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19.08.14Leser-Kommentare

Per Crowdfunding zum Gesellschaftsexperiment: Über 1.000 Personen finanzieren zwei bedingungslose Grundeinkommen

Die Crowdfunding-Kampagne Mein Grundeinkommen ruft Menschen dazu auf, Geld für eine Verlosung bereitzustellen, deren Sieger ein Jahr lang jeden Monat ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 1.000 Euro erhalten. Mittlerweile sind zwei Einkommen für jeweils 12 Monate finanziert.

Mein GrundeinkommenCrowdfunding ist eine der wichtigsten Errungenschaften der digitalen Welt. Indem jeder Mensch in die Lage versetzt wird, für die Verwirklichung unkonventioneller und marktunüblicher Ideen, Produkte oder Angebote bei Nutzern um Finanzmittel zu werben, kommt es regelmäßig zu Überraschungsprojekten, die so in der Vergangenheit niemals entstanden wären. Ein weiterer Kandidat auf der Liste der besonders ungewöhnlichen Vorhaben, für die Schwarmfinanzierung zu funktionieren scheint: das bedingungslose Grundeinkommen (BGE).

Richtig gelesen: Auf der deutschen Crowdfunding-Plattform Startnext, das einheimische Pendant zu Kickstarter, kann man aktuell ein Pilotprojekt für die Einführung des BGE unterstützen. Was vielleicht nach einem Scherz klingt, ist nicht nur purer Ernst, sondern auch bereits ein Erfolg: Das erste Fundingziel von 12.000 Euro, die in zwölf monatlichen Tranchen an einen ausgelosten Gewinner verteilt werden sollen, wurde bereits erreicht. Voraussichtlich heute dürfte die Marke von 24.000 Euro durchbrochen werden, womit das zweite BGE für ein Jahr finanziert wäre. Die Finanzierungsperiode läuft noch bis zum 18. September, insofern könnte das seit Anfang Juli unter dem Titel “Mein Grundeinkommen” laufende Projekte durchaus noch weitere glückliche "Probanden" hervorbringen.

Hinter der Aktion steht der 29-jährige Berliner Michael Bohmeyer. Er will durch das Experiment herausfinden, wie sich das Leben von Menschen verändert, die von dem Druck befreit werden, aus ökonomischen Zwängen heraus um jeden Preis einer Arbeit nachzugehen. Seine Vermutung: Menschen würden sich deutlich stärker entfalten, müssten sie sich nicht ständig darüber Gedanken machen, wie sie ihre Miete bezahlen und Essen auf den Tisch bekommen. Außerdem sieht er das BGE auch als eine mögliche Antwort auf die Folgen der fortschreitenden, den Bedarf an menschlicher Arbeit verringernden Automatisierung. Im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur erklärt er dazu:

“Alle Parteien, wirklich alle, im Bundestag reden vom Ziel Vollbeschäftigung und das macht mich gleichzeitig skeptisch, wenn es ganz viele Studien gibt, dass ja Arbeit, wie wir sie heute kennen, eigentlich ein Auslaufmodell ist. Allein wegen dem technischen Fortschritt. Das es heute einfach gar nicht mehr genug Jobs geben kann! Diese Denke ist aber so neu und sie verträgt sich aber überhaupt nicht mit diesen Angstparolen rund um Arbeitsplätze, das es im Bundestag einfach noch nicht angekommen ist.”

In einem Interview mit Vice betonte Brohmeyer vor einigen Tagen, dass das Experiment unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten natürlich völlig untauglich sei. Denn einerseits verhindere die Begrenzung auf ein Jahr, dass sich die ausgelosten Empfänger von jeweils zwölfmal 1.000 Euro komplett vom Gedanken des Erwerbsdrucks und der Existenzangst befreien können. Außerdem mache es einen Unterschied, ob nur eine Person in einer Gesellschaft das BGE erhalte oder alle.

Insofern sollte von den “Resultaten” des Projekts nicht allzuviel Revolutionäres erwartet werden. Was Brohmeyer aber bereits jetzt geschafft hat, ist, die Theorie des BGE in ein öffentliches Rampenlicht zu befördern. Wenn mehr Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, sich anhand eines konkreten Beispiels mit der Idee des BGE und den dahinterstehenden Motiven und Gründen auseinanderzusetzen, wird auch die Politik das Thema irgendwann ernstnehmen müssen.

Anfang August hatten sich über 20.000 Menschen für die Verlosung vormerken lassen. Zeitgleich tourten Brohmeyers Aktion und er selbst durch die Medien. Das mit der Aufmerksamkeit für das BGE ist ihm also bereits gelungen. Mit der jetzt erreichten Bereitstellung des zweiten BGEs beweist der Aktivist außerdem, dass nicht nur die “Nachfrage” nach dem Geld groß ist, sondern auch die Bereitschaft von Menschen, für die Realisierung von BGE-Testläufen selbst in die Tasche zu greifen. Über 1.000 Personen haben sich mittlerweile an dem Crowdfunding beteiligt. /mw

Link: Mein Grundeinkommen

Kommentare

  • Kashmir

    19.08.14 (09:47:09)

    soooo krank! Warum machen wir aus dem tollen Konzept Grundeinkommen nicht gleich'ne Castingshow auf RTL?!

  • Alex

    19.08.14 (11:45:23)

    Der einzige Weg in Zukunft ist das das Geld abgeschaft wird und damit auch die Arbeit. Das Venus Projekt zeigt genau diesen Weg wie wir das Problem unserer Zeit einfach lösen können, indem wir allen alles geben und allen eine Leben ermöglichen das heute nicht mal Millionäre zur Verfügung steht. Dazu müssen wir nur das Geld abschaffen und allen alles zur Verfügung stellen. Mehr Infos dazu auf genannter Seite: http://www.thevenusproject.com/

  • Kashmir

    19.08.14 (12:29:21)

    Transhumaner Bullshit!

  • Alex

    19.08.14 (20:58:08)

    Dein Kommentar ist absoluter Bullshit. Das Venus-Projekt ist die einzige Zukunft die die Menschen haben und wird früher oder später auch Realität werden, ob dies nun denn einen passt oder nicht. Für was sollte man auch arbeiten, wenn die Computer und Maschinen einen alles abnehmen können, da wären die Menschen wirklich Dumm, hier noch arbeiten zu wollen... ;-) Die einzige Tätigkeit die denn Menschen dann bleibt ist die Freizeitgestaltung oder kreatives Mitwirken, nicht mehr und nicht weniger... Das ist eben die Zukunft und könnte jeden Moment realisiert werden, dank der Technologie und Wissenschaft.

  • Henrik Wittenberg

    20.08.14 (14:17:04)

    Auch im Netzwerk BGE-Kreise besteht die Möglichkeit, eigene Erfahrungen in einem geschützten Rahmen mit dem Grundeinkommen zu machen. Elemente von Tauschring, Komplementärwährung und Grundeinkommen wurden hier zu einer Einheit verschmolzen: http://bgekoeln.ning.com/profiles/blogs/bedingungsloses-grundeinkommen-nicht-warten-sondern-starten

  • asdf

    20.08.14 (19:57:36)

    Nicht transhumaner, sondern technokratischer Bullshit. Jacque Fresco macht jetzt nichtmehr in Zeitgeist sondern in Venus, der alte will Jesus werden, deshalb hat er auch die Liebesgöttin gewählt, Jacque ist Liebe, Jacque weiß alles.

  • asdf

    20.08.14 (20:02:46)

    btw find ich Ideen wie schwimmende Städte garnicht doof, nur Jacque ist halt ziemlich eitel und es geht eigentlich vor allem um ihn. Seasteads sind auch schwimmende Städte, nur da stimmt dann auch das Geschäftsmodell (buhuhu, Kapitalismus!) und die Umsetzung. Oder ist Jacque bisher aus den Puschen gekommen?

  • asdf

    21.08.14 (14:35:43)

    Lotto mit sozialstaatlichem Anstrich?

  • Kashmir

    21.08.14 (16:55:28)

    hehe, ja, traurige Aktion..

  • Henrik Wittenberg

    22.08.14 (14:48:02)

    Da man das Grundeinkommen auch erhalten kann, wenn man sich nicht am Crowd Funding beteiligt hat, ist es kein Lotto sondern rechtlich ein Gewinnsoiel, an dem sich alle beteiligen können. Ich würde das eher als ein auf 12 Monate begrenztes »BGE-Stipendium« sehen. Bisherige Stipendien hängen vom Vorhaben der Stipendiaten ab, weshalb es immer nur um projektbezogene Förderungen geht (was sich auch im Bewerbungsverfahren für diese Stipendium ausdrückt). »Mein Grundeinkommen« ist das erste Stipendium seiner Art, welches wirklich Ernst macht mit dem Individuum: http://youtu.be/ExRs75isitw?t=1h33m25s Interessant würde es, wenn das Projekt von Michael Bohmeyer Nachahmer finden würde und sich in Deutschland irgendwann auch (namhafte) Stiftungen dazu bereit erklären würden, solche »BGE-Stipendien« – vielleicht für eine größere Anzahl von Stipendiaten und vor allem mit längerer Unterstützungsdauer (2/3 Jahre) – anzubieten. Dass könnte mithelfen, die gesellschaftliche Akzeptanz eines bedingungslosen Grundeinkommens deutlich steigern … :-)

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