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11.03.12

Pinterest-Klon: Pinspire verschickt zweifelhafte E-Mails

Pinspire heißt einer der derzeit berüchtigsten Klone aus dem Hause Rocket Internet, dem Inkubator der Samwer-Brüder. Mit zweifelhaften E-Mails versucht die Pinterest-Imitation, Nutzer zu gewinnen.

 

Es ist schwierig, irgendetwas Positives an Pinspire zu finden, dem frechen Pinterest -Klon der Samwer-Klonfabrik Rocket Internet. Da kann sich "Interim-CEO" Karl Jo Seilern-Aspang noch so sehr rechtfertigen und eine Existenzberechtigung herbeikonstruieren.

Ein kleiner Luxus jeder schamlosen Copycat ist es, dass die allgemeine Erwartungshaltung in Bezug auf legitimes Geschäftsgebaren extrem niedrig ist. Zweifelhafte Praktiken, die jedem "herkömmlichen", einem ethisch korrekten Verhalten grundsätzlich verbundenen Startup eine temporäre PR-Krise verschaffen und im schlimmsten Fall dessen Ruf stark beschädigen können, müssen bei den einschlägigen deutschen Startup-Klonern von vorn herein vorausgesetzt werden.

Treten sie dann auf, begrenzt sich die übliche Reaktion von Branchenkennern zumeist auf etwas im Stile von "typisch, war ja kaum anders zu erwarten".

Ungefähr so ging es mir, als ich am Sonntag plötzlich eine E-Mail von Pinspire mit dem Betreff "Jemand auf Pinspire probiert mit dir Kontakt aufzunehmen" in meinem Postfach hatte. Im ersten Momentan las ich "Pinterest" statt "Pinspire", was mich kurzzeitig zu der Frage brachte, seit wann Pinterest deutschsprachige E-Mails verschickt. Doch dann erkannte ich die Verwechslung und widmete mich mit einer Mischung aus Neugier und antizipierter Irritation dem Text der Mail:

"Hey,

jemand auf Pinspire mag Dich!

Ein Mitglied unserer Pinspire Community hat probiert Dich zu finden, aber Du hast noch keinen Account. Das können wir ändern. Auf Pinspire kannst Du die schönsten Bilder aus der ganzen Welt sammeln, teilen oder einfach anschauen! Wir hoffen das Du dich registrierst und Teil von Pinspire wirst.

www.pinspire.de

Viel Spaß beim Pinnen!

Dein Pinspire Team"

Leider verrät das Berliner "Startup" in der Mail nicht, wer die Person ist, die angeblich probiert hat, mich zu finden. Unter pinspire.de/invite bietet der Dienst für registrierte Mitglieder die Möglichkeit, Kontakte aus den Adressbüchern bei Facebook, Yahoo, Hotmail und Google Mail einzuladen. Verwendet man diesen Invite-Prozess, erhalten daraufhin alle ausgewählten Kontakte eine E-Mail-Einladung von Pinspire. Im Gegensatz zu obiger Mitteilung ist diese aber personalisiert, enthalt also den Empfängernamen sowie den Benutzernamen des einladenden Pinspire-Mitglieds.

Ich weiß nicht, auf welche Weise Pinspire an meine E-Mail-Adresse gelangt ist. Aus einer offiziellen Einladung durch ein bestehendes Mitglied resultiert diese ganz offensichtlich aber nicht. Die Mail riecht stark nach einem Massenversand, mit dem unter einem Vorwand, der stimmen mag oder nicht (vielleicht wurde tatsächlich nach meinem Namen gesucht - doch die E-Mail-Adresse haben sich die Berliner dann eigenhändig besorgt), auf den mutmaßlich - in typischer Rocket-Internet-Manier - mit extrem hohen Wachstumszielen versehenen Onlinedienst aufmerksam gemacht werden soll.

Eine juristische Bewertung dieses Verhaltens muss ich anderen überlassen. Aus Nutzersicht sind derartige E-Mails jedoch ein großes Ärgernis. Wenn Einladungen dieser Art von Onlinebekannten selbst verschickt werden, weiß man immerhin, wer die Verantwortung trägt. Im Falle der Pinspire-Mail hingegen war es ein unbekannter "jemand". Eine nicht bestellte, nicht durch einen zu identifizierenden Kontakt initiierte Mail dieser Art stellt für mich nichts anderes als Spam dar - und ist ein weiteres Armutszeugnis für die Pinterest-Kopie aus der Hauptstadt.

Ich habe per Mail nachgefragt, wie das Unternehmen an meine E-Mail-Adresse gekommen ist, und aktualisiere diesen Beitrag, sofern eine Antwort eintrifft.

Wer von euch hat auch eine E-Mail von Pinspire erhalten?

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