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30.05.13Kommentieren

Pinterest: Monetarisierung? Später!

Auch wenn Pinterest nicht mehr in aller Munde ist: Die Bookmarking-Plattform für Bilder wächst, gedeiht und erweist sich als Umsatzgenerator für Onlineshops. Doch mit der Monetarisierung zögert das mit 2,5 Milliarden Dollar bewertete Startup aus San Francisco.

Die Zeiten, in der die gesamte Netzwirtschaft gebannt auf das explosionsartige Wachstum der Foto-Bookmarking-Plattform Pinterest blickte, sind zwar vorbei, doch das Unternehmen aus San Francisco muss sich deshalb keine Sorgen um die eigene Existenz machen. Schon im Herbst 2012 zeichnete sich ab, dass auf den Pinterest-Hype zum Jahreswechsel 2011/2012 nicht etwa ein Einbruch der Nutzerzahlen und -aktivität folgen würde, sondern ein weiterer Anstieg. Der Dienst offenbare damals eine besondere Eignung als Trafficlieferant für E-Commerce-Angebote und Sites mit einem hohen Anteil visueller Inhalte.

Neueste Statistiken untermauern diese Qualitäten der Kalifornier. Laut einem aktuellen Bericht (PDF) lieferte Pinterest im ersten Quartal 2013 Onlinehändlern mehr Besucher als in den letzten drei Monaten 2012. Das ist beachtlich, gelten doch die Wochen vor Weihnachten als das die Hoch-Zeit des Shoppings. Nicht minder bemerkenswert: Pinterest konnte Händlern in den ersten drei Monaten dieses Jahres doppelt so viel Traffic bescheren wie Twitter, zudem lag die durchschnittliche Höhe von Einkaufen bei Nutzern, die über Pinterest zu einem Shop fanden, über der von Facebook, Twitter, LinkedIn und StumbleUpon. monetate

Auch wenn der Report unterstreicht, dass die Konversion von Nutzern, die per E-Mail (3,19 Prozent) oder Suchmaschine (1,95 Prozent) zu einem Shop finden, noch über der von Referrern von Social Networks liegt (0,71), und obwohl das für die Analyse verantwortliche Marketingunternehmen Monetate die Ergebnisse nicht als repräsentativ bezeichnet, legen sie nahe, welche Relevanz und damit auch welches Potenzial Pinterest für den Handel besitzt. Das gute Abschneiden des Dienstes im Vergleich zu seinen Mitstreitern aus dem Social-Segment verwundert nicht, schließlich dreht sich ein Großteil der Aktivität um Produktdarstellungen, die von Nutzern gespeichert und dadurch ihren Kontakten empfohlen werden.

Bei einem Blick auf die Besucherzahlen von Pinterest gehen die Angaben auseinander. Während Compete ein weiteres Ansteigen der Unique Visitors anzeigt, deutet der Alexa-Graph auf einen leichten Rückgang hin. Das von Google Trends gemessene allgemeine Interesse an Pinterest soll in den letzten Monaten sanft, aber nicht signifikant abgenommen haben. Alle diese Metriken sind jedoch stets nur Schätzungen. Sicher konstatieren kann man anhand dieser Werte nur, dass der Dienst sich nach wie vor großer Popularität erfreut. Berücksichtigen muss man auch, dass das Unternehmen mit einem nicht allzu positiv aufgefassten Redesign im März den Zorn der Nutzer auf sich zog und schließlich zahlreiche in diesem Zusammenhang entfernte Funktionen wiederherstellte.

Mit 200 Millionen Dollar frischem Kapital, gesunden Besucherzahlen und einer idealen Positionierung als Onlinekäufen vorgeschaltete Empfehlungs- und Entdeckungs-Instanz steht Pinterest heute besser dar denn je. Auch, um Geld zu verdienen und seine atemberaubende Bewertung von 2,5 Milliarden Dollar zu rechfertigen. Umso verwunderlicher ist, was CEO Ben Silbermann gerade auf der D11-Konferenz von AllThingsD auf die Frage antwortete, wie das Anfang 2010 gegründete Startup Geld verdient: Derzeit gar nicht.

Trotz optimaler Voraussetzungen verzichtet Pinterest bisher auf eine Monetarisierung seines Angebots. Vielleicht aus Furcht, sich nochmal so in die Brennesseln zu setzen wie einst, als es von Nutzern gebookmarkete Produktbilder aus Shops heimlich mit eigenen Affiliate-Links versah. Tatsächlich dürfte sich durch Provisionen aus indirekt über die Site generierten Käufen bei Amazon & Co ein nettes Sümmchen verdienen lassen - nur verpasste Pinterest es, dies mit dem Einverständnis der Nutzer zu tun. Zumindest war dies die Sicht mancher Anwender und Blogger, die Pinterest für das Vorgehen kritisierten und schließlich das Ende der Praxis erwirkten.

Pinterest bleibt damit bis heute die größte, erfolgreichste und am offensichtlichsten monetarisierbare Social-Web-Plattform, die freiwillig darauf verzichtet, Umsätze einzufahren. Immerhin, Gründer Silbermann schließt für die Zukunft zumindest nicht aus, dass Pinterest mit dem Geldverdienen beginnen könnte. Wenn auch nicht durch eine Beteiligung an durch die Site generierten Verkäufen, sondern durch Zusatzservices für Marketingagenturen und -abteilungen. /mw

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