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15.03.12Leser-Kommentare

Berliner Startup Pipe: Direkte Dateitransfers zwischen Facebook-Nutzern

Pipe erlaubt den direkten Austausch von Dateien zwischen zwei Facebook-Nutzern ohne zwischengeschalteten Server. Weder das Berliner Startup noch Facebook erfahren dabei, welche Daten oder Inhalte Anwender austauschen.

 

Es existieren gefühlte tausend Verfahren, um Dateien über das Netz mit anderen Anwendern zu teilen (erst gestern berichteten wir über doctape). Doch Facebook - ein Ort, an dem sich 850 Millionen Menschen mindestens einmal im Monat einloggen, die Hälfte davon täglich - mangelt es an komfortablen, sicheren Verfahren, um Dateien zwischen Kontakten zu transferieren.

Mit firefly gibt es zwar eine nette Facebook-App, um Freunden Dateien direkt über das soziale Netzwerk zugänglich zu machen. Allerdings stehen insgesamt "nur" zwei Gbyte Speicherplatz zur Verfügung, zudem versucht die Applikation stetig, Informationen über Aktivitäten auf der eigenen Facebook-Pinnwand zu veröffentlichen, was auf Dauer nervt.

Philip Eggersglüß, Marco Rydmann und Simon Hossell wollen mit ihrem kurz vor dem Beta-Launch stehenden, eigenfinanzierten Berliner Startup Pipe deshalb eine neue Art des Teilens von Dateien über Facebook etablieren. Kernmerkmale ihres Produkts sind maximale Simplizität sowie eine direkte Übermittlung von Dateien von einem Anwender zum anderen, ohne dass ein zwischengeschalteter Server als Host der jeweiligen Dateien erforderlich ist.

Dateitransfer ohne zwischengeschalteten Server

Das Trio nutzt für die kostenfreie Facebook-App, die momentan in einem kleinen Büro in Berlin-Mitte den letzten Feinschliff erhält, das so genannten Real Time Media Flow Protocol (RTMFP) von Adobe, welches eine direktere Peer-to-Peer-Verbindung zwischen zwei Adobe-Flash-Anwendungen ermöglicht. Nach der einmaligen Installation von Pipes Facebook-Anwendung können Nutzer jedem ihrer Kontakte bei dem sozialen Netzwerk direkt im Browser Dateien senden, die diese unmittelbar entgegennehmen, ohne dafür Facebook verlassen zu müssen.

Die maximale Dateigröße beträgt ein Gbyte, was vorrangig auf übliche Begrenzungen des lokalen Browsers-Caches zurückzuführen ist. Pipes eigene Server übernehmen bei Datentransfers lediglich die Verbindung der zwei User und arbeiten nach den Worten von Mitgründer Eggersglüß "als eine Art Telefonbuch". Aus zweierlei Gründen ist dies vorteilhaft für das junge Unternehmen aus der Hauptstadt: Zum einen lassen sich auf diese Weise erhebliche Kosten einsparen, die sonst für das Zwischenlagern von - im Erfolgsfall - Terrabytes an versendeten Daten anfallen würden. Zum anderen kann Pipe selbst nicht für die Dateientransfers der Nutzer verantwortlich gemacht werden, weil es diese selbst nicht hostet - dies ergab auch eine juristische Prüfung, welche die Pipe-Crew im Vorfeld hat anfertigen lassen.

Rohr-Metapher, um das Konzept verständlich zu machen

Eggersglüß betont, dass weder er und seine Mitstreiter noch Facebook einsehen können, welche Dateien Nutzer über Pipe aneinander senden. Die Benutzerführung ist dabei absichtlich einfach gehalten, um auch technisch weniger versierten Anwendern den problemlosen Datentransfer zu erlauben. Nicht nur im Namen setzt das Startup auf die Metapher eines Rohrs ("Pipe"), wie man es aus den legendären Super-Mario-Land-Spielen her kennt: Die App besteht im Prinzip nur aus einem großen grünen Rohr, in das eine Datei per Drag & Drap "eingeworfen" werden kann. Der Empfänger erhält eine Facebook-Benachrichtigung und sieht anschließend die Datei aus dem anderen Ende des Rohrs heraus erscheinen.

In einer Demo, die mir das Pipe-Team vor einigen Wochen gab, funktionierte diese einwandfrei, warf allerdings bei mir die Frage auf, wie groß im Zeitalter des Streamings der Bedarf an Dateitransfers eigentlich noch ist. Die drei Pipe-Gründer jedoch ließen sich davon nicht berirren und zeigten sich überzeugt, dass die gewählte Technologie in Verbindung mit einer äußerst benutzerfreundlichen Facebook-App und dem Entfernen aller Einstiegsbarrieren (Anwender erhalten per Facebook-Nachricht des Senders die Aufforderung, für die Datei XY die Pipe-App zu installieren) dem Service schnell eine maximale Viralität bescheren wird.

Weitere Plattformen folgen

Nach dem Debüt über Facebook planen die Wahlberliner, Pipe auch auf andere Plattformen zu bringen und mobil verfügbar zu machen. Ultimativ will der Service Anwendern jederzeit und über jedes Gerät den direkten Dateiversand ohne Zwischenlagerung in der Cloud erlauben. Zur Monetarisierung halten sich die Drei abgesehen von wagen Aussagen zu Sponsoring- und Partnerschaften mit Medienunternehmen noch bedeckt. Angesichts des urigen, günstigen Büros in einem unsanierten Haus ohne Zentralwärme sowie den geringen Kosten für den Betrieb von Pipe können die ambitionierten Entrepreneure es sich auch leisten, die Entwicklung des Geschäftsmodells auf die lange Bank zu schieben.

Zumal sie wohl noch einige Zeit von ihrem Ersparten zehren können: Der aus Großbritannien stammende Mitgründer Simon Hossell agierte zwischen 2002 und 2010 als Leiter des Europabüros von Gracenote, einem Anbieter von digitalen Medienlösungen. Philip Eggersglüß und Marco Rydmann waren die zwei Köpfe hinter dem Musikdienst Songbeat, dessen Technologie sie 2010 an simfy verkaufen konnten. Den Kaufpreis verraten sie zwar nicht, aber deuten im Gespräch an, dass ihnen der Erlös dabei hilft, sich bei Pipe vorerst auf das Nutzerwachstum konzentrieren zu können.

Am Montag präsentieren sich die Pipe-Macher auf dem London Websummit. Der Start der Beta-Phase von Pipe soll innerhalb der kommenden Wochen erfolgen. Wir informieren euch, wenn es soweit ist. Wer möchte, kann sich auch in die Warteliste auf www.usepipe.com eintragen.

Kommentare

  • Nerdy

    15.03.12 (18:39:30)

    Die Idee dahinter finde ich ja ganz toll, ich frage mich aber wie das Unternehmen mit diesem Produkt Geld verdienen möchte?

  • Sebastian

    15.03.12 (21:43:22)

    oh, das ist gut gut gut gut! und wenn facebook das mag, dürfte auch die monetarisierung mit glück schnell gelingen^^ alles gute!!!

  • Robert Agthe

    16.03.12 (12:20:38)

    Ging das nicht damals bei ICQ und AIM genau so? Man hatte eine Anforderung geschickt und wurde dann direkt verbunden. Das klappt manchmal und manchmal auch nicht. Eigentlich klappte es meistens nicht. Irgendwie hatten diverse Router was dagegen. Es kommt alles wieder.

  • Martin Weigert

    16.03.12 (12:35:11)

    Ja genau. Skype kann das auch. Aber es geschieht eben nicht innerhalb von Facebook.

  • Christian

    17.03.12 (20:20:05)

    Facebook speichert einfach viel zu viele Daten und neben Mail, Messaging & Bildern fehlen jetzt eigentlich nur noch Dokumente & Daten, damit FB bald "alles" von einem Member hat! Ich werde Facebook auf jeden Fall nicht dafür nutzen um Dateien von A nach B zu schicken

  • Markus

    19.03.12 (16:21:11)

    @Christian Erst Artikel lesen und nicht dumm kommentieren, ohne zu wissen wie es funktioniert! Trottel!

  • Dirk vom Marketing-im-Business Blog

    20.03.12 (21:53:49)

    die Kernaussage stimmt aber nur bedingt, denn ich nutze den internen filetransfer schon lange, kann sein, dass dieser auf eine bestimmte Größe beschränkt ist, für die bisherien dateien reicht das jedoch aus und so konnte ich schon etliche Abwicklungen mit geschäftspartnern durch filetransfer innerhalb des facebook chats abwickeln. Oder habe ich irgendwas übersehen oder falsch verstanden????

  • Martin Weigert

    21.03.12 (13:22:25)

    Stimmt, das geht. Aber diese Daten landen eben zwischendurch auf Facebooks Servern, was bestimmte Limitationen mit sich bringt. Und du wirst darüber nicht jede Art von Datei versenden wollen.

  • Boris Stock (Kick a File)

    27.03.12 (17:27:44)

    Tja da bekomme ich wohl durch Pipe Konkurrenz: http://www.kickafile.com - an der Sache habe ich schon Ende letzten Jahres nebenher gearbeitet. Jetzt "musste" ich es dann releasen. Viel Spass beim Ausprobieren - ohne "private beta invite" ;)

  • Pierre

    09.05.12 (10:15:23)

    Ich sehe solche Apps als potentiell gefährlich. Die Faker, Viren und Tronjaner Verteiler auf Facebook werden ihre wahre Freude an solchen Apps haben. Auf diesem Weg wird es für solche Subjekte noch einfacher, Ihren Schadcode zu verteilen. Thema Fakeaccount oder Fake Freundschaftsanfragen. PS: Gefundenes Fressen für ACTA Beführworter!

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