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31.07.12Leser-Kommentare

Plattformübergreifende Konversationen: mysms macht iMessage Konkurrenz

mysms erlaubt kostenlose, plattformübergreifende Chatkonversationen, die über die Cloud synchronisiert werden. Mit dem mysms Messenger kommt diese Funktionalität auch zum iPhone.

Mobile Chatdienste wie WhatsApp, Kik oder yuilop sind die Instant Messenger des Smartphone-Zeitalters und mittlerweile so populär, dass selbst ein Social-Network-Riese wie Facebook sich gezwungen sieht, mit einer eigenen App in diesem der SMS den Dolchstoß versetzenden Markt mitzumischen. Der mit Abstand populärste Dienst ist besagtes WhatsApp - siehe dazu unser Portrait vom Dezember vergangenen Jahres. Doch weder WhatsApp, noch die meisten Konkurrenten und erst recht nicht Apples eigenes Lösung iMessage, bieten eine vollständige Cross-Plattform-Kompatibilität. Auch wenn das Mobiltelefon zum stetigen Begleiter der meisten Menschen geworden ist und manch einer gar mit diesem in der Hand einschläft, gibt es Situationen, in denen man lieber vom Notebook oder Tablet aus Nachrichten verfassen und empfangen möchte - beide Szenarien werden von den mobilen Chatapps bisher vernachlässigt.

Genau aus diesem Grund gefällt uns die Richtung, die der österreichische Anbieter mysms einschlägt. Der Service bietet Apps für Smartphones, Chrome, Windows und Mac sowie eine Webversion, um kostengünstige SMS und kostenfreie Nachrichten an andere mysms-Mitglieder zu senden. Im mobilen Segment fokussierten sich die Grazer bisher auf Android - weil dort anders als bei iOS eine enge Integration der nativen SMS-Funktion von Android-Handys mit dem internen mysms-Messagingsystem möglich ist. Doch im Juli lancierte der unter dem Dach des SMS-Portals sms.at gegründete Dienst seinen mysms Messenger auch für das iPhone. Der zuvor bereits angebotenen iPhone-App fehlte eine der mysms-Kernfunktionen, nämlich die Synchronisierung aller versendeten Nachrichten über die mysms-Cloud. Chats, die über die App geführt wurden, ließen sich also nicht über eine andere Plattform abrufen und weiterführen.

Dieses Manko wird mit dem neuen mysms Messenger für das iPhone behoben. Wie beim Android-Pendant erhalten Nutzer der iPhone-Applikation Zugriff auf sämtliche Nachrichten, die sie über eine andere Plattform, beispielsweise ein Android-Smartphone, die Desktop-App oder die Chrome-Erweiterung, versendet haben. Jede geführte Konversation kann innerhalb weniger Sekunden über ein anderes Zugangsgerät fortgesetzt und auch im Browser abgerufen werden. Wer mit dem Tablet oder Notebook auf dem Sofa sitzt und den Hinweiston des in der Küche liegenden Mobiltelefons über eine eingegangene Nachricht hört, muss sich also nicht extra dorthin bewegen, um diese zu lesen. In einem Apple-only-Haushalt ist dies mittels iMessage zwar auch möglich, aber der Ausschluss aller anderen OS verhindert, dass man das Apple-Produkt allzu ernst nehmen kann.

In einigen Punkten bleibt der mysms Messenger für iPhone der Android-Variante weiterhin unterlegen: Herkömmliche SMS an Personen ohne mysms-Konto lassen sich aus der iPhone-App nicht versenden, da Apple keine Schnittstelle zum Zugriff auf die native SMS-App anbietet. Außerdem können lediglich Fotos als Anhänge versendet werden. Die Android-App gestattet die Übermittlung beliebiger Dateien - verwendet der Empfänger die iPhone-Anwendung, erhält er einen Link zum Download.

Sucht man bei Google nach "Whatsapp Sicherheitslücke", stößt man auf eine ganze Reihe von Berichten zu problematischen Ereignissen. Auch ist der Marktführer aus dem kalifornischen Mountain View bekannt dafür, eine großzügige Datenfreigabe von seinen Anwendern zu fordern. Zwar benötigt auch mysms Zugriff auf das Smartphone-Adressbuch, und in der mysms-Kontaktliste Freunde anzeigen zu können, welche die App bereits nutzen - aber allein die Tatsache, dass der Service den Regeln des österreichischen Datenschutzgesetzes unterliegt, dürfte Anwender mit einer Sensibilität für Privatsphäre-Fragen etwas beruhigen.

Dass mysms bisher nicht negativ durch Sicherheitslöcher aufgefallen ist, ist sicherlich auch auf die geringere Verbreitung zurückzuführen. Momentan verwendet keine Person aus meinem Adressbuch den Service. Bevor er also als ernstzunehmende Alternative zum Establishment wahrgenommen werden kann, muss er erst einmal das Henne-Ei-Problem lösen - wobei laut eigenen Angaben immerhin bereits 500.000 Menschen bei mysms registriert sind, und im deutschen App Store erreichte die Anwendung gestern den ersten Platz in der Kategorie "Produktivität" und die Top 25 der am meisten geladenen Apps. Die grundsätzliche Ausrichtung der Österreicher und ihre offene, sympathische Kommunikation ist vertrauenserweckender als die des verschlossenen US-Anbieters WhatsApp. Andererseits zeigt der Erfolg von WhatsApp, dass für Anwender eines höchste Priorität hat: Dass sie alle ihre Freunde über den Dienst erreichen. Dieses Versprechen kann bisher kaum einer der WhatsApp-Wettbewerber einlösen, auch mysms nicht.

Das große Potenzial des Dienstes aus Graz liegt in dem Ansatz einer zentralen Messagingcloud, die den parallelen Zugriff über verschiedene Geräte erlaubt. Hier versagt WhatsApp, und iMessage ist (neben Facebook) der größte Kontrahent - allerdings nur für Nutzer, die vollständig im Apple-Universum leben.

Link: mysms

Kommentare

  • Jonas Wendler

    31.07.12 (10:19:53)

    Hallo Martin! An und für sich ist das ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Ich würde nur gerne mal ein App haben die die meisten Anwender benutzen bzw. ziemlich weit verbreitet ist. Denn mittlerweile habe ich, wenn ich mich nicht ganz irre, sieben Applikationen die allesamt ähnliche wie iMessage, Whatsapp oder eben mysms sind. Das Problem ist eben, dass meine Freunde und Bekannte auf der ganzen Welt allesamt unterschiedliche Programme verwenden. Sehr nervig. Aber höchstwahrscheinlich bleibt das ein Wunschtraum. Beste Grüße, Jonas

  • Martin Weigert

    31.07.12 (10:21:25)

    Ja das Problem haben wohl die meisten von uns.

  • Manuel

    31.07.12 (10:35:36)

    Es ist wirklich eine Marktlücke, nicht mal Google hat es fertig gebracht, den Messenger vom PC aus bedienbar zu machen (von Murks wie Android-Emulator mal abgesehen). Leider verlangt mysms die Angabe einer Handynummer, obwohl das technisch nicht zwingend ist. Wird wie bei WhatsApp das Adressbuch zum Hersteller geladen, um Freunde mit der App zu finden, oder geht das über Hashwerte?

  • Martin Weigert

    31.07.12 (10:37:52)

    Ja, werden hochgeladen.

  • Martin

    31.07.12 (11:03:28)

    Genau das gleiche Problem sehen wir auch. Daher haben wir bei mysms auch so sehr auf die Integration von SMS gesetzt (was eben leider nur auf Android möglich ist). SMS unterstützt ein jedes Mobilgerät und es ist daher die weit verbreitetste App. Kostenpflichtig sind SMS auch nur mehr bedingt, Flatrates werden früher oder später dominieren (in Deutschland leider später als früher, in Österreich zB sind 1000 SMS inkl. der Standard).

  • Martin

    31.07.12 (11:07:24)

    Das mysms Produkt würde in der bestehenden Form nicht funktionieren, ohne die Angabe der Handynummer bzw. den Upload des Adressbuchs. Was jedoch wichtiger sein sollte für den Nutzer: - wir verwenden Handynummern um den Nutzern eine bessere User Experience zu bieten und nicht für ungefragte Massen-Invites etc... - hinter mysms steht ein Unternehmen, das seit 12 Jahren im Kommunikationsbereich tätig ist und über mehr als 5m registrierte Mobilfunknummern verfügt. Probleme gabs noch nie. - wir halten uns an österreichisches Recht.

  • Jonas Wendler

    31.07.12 (11:28:10)

    Innerhalb Europas ist die SMS sicherlich noch recht kostengünstig oder sogar gratis, aber wenn es eben nach Übersee geht dann wird das gleich teuer. Auf der anderen Seite, könnte eine große Verbreitung in Europa schon einen gewaltigen Boost geben. Mich würde es freuen. Aber auf jeden Fall werde ich eure App mal ausprobieren. :)

  • monoxyd

    01.08.12 (14:19:10)

    re: Telefonbuchupload Zu sagen "der Dienst würde ohne Upload nicht funktionieren" ist Blenderei. 1.) Er würde durch Hashes genauso gut funktionieren. 2.) Eine App, die ungefragt und unabwendbar meine Telefonbuchdaten hochlädt, wird von mir immer ignoriert werden - egal wie gut sie sonst funktioniert.

  • Martin Weigert

    01.08.12 (14:22:04)

    Was zur Folge hat, dass du wahrscheinlich immer bei den Diensten hängen bleibst, die weit von der kritischen Masse entfernt sind. Ich hatte das mal am Beispiel WhatsApp vs Kik illustriert. http://netzwertig.com/2011/10/27/whatsapp-kik-und-viber-datenschutz-als-bremsklotz-der-vernetzung/ Ist ein Dilemma. Die Apps, die besonders sorgfältig Nutzerdaten schützen, sind häufig auch die, die am wenigsten Komfort bieten können.

  • monoxyd

    01.08.12 (14:25:58)

    Ja, ich weiß. Ich hab den Artikel damals auch gelesen. Mir bleibt aber in dem Fall nichts anderes übrig, als meinen Überzeugungen treu zu bleiben und als Vorbild zu wirken. Zumindest in meinem sozialen Umfeld funktioniert das super und so ein kleines bisschen Multiplikator bin ich ja auch. Ich finde es halt insbesonders schade, dass das Feature der "Verhashung" nicht einfach umgesetzt wird. Da scheint mir entweder Nachlässigkeit/Gedankenlosigkeit der Grund zu sein - das Thema ist ja nun nicht gerade frisch. (Ansonsten müsste ich unterstellen, dass all diese Anbieter die Mobilfunknummern mit Absicht sammeln, aber ich hoffe, dass ist nicht der Fall.)

  • Martin

    01.08.12 (16:54:40)

    Da wir alles verschlüsselt übertragen finde ich nicht, dass Hashes das große zusätzliche Plus an Sicherheit bringen würden. Des weiteren stimmt es nicht, dass unsere App ungefragt Adressbuchdaten ausliest weil sowohl auf iOS als auch Android vor bzw. bei der Installation der App dafür die Berechtigung gegeben werden muss. Zusätzlich steht es noch einmal in den AGBs. Wie auch immer, die Diskussion ist bezeichnend dafür, dass man es als Diensteanbieter bei dieser Thematik nicht allen recht machen kann. Wir legen wirklich Wert darauf die sensiblen Daten entsprechend zu schützen und nur zum Zwecke einer besseren UX zu nutzen, aber auch dafür wird man scheinbar kritisiert.

  • monoxyd

    01.08.12 (17:06:35)

    Es geht nicht um ein zusätzliches Plus an Sicherheit, sondern darum, dass Mobilfunknummern ein sehr persönliches Datum sind, dass einen Drittanbieter schlicht und ergreifend nichts angeht. Du wiederholst außerdem das Scheinargument, dass ihr es nicht allen Recht machen könnt und das ist schlicht und einfach falsch, da eine Verhashung der persönlichen Daten für die UX *genau dasselbe Ergebnis* hätte, der User also keinen Unterschied spüren würde. (Das dieser Vorgang dann noch nachvollziehbar belegt werden müsste, ist tatsächlich auch eine Schwierigkeit, aber ein Schritt nach dem Anderen. Hier sehe ich auch eher die OS-Anbieter in der Pflicht, die eine entsprechende API anbietet, so dass Drittanbieter gar keine Plaintext-Daten in die Hand bekommen.) Das "ungefragt" war generell gemeint, in eurem Fall greift eher die "Unabwendbarkeit". Ich möchte selbst entscheiden, wie ich einen Dienst nutze und welche Daten ich ihm gebe. Wenn die einzige Wahl zwischen "Telefonbuch freigeben" und "Dienst nicht nutzen" ist, wähle ich immer die zweite Option.

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