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01.10.13Leser-Kommentare

Perch: Video-"Standleitung" für Teams und Firmen mit mehreren Büros

Das kanadische Startup Perch will die Mitarbeiter von Firmen mit mehreren Büros über einen iOS-basierten Dauerstream näher zueinander bringen. Möglich wird dies mit der Voice- und Video-over-IP-Technologie des deutschen Startups C2Call.

PerchWenn Firmen eine bestimmte Größe erreichen, ist der Schritt zum Eröffnen von Niederlassungen in Schlüsselmärkten naheliegend. Doch damit entstehen Herausforderungen in Bezug auf die Kommunikation zwischen den verschiedenen Büros. Dutzende, wenn nicht hunderte Lösungen für Telefon- und Videokonferenzen existieren mittlerweile, um nicht am selben Ort angesiedelte Kollegen, Team-Mitglieder oder Projektgruppen möglichst problemfrei miteinander in Kontakt zu bringen. Zwei iPads genügen

Das aus Kanada stammende Startup Perch hat nun eineoriginelle, unkonventionelle Lösung entwickelt: Anstatt Mitarbeiter in verschiedenen Büros für im Vorfeld geplante "Konferenzen" per VoIP- oder Videogespräch zusammenzuschalten, lässt sich mit Perch eine Art Video-Standleitung aufbauen. Passend zum Trend des "Ambient Video" können Startups und größere Unternehmen mit Perchs iOS-App die Angestellten in zwei örtlich getrennten Büros zumindest ein Stück weit näher zueinander bringen. Dazu positionieren sie jeweils lediglich ein iPad, iPhone oder einen iPod touch an einer zentralen Stelle, etwa in der Küche oder nahe des Empfangsbereichs, und verbinden sich via Perch.

Optimiert für "Ambient Video"

Was Perch von der Konkurrenz abhebt, ist die konzeptionelle Optimierung für den dauerhaft im Hintergrund aktivierten Videostream. Kern von Perchs Technologie ist eine Gesichts- und Bewegungserkennungsfunktion, die erst dann das Mikrofon der iPads aktiviert, wenn sich Personen vor der Kamera befinden. So soll sichergestellt werden, dass Perch nicht durch eine permanente Geräuschkulisse zum Ärgernis für die beschäftigten Büromitarbeiter wird.

Zwar zielt das im vergangenen Jahr gegründete Startup mit seiner kostenfreien App vor allem auf Firmen mit mehreren Niederlassungen ab, aber freilich dürfte der Dienst auch in anderen Szenarien zum Einsatz kommen, etwa für Paare in Fernbeziehungen, für Firmen, deren Angestellte häufiger von zu Hause arbeiten, oder für längerfristig in Unternehmen eingebundene Freiberufler, die sich so stärker mit ihrem Auftraggeber und temporären Kollegen identifizieren können.

Deutsches Startup C2Call liefert die Grundlagen

Interessant ist bei Perch ein Blick unter die "Motorhaube". Die Videotelefonie-Komponente haben die Kanadier nämlich nicht selbst entwickelt, sondern verwenden dafür die Technologie des nordrhein-westfälischen Startups C2Call. Gegründet 2008, verwirklichten die C2call-Macher Martin Feuerhahn and Michael Knecht ihre Vorstellung einer leistungsfähigen, auch im Browser läuffähigen Voice- und Video-over-IP-Lösung. Ein Jahr später lancierten sie mit Friendcaller einen Skype-Konkurrenten, der seitdem als Showcase für ihr Produkt gilt und sich mit elf Millionen Nutzern gar nicht so schlecht entwickelt. Doch Feuerhahn und Knecht wollten nicht einfach einen neuen VoIP-Service starten, sondern es Onlinediensten ermöglichen, selbst mit minimalem Aufwand datenbasierte (Video)telefonie in ihre Anwendungen zu integrieren. Perch gehört zu den ersten Unternehmen, die das C2Call-SDK nutzen. Anstatt sich mit der Umsetzung der Grundlagen herumschlagen zu müssen, profitiert das Perch-Team von der Vorarbeit von C2Call und kann sich ganz darauf konzentrieren, Videotelefonie für Teams konzeptionell weiterzudenken.

C2Call bietet seine Dienste als kostenfreie Free-Lösung für Apps mit bis zu 10.000 Anwendern sowie als kostenpflichtige Pro- und Enterprise-Pakete an. C2Call hat bisher externes Kapital von Business Angels sowie dem High-Tech Gründerfonds eingesammelt.

Perch ist in einer Welt zunehmend dezentralisierter Arbeitsformen und internationaler Kommunikation zweifellos ein sehr spannender Ansatz. Gleichzeitig tritt C2Call in eine neue Expansionsphase ein. Stand lange Friendcaller selbst im Fokus, kommen die Werler nun der Verwirklichung ihrer großen Vision nahe.

Links: PerchC2Call

Kommentare

  • Philipp Hancke

    02.10.13 (14:22:33)

    Sieht für mich aufgrund der Stellenanzeigen aber so aus, als würden sie sich auch in Richtung WebRTC bewegen. Was bei Entwicklungsstart noch nicht auf IOS verfügbar ist (und auch aktuell noch nicht bereit ist). VoIP im Browser hat sich seit 2008 doch ganz schön entwickelt. Mittlerweile ist die eigene Seite a la my.fonie.de für einige Startups das next big thing ;-)

  • Phil

    03.10.13 (16:12:35)

    C2Call sind für mich Verbrecher. Ich wollte einmal deren Produkt Friendcaller ausprobieren und habe dazu meine Kontaktliste importiert. Von wegen "Import" - ohne mein Einverständnis wurden an alle Adressen Freundschaftseinladung in meinem Namen versendet. Bei solchen Methoden wundere ich mich nicht über 10 Mio. Nutzer. Aber die sind alle durch vermeintliche Freundschaftseinladungen dort gelandet...

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