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10.04.12

Post-PC-Ära: Notebooks werden zu Staubfängern

Apple wird nicht müde, die Post-PC-Ära zu propagieren. Aber der Begriff ist mehr als heiße Marketingluft: Tatsächlich sorgen Smartphones und Tablets dafür, dass der traditionelle Rechner immer häufiger abgeschaltet bleibt.

Der Post-PC, also das Tablet (beziehungsweise das Smartphone, sofern groß und leistungsfähig genug), ist mehr als nur ein von Apple kreierter Marketingbegriff. Wieso ich das weiß? Weil ich über Ostern vier Tage lang verreist war und lediglich mein iPhone im Gepäck hatte. Und ich habe dies nicht nur überlebt, sondern richtiggehend genossen.

Auch wenn ich mir für den Trip explizit vorgenommen hatte, so wenig wie möglich Zeit im Netz zu verbringen (schon um teures Auslandsroaming zu verhindern), ließ ich mir natürlich kein öffentliches WLAN entgehen, um einen kurzen Blick auf Facebook, Twitter und Path zu werfen, E-Mails abzurufen, einen Abstecher auf Nachrichtenwebsites oder Wikipedia zu machen, Blogkommentare zu moderieren, Google Maps oder foursquare für die weitere Planung zu verwenden oder meinen bevorzugten mobilen RSS-Reader Reeder mit aktuellen Feeds zu füttern (die jedoch bis zum Ende der Reise ungelesen blieben).

Mit dem Smartphone (oder Tablet, das ich aber bewusst zu Hause ließ) dauert das alles manchmal etwas länger als über das (bereits eingeschaltete) Notebook. Aber die Tatsache, das kleine Geräte bei Bedarf mit einer Hand aus der Tasche zücken und sofort online sein zu können, stellt die Balance zwischen beiden Gerätearten wieder her. Und davon abgesehen muss man eben nicht einen vergleichsweise großen Computer mit sich herumschleppen. Früher bedeutete ein Notebook Freiheit im Vergleich zum Desktop-PC. Heute sind es Smartphones und Tablets, die Anwendern ein Freiheitsgefühl vermitteln, mit dem selbst Ultrabooks - besonders leichte, dünne Laptops - nicht mithalten können (und auch, wenn diese Freiheit gewisse funktionelle Einschnitte mit sich bringt).

Mir geht es ähnlich wie Fred Wilson, dem mit Begeisterung bloggenden Partner beim renommierten US-Venture-Capitalist Union Square Ventures, der bei Trips das Notebook nur noch auspackt, um einen Blogeintrag zu verfassen. Während wenig Formatierung erfordernde Mini-Blogging-Tools wie Tumblr oder Posterous locker vom Mobiltelefon oder Tablet-PC aus bedient werden können, stoßen derartige Geräte bei ausführlichen, bei vollwertigen Blogplattformen publizierten Artikeln an ihre Grenzen. Zu viele Handgriffe sind erforderlich, und zu wenig sind die Plattformen für das mobile Publishing optimiert.

Seit ich einmal nachträglich über die Wordpress iPhone-App einen netzwertig.com-Beitrag zerschossen habe, traue ich mich nicht mehr, die Anwendung für etwas anderes als die Moderation von Kommentaren zu verwenden. Somit ist zwar der ein oder andere hier veröffentlichte Artikel auf dem iPhone entstanden, die finale Formatierung und Veröffentlichung erfolgte jedoch bisher immer über einen herkömmlichen Rechner. Und das wird vorerst wohl auch so bleiben.

Tablets und Smartphones sind nach wie vor primär Medienkonsumgeräte. Wer ernsthaft kreativ tätig werden will, mit komplexen Daten arbeitet oder viele Handgriffe beziehungsweise besondere Rechenpower erfordernde Prozesse durchführen muss, wird noch immer einen "echten" PC dem Post-PC vorziehen. Ich für meinen Teil kann jedoch feststellen, dass ich auf die anstehende Erneuerung meines Notebooks verzichten würde, benötigte ich ihn nicht zum Schreiben und zum Bestreiten meines Lebensunterhalts. Ein Smartphone und Tablet reicht als Informations- und Kommunikationswerkzeugs nämlich mittlerweile in vielen Situationen völlig aus.

Für den ohnehin schon schwachen PC-Markt bedeutet diese Entwicklung nichts Gutes. Auf Smartphone- und Tablet-Hersteller hingegen warten rosige Zeiten.

Wie weit habt ihr euch von Notebooks und stationären Rechnern lösen können? Welches Gerät nehmt ihr auf Reisen mit?

(Foto: Flickr/Ant McNeill, CC BY-SA 2.0)

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