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10.11.10

Portabilität der Daten: Wer hat recht - Google oder Facebook?

Google und Facebook streiten sich über die Portabilität von Kontaktdaten der Nutzer. Wir wollen von euch wissen, für welche Position ihr mehr Verständnis habt!

 

Google und Facebook befinden sich seit kurzem in einem recht unterhaltsamen und womöglich richtungsweisenden Zwist rund um die Portabilität von Nutzerdaten (wir haben es bereits in Linkwertig erwähnt). Der Konflikt entfaltete sich, als Google vor einer Woche die Geschäftsbedingungen seiner Contacts API modifizierte und seitdem nur noch solchen Drittanbietern den Import der Google-Kontakte gestattet, die ihrerseits eine Schnittstelle für den Export von Kontakten anbieten.

Es ist ein offenes Geheiminis, dass Googles Motivation allein darin bestand, Facebook den Zugriff auf die Gmail-Adressbücher seiner Nutzer zu untersagen - Facebook bietet Dritten anders als Google keinen API-Zugriff auf die Kontakte und deren E-Mail-Adressen.

Facebook reagierte, indem es seinen Mitgliedern kurzum einen alternativen Weg anbot, einen Kontaktabgleich mit Gmail durchzuführen, und zwar in Form eines Links zu der Google-Seite, bei dem jeder dort registrierte Nutzer eine CSV-Datei mit den E-Mail-Adressen aus dem Google-Adressbuch herunterladen kann. Facebook fordert seine Nutzer dazu auf, diese Datei bei dem Social Network hochzuladen, um anschließend überprüfen zu können, welche der Google-Kontakte bereits bei Facebook sind.

Google zeigte sich im Hinblick auf das Manöver zwar enttäuscht, scheint jedoch keine Pläne zu hegen, Modifikationen an seiner Exportfunktion für Kontakte vorzunehmen. Update: Google lässt es sich jedoch nicht nehmen, User darüber in Kenntnis zu setzen, was es heißt, die exportierten Kontaktdaten bei einem anderen Anbieter "einzuschließen".

Unterdessen äußerte sich der Facebook-Programmierer Mike Vernal in einem Kommentar bei TechCrunch zu dem Streit zwischen den zwei Webgiganten, erinnerte an einen in der Vergangenheit liegenden Vorfall, bei dem Google den CSV-Export der Kontakte aus seinem in Brasilien und Indien populären Social Network Orkut erschwerte - angeblich, um die Abwanderung von Orkut-Nutzern zu Facebook zu stoppen.

Vernal erläuterte außerdem, welchen Unterschied es zwischen der Notwendigkeit zur Datenportabilität zwischen Social Networks (Facebook) und E-Mail (Gmail) gebe: E-Mail-Adressbücher würden von einer Person eigenhändig gepflegt, wogegen bei sozialen Netzwerken die Freunde ihre Kontaktinformationen bereitstellen und über deren Verwendung bestimmen. Aus diesem Grund hält es Facebook für gerechtfertigt, dass E-Mail-Anbieter einen Export des Adressbuchs erlauben, Social-Networking-Betreiber hingegegen einen Export von Freundeslisten (wie bei Facebook Connect).

Die Hintergründe des Dramas lassen sich folgendermaßen beschreiben: Google ist zwar an und für sich vergleichsweise offen, arbeitet aber gerade an seinem eigenen Social Network und sieht es nicht gern, wenn Facebook-Nutzer zu leicht ihre Google-Kontakte abgleichen können. Immerhin verbessert sich das Benutzererlebnis bei Facebook, je mehr Kontakte man hat. Je länger sich User bei Facebook aufhalten, desto weniger besuchen sie Google-Sites und sehen von Google vermarktete Werbeeinblendungen.

Facebook hingegen weiß, dass der Lock-In-Effekt und die Abhängigkeit seiner Mitglieder vom dem Dienst die beste Garantie dafür sind, eine massenhafte Abwanderung von Usern zu verhindern. Wenn Mitglieder mit einem Klick sämtliche Facebook-Kontakte zu einem anderen Anbieter mitnehmen können, verliert es diese Sicherheit (Ausnahmen scheint das Social Network zu machen, wenn es sich um Partner handelt, von denen wenig Gefahr ausgeht, zu einer Konkurrenz zu werden). Und während es gleichzeitig den vollständigen Export der Kontakte verhindert, nutzt es dankbar jede Gelegenheit, um Adressbücher und Kontakte aus anderen Sites zu importieren.

Einige Artikel zum Thema findet ihr hier , hier und hier.

Während völlig offen ist, in welche Richtung sich dieser Streit zwischen den zwei ohnehin immer stärker in Konkurrenz zueinander stehenden Internetfirmen entwickeln wird, zeigt sich, wie zentral die Frage der Portabilität von Daten im Netz ist und welche strategische Bedeutung das Thema für die führenden Webunternehmen besitzt.

Jetzt die Frage an euch: Wer hat recht? Handelt Google korrekt, wenn es das eigene Prinzip der Offenheit gegenüber Wettbewerbern einschränkt, welche diese Offenheit vermissen lassen? Oder haltet ihr es mit Facebook, das E-Mail-Adressbüchern eine andere Funktion zumisst als Social-Network-Kontakten, und das zudem der Meinung ist, dass Google im Falle von Orkut genau auf die Art agiert hat, die es nun bei Facebook kritisiert?

Wir sind gespannt, welcher der zwei Streithähne von den netzwertig.com-Lesern mehr Verständnis erhält.

 

Hier geht's zum Zwischenstand.

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