulicherweise wie von selbst hinterhergekrabbelt. Das alles ist unter anderem deshalb möglich, weil die Presse in dieser Frage nicht aufklärt, sondern vernebelt.

Wenn jetzt neue AKWs gebaut würden, so wie es das Unisono der absolut fachkompetenten deutschen Journalisten immer panischer verlangt, dann wäre das Grundproblem an der Tankstelle nicht gelöst: Der Pappi kriegt einfach noch immer kein billigeres Benzin. Es fließt nur schlicht mehr Atomstrom bei ihm daheim aus der Dose. Und dem Klima und der Umwelt wäre auch nicht gedient, siehe das ungelöste Katastrophenszenario dort in Asse II.

Uns fehlt es folglich nicht an neuem Atomstrom, sondern schlicht an Benzin und Diesel. Um die Strompreise in den Griff zu bekommen, genügen in meinen Augen vernünftige Gesetze, die auch mal an alten Monopolen kratzen. Denn richtig knapp wird allein das Erdöl - das wiederum vernünftigerweise zur Stromerzeugung kaum eingesetzt wird. Das Pressplankton aus der Kreidezeit dient uns als 'Schmierstoff der Mobilität' oder aber als Rohstoff für alle möglichen chemischen Produkte, vom Nylon bis hin zu den PC-Gehäusen.

Und - vice versa - hat auf absehbare Zeit bei unseren PKW-Herstellern auch niemand die Absicht, einen Kleinreaktor in künftige Modellreihen des Familien-Van einzubauen. Wo dann der Vati abends die Brennstäbe ausfahren muss, um sie - natürlich mit Hochsicherheits-Handschuhen! - ins Abklingbecken des Vorgartens zu legen, damit ihm nicht unversehens die Garage abfackelt.

Kurzum: Benzin ist knapp. Strom dagegen nicht! Die Presse vergleicht Eier mit Äpfeln - und schreibt pauschal 'Energie', wo sie sagen müsste, von welcher Energie denn gerade die Rede ist. Entweder tut sie dies aus Interesse, indem sie sich vor den PR-Karren der Atomlobby spannen lässt. Oder aber aus Dummheit, weil die Schreiber es einfach nicht besser wissen und glauben, nachts seien alle Energien gleich.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • arbiter

    07.07.08 (14:15:26)

    Ist ja keine Verschwörung, dieses Atomstrom-Überraschungsei. Kommt eben zusammen, daß die Diskussion um Rohöl/Treibstoff für Verbrennungsmotoren unfreiwillig die Energiediskussion befeuert. Tschernobyl ist zu lange her. Fach- und Sachkenntnis der Presse wg. zum Beispiel Klimaerwärmung infolge Kühlleisungsbedarf für AKWs fehlt, glänzt ohnehin in jeder Diskussion durch Abwesenheit. Bauwirtschaft, vom Häuslebau abgekoppelt, wittert Umsatz für Reaktor- und Nebengebäude. Anlagenbauer sehen Umsatzchancen. Politik sieht Arbeitsplätze. Entsorgungswirtschaft und Endlagerbauer rechnen mit Wachstum. Politik rechnet alle daran gebundenen Arbeitsplätze hoch. Wen interessiert, daß jede einzelne dieser Medaillen ein Kehrseite hat? Zeitgeist handelt immer nur mit Avers, nie mit dem vollständigen Wissen, immer aber mit der Vollständigkeit aller Vorurteile! Journalismus spiegelt genau das sehr korekt, ohne Rücksicht auf das Wissen des einzelnen Journalisten. -Als Wesen, daß in der Wiege der Ruhrinustrie sozialisiert wurde, frage ich mich ohnehin, was deutsche Wirtschaft leistet, bzw. sich geleistet hat?! Nur ein Blick auf die Marktpreise für Kohle, Koks und Stahl, und schon fällt mir auf, all die umgewidmeten Industriebrachen zusammen können in den nächsten 100 Jahren nicht erwirtschaften, was Fortbestand der Ruhrindustrie nur für 2008 hätte erwirtschaften können. Von Weiterentwicklung ganz zu schweigen!- Andererseits, je intensiver Strom produziert und angeboten wird, vorausgesetzt, die Marktwirtschaft funktioniert wenigstens ein und dieses Mal real via Angebot und Nachfrage, der Bedarf an Verbrennungsmotoren für Individualmobilität und ÖNV könnte dem E-Motor zum Opfer fallen, was für Ressourcen allgemein, Energieträger-Ressourcen und die Dauer ihrer Verfügbarkeit kein Nachteil sein muß. Langt ja, wenn Vati, anstatt Brennstäbe ins Abklingbecken zu bugsieren, den Stecker in die Steckdose klinkt, den Akku lädt. Letztlich aber wird auch hier nicht beantwortet, was zuerst war und/oder stirbt: Das Huhn oder das Ei? Das ist es, worum die Hähne streiten.

  • Robert

    07.07.08 (14:38:36)

    Naja, bitte mal nicht wertend verstehen: In dem Moment, wo Öl und Gas in Kraftwerken in Strom umgewandelt werden, ist es schon eine Konkurrenz. Und wenn die Stromheizung mit der Gas- oder Ölheizung konkurriert, dann auch. Ob man derartige Nutzung gut findet: anderes Thema. Aber Strom- und Benzinmarkt getrennt zu betrachten, beleuchtet auch nur die eine Hälfte der Medaille.

  • arbiter

    07.07.08 (16:13:21)

    Selbstverständlich konkurrieren die Energieträger miteinander. Selbstverständlich `beschleunigen´ fossile Brennstoffe bzw. ihr Verbrauch den Klimawandel, so wie ihn jedes Lebewesen, das mehr auf dem Blauen Planeten haust, ohnehin beschleunigt. Jedes AKW produziert Abfallwärme als Umweltbeitrag für Flüsse, Seen und Klimaerwärmung. Auch das macht Atomstrom von der Urangewinnung über Wiederaufarbeitung bis ungelöste(!) Frage der Endlagerung nicht umweltfreundlicher oder effizienter. Dazu die GAU-Wahrscheinlichkeit mit ihren Nebengeräuschen aller Zwischenfälle, und es spricht nichts mehr für Kernkraft, sehr viel mehr dagegen. Dessen ungeachtet ist der Mobilitätswahn letztlich die Sackgasse, in der alle ökonomischen und ökologischen Überlegungen erst enden, dann verenden. Unter Wettbewerbsgesichtspunkten hätte in der BRD Atomstrom ohnehin keine Chance, da bisher höchstsubventioniert und die Entsorgungsfrage, abgesehen von den stümperhaften Zwischenlösungen, sowieso beim Steuerzahler hängen bleibt. Wirtschaftlichkeit für Atomstrom war nicht einmal gestern. Das Dilemma des fehlenden Wettbewerbes und der fehlenden Trennung der verschiedenen Märkte liegt einerseits an den Monopolisten, die alle Energieträger in jeweils ihrer Hand bündeln, andererseits in der Ähnlichkeit der Ware. Auch der Gastwirt verkauft Bier, Wein, Schnaps und alkoholfreie Getränke und nimmt die Verköstigung als Nebenerwerb mit. Niemand würde ihn als Monopolisten sehen wollen. Wenn aber der Stromanbieter zugleich Wasserlieferant, Gaslieferant, Fernwärmelieferant ist, gleichzeitig mit den Individuen um Brennstoffe für Mobilität konkurriert und über Großabnahme den Preis bestimmt, auch das Entsorgungsgeschäft betreibt, dann wäre das ein Fall für den EU-Wettbewerbskommissar. Der bedient jedoch wiederum nur nationale Interessen unter Bevorzugung der Kapitalseite. Außer profitabler Zerschlagung funktionierender Strukturen ist da nichts zu erwarten. Der Ölmarkt verdient aber schon deshalb eine getrennte Betrachtung, weil Verbrauch als Benzin für Mobilität nur ein Item, Ölderivate und der Bedarf für z.B. Kunststoffproduktion ein anderer, Verbrauch zur Energiegewinnung ein nochmals völlig anderer Gesichtspunkte ist. Für Mobilität und Kunstsoffherstellung taugt Atomkraft eher weniger.

  • Klaus Jarchow

    07.07.08 (20:24:59)

    @ Robert: Öl und Gas werden nun mal nur in einem verschwindend geringen Ausmaß zur Verstromung eingesetzt. Wer heute ein Ölkraftwerk bauen wollte, der hätte - ökonomisch gesehen - nicht mehr alle Tassen im Schrank. Insofern gibt es keine Konkurrenz der Energiearten. Öl macht mobil oder bastelt Kunststoffe - das andere heizt die Räume oder treibt den Computer an. @ arbiter: Alles richtig. Bleibt die Frage: Warum kriegen hochbezahlte Journalisten nicht etwas so Simples argumentativ auf die Reihe, was doch eigentlich jedem Normalbürger unmittelbar einleuchtet? Cui bono?

  • Alexander

    07.07.08 (21:01:46)

    Mal eine einfache Frage in die flotte Diskussionsrunde schmeiss. Wieviel Strom wird in Deutschland mit Kohlekraftwerken erzeugt? Wäre es im Hinblick auf die CO2-Belastung nicht sinnvoll diese mit Atomkraftwerken zu ersetzen? Wie zuverlässig sind alternative Energien?

  • Joe

    07.07.08 (21:08:24)

    Der Herr Wirtschaftsminister ist vielleicht nicht ganz, äh, sagen wir mal, unvoreingenommen. Die taz wusste bereits 2006 zu berichten, dass der Michl seine Mühle mit hauseigener Atomkraft betreibt: http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2006/02/21/a0202

  • Stefan Neuenschwander

    07.07.08 (21:12:44)

    Man muss bei dieser Diskussion schon noch etwas ins Auge fassen: Der Energieverbrauch ist nicht zu allen Tageszeiten gleich. Nachts wird weniger Energie benötigt (niemand kocht), dafür schnellt mittags der Energiebedarf in die Höhe (alle kochen). Um solche Tagesspitzen abzudecken, kann man natürlich nicht schnell mal ein AKW anwerfen, dazu hat man Gaskraftwerke, die vielleicht innerhalb von 20 Minuten Strom produzieren können. Noch schneller sind natürlich die Pumpspeicherkraftwerke in den Alpen. Ein AKW läuft nun also Tag und Nacht, doch wohin mit dem Strom nachts? Richtig - die Schweizer Energiekonzerne kaufen den billig ein, um das Wasser wieder in ihre Speicherseen zu pumpen. Am nächsten Tag kann dann wieder teurer Spitzenstrom verkauft werden. Atomkraftwerke mögen nicht über alle Zweifel erhaben sein, doch liefern sie unschlagbar günstigen Strom. Dass die AKWs nur für den Export da sind, ist ein Trugschluss. Die Kernreaktion zur Stromgewinnung soll kontrolliert ablaufen und ein "Schwups - in 10 min. drehen die Dampfturbinen" gibt es nicht. Grüsse

  • andreas

    07.07.08 (22:06:05)

    @Alexander: Atomkraftwerke setzen CO2 unter anderem bei der Urananreicherung frei, sind also mitnichten so CO2-neutral, wie uns allenthalben weiss gemacht wird. Nur weil kein CO2 aus dem Kühlturm rauskommt, heisst es nicht, dass nicht irgendwo in der Prozesskette dennoch ordentlich CO2 rausgeblasen wird. Kohlekraftwerke sind aber auch keine Antwort, genauso wie viele andere Arten von Grosskraftwerken. Wenn wir uns den Energiebedarf in Deutschland oder der Schweiz ansehen, haben wir vor allem an zwei Orten grossen Bedarf: Strom (für Kochherd, Computer, Auto usw.) sowie Wärme. Jetzt ist es natürlich vom Wirkungsgrad her tödlich, wenn wir in einem Grosskraftwerk Wasser erhitzen, um daraus Strom zu machen, es sofort danach wieder mit Flusswasser oder Luft kühlen um dann zu Hause wieder mit dem Strom Wasser erhitzen, um warmes Wasser in der Leitung und im Heizkörper zu haben. Da geht viel zu viel verloren. Wärme-Kraft-Kopplung wäre die Lösung, geht mit einer zentralisierten Stromproduktion aber denkbar schlecht. Eine wichtige Komponente der Zukunft sind also dezentralisierte Kleinkraftwerke (z.B. Holzschnitzel, Gas aus Biomasse usw.), die ganze Quartiere mit Wärme und einer Grundlast an Strom versorgen, da sie rund um die Uhr laufen. Den grossen Rest kann man weiterhin mit Grosskraftwerken erzeugen, bspw. Wind oder Solarthermie. Im Sonnengürtel wäre Solarthermie ein Segen: Man hätte eine florierende Wirtschaft, wo man sonst ausser mit dem Pumpen von Öl und der Erpressung von Lösegeld nicht reich wird. Gleichzeitig kann man mit der überschüssigen Wärme im grossen Stil Meerwasser entsalzen und damit die Wassernot beseitigen. Die Zeit ohne Sonnenschein kann mittels Ausgleichstanks (flüssiges Salz) überbrückt werden, die entsprechend ausgelegt, problemlos für 8 und mehr Stunden Strom mit voller Leistung liefern können. Für alles bräuchte es nur etwas: Gleichstromnetze. Nur fürchtet diese die Stromwirtschaft wie der Teufel das Weihwasser: Denn mit Gleichstromnetzen könnte jeder an der Stromproduktion mitmachen, sodass Argumente wie mangelnde Versorgungssicherheit wg. Flaute oder bedecktem Himmel in sich zusammenfallen. Irgendwo in Europa scheint schon ein wenig Sonne auf ein Solarpanel. Ergo könnte man keine AKWs mehr bauen, die Profit in der Höhe von 1 Mio. Euro am Tag oder mehr bringen, da man sich ja nicht um Versicherung oder Entsorgung kümmern muss. @Klaus: Es gab vor 'nem Jahr oder so mal keine schlecht gemachte Reportage bei Frontal 21, bei der der Beschiss an der Leipziger Strombörse entschleiert wurde. Das war immerhin mal ein Anfang. Gehaltvolleres bieten nur Fachpublikationen, z.B. Technology Review.

  • Klaus Jarchow

    08.07.08 (07:23:11)

    Hier bei uns in der Gegend laufen bereits eine Menge kleinerer Methan- oder Biogaskraftwerke. Das nur nebenbei. Wenn AKWs - ganz abgesehen von der Störfallgefahr - jetzt in einer Größenordnung gebaut würden, wie sie einem McCain, aber auch den Indern und Chinesen vorschweben, dann ist erstens das restliche Uran noch schneller verbraucht als das Öl. Auch das Zeug wird also unbezahlbar. Zweitens sind AKWs mitnichten betriebssicher. In jenen heißen Sommern, die jetzt dank des Klimawandels auf uns zukommen, werden sie immer öfter ausgeschaltet werden müssen, weil die Flüsse immer häufiger Niedrigwasser führen, also gar nicht mehr die Riesenmengen an Kühlwassser liefern können, die eine kontrollierte Kernschmelze benötigt. Beim korrespondierenden Hochwasser tritt übrigens der gleiche Effekt ein. Das heißt: Gerade dann, wenn alle Klimaanlagen rattern, fällt die Grundlastversorgung aus. Drittens liefert kein AKW der Welt billigen Strom, zumindest dann nicht, wenn der Betreiber die Kosten für eine ungelöste Entsorgung (s. die Schweinerei in Asse II)sich selbst statt dem Steuerzahler in Rechnung stellen muss. Dann könnte man sich nämlich seinen Strom billiger von den Pedalrittern des Team Gerolsteiner erzeugen lassen. Und viertens wollte ich ja von den Risiken der Technologie, die nun mal einen immensen Sicherheitsaufwand erfordert, gar nicht reden. Mit einem Wort: Atomkraft ist so ziemlich das Dämlichste, was man zur Lösung der Energiekrise veranstalten kann. Persönlich - wenn's denn interessiert - glaube ich, dass wir neben Einsparung und regenerativen Energien noch eine ganze Zeit Kohle verstromen müssen, allerdings verbunden mit einer hochentwickelten CO2-Filtertechnik. Das zurückgewonnen Gas wiederum ließe sich nicht nur in Kavernen einschließen, man kann es auch in andere Rohstoffe verwandeln. Schließlich enthält es Kohlenstoff, Ausgangssubstanz aller organischen Chemie ...

  • andreas

    08.07.08 (08:16:26)

    Das Problem mit der Verwendung des abgeschiedenen CO2 ist, dass es viel Energie braucht, um daraus z.B. Plastik zu machen. Es gab letztens mal eine Meldung, man habe einen Katalysator gefunden, mit dem das erheblich einfacher und günstiger ginge, ich weiss aber nicht, wie weit die Entwicklung in dieser Richtung ist. Die Entsorgung hat ja noch viele andere Probleme ausser Sauerei à la Asse. Man weiss beispielsweise nicht, wie man die Sachen langern kann, damit auch noch in hunderten von Jahren die Leute wissen, welchen Müll wir dort verbuddelt haben.

  • Michael

    08.07.08 (08:31:03)

    Was sollte es sonst noch sein, außer wirtschafts-politischen Interessen, die da medial lanciert werden? Vielleicht noch soetwas wie ein bedauerlicher pawlowscher Reflex, jegliches Tagesthema aus einer abgestumpften Gewohnheit bespeicheln zu müssen. Oder beides. Die Art und Weise wie die immer schneller sich abwechselnden Themen des Tages behandelt werden und welche Themen dagegen tagtäglich immer wieder aufblinken, sagt mir, das man rat- und rastlos auf heiklen Posten relativ sinnfrei Energie verbraucht. Wie jeder Kernreaktor jährlich ca. 250 kg waffenfähiges Plutonium abwirft, berührt die Frage "Atomenergie-Ausstieg" nebenbei noch deutlich die nuklearen Abrüstungsabkommen. Wie man im Falle einer Kehrtwende weg vom Atomausstieg die Iran-Uran-Frage weiter verhandeln will, mag ich da gar nicht mehr wissen wollen. Letztlich und ökologisch fehlt es uns schlicht an Maß, nicht an Energieressourcen irgendwelcher Art. Der Mensch setzt viel mehr Energie um, als er darf; wenn er sich und die Biosphäre, in die er eingebunden ist und die von der Sonne konstant mit schlichten 45 Terawatt Leistung langfristig gestützt wird, nicht sehenden Auges in Schwierigkeiten bringen will, wird es weniger die Frage sein nach welcher Art, als vielmehr die Frage nach dem WIEVIEL an Energie umgesetzt wird. Der CO2-Deckel ist nur ein sehr großer Teil des Problems, dessen Gesamtgröße, selbst im Topf steckend, für den Menschen bedenklich genug sein sollte um es ernstzunehmen. Der Bayrische Rundfunk sendete dazu gestern ein hörenswertes Interview mit dem Atomkraftgegner und Teilchenphysiker Hans-Peter Dürr. Für ihn sind mit 10 Terawatt Energierumsatz für den Menschen die Grenzen erreicht. Kernenergie, sagte Dürr bereits vor 30 Jahren, ist nicht die Lösung unserer Energiefrage, "sondern sie bringt uns in die Lage eines Alkoholikers, der glaubt, wenn er in eine Schnapsfabrik einheiratet, sei sein Problem gelöst." Gruss

  • arbiter

    08.07.08 (08:39:33)

    @ Klaus Jarchow: Für all die Gruppen, die mein Post oben aufzählt, ist die Energielandschaft, bzw. das was sie davon betreiben/unterstützen, wichtig und richtig, also das "Cui bono" jeweils Einzelinteresse, das nur scheinbar zufällig, im Prinzip aber logisch als eine konzertierte Aktion gesehen werden muß. Und jeder dieser Profiteure hat zugleich eine Hand in der Tasche des anderen. Er hat trotzdem keine Hand frei, weil die andere ständig in unser aller Taschen wühlt. Nachdem z.B. Zeitungsleser zwar für ihre Zeitung einen Betrag X zahlen, der nicht und nie die Gestehungskosten deckt, ist die vielgerühmte Meinungsmacht in der Hand von Lobbyisten und Inserenten und über Geld, z.B. Inserate steuerbar. Dem hinzugerechnet, was ich das Nasensyndrom nenne, nämlich daß Berichterstatter immer nach vorne und auf den nächsten Anhaltspunkt in ihrem Sichtfeld von max 180 Grad schauen, werden immer(!) mindestens 50% der Realität ausgeblendet. Und wie diese Diskussion hier zeigt, ist das letztlich notwendig, weil sonst nicht ein Millimeter Platz für ein Inserat mehr bleibt. Der Leser möchte andererseits "komplett" bedient, aber nicht behelligt werden, schon gar nicht mit unbequemen Wahrheiten. Also dient die verzerrte/unvollständige Berichterstattung letztlich doch nur dem Leser. Und, wie medienlese.com heute so schön zitiert, "Below-the-line-Maßnahmen" runden dann ab. Ob ein Atomkraftwerk nun an Rhein, Elbe, Isar, Neckar, Main oder sonst einem Bach liegt, ist wurscht. Es leitet sein Kühlwasser nie mit der Temperatur ein, mit der es entnommen wurde. Den `genehmigten´ Einleitungskriterien nach kann/darf keines der AKW auf Dauer Höchstlast fahren. Einerseits dikutieren Umweltminister um graduelle Temperaturverschiebungen, andererseits erhöhen AKWs die Temperatur durch Einleitung von "wärmerem" Kühlwasser, zerstören nach dem gleichen Prinzip wie einst Chemie und Schwerindustrie an Rhein, Ruhr, Elbe Fluß- und flußnahe Lebensräume. Die Folgen `zahlt´ die Allgemeinheit, nicht die Betreiber. Wie ineffektiv Kernenergie ist und wie wenig preiswert, verdeutlicht, daß die Betreiber mit den Genehmigungsbehörden um jedes Temperaturgrad nach oben ringen, um die erzeugte Energie nicht im Cooling down wieder verpulvern zu müssen. Derzeit gibt es m.W. kein AKW in der BRD, das überhaupt dauerhaft Vollast fahren darf/kann. Zudem ist die Kühlleistung `witterungsabhängig´. Wenn unsere Klimatisierungsanlagen, Tiefkühlhäuser, Kühlschränke auf Hochtouren laufen, steigt die Lastkurve, also der Kühlwasserbedarf. Das Wasser gelangt jedoch bereits mit der durch Sonneneinstrahlung bedingten höheren Temperatur, sprich geringerem Kühleffekt in die Kühltürme, von wo es mit nochmals erhöhter Temperatur in die Flüsse zurückgeführt wird. Schönen Gruß an die Klimaerwärmung! Wer sich dann noch den grundsätzlichen Rohstoff- und Baumaterialbedarf für die Errichtung der AKWs anschaut, dazu den sicherheitstechnischen Aufwand rechnet und die eingeschränkte Lebensdauer, kann nie von `sauberer´ Energie reden. Stillegung, Rückbau und das nicht lösbare, der Allgemeinheit aufgehalste Entsorgungsproblem machen Atomstrom zum ineffizientesten und teuersten Energieträger überhaupt. Und niemand kann nur annähernd die Auswirkungen erfassen, wenn in dichten Siedlungsgebieten wie hierzulande irgendwann eine Anlage überritten wird oder sonstwie davongaloppiert. Bedient wird sie jedenfalls von Menschen, die mit von Menschen erarbeiteter Software werkeln, eine der größten Fehlerquellen überhaupt, wie uns PC, Fahrzeuge und sonstige IT täglich lehren. Atomenergie ist also auch aus rein ökonomischen Überlegungen nicht tragbar, in ihrer ökologischen Betriebsbilanz nicht einmal annähernd Alternative und angesichts des ungelösten Entsorgungsproblems Unsinn, abgesehen von der ohnehin eher `verbrecherischen´ Qualität der Abfallprodukte. Ganz und gar nicht teile ich die Meinung, Kohle/Braunkohle müsse noch eine ganze Weile zur Stromerzeugung herhalten. Schaue ich mir die Energieversorgung der von mir angemieteten Hütte an, käme ich auf die Idee, dem Mauerwerk eine Ziegelbreite hinzufügen zu wollen, was für Sommer und Winter nützlich wäre. Eine Gastherme im Sommer zur Warmwasseraufbereitung zu betreiben, anstatt die nach Südwest ausgerichtete Dachfläche mit Solarmodulen zu bestücken, ist so sinnvoll, wie den Strom für den gerade verwendeten PC gleichzeitig vom E-Werk zu beziehen. Schwachsinn! Wenn Politik, Industrie, Energiewirtschaft wirklich wollten, sie könnten innerhalb kürzester Frist die komplette Energiewirtschaft umstellen. Beeindruckend ist immer wieder, mit welch affenartiger Geschwindigkeit Umstellung auf Kriegswirtschaft gelingt! Das klappt auch für Energiewirtschaft!!! Einen Haken hat die Sache allerdings: Verträge! Wie kommt man aus langfristigen Lieferverträgen heraus und/oder beendet vorzeitig eine zugesicherte AKW-Laufzeit? Hier erweist sich der Rechtsstaat als Falle. Und wir können froh sein, daß Klaus Jarchow hier nur eine Atomstromdiskussion angestoßen hat, nicht über Rohöl- und Benzinpreis diskutiert wird, der zu 95%(!!!) langfristig gebunden und vom Spot-Markt völlig unabhängig ist.

  • arbiter

    08.07.08 (08:53:23)

    MICHAEL bringt es oben auf den Punkt und reißt gleichzeitig einen Aspekt an, der gegenüber all unseren `potentiellen Feinden´ und Freunden zu gerne benutzt wird, ihnen ganz besonders AKWs zu verbieten, wie z.B. in Sachen Iran. Vor lauter Schiß vor Dual use liefert niemand dem Iran AKW-fähiges Plutonium, weshalb er sich an Eigenproduktion macht, die wiederum andere Angsthasen dann sofort mit Bomben oder sonstigem Krieg ruchzuck zerstören. Der Iran besitz im übrigen seit 1956 eine schriftlich fixierte ausdrückliche US-Zusage auf friedliche Nutzung der Kernenergie. Auf der einen Seite also atomare Abrüstung, auf der anderen möglichst viele AKWs, damit im Bedarfsfall auch genügend waffenfähiges Plutonium sofort verfügbar ist. McCain schielt also nicht nach French fritten, sondern betreibt sein und seiner Partner eigentliches Geschäft: Aufrüstung! Gelöst wäre vor allem das Dual-use-Problem sofort, wenn NIEMAND AKWs betreiben, waffenfähiges Plutonium herstellen, A-Waffen besitzen dürfte. Da sei Hegel davor!

  • Klaus Jarchow

    09.07.08 (07:02:32)

    Tricastin liefert gerade weiteres Anschauungsmaterial: Mal eben 360 kg reines Uran 'treten aus', wenn auch unangereichert - und die Presse schreibt darüber, als wäre in Wanne-Eickel eine Dose Motoröl umgefallen. Nebenbei: Die Vier-Block-Veranstaltung in Tricastin liefert mehrheitlich Strom - tätä, wofür? - nur um die hauseigene Wiederaufbereitung mit Energie versorgen zu können. Tscha, so geht's dort zu im wilden Irrsinnistan ...

  • Naturenergie Blog

    10.01.11 (21:07:43)

    Ein Thema zum Nachdenken. Wer mehr zum Thema wissen will. Ich habe einen Blog zum Thema "naturenergie" eröffnet. Wer Lust hat, schaut einfach mal vorbei. Freue mich. Gruß Stefan

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