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30.10.07Leser-Kommentare

Tages-Anzeiger, BaZ, BZ, News e.a.: Peter Wälty wird Chefredaktor des neuen Online-News-Netzwerk

Peter Wälty wird Chefredaktor des neuen News-Netzwerks, das der Tages-Anzeiger zusammen mit der BaZ und der BZ aufzieht und im Frühling 2008 launchen will.

Am 14. September 2007 wurde das neue Online-News-Netzwerk von Tamedia, Basler Zeitung und Berner Zeitung (der Winterthurer Landbote und die Thurgauer Zeitung sitzen auch mit im randvollen Boot) offiziell angekündigt. Hinter den Kulissen liefen die Vorbereitungen allerdings schon seit Monaten; vor allem wurde im In- und Ausland nach einer Redaktionsleitung gesucht, die den vielen Projektparteien genehm ist.

Nun greift man auf eine naheliegende, weil konzerninterne Lösung zurück, die trotzdem eine Überraschung ist. Chefredaktor des neuen News-Netzwerks wird Peter Wälty, bisheriger Leiter der Online-Redaktion von 20 Minuten.

Peter Wälty hat einen eindrücklichen Leistungsausweis als jemand, der weiss, wie man Traffic holt. Seit dem Redesign im Februar 2006 haben sich die Zugriffszahlen von 20minuten.ch um ein Mehrfaches gesteigert (nachvollziehbar via NET-Metrix ist "nur" der Anstieg von 50 Millionen Page Impressions im November 2006 auf über 70 Millionen heute).

Wältys Website steht dabei für die unbedingte Orientierung am Geschmack des Publikums. Mit der von ihm konzipierten Eigenentwicklung des in der Szene berühmten grünen Monitors sieht die Online-Redaktion im Fünf-Minuten-Takt, wie oft jeder Artikel angeklickt wird. Was nicht performed, ist schnell buchstäblich weg vom Fenster. Bildergalerien en masse und Umfragen zu jedem möglichen und unmöglichen Thema runden die PI-Bolzerei ab und bringen 20minuten.ch heute sensationelle 11 Page Impressions pro Visit.

Trotzdem hat Peter Wälty ein grosses Ziel nicht erreicht. Im Februar 2006 sagte er zu persoenlich.com: "Wir können nicht anders als früher oder später den Blick zu überholen."

 

Dies war jedoch bisher nicht der Fall, und in letzter Zeit flacht das Wachstum von 20minuten.ch deutlich ab - allerdings schwächeln alle News-Angebote ein wenig. Das Rennen scheint weiterhin offen, NZZ Online und Blick Online schicken sich nach eher lauen Redesigns beide nicht an, in der Schweiz die Rolle einzunehmen, die Spiegel Online in Deutschland hat. In dieser Situation kommen die etablierten Zeitungsverleger mit einem neuen schweizweiten Newsroom mit regionalen Extensions - kommt das vielleicht ähnlich raus wie das brandneue Portal DerWesten.de, das gestern live ging?

Der Chefredaktors-Job bringt einige Herausforderungen:

  • politisch-überregionaler Natur: Wenn die Verlage ihren Job richtig machen, verlieren ausserhalb von Zürich einige Web-Leute ihren Job,

  • politisch-hausinterner Natur: Sich bei einem "Startup" wie 20 Minuten gut mit den Print-Leuten gut zu verstehen - und deren wertvollen Content verwenden zu dürfen - könnte etwas anderes sein als der Umgang mit den traditionsreichen Zeitungsredaktionen.

  • technologischer Natur: Was ist die richtige technische Plattform für eine Organisationsform, die es noch gar nicht gibt? Wie "konvergent" werden sich die Redaktionen, wie die Leser in fünf Jahren verhalten?

Und dazwischen muss auch noch ganz normal gearbeitet werden, in Sachen Branding, Personal, Vermarktung.

Peter Wälty ist auch für Blogger kein Unbekannter. Er diente dem berühmten Pendlerblog als Zielscheibe, zumal er nicht einfach abwartete, bis der Sturm vorbeizog, sondern mit gezielten Spitzen immer wieder Öl ins Feuer goss.

Im Interview mit persoenlich.com sagte er:

 

Abschlussfrage: Im Internet beobachtet der Pendlerblog 20 Minuten auf Schritt und Tritt. Ist der Weblog für Sie ein Ärgernis, oder pflegen Sie ein sportliches Verhältnis zu den Bloggern?

Ich hab schon davon gehört. Allerdings haben wir gegenwärtig wichtigere Dinge zu tun als uns über ein paar Blogger zu ärgern. Ansonsten sind wir offen für Kritik.

medienlese.com sprach nach Bekanntwerden der Personalie um 14.37 Uhr per Medienmitteilungs-E-Mail mit Peter Wälty:

Herr Wälty, Glückwunsch zum neuen Job. Wir fühlen uns etwas an den BLICK erinnert, wo man monatelang gesucht hat und dann mit Bernhard Weissberg den naheliegendsten Kandidaten genommen hat. Hätte man Sie nicht auch schon vor einem halben Jahr fragen können?

Man hat tatsächlich schon vor einem halben Jahr gefragt. Damals war ich aber noch nicht soweit. 20minuten.ch war noch mitten im Aufbau begriffen. Der ist mittlerweile abgeschlossen. Der Zeitpunkt der Übergabe an meinen Nachfolger Hansi Voigt ist jetzt ideal.

Sie stehen vor politischen, technologischen und journalistischen Herausforderungen. Welche sind am schwierigsten?

Keine Ahnung. Wir werden in jedem Fall versuchen, das Projekt etappenweise anzugehen. An erster Stelle steht sicher mal die Beschäftigung mit den einzelnen Titeln, die Abklärung ihrer Bedürfnisse und vor allem die intensive Diskussion mit den Verantwortlichen. Daraus werden wir dann das Konzept entwickeln.

Wieviel Melanie-Winiger-Storys verträgt das neue News-Netzwerk?

Wenn sich die Leser des News-Netzwerks für die Winiger interessieren, dann wird sie stattfinden. Das ist ganz klar.

Bei 20 Minuten hat man das Gefühl, die Zusammenarbeit Print-Online sei ganz harmonisch. Schaffen Sie das auch im neuen Job?

Was ich gespürt habe, ist eine grosse Bereitschaft der Titel, eng mit dem Online-Auftritt zusammenzuarbeiten. Die Lösung liegt aber in meinen Augen in einem ganz klaren Regelwerk, das von allen beteiligten Partnern gutgeheissen werden kann. Da hab ich einige Erfahrungen sammeln können und ich glaube, ich weiss in etwa, wo die Fallstricke verborgen sind.

Sie wollten mit 20minuten.ch die Nummer 1 in der Schweiz werden, haben Blick Online aber nicht überholen können. Klappt es mit dem neuen Outlet?

Na warten Sie mal bis Monatsende.

Mitarbeit: Peter Hogenkamp

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Jean-Claude

    30.10.07 (16:08:32)

    Interessant fand ich den Hinweis, dass die Redaktion alle 5 Minuten checkt, ob eine Meldung ankommt oder nicht. Falls nicht, fällt sie raus. Da habe ich Mühe, darin noch ein journalistisches Krtiterium zu sehen. Das ist nur noch Marketing. Das spricht nicht generell gegen das News-Netztwerk, aber es relativiert dessen Nutzwert denn doch gewaltig. Das macht den Print umso mehr unverzichtbar - wenn er besser gemacht ist. Je länger je mehr bin ich der Meinung, dass sich online und print gegenseitig weniger wegnehmen als man allgemein glaubt. Sorry, die alte, hier schon x-fach geführte Diskussion: Die Symbiose machts. Der eine kann ohne den andern nicht leben. Aber beide führen dennoch ihr Eigenleben und konzentrieren sich immer stärker auf ihre Eigenarten.

  • Jean-Claude

    31.10.07 (16:36:13)

    @ ...heisst das auf Deutsch übersetzt: Wird eine Meldung innerhalb von 5 Minuten x-mal angelickt, wird eine Story draus, sonst nicht? Falls es so gemeint ist, wär's für mich noch immer nicht zwingend ein journalistisches Kriterium über die Relevanz eines Themas, was wichtig ist und was nicht, was interessant und was nicht interessant, sondern reines Marketing. Arbeitet Spiegel online so? Ich weiss es nicht, aber ich bezweifle es. Spiegel online soll ja das Vorbild des neuen Netzwerks sein. Eine ziemlich hohe Messlatte. Da kann man nur sehr viel Glück wünschen.

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